Was mir hier noch auffällt, ist, dass hier mehrmals aus der Sicht eines Erwachsenen auf die Gefühle von Kindern geschlossen wird und daraus dann die entsprechende Haltung zu dem Thema abgeleitet wird.
Das finde ich schwierig, vor allem dann wenn ich mich nicht auf konkrete Erfahrungen stützen könnte.
Ich wüsste ad hoc weder, ob Grundschulkinder es als "grausam" empfänden, wenn die (noch nicht) heißgeliebte Klassenlehrerin zur Einschulung ihres Kindes geht und entsprechend fehlt.
Ebenso wenig kann ich mit letzter Sicherheit beurteilen, ob mein eigenes Kind darunter leiden würde, wenn ich nicht zu seiner Einschulung kommen könnte.
Vielleicht sollten wir diese Interpretationshoheit über die Gefühle von Kindern, sowie die Projektionen eigener Gefühle auf Kinder einmal außen vor lassen.
Ich denke, es ist unstrittig, dass Eltern - gleich welchen Berufs - gerne bei der Einschulung ihres Kindes dabei wären, weil es ein besonderer Moment für das Kind ist und ebenso ein besonderer Moment für uns, weil uns das wenigstens zehn, wenn nicht zwölf oder gar mehr Jahre begleiten wird. Hier wird eine zentrale Phase des Lebens eingeläutet, bei der man sicherlich nicht gerne außen vor bleibt.
Wenn nun zwei Termine bzw. zwei Verpflichtungen aus zwei Bereichen kollidieren, wird man zwangsläufig eine Seite enttäuschen müssen, sofern man nicht zeitlich oder organisatorisch irgendeinen Kompromiss zustande bringt.
Dienstrechtlich gesehen ist eine Freistellung bzw. Sonderurlaub für die Einschulung auf der Basis der von alem geschilderten Konstellation schwierig - ohne Verständnis der Schulleitung geht da nichts.
Familiär dürfte ein Fernbleiben der Einschulung ebenso schwierig werden - auf Verständnis, dass der Job in die Quere kommt, darf man hoffen, doch kann man nicht drauf zählen.
Wenn ich nun versuche, sowohl an mein eigenes Kind als auch an meine Schüler zu denken, dann ist für mich die einzige halbwegs moralisch, aber dafür rechtlich korrekte Variante, dass ich selbst der Einschulung fern bleibe, aber dafür entsprechend viel "Anhang" organisiere, so dass mein Kind nicht das Gefühl hat, alleine zu sein.
Ich denke schon, dass ich das meinem Kind vermitteln könnte und dass ich ihm das Gefühl geben könnte, dennoch in Gedanken bei ihm zu sein.
Ein Blaumachen käme für mich nicht in Frage, weil je nach Schulleitung das ganz übel nach hinten losgehen könnte. OK, es gäbe wohl "nur" einen Rüffel und ggf. einen Tag Besoldungskürzung, aber das Vertrauen seitens der Schulleitung wäre wohl weg.
Gruß
Bolzbold