Beiträge von Bolzbold

    Ich habe mehrfach versucht dem Quatsch entgegenzuwirken um wieder eine Ernsthaftigkeit in das Ganze hineinzubringen. Doch alles, was ich bisher versucht habe, ist nicht nachhaltig, zeigt also keine langfristigen Erfolge. Weder reden, noch Konsequenzen. Ich habe so das Gefühl, dass vor allem die Buben die "Peergroup" entdeckt haben und dadurch Anerkennung wollen, indem sie anderen zeigen, wie obercool sie sind. Ja, und manche in der Klasse, vllt. auch manche Mädchen hängen sich da dran.

    Vielleicht zeige ich auch zu wenig Verständnis für den Quatsch. ;)

    Eine Kollegin meinte lapidar: Die sind halt in der Vorpubertät.

    Die ausgewählten Zitate Deines Beitrags zeigen doch sehr gut, worum es geht.

    Auf der einen Seite gibt es offenbar objektiv störendes Verhalten, das sich trotz Deiner Intervention (noch) nicht in den Griff kriegen lässt.
    Auf der anderen Seite sind die Kinder offenbar in diesem Alter so drauf. Das kenne ich auch aus der vierten Klasse meines Sohnes in Bezug auf das Verhalten des bzw. hier der "Alpha-Rüden".
    Die Viertklässlerinnen hier in der Nachbarschaft reichen von chronisch albern bis vorpubertär bis extremst vorlaut und besserwisserisch.

    Im Grunde muss man mit dem Bewusstsein an die Probematik herangehen, dass die Kinder nun einmal so sind und dies eine Entwicklungsphase ist.
    Gleichzeitig muss man für sich eine klare Grenze haben, bei der schlicht und ergreifend Schluss ist und sein muss. Vielleicht muss diese Schwelle mit dem Bewusstsein und dem Verständis für die Entwicklungsphase der Kinder etwas höher angesetzt werden, um sich nicht zu sehr darüber aufzuregen und daraus eine Eskalationsspirale zu machen.

    Der Umstand, dass die Eltern ihre Kinder ähnlich wahrnehmen, sollte das einerseits belegen, gleichzeitig aber andererseits auch zeigen, dass es nicht an Dir als Lehrkraft liegt.

    Ich hatte mit meiner alten sechsten Klasse ähnliche Probleme, die aber dann zu einer Eskalationsspirale geführt haben. Mittlerweile sind die "Kleinen" in der Q1 und ich bin ihr Stufenberate - und unser Verhältnis könnte nicht besser sein. Ich habe daraus gelernt, dass man da zum einen "durch muss" und zum anderen dass ich mich über viele kleine Störungen und weniger problematisches Fehlverhalten nicht mehr aufrege und auch nicht mehr sanktioniere. Bei größeren Sachen oder permanenter Wiederholung von Fehlverhalten muss man dann ohne große Diskussion durchgreifen.
    So eine "Nacharbeit unter Aufsicht" hat doch sicherlich auch etwas, oder?

    Natürlich würde so ein System auch Druck erzeugen. Was ist daran schlecht?Solange das Arbeitspensum insgesamt während der festgelegten Arbeitszeiten leistbar ist, macht es doch Sinn diejenigen, die gute Arbeit leisten, gegenüber denen zu belohnen, die nur das absolute Minimum tun.

    Direkt der erste Teilsatz zu den Arbeitszeiten entspricht schon oft nicht der Realität von 41 Wochenstunden.
    Und wie definieren wir das Minimum? Quantität, Qualität?

    Dann müsste aber jede(r) KollegIn auch zumindest die Chance auf diese Prämien haben, was bedeutet, dass diese nicht kontingiert sein dürfen. Das wiederum müsste in einem entsprechenden Haushaltsgesetz festgehalten werden.
    Es würde mich wie gesagt nicht wundern, wenn dann ggf. ein Nachtragshaushalt verabschiedet werden müsste.

