Malina
Das Grundproblem bei unserer Arbeit ist, dass man die Arbeit, die wir erledigen allenfalls ansatzweise in Zeiteinheiten messen kann. Wenn Entlastung nicht aufgrund eines starren Prinzips oder einer Pauschalbeurteilung von Arbeitsleistungen gewährt werden soll, müsste man zunächst die tatsächliche Arbeitszeit für Korrekturen erfassen. Hier arbeitet der eine schneller, der andere langsamer (oder eben mehr oder weniger effizient), der eine genauer, der andere schlampiger.
Ein weiters Problem ergibt sich aus dem, was ich "Häufchentheorie" nenne. Ich möchte das kurz bildlich erläutern:
Unser Arbeitsfeld besteht aus meiner Wahrnehmung aus einer Vielzahl unterschiedlichster Aufgaben, die der Erledigung harren. Jede dieser Aufgaben ist ein "Haufen". Alle Häufchen liegen in einem Kreis um mich herum. Ich drehe mich nun im Kreis und versuche, alle Häufchen immer so abzuarbeiten, dass sie entweder temporär vollständig abgearbeitet sind oder aber wenigstens soweit abgearbeitet werden, dass kein Häufchen zu groß wird. Dabei muss ich immer wiederkehrende Aufgaben erledigen (Korrekturen, Vorbereitung etc.), sowie plötzlich bzw. akut anfallende Aufgaben (Streit unter Schülern, Konferenzen etc.).
Ergo komme ich also selten an einen Punkt, an dem ich tatsächlich einmal stehenbleiben kann und sagen kann "fertig". (Im Sinne von "die Arbeit ist erledigt").
Eine (leider utopische) Möglichkeit, die Arbeitsleistung und mittelbar die Arbeitszeit zu erfassen, wäre eine Art GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte) bzw. eine GOL für uns Lehrer.
Dort wären dann alle Tätigkeiten aufgelistet, die man als Lehrer generell ausüben kann inklusive einem empirisch ermittelten Durchschnittswert für die anrechenbare Dauer der jeweiligen Tätigkeiten und "Leistungen", sowie einem entsprechenden Entgelt.
Setzen wir nun die wöchentliche Arbeitszeit auf 41 Stunden und rechnen die 12 Wochen Ferien (bei 28 Tagen Urlaub pro "Normalsterblichen" also 6 volle Wochen Urlaub) mit ein, kämen wir auf schätzungsweise 47 Zeitstunden die Woche.
Eine GÖL würde dann entsprechend so angelegt, dass die Unterrichtsverpflichtung bzw. die -verteilung dann inklusive aller zwangsläufig damit verbundenen Leistungen addiert werden und der Wert von 47 Zeitstunden nicht überschritten werden dürfte.
Zusätzliches pädagogisches Engagement lässt sich damit nur schwer erfassen, insbesondere, wenn es eben spontan bzw. ungeplant anfällt. (Aber man ist ja auch Idealist
)
Die Vorstellung ist natürlich rein utopisch und würde vermutlich dazu führen, dass in den Hauptfächern und auch in einigen Nebenfächern deutlich mehr Lehrer eingestellt werden müssten, um dieses Entlastungsmodell tatsächlich zu tragen.
Und damit schließt sich der Kreis. Solange das Land nicht bereit ist, hier mehr Geld zu investieren, können die KFL oder auch die DKFL nur intern ihre Belastung in Grenzen halten, indem sie zwangsläufig woanders knapsen müssen, wenn die Korrekturen zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
Korrekturtage sind auch nur eine Umverteilung aufs Kollegium, was letztlich dann auch bedeutet, dass ein Korrekturtag nehmender KFL durch einen anderen KFL oder DKFL vertreten wird. Da beißt sich die Katze dann in den Schwanz.
Gruß
Bolzbold