1. Pro Semester werden in jedem Bundesland 1000e von Studienanfängern für Fächer zugelassen, für die es nach dem Staatsexamen keine Verwendung gibt. Und ich rede hier nicht von Sinologie, sondern vom Lehramtsstudium. Es wäre ein Leichtes für den Staat, diesen Zugang zu regulieren. Warum ich von meiner Regierung eine sinnvolle Planung von Lehrerstellen erwarte? Weil ich mich nicht damit abgebe zu sagen: Ach Politiker sind doch eh alle hohl und denken nur an ihre Diäten.
Isoliert betrachtet ist das richtig.
Was wäre die Alternative?
Ein knackiger NC auf Lehramtsstudiengänge, die langfristig ohne Perspektiven sind:
Was wäre die Konsequenz:
Ein Aufschrei unter den Studenten, weil sie sich in ihrer Berufswahl eingeschränkt fühlen.
Andere Studiengänge wären entsprechend ebenso überlaufen, weil die "Abgelehnten" ja irgendetwas anderes machen müssen.
Mit Studium und Ref. haben die Leute, die keine Lehrerstelle bekommen, immerhin eine Chance, auf dem Arbeitsmarkt anderswo unterzukommen.
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2. Nicht genung damit, dass ein großer Teil der Referendare nach dem 2. Staatsexamen keinen Job bekommt - nein, sie müssen auch noch von Hartz IV leben. Und wer einmal von hartz IV gelebt hat, der weiß, dass das kein Zuckerschlecken ist. Ich habe nur ein knappes halbes Jahr "gehartzt" und war schockiert darüber, wie ich behandelt wurde. Ich will gar nicht von einzelnen Sachbearbeitern reden, das war sehr unterschiedlich. Nein, das Schlimme war, dass mir von vornherein unterstellt wurde, ich würde die doch sowieso bescheißen wollen. Gegen fast jeden Bescheid habe ich Widerspruch eingelegt. Und jedes Mal Recht bekommen, denn - und damit hatte das Jobcenter nicht gerechnet - ich bin in der Lage, mich über meine Rechte zu informieren und konnte das auch mit entsprechendem Paragraphen belegene.
Das ist kein Automatismus. Es hat etwas ungemein Populistisches, wenn man dies dennoch als solches ansieht.
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Natürlich bemühe ich mich um andere Jobs, werde mich ggf. nach- und weiterbilden etc. Ich versinke auch nicht in Selbstmitleid. Es geht gar nicht um mich persönlich, sondern um den oben beschriebenen Missstand, für den m. E. allein der Staat die Verantwortung trägt UND für die er - bzw. der Steuerzahler - die Kosten übernehmen muss.
Es ist ein altbekanntes Problem, dass sofort nach dem Staat gerufen wird, wenn der eigene Lebensentwurf scheitert. Der Staat hätte sich hier gar nicht "korrekt" verhalten können, weil er an irgendeinem Punkt so oder so eine Schranke hätte errichten müssen. Immerhin hätten die Politiker dann eine Wahl gehabt, wann und von wem sie sich kritisieren lassen. Seien es die Abiturienten, die Studenten oder die arbeitslosen fertig ausgebildeten Lehrer. Letztere dürften zahlenmäßig die wenigsten sein....
Gruß
Bolzbold