Beiträge von Bolzbold

    Die Schulleitung wird, wenn sie halbwegs souverän ist, an den hoffentlich eingerichteten Beschwerdeausschuss verweisen.
    Dieser besteht in diesem Fall bei uns aus dem Fachvorsitzenden oder, falls dieser involviert ist, dem Stellvertreter.
    Dann wird die fachliche Korrektheit der Leistungsbewertung überprüft.

    Wenn sich der Kollege bei den Punkten nicht verzählt haben sollte oder keine offensichtlichen Fehler in der Korrektur vorliegen, passiert da ganz gleich, wie sehr die Eltern auf den Putz hauen, gar nichts.

    @Schantalle

    Ich würde Karl Tims "meiner Meinung nach" nicht überbewerten und daraus Schlüsse auf Karl Tims Professionalität ziehen.
    Die eigene Meinung kann durchaus der geltenden Rechtslage entsprechen - und in diesem Fall ist das so.
    Die weiteren Empfehlungen Karl Tims sind durchaus hilfreich, so dass Karl Tims Kritik an Deinem Posting meines Erachtens durchaus berechtigt ist.

    back to topic:

    Der Aspekt mit der Nachbesserung von Noten nach Beschwerde beim Schulleiter verdient noch eine Ergänzung:

    Wir Lehrer sind in unserer Notengebung souverän, d.h. auf Anweisung des Schulleiters brauchen wir in der Regel keine Noten zu ändern, weil dazu die Rechtsgrundlage fehlt. Nur in absoluten Ausnahmefällen gibt es ein so genanntes "Selbsteintrittsrecht" der Schulleitung - etwa bei offensichtlichen fachlichen oder sachlichen Mängeln in der Leistungsbewertung. Ansonsten haben wir unseren fachlichen wie pädagogischen Freiraum.

    Ich sehe das Problem an einer anderen Stelle, für den Fall, dass das Prozedere in BaWü mit dem in NRW vergleichbar ist.
    Die Prüfungskommission bestand vermutlich nicht nur aus Mitgliedern des Reutlinger Seminars sondern auch aus Personen, die an anderen Seminaren / Schulen arbeiten.

    Das Grundproblem, das ich sehe, ist, dass Lehrbeauftragte, bei uns heißen die ja Fachleiter, mitunter eine sehr spezielle Sicht auf Unterricht haben, die mit den Erwartungen, die eine Kommission hat, nicht zwingend übereinstimmen müssen.
    Die Gruppenarbeit nach der vorgegeben Zeit abzubrechen und das als Differenzierung zu sehen, halte ich für absoluten Quatsch. Das ist doch keine Differenzierung. Die Differenzierung ist ja außerdem nicht ursprünglich von Dir intendiert gewesen, d.h. z.B. von Anfang an differenzierendes Material und Arbeitsaufträge, sondern ein eher zufälliges, meinetwegen auch oft der Unterrichtsrealität entsprechendes Ergebnis. In meinem Unterricht würde das dazu führen, dass Ergebnisse in der Regel lückenhaft, falsch oder eben gar nicht vorliegen und ich nicht weiterarbeiten kann. Die anschließende Reflexion würde im Wesentlichen gruppendynamische und motivationale Aspekte enthalten.
    Das kann man m.E. für eine Lehrprobe in die Tonne kloppen.

    Für eine Prüfungskommission im Examen muss man taktisch vorgehen, d.h. eine so universell gestaltete Stunde zeigen, die fachlich wie didaktisch gewissen Mindestanforderungen genügt und nicht zu speziell auf den Gusto eines Ausbilders zugeschnitten ist. Sonst passiert nämlich genau das, was Du geschildert hast.
    Für die Lehrbeauftragte würde ich eine Stunde genauso stricken, damit diese eine Person zufrieden ist und das Gefühl hat, sie hätte mir etwas vermittelt. Für eine ganze Kommission mit bei uns in NRW im Extremfall drei bis vier unterschiedlichen "Ideologien" und Idealvorstellungen bezüglich Unterricht wäre das jedoch examenstechnischer Selbstmord.