    Ich denke, es hat wenig Sinn über Leistungsprämien im ÖD in Deutschland zu sprechen, weil diese die Haushalte der Länder zusätzlich belasten würden und die Konsequenz wäre, dass die Eingangsbesoldung abgesenkt werden müsste oder aber die Prämie nur für sehr kleine Personenkreise überhaupt bestimmt wäre.

    Es gibt einen guten Grund, weshalb die konkrete Arbeitszeit der Lehrer nominell bei 41 Stunden in NRW liegt, aber viele Tätigkeiten, die wirklich zeitraubend sind, als "Normaufwand" pauschal mit der Besoldung abgegolten werden und Korrekturen mit lächerlich geringen Minutenwerten versehen werden.
    Es gibt einen guten Grund, warum Mummert & Partner in der Schublade verschwunden ist und niemand mehr darüber redet.

    Man kann die Arbeit einer Lehrkraft sicherlich bewerten, doch stellt sich dann die Frage, wie man die effektive Leistung dann konkret misst und auf der Basis welcher Kriterien man dann Prämien vergibt oder nicht.

    Und solange es immer noch genug KollegInnen gibt, denen die strahlenden Kinderaugen als Prämie reichen und damit die Preise auf dem (Leistungs)Markt verderben, lacht sich jeder Dienstherr ins Fäustchen und ist froh, dass er diesen Mehrwert kostenlos bekommt.

    Falls es jemals so etwas wie "Mehrleistungsprämien" geben sollte, werden die Messlatten dafür vom Ministerium bewusst sehr weit oben angesetzt.
    Es steht nämlich zu befürchten, dass bei den weiter oben angeführten Kriterien womöglich deutlich mehr als 50% der KollegInnen dann berechtigten Anspruch auf diese Prämien hätten. Kein Bundesland würde hier freiwillig mehr bezahlen wollen als unbedingt nötig.

    Würde man dann vorsorglich die Anzahl der KollegInnen, die maximal in den Genuss solcher Prämien kommen können, künstlich begrenzen, würde das wiederum jeglichen Leistungsanreiz zerstören.

    Der öffentliche Dienst ist so gestrickt, dass man bei Beamten vom Guten im Menschen ausgeht und die Beamten ihre Arbeit mit "voller Hingabe" erledigen. Dafür erhalten sie eine Arbeitsplatzgarantie sowie ein überdurchschnittliches und sicheres Gehalt. Vom Guten und vom Bösen (=> Minderleister) kann es jeweils zu viel oder zu wenig geben - es liegt an jedem einzelnen von uns, dafür Sorge zu tragen, dass wir uns innerhalb einer vertretbaren Bandbreite bewegen.

    Als junger Mensch kann ich mich gerade in der heutigen Zeit genauestens über die Arbeitsbedingungen im ÖD informieren. Es steht mir dann frei, ob ich mich darauf einlasse oder nicht.
    Intelligenz zeigt sich auch bei der Berufswahl.

    Wir sollten auch berücksichtigen, dass die freie Wirtschaft genau wie der öffentliche Dienst Überengagierte wie Minderleister meist stillschweigend "mitschleppt". Lediglich in den üblichen Lästereien über andere Kollegen wird dann mal Dampf abgelassen.
    Der Grund dafür ist derselbe, der weiter oben angeführt ist. Es fehlen klare Kriterien, um die eigentliche Leistung objektiv zu bewerten. Und im Grunde sind wir da genauso wie unsere Schüler. Wir sehen unsere Leistung grundsätzlich als gut bzw. besser als die von anderen an. Und solange wir gefühlt immer noch mehr leisten, als der schwächste Kollege, können wir SO schlecht gar nicht sein... :P

    Ich habe es an anderer Stelle schon geschrieben, aber wir müssen uns über eine Sache im Klaren sein:

    Wir werden künftig immer mehr Menschen in die Perspektivlosigkeit schicken - Migrationshintergrund hin oder her - weil unser Konsumverhalten und das Verhalten der globalen Konzerne dafür sorgen, dass Jobs, die vor zwanzig Jahren hier noch Geringqualifizierte erledigen konnte, in Drittweltländer ausgelagert werden, so dass die heute Geringqualifizierten auf dem deutschen Arbeitsmarkt kaum noch eine Chance haben.

