Beiträge von Bolzbold

    Heute im Zentralabitur:

    Eine Schülerin will wissen, was ein bestimmter idiomatischer Ausdruck bedeutet, weil sie das angeblich nicht im Dictionary fände.

    1. Der Begriff wurde in den Fußnoten des Textes erläutert!

    2. Unter dem Stichwort eines Wortteils im einsprachigen Wörterbuch wurde auf das Idiom verwiesen.

    Die Schülerin war weiß Gott nicht zu blöd. Aber sie kam nicht auf die Idee, den Begriff systematisch nachzuschlagen. Selbst wenn der Begriff nicht im Klausurtext schon erläutert worden wäre, hätte sie die Möglichkeit gehabt, das nachzuschlagen.

    Das bestätigt mich in der Annahme, dass ein Wörterbuch immer nur so gut ist wie derjenige, der es verwendet bzw. die Vorteile desselben zu nutzen weiß.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Original von Hamilkar

    Für die Lehrprobe dachte ich, dass ich erstmal mit einem Kugellager (Doppelkreis, oder wie auch immer ihr das nennen möchtet) beginne und einzelne Sequenzen nacherzählen lasse.

    Ist das der Einstieg in die Stunde oder die Erarbeitungsphase? Mir wird nicht ganz klar, wozu diese Phase dienen soll.

    Zitat


    Anschließend sollen die Schüler in Gruppenarbeit die Charaktere charakterisieren, und schließlich präsentieren.

    Tiefgang und entsprechend fundierte Ergebnisse bekommst Du, wenn die Kriterien einer Charakterisierung vorher entsprechend den Schülern bekannt sind und sie anhand dieser Kriterien (Vorstellen des Charakters, direkte und indirekte Charakterisierung, Konflikte etc.) mit dem gewünschten Tiefgang arbeiten.

    Zitat


    Meine Fragen aber sind:
    1. Irgendwie frage ich mich, ob das intellektuell auch fordernd genug ist für eine Vorzeigestunde. Habt ihr noch Ideen, wie man da mehr Tiefgang reinbekommt, z.B. gute Fragen / Arbeitsaufträge?
    2. Habt ihr Ideen, wie man bei den Präsentationen der Charaktere auch die zuhörenden Schüler mit einbeziehen kann, statt einfach nur die Frage zu stellen: "Hat noch einer von euch etwas hinzuzufügen?"

    Die Charakterisierung sollte natürlich nicht "isoliert" erfolgen. Schön wäre ein Anschluss mit der Frage, wie der jeweilige Charakter bei den SuS ankommt. Alternativ (oder auch zusätzlich) wäre ein Feedback zur Charakterisierung anderer SuS denkbar.

    Was die Präsentationsform angeht, so wäre eine arbeitsteilige Gruppenarbeit mit individueller "Sonderaufgabe" im Rahmen des kooperativen Lernens sinnvoll. (Zeitmanager, Sprachenwächter, Präsentator...)

    Wenn Du die Charakterisierungen nicht schlicht vorlesen lässt sondern auf Din A2 Plakate schreiben lässt, sie an die Tafel pinnen lässt und ggf. bei zwei Gruppen pro Charakter auch noch Unterschiede oder andere Schwerpunktsetzungen hast, müssen die anderen Schüler eben nicht nur zuhören, sondern können sich die anderen Charakterisierungen erst einmal ansehen und dann ggf. noch Fragen stellen und später ein Feedback geben.

    Ein Feedback im Rahmen eines Gesprächs zwischen den Teilnehmern verschiedener Gruppen würde dann noch viele Schüler gleichzeitig aktivieren und einen zusätzlichen Sprechanlass bieten.

    Soviel zu meinen spontanen Ideen.

    Gruß
    Bolzbold

    putzmunter

    Ich stand dem bislang auch mehr als skeptisch gegenüber.

    Die Erfahrung zeigt aber, dass nur sehr wenige Schüler dazu in der Lage sind, die tatsächlichen Hilfen, die das Wörterbuch anbietet, auch sinnvoll und zu ihrem Vorteil zu nutzen.

    Eine comprehension oder analysis Aufgabe wird man selbst bei "perfekter" Anwendung des Wörterbuchs allenfalls methodisch verbessern können - das Verstehen des Textes und das Finden von Stilmitteln, sowie die Deutung derselben bleibt aber eine unbestreitbare Eigenleistung.

