Wenn man das Buch ausschließlich im Rahmen des Ost-West-Konfliktes betrachtet, wie es vor 20 Jahren in der Tat üblich war (ich hatte es selbst in der Schule im LK lesen dürfen), magst Du Recht haben.
Wenn wir uns von dieser doch polarisierenden Sichtweise entfernen und stattdessen den Revolutionsgedanken an sich betrachten und schauen, wie sich eine an sich positiv intendierte Revolution entwickelt und wie sich deren Protagonisten entwickeln, dann kann man dort auch bestimmte Mechanismen entdecken, die auf viele Freiheitsrevolutionen zutreffen.
Dass sich der Freiheitskämpfer unter Umständen zum Unterdrücker entwickeln kann und mit dem Motto "einige sind gleicher als gleich" arbeitet, ist nicht nur ein Aspekt des Stalinismus.
Ich werde im GK 11 im kommenden Schuljahr wohl auch zum ersten Mal Animal Farm unterrichten und dabei den historischen Kontext eher marginal betrachten. Stattdessen möchte ich die Mechanismen herausarbeiten, die dahinterstecken. Wenn dann noch Zeit ist, kann man die Abrechnung mit dem Stalinismus immer noch explizit thematisieren.
Neben der Lektüre an sich muss ich ja noch die Analyse fiktionaler Texte einführen und üben, so dass dies wohl einen viel stärkeren Schwerpunkt bekommen wird als die Auseinandersetzung mit dem historischen Hintergrund.
Gruß
Bolzbold