In dem Moment, wo ich Kindern den Unterschied zwischen "richtig" und "falsch" beibringe und mich als Erzieher (als Vater wie als Lehrer) als Instanz einbringe, die richtiges und falsches Verhalten positiv oder negativ sanktioniert, fördere ich mittelbar auch das Urteilsvermögen der Kinder, was sich dann auch in "Petzen" äußern kann. Mit Denunziantentum hat das nicht viel zu tun. Andere auf Regeln hinzuweisen oder falsches Verhalten als solches zu bezeichnen ist kein Denunziantentum sondern Teil des Sozialverhaltens in einer Gruppe mehrerer Personen.
Noch etwas zur "Sortierfunktion" von Schulen:
Gerade die Kinder des von mir so bezeichneten Bodensatzes der Gesellschaft sind bereits, wenn sie in die Grundschule kommen, weitgehend vorsortiert. (Ich gestehe, diese Terminologie behagt mir nicht, aber sie ist hinreichend drastisch, um das auszudrücken, was ich sagen möchte.)
Im Kindergarten meiner Kinder erlebe ich das tagtäglich. Das Elternhaus des einen oder anderen Kindes hat in den vier oder fünf Jahren des Lebens dieser Kinder bereits so viel kaputt gemacht bzw. an ungewollter oder unbewusster Vorsortierung vorgenommen, dass unsere Bildungs- und Erziehungseinrichtungen dies nicht mehr kompensieren können. Da tun sich mitunter soziale Abgründe auf. Diese Kinder haben keine Chance im Leben, weil weder ihre Eltern noch sie selbst je erkennen können, was sie tun können, um sozial aufzusteigen.
Bei der "Elite" funktioniert das anders. Da sorgen die Eltern mit Macht, Wissen und Geld dafür, dass Elite eben Elite bleibt. (Das Buch "Gestatten Elite" beschreibt das par excellence.)