    Ich habe sogar den Eindruck, dass die lexikalischen Fehler selbst bei Nutzung des Wörterbuchs nicht signifikant zurückgegangen sind - das liegt zum Teil daran, dass die Schüler oft die erste Bedeutung bzw. Übersetzung eines Wortes verwenden und sich nicht über den Advanced Learner's rückversichern.

    Fazit:
    Ein echter Vorteil aus der Verwendung der Wörterbücher würde sich nur nach entsprechender Vorbereitung und Einarbeitung in die entsprechend sinnvolle Verwendung derselben ergeben. Das macht kein Schüler spontan oder gar berechnend erstmals im Abitur. Und wenn ein Schüler diese "Lernleistung" vor dem Abitur erbracht hat, sehe ich kein Problem darin, ihn diesen Vorteil daraus ziehen zu lassen.

    Gruß
    Bolzbold

    Das riecht mir auch stark nach einem kindischen Versuch der Diskreditierung der Lehrkraft mangels eigener überzeugender (Leistungs-)Argumente im Unterricht.

    Das Verhalten der Lehrkraft - zumindest anhand der erwähnten Beispiele - sehe ich in keinem Zusammenhang mit der Note, über die sich der Schüler beschwert.

    Gruß
    Bolzbold

    Magister

    Was das "Rausschmeißen" angeht, so hätten wir dann aber mit anderen Gründen, aus denen die Schüler den Klassenraum verlassen, auch ein Problem.

    Was wäre zum Beispiel mit den Toilettengängen der Schüler während der Unterrichtszeit?
    Die müsste ich dann ja so gesehen verbieten, denn aus dem Fenster springen kann ein Schüler immer.

    Was wäre mit dem Kreideholen oder anderen Aufgaben? So gesehen dürfte man die als Lehrer dann auch nicht mehr vergeben.

    Wenn ich einem Schüler eine klare Anweisung gebe, von der ich erwarte, dass sie auch ausgeführt wird, dann kann es an sich nicht in meiner Verantwortung liegen, wenn der Schüler dieser Anweisung nicht Folge leistet.

    Wäre dem nicht so, dürfte ich künftig keine Schüler mehr aufs Klo gehen lassen. Unabhängig von der schulspezifischen Regelung, die sich nach meiner Wahrnehmung weniger an der Gesetzeslage als an dem Maß an "Disziplin" orientiert, kann das ja wohl nicht Sinn der Sache sein, oder?

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Original von klöni
    Hallo zusammen,

    gibt es hier Leute, die in ihrem BL bereits den Doppeljahrgang durch's Abi gebracht haben?

    Ich sitze gerade an den Zweitkorrekturen eines solchen und frage mich, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass unzufriedene Gy8-Eltern versuchen werden, klagenderweise die erzielten Noten ihrer Sprösslinge zu verbessern?

    Ist das schon jemandem passiert?

    lg klöni

    Das können die Eltern gerne versuchen. Allerdings sind sie dann in der Beweispflicht. Sie müssten also entweder nachweisen, dass die Korrektur nicht sachlich korrekt und die Notenfindung nicht gemäß der Prüfungsordnung erfolgt ist, oder aber sie müssten nachweisen können, dass die Inhalte bzw. Themen der Abiturklausur nicht im Unterricht zuvor behandelt wurden.

    Da würde ich mir keine Sorgen machen.

    In NRW gehe ich davon aus, dass wir in drei Jahren das leichteste Abitur in der Geschichte desselben erleben werden, nicht zuletzt damit die völlig vermurkste Reform sich im Nachhinein selbst legitimiert.

    Gruß
    Bolzbold

    Ummon

    Genau das Schwanken zwischen zwei Noten wird ja mit den Punkten so gesehen dann vermieden, wenn man nach dem Abhaken nüchtern zusammenzählt. Natürlich bleibt da noch der persönliche Eindruck. Bei einem Punkt, der für die entsprechend bessere Note fehlt, denke ich als EK oder bei Arbeiten außerhalb des Abiturs schon noch einmal darüber nach.

    Durch das arithmetische Mittel der Punktwerte von EK und ZK im Abitur schwanke ich da nicht mehr so, weil es SEHR selten vorkommt, dass der EK beispielsweise 70 Punkte gibt (in Geschichte wäre das dann eine 2-) und der ZK 69 Punkte (entsprechend 3+).
    Da dann trotzdem gemäß Erlass aufgerundet wird, muss man sich darüber an sich keine Gedanken mehr machen.

