Ist aber auch komisch, dass die ältere Generation von LehrerInnen das viel besser im Griff hatte, geehrte Stille Mitleserin ! Die schütteln über die junge LehrerInnenelterngeneration den Kopf, dass sie lieber auf Kosten der Allgemeinheit selbst zu wenig Initiative zeigen. Gerade die älteren LehrerInnen sind, neben den Singles, diejenigen die dadurch zusätzlich benachteiligt werden.
Dann sollten wir uns einmal überlegen, woran das lag.
Die "ältere Generation von LehrerInnen" ist bei zwei und mehr Kindern deutlich länger zu Hause geblieben - das höre ich zumindest von einem Großteil der Kolleginnen, die mittlerweile erwachsene Kinder haben.
Der wohl gravierendste Unterschied zu "damals" ist, dass heute an den meisten weiterführenden Schulen Nachmittagsunterricht Standard ist. Die Mär vom gutbezahlten Halbtagsjobber, der nachmittags Golf spielt oder seinen Dachboden ausbaut, kommt aber aus der Zeit der "älteren Generation", wo die meisten Lehrer wirklich um 14 Uhr zu Hause waren und damit das tägliche Ende der Kinderbetreuungsnotwendigkeit relativ fest war.
Kindergärten, die damals um 7 Uhr oder 7.30 Uhr aufmachten und bis 14 Uhr oder so gingen, gab es damals auch schon.
Die größere räumliche und zeitliche Mobilität und Flexibilität, die heute von uns Lehrern erwartet wird, macht die Situation objektiv schwieriger als damals.
Meine Eltern waren beide, als mein jüngerer Bruder in die Schule kam, voll berufstätig. Damals waren "Kinderfrauen" - in Uni-Städten oft Studentinnen, die für 500,- DM oder so fünf Tage die Woche für jeweils vier Stunden auf uns aufgepasst haben, ein probates Mittel, um die Betreuung außerhalb von Schul- oder Kindergartenzeiten sicherzustellen. Das ist heute privat fast nicht mehr bezahlbar. Wir müssten als Beamte außerdem Kinderfrauen anmelden, was die Kosten zusätzlich erhöht.
Es ist richtig, dass die jüngere LehrerInnengeneration hier andere Ansprüche, höhere Ansprüche stellt. Das tut sie aber in meinen Augen völlig zu Recht, weil die Rahmenbedingungen objektiv schlechter geworden sind und man als Teilzeitkraft nun einmal auf zwei Hochzeiten tanzt und man hier auch ein wenig Unterstützung erwarten darf. Dafür gibt es ja auch die entsprechenden Teilzeiterlasse und den Grundsatz der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.