Also die Haltung gegenüber der Arbeit am Gymnasium kann ich so nicht teilen - mit Englisch und Musik kann ich da aus mehrjähriger Erfahrung sprechen.
Die Punkte 1 und 2 scheinen mir eher eine Momentaufnahme der "Schnupperzeit" am Gymnasium zu sein als wirkliche Erfahrung. Darauf eine Lebensentscheidung zu fällen halte ich für kurzsichtig.
Spontan habe ich den Eindruck, dass Du die Freiheiten, die Dir Dein Musikerdasein gelassen hat, nicht aufgeben möchtest. Gleichzeitig möchtest Du aber die finanzielle und berufliche Sicherheit Deiner Familie sicherstellen.
Der Schuldienst ist formal betrachtet repressiv und gibt klare Vorgaben, die auch erfüllt werden müssen. Ich habe dieses "repressive System" aber nicht explizit als solches empfunden sondern die vielen gestalterischen Freiheiten ausgenutzt und schätzen gelernt. Nirgendwo kann ich trotz aller Rahmenbedingungen so frei in meiner Methodik und konkreten inhaltichen Akzentsetzung arbeiten - und das in allen drei bzw. vier Fächern, die ich unterrichte.
Ich denke, dass Du in dem Dilemma zwischen Freiheit, dem Gefühl des individuellen Eingeschränktseins sowie bestimmten Ansprüchen an das Leben (Kind, ggf. Haus, Auto etc.), die aber nur durch ein gewisses Maß an Anpassung an die Erfordernisse eines Berufs erfüllbar sind, gefangen bist. Möglicherweise möchtest Du auch zu viel auf einmal.
Mit einer vollen Planstelle in der Tasche ist man nicht per se so reglementiert wie Du glaubst. Als Musilehrer stehen Dir an den Schulen auch die Leitung von Ensembles etc. offen - das ist ganz anderes Arbeiten - annähernd so, wie Du es während Deines Studiums beschrieben hast.
Mit der vollen Planstelle kann man auch die Familienplanung viel entspannter angehen, weil dann nicht alles vom Erfolg des Partners abhängt.
Natürlich muss man sich auch den Bedingungen des Schulsystems ein Stück weit unterwerfen. Das ist der Preis, den man bezahlen muss - ganz gleich an welcher Schulform man unterrichtet.
Wäre ich mit der Lebenserfahrung, die ich heute habe, in Deiner Situation, dann wäre mir wichtig, dass ich bei allen Bedürfnissen und Ansprüchen, die ich an mein Leben habe, vor allem eines mir bewahre:
Die Kontrolle über mein eigenes Leben.
Die kann man auch schnell ohne es zu merken verlieren.
Sei es ein Beruf, der einem nicht liegt.
Sei es ein Haus, das zu teuer ist und bei dem die Finanzierung die Lebensweise diktiert.
Sei es eine Partnerschaft, die nicht glücklich macht.
Sei es eine Entscheidung, die man dem Partner zuliebe trifft, die aber das eigene Leben völlig umkrempelt.