    Ich bin mal gespannt, welche Erfahrungen Du da machen wirst. Berichte doch mal, wenn es soweit ist. Auf mich kommen diesmal 1/2 Kursstärke E-LK Zweitkorrekturen zu.

    Gruß
    Bolzbold

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    Original von Ummon
    Mitdenken ist da m.E. der falsche Begriff, solch eine Beeinflussung geschieht ja nebenher, unbewusst, ob man mitdenkt oder nicht.
    Wenn ich sehe, dass der EK der Arbeit 15 Punkte gegeben hat, wird das auf jeden Fall einen Einfluss auf mich haben, auch wenn ich mich dagegen wehre (eventuell sogar gerade dann).

    Und dann mit Note abdecken usw. arbeiten stelle ich mir in der Praxis als schwer durchführbar vor.

    Aber da erzähle ich dir/euch ja sicher nichts Neues...

    Das ist richtig.

    Allerdings gibt es ja alleine in den Sprachen locker zwischen 30 und 40 Einzelkriterien je nach Erwartungshorizont, die dann zu bepunkten sind. Natürlich mag die 1+ dann im Kopf mitschwingen, jedoch gibt man ja für jedes einzelne Kriterium Punkte und zumindest ich denke während des Korrigierens nicht darüber nach, was dann am Ende bei rauskommt. Manchmal bin ich selbst überrascht, wenn eine Punktergebnis meinem Gesamteindruck nicht entspricht, dann gehe ich die Klausur noch einmal durch und prüfe das (bzw. mich selbst).

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Original von neleabels

    Wird passieren...

    Nele

    Davon gehe ich auch stark aus.

    Wir sind jetzt schon bei 67. In den nächsten für mich 31 Jahren wird es mit Sicherheit noch eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit geben.

    Es dürfte auch einleuchten, dass wenn man überspitzt gerechnet 30 Jahre Leistung in Anspruch nimmt, um auf den Arbeitsmarkt zu kommen, und dann 30 Jahre arbeitet, um dann danach noch einmal weitere 30 Jahre Pension oder Rente zu beziehen, das irgendwie nicht bezahlbar ist. Es sei denn, die Generation(en) der mittleren 30er Gruppe zahlt für die Kinder UND für die Rentner gleichzeitig - nun gut, das tut sie ja jetzt schon im Grunde - und es haut nicht hin.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Original von Susannea
    Je nachdem wie lange du sonst gearbeitet hast steht dir ALGI zu.
    Aber du hättest dich bis 2.4. arbeitslos melden müssen.

    Mein Vertrag endet zum 7.7. ich habe mich nicht arbeitslos gemeldet, denn ich hoffe einfach auf eine neue Stelle nach den Ferien und auf die nachträgliche Bezahlung der Ferien somit. In den Ferien arbeitslos gemeldet sein mag ich nicht, weil ich da wirklich verreisen will und weil ich keine Lust auf den Papierberg habe.

    Wenn Du bis dato in der GVK warst, musst Du Dich für die Zeit der Erwerbslosigkeit aber freiwillig versichern. Wenn Du dann eine Planstelle mit Beamtenstatus bekommst, hast Du eine dreimonatige Kündigungsfrist, d.h. Du zahlst bei einem A13-Gehalt ca. 3x500 Euro in die GKV und damit den doppelten Betrag im Vergleich zum PKVler, weil Letzterer ja einen Beihilfeanspruch hat.

    Im Nachhinein hätte ich mich lieber für die sechs Wochen arbeitslos gemeldet und wäre dann automatisch versichert gewesen.

    Gruß
    Bolzbold

    Nun ja, in NRW geht es ja nicht um gute Leistung sondern um gute Außendarstellung.

    Wie eine neutrale Bewertung angesichts der Bewertungsbögen des EK vorgenommen werden soll, ist mir auch schleierhaft.

    Entweder ist NRW da gedankenlos, oder man traut uns Lehrern ein gewisses Maß an Mitdenken zu.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Original von Ummon

    Woher weißt du das? (Ernsthafte Frage - ich habe das noch nie gemacht)

    Wie nele noch einmal präzisiert hat und wie ich ursprünglich dargelegt habe:

    Wir können die Ergebnisse des EKs einsehen, da wir denselben Bewertungsbogen verwenden.

