Ich habe die Erfahrung gemacht, dass solche Briefe bei Eltern nicht so gut ankommen.
Das liegt daran, dass vor allem die Eltern der Kinder, die sich benehmen können, hier Kritik über die Kinder allgemein lesen müssen, mit der sie sich zu Recht aber nicht identifizieren und angesprochen fühlen müssen.
Einige Eltern der Kinder, die es betrifft, werden als "Reflex" natürlich die Ursachen für das Fehlverhalten bei der Lehrerin suchen. In den Kommentaren ist ja auch zu lesen, dass der Ort der Exkursion möglicherweise nicht passend war. Darüber hinaus mag die pauschale Kritik in der Gänze auch nur auf wenige Kinder zutreffen, auf viele andere jedoch nur zum Teil oder gar nicht.
Die Kritik der Kollegin mag berechtigt und angemessen sein - die Vorgehensweise jedoch dürfte eher das Gegenteil des gewünschten Effekts bewirken, weil die wenigsten Eltern bei offizieller Kritik - und der Schulleiter hat den Brief ja mit unterschrieben - sich aufrichtig betroffen fühlen. Ich habe den Eindruck, als würde hier medienwirksam Öl ins Feuer gegossen und eine eigentlich lokale Erziehungsdebatte in die Öffentlichkeit getragen, die dort in der Form nun einmal schlichtweg nicht hingehört.
Wir kennen alle das berühmte Zitat von Sokrates mit der Jugend von heute. Dieser Logik zufolge hätte die Menschheit ja schon längst untergegangen sein müssen.
Das soll uns keinesfalls das Recht auf Kritik absprechen. Dennoch bin ich aus eigener eher leidvoller Erfahrung mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass man solche Dinge - und sei es noch so ein kollektives Fehlverhalten einer Klasse - intern besprechen sollte; und das vorzugsweise mit denjenigen Eltern, die es wirklich betrifft.
Gruß
Bolzbold