@Shalhevet
Ich denke, dass Du aus den bisherigen Antworten deutlich herauslesen konntest, dass wir erhebliche Bedenken haben, was Deine Berufswahl angeht.
Insbesondere aus dem letzten Statement von Dir lese ich deutlich heraus, dass Du ein sehr verklärtes (positives) Bild des Lehrerberufs und seiner Belastung hast und dadurch die real bestehenden (!) Belastungen und Risiken zwar erkennst aber nicht ernst genug nimmst.
Hier nur ein Beispiel:
Zitat
Zu einem Lehrer gehört doch nicht ausschließlich die Persönlichkeit, sondern letztendlich steht und fällt der Unterricht und das Unterrichtsgeschehen mit dem Verhalten des lehrers, mit seinen Ideen, seinen Vorstellungen, seiner Position und wie er den Schüler sieht, wie er Lernen sieht usw. Und dazu gehört einfach mal auch, dass ich den Schüler als individuelles Wesen wahrnehme, dass ich fühle und spüren kann, wie es ihm geht, was macht und tut, dass ich das Klassengeschehen erfühlen kann und einfach den Blick für das habe, was nicht augenscheinlich ist. Da sehe ich meinen großen Vorteil und den halte ich nach wie vor - vielleicht gerade in der Grundschule - für äußerst wichtig.
Frage:
Wie kannst Du Verhalten und Persönlichkeit so voneinander trennen?
Dein Verhalten vor einer Klasse bzw. gegenüber anderen Menschen ist doch maßgeblich von Deiner Persönlichkeit bestimmt und bedingt, oder etwa nicht?
Ferner:
Wie willst Du in einer Klasse von 25 Schülern jeden einzelnen quasi ganzheitlich wahrnehmen und entsprechend reagieren? Das ist pädagogisches Wunschdenken - in der Theorie sehr wünschenswert - in der Praxis faktisch nicht erreichbar.
Empathie ist nur EINE von ganz vielen Lehrerkompetenzen, die man besitzen muss.
Ich lese aus Deinem Posting eine deutliche Fokussierung auf Empathie und Sensibilität für Schüler heraus, jedoch ist gerade DAS einer der gravierendsten Faktoren für Frustrationen - und langfristig auch für einen Burnout.
Damit verkennst Du aber das Wesentliche des Berufsbilds des Lehrers.
Wir haben primär die Aufgabe, Schüler zu unterrichten, ihnen Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, sie ein Stück weit zu erziehen.
Bei der Erfüllung dieser Aufgaben lastet ein nicht unerheblicher Druck auf uns, der von mehreren Seiten kommt. "Gesellschaft", Eltern, Kollegen, Schulleitung, Schüler, Minister(in).
Ich hoffe, Du verzeihst mir die deutlichen Worte, aber die Gefahr bzw. das Risiko, das ich momentan bei Dir sehe, ist die völlige Verdrängung der Praxis, der Realität der sich jeder Lehrer tagtäglich stellt. Das, was wir hier schreiben, das spiegelt unsere Erfahrung wider. Wir haben uns der Realität längst stellen müssen, tun es immer noch und haben uns von einem Idealbild des Lehrers, sofern wir es hatten, längst verabschiedet - und das nicht, weil wir uns haben korrumpieren lassen, sondern weil die Realität und das, womit wir tagtäglich zu tun haben, eben mitunter deutlich von unseren ursprünglichen Erwartungen und Vorstellungen abweicht.
Die Erinnerung bzw. die Erfahrungen der eigenen Schulzeit können ebenfalls nicht verallgemeinert bzw. als Maßstab für Zukunftsprognosen herhalten, weil sie zu subjektiv geprägt sind und - hier schließt sich der Kreis - erneut von der eigenen Persönlichkeit und dem eigenen Verhalten mit bedingt waren.
Gruß
Bolzbold