    Natürlich kommt es beim Sortieren vor, dass man die Endnote sieht, aber die Punktevergabe im Einzelnen interessiert mich während der ZK nicht. Ich will das möglichst neutral machen.
    Natürlich wird einem das mitunter dann trotzdem dadurch noch erschwert, dass es je nach EK Klausuren gibt, die quasi gar keine Randbemerkungen (außer den sprachlichen oder ggf. sachlichen Fehlern) haben und solche, die voller Randbemerkungen sind - alle nicht gesetzten Konjunktive angestrichen inklusive.

    Gruß
    Bolzbold

    Hallo Klöni,

    sollte das nicht so sein? In welchem Bundesland bist Du nochmal?

    Da bei uns die Klausurbögen gestempelt sind und der Name der Schüler natürlich drauf steht, lässt es sich nicht vermeiden, dass man Namen der Schüler, sowie die Schule kennt. Beim Bewertungsbogen, wenn Du in der Spalte neben dem EK als ZK bewertest, muss der Name des Schülers dabei sein, sonst könnte man das doch nicht zuordnen.

    Ich nehme für die ZK aber immer Blankobewertungsbögen und schaue mir die Bögen der EKs gar nicht erst an, um möglichst unvoreingenommen zu sein. In der Regel komme ich dann auch auf recht ähnliche Ergebnisse.

    Gruß
    Bolzbold

    Ich hatte das Doppelposting von heute zuerst gelesen und direkt an einen Aprilscherz gedacht.
    Scheint aber leider nicht so zu sein.

    Evaluieren kannst Du ein Konzept [sic!] zur Einführung eines Kinderparlaments natürlich nur im Hinblick auf seine Rezeption durch die Schule und das Umfeld.
    Und natürlich kannst Du da schlecht zu dem Ergebnis kommen, dass es keinen Sinn machen würde, weil Du dann Deine Arbeit ad absurdum führen würdest.

    Mal eine andere Frage:

    Wenn Du selbst nicht weißt, welches Ziel Du hast und es auch nicht sinnvoll begründen kannst, wieso hast Du Dich dann ausgerechnet für ein solches Thema entschieden?
    Die Themenfindung steht doch normalerweise am Ende eines entsprechenden vorherigen Denkprozesses, oder etwa nicht?

    Den roten Faden hast Du doch durch Steffen bekommen.

    Und jetzt solltest Du selbst ein paar Überlegungen anstellen und ein wenig mitarbeiten.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Original von Mia
    Ich verstehe jetzt ehrlich gesagt nicht, worauf du hinaus willst und finde auch gerade nicht so recht den roten Faden in deinem Posting, Bolzbold.

    Ist es denn wichtig, ob meine Mutter das Gefühl hat, dass man ihr etwas verbaut hat? Ist es wichtig, ob sie wirklich einen alternativen Weg gegangen wäre, wenn sie die Wahl gehabt hätte?

    Nun ja, wenn man anhand Deines ursprünglichen Postings sein eigenes Leben und das seiner Familie reflektiert, geht ein Gedankenkarussell los, was den von Dir vermissten roten Faden bedingt.

    Ich probiere mal auf der Basis Deiner Antwort etwas roten Faden reinzukriegen.

    Um auf die ersten beiden Fragen zu antworten:
    Es ging mir nicht primär darum, ob es wichtig ist, sondern rein interessehalber nur darum ob Deine Mutter das Gefühl hatte, dass man ihr etwas verbaut hat.
    Es ist natürlich auch eine Frage des Blickwinkels. Gerade in der heutigen Gesellschaft wird ja sehr schnell mit der moralischen Keule geschwungen, wenn es darum geht, man könnte seinen (oder anderen) Kindern etwas verbauen.
    Ich weiß nicht, ob man das früher genauso gesehen hat. Möglicherweise ist man aufgrund der Medienpräsenz dieses Themas da auch sensibler als früher.

    Zitat


    Findest du es denn erfreulich, wenn jemand einem Kind nur diesen Lebensweg bieten kann? Ist es erfreulich, wenn man nicht die Wahl hat, wie man seinem Kind die Kindheit gestaltet? Ist es erfreulich, wenn man weiß, dass es schlimmer hätte sein können?