    An welcher Stelle steht denn was davon, dass die alteingesessenen L es so machen sollen? Hab ich was überlesen? Ich versteh grad nicht, warum sich einige die Jacke anziehen?

    Zitat

    Ich will hier wirklich niemandem zu nahe treten, aber ich habe womöglich öfter in meinem Leben erfahren dürfen, wozu Menschen wirklich im Stande sein können (im Positiven wie auch im Negativen), als die Mehrheit der "erfahrenen und alteingesessenen Lehrer". Dementsprechend kann ich schon gut abschätzen, ob es machbar ist die heutige Jugend zu motivieren und vom "Alltagszombietum" zu befreien oder nicht. Das hier viele das scheinbar nicht können, bemerke ich schon an den klischeeträchtigen Urteilen über "unsere heutige Jugend". Es tut mir wirklich Leid für euch, dass ihr das so empfindet. Man muss kein Physiker sein um zu verstehen, dass hier actio=reactio gilt und auch kein Psychologe, um zu begreifen, dass eine solche "Grundsichtweise" nicht gerade eine reactio in eine "erstrebenswerte Richtung" bewirkt.

    Ich glaube, viele von uns haben früher mehr oder weniger stark ausgeprägt so gedacht und es mal mehr oder weniger diplomatisch (oder vielleicht auch gar nicht) geäußert. Ich nehme es ihm ja gar nicht übel. Als "erfahrener und alteingesessener Lehrer" lächle ich ohne Arroganz oder sonstiger Respektlosigkeit milde darüber und denke mir, dass "die Jugend von heute" das Recht hat, ihre eigenen Vorstellungen zu haben und ihre eigenen Erfahrungen zu machen. In zehn oder fünfzehn Jahren wird sich dann rückblickend zeigen, wie viel davon nun berechtigt war oder zugetroffen hat oder eben nicht.

    Die Eltern sind gesetzlich zur Kooperation mit der Schule verpflichtet. In NRW steht das sogar im Schulgesetz explizit drin.
    Die Erziehungsmaßnahmen sind glücklicherweise nicht zustimmungspflichtig, d.h. die Eltern nehmen nur Kenntnis von der Nacharbeit. Wenn sie das nicht akzeptieren, dann muss ggf. die Lehrkraft oder die SL auf die Gesetzeslage hinweisen. Viele Eltern haben von ihren Pflichten leider nur wenig Kenntnis.

    Also ich finde Freigeistlers Beiträge haben durchaus etwas von einem Studenten, der auf der Basis seiner individuellen Erfahrungen als Schüler wie als Nachhilfe"coach" jetzt den alteingesessenen Lehrern mal zeigen möchte, wie es geht.
    Wir werden kritisiert, "immer über die heutige Jugend herzuziehen".
    Ich sehe da eher das typische Gerangel zwischen den Generationen. "Die Jugend" lästert genauso über "Die verkrusteten Lehrer" - und Freigeistlers Äußerungen belegen das ganz gut.

    Letztlich haben wir alle von unten nach oben und nach einigen Jahren von oben nach unten geschimpft. Es ist also nichts Neues sondern nur verbal scheinbar neu Verpacktes...

    El Rostro, auch wenn das mitunter der Alltag an Schulen in Deutschland sein mag, so finde ich Deine Äußerungen eines Pädagogen unwürdig. Solche Äußerungen lese ich für gewöhnlich in den rechts unterwanderten Kommentarbereichen von Focus Online, der Rheinischen Post und von mir angezeigten verbalen Ergüssen geistig eher mäßig bemittelter AfD-Sympathisanten.

    In NRW muss man in der Zeit, die über den Urlaubsanspruch hinausgeht, für dienstliche Zwecke zur Verfügung stehen. Explizit schließt da die letzte Woche von den Sommerferien ein. Da sollte man also keinen Urlaub planen.
    Es empfiehlt sich, der SL mitzuteilen, dass man in Urlaub ist mit dem freundlichen Hinweis, dass man nach dem Urlaub zur Verfügung steht.
    Die SL hat m.E. auch in Hessen keine rechtliche Handhabe einen geplanten Urlaub zu verhindern, es sei denn, es wäre wirklich zwingend. Ein "Mitarbeitergespräch" dürfte nicht dazu zählen.

