Ich sehe das Problem an einer anderen Stelle, für den Fall, dass das Prozedere in BaWü mit dem in NRW vergleichbar ist.
Die Prüfungskommission bestand vermutlich nicht nur aus Mitgliedern des Reutlinger Seminars sondern auch aus Personen, die an anderen Seminaren / Schulen arbeiten.
Das Grundproblem, das ich sehe, ist, dass Lehrbeauftragte, bei uns heißen die ja Fachleiter, mitunter eine sehr spezielle Sicht auf Unterricht haben, die mit den Erwartungen, die eine Kommission hat, nicht zwingend übereinstimmen müssen.
Die Gruppenarbeit nach der vorgegeben Zeit abzubrechen und das als Differenzierung zu sehen, halte ich für absoluten Quatsch. Das ist doch keine Differenzierung. Die Differenzierung ist ja außerdem nicht ursprünglich von Dir intendiert gewesen, d.h. z.B. von Anfang an differenzierendes Material und Arbeitsaufträge, sondern ein eher zufälliges, meinetwegen auch oft der Unterrichtsrealität entsprechendes Ergebnis. In meinem Unterricht würde das dazu führen, dass Ergebnisse in der Regel lückenhaft, falsch oder eben gar nicht vorliegen und ich nicht weiterarbeiten kann. Die anschließende Reflexion würde im Wesentlichen gruppendynamische und motivationale Aspekte enthalten.
Das kann man m.E. für eine Lehrprobe in die Tonne kloppen.
Für eine Prüfungskommission im Examen muss man taktisch vorgehen, d.h. eine so universell gestaltete Stunde zeigen, die fachlich wie didaktisch gewissen Mindestanforderungen genügt und nicht zu speziell auf den Gusto eines Ausbilders zugeschnitten ist. Sonst passiert nämlich genau das, was Du geschildert hast.
Für die Lehrbeauftragte würde ich eine Stunde genauso stricken, damit diese eine Person zufrieden ist und das Gefühl hat, sie hätte mir etwas vermittelt. Für eine ganze Kommission mit bei uns in NRW im Extremfall drei bis vier unterschiedlichen "Ideologien" und Idealvorstellungen bezüglich Unterricht wäre das jedoch examenstechnischer Selbstmord.