    Ich nehme an, diese Fragen sind rhetorischer Natur. Es ist natürlich nicht erfreulich, aber wir wissen wohl beide, dass sich das, so lapidar es klingt, Leben nennt.

    Zitat


    Ich bin ehrlich überrascht, dass dich das nachdenklich stimmt, dass mich sowas traurig macht. Und glaubst du denn, meine Großmutter war froh darüber?

    Ich war nicht nachdenklich wegen des Umstands, dass Dich so etwas traurig macht, sondern wegen des Themas an sich. Gerade als junge Eltern befasst man sich ja auch mit diesem Thema und ist ja in der Zwischenrolle von Eltern auf der einen Seite und Kind auf der anderen Seite, weil man ja selbst auch in der Regel noch Eltern hat. Man steht also gewissermaßen "auf der Theke" und kann beide Seiten (die Rolle des Kindes und die Rolle der Eltern) betrachten.

    Nein, Deine Großmutter war sicherlich nicht froh darüber.
    Meine Großmutter (Jahrgang 1919) gehört zu einer Generation, die um ihre Jugend betrogen wurde, wenig Alternativen im Leben hatte und heute auf ein Leben zurückblickt in der Ambivalenz des Wunsches, es hätte doch an der einen oder anderen Station anders laufen sollen und der Feststellung, dass es so wie es jetzt ist nun eben auch nicht mehr zu ändern ist und man sich nicht für die verbleibenden paar Jahre dessen grämen soll.

    Zitat


    Davon abgesehen geht es hier nun gar nicht um meine persönliche Familiengeschichte, die ich hier in diesem Forum nun wirklich nicht noch ausführlicher und differenzierter darstellen möchte. Es ging mir nur darum aufzuzeigen, wie es wohl in den meisten Fällen ausgesehen haben mag, wenn Frauen ohne jegliche staatliche und familiäre Unterstützung Beruf und Familie unter einen Hut kriegen mussten.

    Ja, und auch aus meiner Familie gibt es da einige Beispiele mit weniger rühmlichen Episoden.

    Zitat


    Und mein Posting bezog sich selbstverständlich auf das Beispiel von rittersport, der ja die Frauen der Nachkriegszeit als Paradebeispiel anführte, wie man problemlos Kinder und Karriere vereinbaren kann. Es mag die ein oder andere Superfrau gegeben haben, der das besser gelungen sein mag als meiner Großmutter. Aber es ist naiv zu denken, dass es eine ganze Generation besser hinbekommen hat als wir jetzt. Und nicht nur deswegen halte ich es für mehr als vermessen zu behaupten, dass Frauen, die vom Staat Unterstützung einfordern, damit lediglich den Wunsch äußern ihre eigenen Unzulänglichkeiten kompensiert zu bekommen.

    Der Vergleich ist Mist, keine Frage.
    Wie viele "Karrierefrauen" nach heutigen Maßstäben hat es denn in den 50er Jahren gegeben? Da galt ja noch der Gesetzesparagraph, dass eine Frau ohne die Erlaubnis des Mannes nicht arbeiten gehen durfte. Und die Rollenverteilung war damals auch noch quasi gesetzlich festgelegt.

    Das meinte ich ja mit der Neiddebatte, die sich eben auch um die heutigen Möglichkeiten im Vergleich zu den damaligen Möglichkeiten und der "Unverschämtheit der Teilzeitmamis" dreht.

    Zitat


    Glücklicherweise haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen heute verbessert, aber gerade deswegen sollte man nicht behaupten, dass es früher doch auch gegangen wäre und dass frau ja mal bitteschön zufrieden damit sein solle, wie es jetzt ist!
    Und natürlich ging es früher und geht es auch heute immer irgendwie. Das streitet sicher keiner ab. Aber es geht ja nun nicht darum, dass es "irgendwie" geht oder? Es ist ja wohl völlig klar, dass dies immer auf Kosten der Kinder geht und auch wenn sich frau dann zwangsläufig mit der Situation arrangiert, heißt das nicht, dass diese zufriedenstellend ist.

    Das ist die alte Feststellung, dass Verbesserungen irgendwann nicht mehr als ausschließlich positive Errungenschaften gepriesen werden sondern eben zum Alltag gehören, also sich sozusagen etablieren. Und damit verändert sich auch das Anspruchsdenken der nächsten Generationen, die mit der Verbesserung aufwachsen. Es kommt dann die Forderung nach weiteren Verbesserungen auf.