    Das hatten wir vor ein paar Wochen bereits auf mehreren Seiten diskutiert, wenngleich es sich hier um ein Elterngespräch handelte.
    Letztlich ist das aber ganz gleich. Wenn Du in Urlaub bist, bist Du in Urlaub. Dann hat die SL Pech gehabt. Dennoch könnte es aber sein, dass Du dann in den ggf. verbleibenden Ferien zum Gespräch erscheinen musst. Ferien sind nicht mit Urlaub gleichzusetzen.


    Elterngespräche in den Ferien?!

    Ich halte eine Versetzung an eine HS für eher unwahrscheinlich. Die sind überwiegend im Sterben begriffen, dass von dort eher Lehrer an andere Schul(form)en abgeordnet werden als umgekehrt.
    Gesamtschule ist aber durchaus denkbar. Selber Dienst, selbes Entgelt und ggf. räumlich sogar noch günstiger gelegen. Kollegen und Schüler kann man sich leider an keine Schule vorher in Ruhe angucken oder gar aussuchen.

    Tante Google hilft.

    (Hervorhebungen der relevanten Passagen durch mich).

    Demnach ist eine Versetzung an die Gesamtschule, wenn Du laufbahngleich vesetzt wirst, auch ohne Deine Zustimmung möglich.

    Der Lebengefährte der Mutter lebt vermutlich mit Mutter und Kind unter einem Dach. Insofern sehe ich da, wenn die SL sich an das Hausverbot nicht merh erinnert und/oder es nicht durchsetzen möchte, keine Handhabe, den Stiefvater auszuladen.
    Manchmal sind solche Gespräche durchaus sinnvoll, weil die Kommunikation dann nicht über drei Ecken geführt werden muss.

    Natürlich steht es Dir frei, den Weg der Konfrontation zu gehen und die SL zu informieren bzw. das Gespräch im Beisein der SL zu führen. Ich würde hier tatsächlich "Augen zu und durch" machen.

    Formal betrachtet würde ich zwei Dinge beachten.

    a) Du musst stichhaltigere Gründe vorbringen.
    b) Die entscheidenden Stellen dürfen keine stichhaltigen Gründe für eine Ablehnung vorbringen können.

    Wenn alle Stellen den Versetzungsantrag ablehnen, hast Du schlechte Karten. Es gibt keinen Anspruch auf zeitnahe Versetzung ohne entsprechende Gründe.

    Sprüche, die sich mit "wer perfekt ist, hat keine Probleme" oder "nur derjenige hat Probleme, der nicht gut ist", zusammenfassen lassen, sind Ausdruck von Unkenntnis, Ignoranz, einem erheblichem Mangel an Empathie und einem Drang zur Erhebung über Kollegen, die durch Schule krank wurden.
    Gesundheit folgt nicht normierten, objektivierbaren und für alle gleich geltenden Regeln.
    Wer dafür anderen ins Gesicht tritt, verdient nichts anderes als Verachtung.

    Es kristallisiert sich doch letztlich das heraus, was wir alle wissen, was aber in der Öffentlichkeit aus offensichtlichen Gründen nicht so gesehen wird.

    Wir haben z.T. quantitativ ein hohes Maß an Arbeitsbelastung - hier gemessen durch die Arbeitszeit.
    Wir haben aber qualitativ auch ein hohes Maß an Arbeitsbelastung - hier geschildert durch die vielen verschiedenen Aufgaben, die am besten vorgestern schon erledigt sein soll(t)en.

    Mit anderen Jobs, die nominell 40 Stunden pro Woche an Arbeitszeit ausweisen, ist das nicht zu vergleichen.

    Das Ministerium sucht regelmäßig pädagogische Mitarbeiter. Du kannst Dich bis zu drei Jahren dorthin abordnen lassen und etwas völlig anderes machen. Vielleicht geht es Dir anschließend besser.
    Ansonsten könntest Du natürlich den Schuldienst komplett quittieren, d.h. um Entlassung aus dem Dienst bitten. Die Konsequenzen und Alternativen sind in mehreren Threads zu dem Thema hier im Forum bereits erörtert worden.
    Nutze mal die Suchfunktion.

