ZitatOriginal von CKR
Dass den Schwachen die Wege zur Leistungsstärke offen stehen ist nur formal so. Faktisch hat Deutschland ein hoch selektives System, welches im Endeffekt nicht nach Leistung selektiert, sondern nach sozialem Ursprung. Das haben PISA und andere Studien gezeigt. Und genau das hat schon Klafki kritisiert.
Ketzerisch gesprochen könnte man aber auch behaupten, dass in jedem Schulsystem, wo Lehrer und Eltern nicht zusammenarbeiten, oder wo die Unterstützung aus dem Elternhaus - hier vor allem auf Werte und Normen wie Eigeninitiative, Durchhaltewillen und Eigenverantwortung bezogen - die echte Chancengleichheit bzw. der Schulerfolg ausbleiben.
Schule kann nicht reparieren bzw. kompensieren, was in der Zeit VOR dem Schulbesuch schief gelaufen ist.
Der soziale Ursprung ist immer mit ein entscheidender Faktor beim Schulerfolg - ganz gleich in welchem System.
Es stellt sich damit die Frage, ob die Kritik an der Relevanz der sozialen Herkunft für schulischen Erfolg hier im Falle des dreigliedrigen Systems greift.
Fragen wir uns ferner einmal, wie denn die Einheitsschule funktionieren soll. Im Extremfall hätten wir sehr starke Schüler (oberes Gymnasialniveau) mit extrem schwachen Schülern (Hauptschulniveau) zusammen in einer Klasse.
Die lapidare Forderung nach Differenzierung im Unterricht trägt dieser Problematik nicht hinreichend Rechnung.
Innerhalb der Einheitsschule müsste dann auch in jedem Fach in wenigstens drei Stufen (nach Leistung und Anspruch) differenziert werden, damit man wirklich jedem Schüler auch entsprechend gerecht werden kann. Das entspräche dann einem System, wie es die viel gescholtene amerikanische High-School praktiziert. Ansonsten würde man sich nämlich in der Tat an den Schwächsten orientieren.
Was darüber hinaus gerne übersehen wird bei der Frage nach Chancengleichheit, ist, dass die Chancengleichheit nicht nur auf dem Papier besteht - doch bezieht sie sich nur auf den Zugang zur Bildung, d.h. die Möglichkeit, unabhängig von der sozialen Herkunft Bildungschancen wahrzunehmen.
Wenn diese aber aufgrund der sozialen Herkunft nicht genutzt werden wollen oder können, weil die entsprechenden Familien vielleicht gar kein Interesse daran haben oder die Notwendigkeit nicht sehen oder die Unterstützung schlichtweg aufgrund der fehlenden entsprechenden Werte ausbleibt, dann kann man die "Schuld" dafür nicht dem Schulsystem zuschieben - nur lässt sich das politisch nicht so verkaufen - man will ja keinen Wähler vergrätzen.
Solange es Erwachsene bzw. Eltern gibt, die keinen Eigenantrieb besitzen, die die Verantwortung für ihr Lebensschicksal anderen, Dritten zuschieben und entweder nicht fähig oder nicht willens sind, sich zumindest ein Stück weit selbst aus dem Sumpf zu ziehen, ist DAS meines Erachtens das viel entscheidendere Problem, das weitgehend VOR Eintritt in das Schulsystem greift, weil das den Kindern vorgelebt wird.
Ich kenne in meinem Umfeld mehrere Menschen, deren Eltern einen teilweise deutlich niedrigeren Bildungsabschluss haben. Dennoch sind die Kinder dieser Eltern aufs Gymnasium gegangen, haben Abitur gemacht und hinterher erfolgreich studiert. Die soziale Herkunft war hier weniger entscheidend als vielmehr die Werte, die seitens der Eltern vorgelebt wurden.
Gruß
Bolzbold