Beiträge von Bolzbold

    Im GU ist meine eigene Meinung nicht von Bedeutung und ich halte mich damit weitgehend zurück, auch wenn ich sie durch meinen Tonfall oder meine Wortwahl zum Teil nur schwer verbergen kann.
    Dennoch geht es ja im GU nicht um meine Meinung sondern darum, den Schülern zu vermitteln, überhaupt erst einmal eine eigene (!) Meinung zu entwickeln und diese auch mit belastbaren Argumenten untermauern.

    Ich hatte neulich einen Schüler, der an unserem Benefiz-Tag für die Dritte Welt nicht mitarbeiten wollte, weil er der Meinung war, dass die Hälfte des Erlöses an "irgendwelche Organisationen" fließen würde, von denen dann Flüge bezahlt würden, mit denen Dritt-Welt-Bewohner nach Deutschland fliegen könnten...
    ... das strotzte nur so vor Halbwissen und Rassismus.

    Im Geschichtsunterricht werden gerne das Ideal der USA im späten 18. Jh. sowie die Errungenschaften der frz. Revolution gepriesen.
    Ich gehe damit wesentlich kritischer um.
    Wahlrecht in den USA zu Beginn nur für besitzende weiße Männer, später für weiße Männer, noch später zumindest pro forma für schwarze Männer und nach dem 1. WK für Frauen.
    Dort hat aber im Gegensatz zu Europa das Experiment (erst eingeschränkte, dann erweiterte) Demokratie funktioniert.

    Das kann man ja von Europa nach der frz. Revolution nicht gerade sagen. Der Umgang mit dem politischen Gegner verlief immer noch über die physische Eliminierung, wenn man politisch nicht weiterkam.
    Auch in Deutschland fand die Demokratie erst über einen tendenziell autoritären ersten Kanzler Adenauer in Verbindung mit wirtschaftlichem Wohlstand mehrheitlich Zustimmung. Dem ging ja die Katastrophe, dass man einen starken Mann an der Spitze hatte, dem man blind unter Aufgabe (bzw. Abgabe) jeglicher Verantwortung gefolgt war, voraus.

    Vor dem Hintergrund sollten wir mit unseren demokratischen Maßstäben in Bezug auf andere Völker oder Kulturen vorsichtig sein, da die Deutschen nicht von sich aus zur Demokratie gefunden haben. Es bedurfte jeweils einer völligen Niederlage und eines Wiederaufbaus mithilfe der Westalliierten. Auf der Basis von nicht einmal 70 Jahren "Vorsprung" kann man keine moralische Überlegenheit ableiten.


    Jaja, blabla. Es scheint in letzter Zeit bequem geworden zu sein, den Westen und seine Demokratie stark anzuzweifeln, aus einer Art merkwürdiger Selbstgefälligkeit heraus. Dann muss man nämlich keine Probleme in jenen Ländern lösen bzw. ansprechen, sondern popelt sich ein wenig demonstrativ in der eigenen Nase rum.


    Ich verbitte mir diesen herablassenden Ton.
    Deine Lesart meines Beitrags lässt darüber hinaus mehr auf Deine Geisteshaltung schließen als auf meine.

    Expliziten Dank gibt und gab es in der Tat relativ selten, auch wenn sich die Schüler beispielsweise über die Einladung zum Abiball, einer Rede, einem Geschenk und ggf. noch anderen Dingen durchaus bedanken.
    Oft sind es Ehemalige, die dann manchmal einige Jahre später erst erkennen, was sie an einem hatten. Dieser Dank ist mir dann sehr viel wert.

    Letztlich merkt man aber auch ohne Dank, ob es zwischenmenschlich passt oder eben nicht passt. Wenn es passt, braucht es auch keinen Dank, weil das positive Verhältnis mir persönlich reicht.

    Ich habe einige sehr intelligente und politisch interessierte türkischstämmige Schülerinnen, die ein ganz anderes Erdogan-Bild haben und dies auch relativ gut begründen können.
    Vielleicht sollte der Westen von seiner selbstgefälligen Arroganz ein wenig abrücken, wenn er wie selbstverständlich annimmt, dass die Demokratie jedem Volk frommt. Am Beispiel des Irak, oder Afghanistans können wir ja sehen, wie erfolgreich die jüngsten Versuche Völker mit westlichen Segnungen zu beglücken waren.

    Quer gedacht:
    Es gibt augenscheinlich Kulturen, die eine Staatsform mit einem starken Mann (oder einer starken Frau) an der Spitze als besonders erstrebenswert ansehen. Hätte ein solches Volk nicht auch das Recht, sich mehrheitlich genau für eine solche Staatsform einzusetzen, oder ist die Demokratie ein Axiom oder eine Art Naturgesetz, für deren Ablehnung man sich immer rechtfertigen muss? Letztlich ist sie wie alle anderen Staatsformen erdacht oder aus der Geschichte heraus erwachsen.