    Alternativen zum Lehrberuf

    Neulich wollte ein Vater mal wieder stundenlang die Mathenote seiner Tochter diskutieren - 2 Punkte in einer Q1-Klausur, Leistungskurs. Der Vater, beruflich irgendein Verwaltungsfuzzi, wollte mir dann erklären, warum die Note ungerechtfertigt sei. Ohne überhaupt eine Ahnung vom Stoff oder von Mathematik generell zu haben, redete er oberlehrerhaft auf mich ein. Ich lehnte mich zurück, lächelte, dachte an meine geplante Iran-Reise und schaltete auf Durchzug. Nachdem er fertig war, erklärte ich ihm kurz und bündig, dass er nicht die Kompetenz besitze, meinen Unterricht bzw. meine Notengebung zu beurteilen und dass ich seine Tochter für den Mathe-Lk nicht geeignet halte, aufgrund vorheriger, schlechter Leistungen.
    Daraufhin meinte er, er würde einen Anwalt einschalten, woraufhin ich lachte und ihm mitteilte, dass mir schon so oft mit Anwälten gedroht wurde, dass ich aufgehört hätte, zu zählen (Da ist durchaus etwas dran).

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich diskutiere nicht mit unqualifizierten Eltern (und das sind sie praktisch immer). Und wenn sie dann noch meinen, von oben herab meinen Unterricht/meine Notengebung zu beurteilen, werde ich recht schnell sehr abweisend und kalt.
    Ich weiß, dass man mich rechtlich eh nicht belangen kann und selbst wenn, steht das Land hinter seinen Lehrern.

    Wie handhabt ihr das?
    Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen.

    ElRostro, ich empfinde dieses Posting als einen schon grotesk anmutenden Akt der Selbstdarstellung und -beweihräucherung. Frei nach dem Motto: "Den Vollpfosten von Nichtlehrern zeige ich mal, wo der Hammer hängt."
    Das hört sich für mich nicht sonderlich professionell an und wirkt darüber hinaus unnötig selbstgefällig. Ungeachtet des möglichen inakzeptablen Tonfalls des Vaters kann ein solches Verhalten mit zum negativen Persönlichkeitsprofil beitragen, das die Öffentlichkeit uns mitunter pauschal zuschreibt.

    Ich habe wie viele von uns auch Ärzte, Lehrer, Juristen, Firmeninhaber etc. als Eltern beim Elternsprechtag sitzen. Einige Gespräche sind mitunter unangenehm, aber es gibt ganz andere Methoden, verärgerten Eltern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
    Meine "Waffen" sind Manieren. Freundlichkeit, Höflichkeit sowie eine extrem geschliffene Sprache, präzise Formulierungen und Kommunikation auf Augenhöhe. Ich bin weder Dienstleister der Eltern und deren Kinder, noch sind die Eltern Bittsteller.

    Gepaart ist dies mit einem sehr gepflegten Erscheinungsbild (am Elternsprechtag gerne ein besseres Hemd und Sacko sowie Stoffhose. Hemd und Sacko trage ich ohnehin immer in der Schule.)
    Die Kompetenz, meine Notengebung oder meinen Unterricht zu bewerten, spreche ich den Eltern oder den Schülern, wenn das Gespräch so laufen sollte, ebenfalls expressis verbis ab, aber eben nicht aggressiv oder herablassend. Und süffisant lächeln oder mich über das, was mir die Eltern mitzuteilen haben, lustig zu machen käme für mich nicht in Frage.

    Ich bin damit erfolgreich, weil die Eltern sich in ihren Anliegen sachlich wie menschlich ernst genommen fühlen - auch wenn man mitunter diametral entgegengesetzte Positionen vertritt. Verhärtete Fronten oder eskalierende Konflikte hat es bei mir womöglich gerade deshalb nie gegeben. Und darauf baue ich nach wie vor.

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