    Und es ist evident, dass es früher auch (ohne) ging bzw. korrekterweise formuliert wohl gehen musste. Ohne einen damals bereits vorhandenen Wunsch nach Verbesserungen oder Veränderungen hätte es selbige aber sicherlich nicht gegeben.

    Und nein, zufriedenstellend ist das heute auch immer noch nicht.

    Und auch wenn es einige Leute nicht glauben wollen, so kann Teilzeit je nach Schulleitung auch mehr Fluch als Segen sein.

    Gruß
    Bolzbold

    Mia

    Der letzte Satz Deines Postings macht mich etwas nachdenklich.

    Ich frage mich insbesondere angesichts der Geschichte Deiner Familie, ob es da wirklich sonderlich viele Alternativen zu den Lebenswegen gegeben hätte.

    Das Leben, was Deine Großmutter Deiner Mutter geboten hat, mag aus heutiger Sicht vieles vermissen lassen. Wir sollten aber doch nicht außer Acht lassen, dass damals die gesellschaftlichen Bedingungen doch etwas anders waren als heute.

    Du sagst, dass es traurig sei, wenn jemand seinem Kind "nur" diesen Lebensweg böte.

    Hat Deine Mutter denn das Gefühl, man hätte ihr etwas verbaut?

    Du machst fernab Deiner Familiengeschichte etwas anderes sehr deutlich:
    Wenn es die individuelle Situation erfordert, dass man Familie und Beruf unbedingt unter einen Hut bekommt und man kaum familiäre oder sonstige Unterstützung hat, dann wird es tatsächlich zu einer schlichten Notwendigkeit, dass man es hinbekommt - egal wie.
    Es fragt einen in der Situation ja niemand, ob und wie man das hinbekommt. Man hat es hinzubekommen und man kriegt es irgendwie hin.

    Ich sehe auch nicht das Problem, wieso Frauen (oder Männer) nicht staatliche Unterstützung in Form von Betreuungsplätzen oder eben der gesetzlich festgeschriebenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Anspruch nehmen dürfen.

    Hier könnte in der Tat eine ganz andere Neiddebatte stecken - nämlich die, dass die früheren Generationen das doch auch hinbekommen hätten - wieso sollten es also die heutigen Eltern leichter haben. Aber auch hier dürfte es ein simpler Mechanismus sein, dass ein Teil der älteren Generationen das Leben der jüngeren Generationen als leichter oder weniger hart wahrnimmt und es ihnen eben missgönnt anstatt sich für sie zu freuen. Wer Leid oder harte Zeiten erfahren hat, sollte doch wenigstens für andere sich freuen, wenn sie das nicht auch durchmachen müssen.

    Gruß
    Bolzbold

    Zitat

    Original von Ronda
    Nachdem ich das alles gelesen habe, fällt mir noch ein weiterer Aspekt zum Thema ein, den ich an meiner Schule beobachten konnte. Seit mehreren Jahren werden fast durchgängig nur Kolleginnen in Teilzeit befördert, eine Frau mit halber Stelle auf eine Beförderungsstelle. Eigentlich müssten dann doch zwei Frauen mit halber Stelle befördert werden oder ist das eine ganz perfide Methode, um wieder einmal Geld zu sparen?

    Wenn ich mal die Grundlagen der Beförderung in NRW als Maßstab anlege, so könnte man argumentieren, dass solange die mit der Beförderung verbundene Zusatzaufgabe in vollem Umfang erledigt wird - und die ist ja nicht von einer Vollzeitbeschäftigung abhängig - ist es im Grunde fiskalisch egal, ob die Person nun Vollzeit oder Teilzeit arbeitet.

    Die Teilzeit erstreckt sich ja im Wesentlichen auf das Stundendeputat, was ja mit der Zusatzaufgabe nicht viel zu tun hat.

    Eine Teilzeitkraft, die befördert wird, hätte womöglich noch mehr Kraft, Energie (und ggf. auch Zeit), um diese Stelle auszufüllen.

    Eine Doppelbeförderung macht insofern keinen Sinn, als dass ja theoretisch beide Personen irgendwann wieder auf volle Stelle gehen könnten - und dann wäre es für den Dienstherren ein Schuss ins Knie gewesen.

    Gruß
    Bolzbold

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