    Was tun wir mit Menschen, die nicht von der Demokratie überzeugt sind, weil deren Errungenschaften diesen Menschen persönlich keine Vorteile bringt?
    Was tun wir mit Menschen, die sich z.B. für eine Monarchie einsetzen, weil sie gerne Verantwortung an den Staat abgeben und einen starken Mann/ eine Frau an der Spitze haben wollen?
    Was tun wir, wenn eines Tages solche Ansichten politisch mehrheitsfähig sind? Unser Grundgesetz hat im Gegensatz zur Weimarer Verfassung ja einer Veränderung der Staats- und Regierungsform eigentlich ausgeschlossen.

    Jedes Grundrecht wird spätestens in Satz 2 oder 3 eines jeden Artikels eingeschränkt, sobald die Kreise des einen die Kreise des anderen berühren bzw. stören.
    Man kann nur jedem, der mit Zensurvorwürfen und (absoluter) Meinungsfreiheit ankommt, empfehlen, jeden Artikel des GG auch zu Ende zu lesen.

    Knechtwagen, bist Du eine Sockenpuppe eines gesperrten Users, oder wieso tauchst Du so plötzlich hier auf und spuckst große Töne?
    Deine Ausführungen würden nebenbei gegen die politische Zurückhaltung von Lehrern im Unterricht verstoßen.

    "Frei, gerecht und sozialistisch" haben viele Staaten schon einmal versucht. In der Form, dass eine Minderheit sich in der moralischen Überlegenheit wähnte und der Mehrheit ihr System gewaltsam übergestülpt hat.
    Wer Barbarowski/Manteuffel gelesen hat, weiß, dass sich beide totalitären Systeme ähnlicher waren, als man vielleicht auf Anhieb glauben mag, und dass sie sich beide auf ewig an der Menschheit versündigt haben.
    Alerta anticommunista ET antifaschista! - um es in Deinem Duktus zu sagen. Wehret BEIDEN Anfängen!

    §40 (2) ist auf die Gesamtschule nicht anwendbar, da hier explizit von "Hauptschule oder des Bildungsgangs Hauptschule der Sekundarschule" die Rede ist.

    Für die Gesamtschule gilt §40 (3):

    Zitat

    (3) Eine Schülerin oder ein Schüler der Gesamtschule oder Sekundarschule nach § 20 Absatz 5 oder 6 erwirbt mit der Versetzung in die
    Klasse 10 den Hauptschulabschluss, wenn die Versetzungsanforderungen der Hauptschule (§ 22 Absatz 1, § 25 Absatz 1 und 2) erfüllt
    sind.

    Das ist analog zur FOR am Gymnasium.

    Wir müssen unseren Schülern das argumentative und strategische Rüstzeug vermitteln, dass sie politische Diskussionen sachlicher und weniger anklagend führen können. Dazu gehört auch, dass wir selbst uns missliebige Meinungen nicht per se verurteilen.

    Die wichtigste Säule jeder politischen Diskussion ist, dass es zwei oder mehr Sichtweise zu einer Thematik geben kann und individuelle Schwerpunktsetzungen bezüglich der Deutung eines Missstands oder eines Problems zulassen.
    Das müssen wir vermitteln.

    UND DAS MÜSSEN WIR AKTIV LEBEN - AUCH AUSSERHALB DES UNTERRICHTS!

    Ich sehe das Problem eher in einer zunehmenden Intoleranz gegenüber politischen Meinungen und Haltungen, die nicht der eigenen entsprechen. Dabei ist es im Grunde ganz gleich, wo man selbst angesiedelt ist. Steht man zu einer anderen politischen Haltung in Relation weiter links oder rechts, kann man mit entsprechender Pauschalkritik versehen werden. Und wenn es das nicht ist, bekommt man zu hören, man wolle die Wahrheit nur nicht sehen.

    Bei mehreren Gesprächen in der Nachbarschaft habe ich eben diese Erfahrungen gemacht.

    Die vom TE beschriebenen Missstände dürften an jeder Schule mal mehr mal weniger ausgeprägt sein.
    Mich ärgern Kollegen, deren Fehler, Fehlen oder schlampige Arbeit mir selbst mehr Arbeit bereiten. Vieles lässt sich aber in einem persönlichen Gespräch klären.
    Kollegen auf fehlende Aufsichten hinzuweisen gehört jedoch nicht zu meinen Aufgaben. Das ist Aufgabe der Schulleitung. Zur Not mache ich meine Aufsicht auf dem Hof eben alleine - falls etwas passieren sollte, bin ich in jedem Fall aus dem Schneider, weil ich ja Aufsicht geführt habe.

    In vielen Fällen wissen wir auch nichts über die Gründe für Fehlen, Fehler und schlampiges Arbeiten. Daher sollte man sich mit heftigen Reaktionen lieber zurückhalten.

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