    Gehen wir von einer statistischen Normalverteilung bei der Intelligenz und den Begabungen aus, werden wir ganz gleich welche Pädagogik man anwendet, nicht mit fortschreitender Technologisierung schlauer. Das heißt, wir werden immer einen gewissen Mindest"bodensatz" in der Gesellschaft haben, der nie eine Perspektive haben wird. Und die Zahl dieser Menschen wird immer weiter zunehmen, je mehr Qualifikationen die verbleibenden Jobs erfordern.

    Hm, das muss ich mal weiter durchdenken.

    Hat man denn nicht, wenn der Notendurchschnitt entscheidet, noch viel mehr Zensurenstress mit den Eltern, die dann um jeden Punkt feilschen, dir Fehler nachzuweisen versuchen, dir mit Anwalt drohen? Am Ende gibst du dann von vornherein die besseren Noten, um dir den Ärger zu ersparen?!?

    Das dürfte in einigen Fällen tatsächlich so sein - vor allem dann, wenn die Schulleitung den KollegInnen nicht den Rücken stärkt und sofort einknickt.
    Gleichzeitig erfährt man aber von gut unterrichteten Kreisen, dass selbst die Bezirksregierungen Widersprüche durchwinken, um sich vor Klagen und dem entsprechenden Arbeitsaufwand zu schützen.

    Viel nachhaltiger wirkt jedoch das grotesk anmutende Maß an Bürokratie, das jede Lehrkraft, die ein Defizit vergibt, bewältigen muss. Ich glaube, dass die akribische Dokumentationspflicht hier tatsächlich in vielen Fällen für ein "knapp ausreichend" anstelle der eigentlich völlig verdienten Fünf führt. Das Land will es so, das Land kriegt es so. Und hinterher wundert man sich.
    Wobei "man" eigentlich völlig klar zuzuordnen ist. Als Lehrer wundert man sich da schon lange nicht mehr.

    Man müsste präzisieren:
    Wenn man mal auf dem Gymnasium ist, hat man, so die Sicht der Eltern, auch den Anspruch, das Abitur zu erhalten - ganz gleich wie die Leistungen sind.
    Das scheint mir unter anderem bei osteuropäischen Zuwandererfamilien der Fall zu sein. Die wollen eine gute (Aus)Bildung für ihr Kind, sehen das Gymnasium als die beste Garantie dafür - und erwarten dann von den Lehrern, dass das dann auch klappt.

    @Valerianus

    Der eigentliche Grundsatz ist, dass die Ferien nicht ausgespart werden dürfen.
    Die Elternzeit KANN sehr wohl so kurz vor den Ferien enden, wenn einer von zwei Parametern zutrifft.
    a) Das Ende der Elternzeit geht einher mit dem Ende des Bezugszeitraums des Elterngeldes
    b) Die volle Höhe der Elternzeit wird bei Antragstellung in Anspruch genommen - also drei Jahre.

    Der Umstand, dass einige Eltern gerne die Elternzeit so legen möchten, dass sie während der Schulzeit nicht arbeiten müssen und während der Ferien dann voll mit alter Besoldung bezahlt werden, ist aus Sicht des Landes rechtsmissbräuchlich.

    Nebenbei:
    Wäre das Land so restriktiv wie Du hier suggerierst, hätte es in der Tat schon mehrere Klagen deswegen gegeben.

    Jede Form von Erziehung und Bildung ist so gesehen Indoktrination, weil die Erziehenden möchten, dass die Zöglinge die Normen und Werte der Gesellschaft und der Politik annehmen und nach ihnen Leben - wenngleich wir im Vergleich zu früheren Zeiten hier mehr Bewegungsspielraum einräumen.
    Die Schnittstelle zwischen der eigenen Einsicht in die Sinnhaftigkeit dieser Normen und Werte und damit ihrer freiwilligen Übernahme auf der einen Seite und die zum Teil durch Druck erzeugte Annahme, um nicht zum sozialen Paria zu werden, ist jedoch eine genauere Betrachtung wert.

    Der Dezernent ist mitunter tatsächlich noch einmal ein Unsicherheitsfaktor. Aber bei uns haben alle Bewerber ihre Posten bekommen.
    In der Regel bewirbt sich ja auch niemand, dem die SL bereits deutlich signalisiert hat, dass sie ihn nicht will oder der Bewerber ungeeignet ist.
    Da wir ein recht harmonisches Kollegium sind, wo es lange keine Kampfbewerbungen mehr gegeben hat, kommt es also nur darauf an, mögliche externe Bewerber zu schlagen.

    Mit der Frauenförderung bei A15 - so berechtigt das auch sein mag - hat man als Mann ohnehin schlechtere Karten.

    Diese drei Typen kenne ich auch.
    Solange aber immer "junge Wilde" nachkommen, die noch etwas werden wollen und sich quasi selbst prostituieren, machen diese jungen Wilden die Preise kaputt. Das führt dann zu Opportunismus, Duckmäuertum und Karrierismus.
    In meiner Altersgruppe ist man dann schon wieder hinreichend ernüchtert - oder war bei diesem Spiel hinreichend erfolgreich. Bei manch einem wird aus Ernüchterung irgendwann Resignation und innere Emigration.

    Das System des "Aufstiegs" im öffentlichen Dienst ist leider so eine Sache...

    Ich habe mit den Jahren lernen dürfen, dass die Schulleitung mit einigen kleineren Brocken die Leute anwirbt (Perspektive auf eventuelle (sic!) Beförderung) und so beständig die Fäden zieht und sich eine loyale Teilgruppe des Kollegiums heranzieht. Das ist insbesondere bei den A15 Aspiranten so. Das Spiel habe ich leider viel zu lange mitgespielt, bis ich es endlich selbst gemerkt habe, was da läuft. Seitdem ich ausgestiegen bin, kann ich wesentlich freier aufspielen, weil mich die Schulleitung mit nichts mehr locken kann und ich Dinge, die ich bislang freiwillig übernommen habe, auch von jetzt auf gleich wieder abgeben kann.

    Anekdote: Ich hatte mal einen Schüler (dessen Frau Lehrerin ist) der darauf bestanden hat, dass ich seine Note wg. eines von mir übersehen Fehlers verschlechtere, obwohl er insgesamt zwischen zwei Noten stand.


    Eine Frage an diejenigen mit Feilschern:
    habt ihr das Feilschen mal richtig thematisiert, also nicht nur zwischen Tür und Angel ("Och Tommy, nicht schon wieder diese Feilscherei!"), sondern mal fünf Minuten genommen und mit dem/den Betreffenden hingesetzt und in Ruhe darüber geredet?

    Mal so mal so. Wenn jemand aus Prinzip feilscht, beißt er bei mir auf Granit.
    In Ruhe reden kann ich dann, wenn der Schüler mir entsprechende nachvollziehbare Argumente liefert. Das würde aber eine vorherige intensivere Auseinandersetzung mit der Klausur erfordern, was wie gesagt 90% der Schüler in der Regel nicht tun.

    Im Frankfurter Raum kommst Du mit 300.000€ nicht weit. Eigenkapital hin oder her.
    Wir wohnen im erweiterten Speckgürtel von Düsseldorf und hier kosten Doppelhaushälften mit Keller und 300qm Grundstück locker je nach Lage 300.000 Euro.

    Um ein Gefühl für das Angebot und die Preise zu bekommen, kannst Du ja mal bei den gängigen Immobilienportalen und den lokalen Banken eine entsprechende Suchanfrage stellen.

    (Nur mal zum Vergleich: Mein Cousin ist Banker mit spezieller Zusatzausbildung und ist aus Großbritannien jetzt auch in den Frankfurter Raum gezogen. Da er nicht zu weit von der Bankenmetropole wohnen kann und will, hat er für seine Doppelhaushälfte deutlich über eine halbe Million ausgeben dürfen.)

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