Den "wunden Punkt", mit dem man jedes potenzielle Opfer aufziehen kann, kann ich voll und ganz verstehen. Was mir die ganze Zeit im Hinterkopf herumschwirrt, ist die Frage, welche Angriffe ein Opfer auf welchem "Niveau" wahrnimmt bzw. verarbeitet.
Also in etwa so etwas wie die Maslowsche Bedürfnispyramide (obwohl ich befürchte, dass das hier nicht so ganz passt). Was / welche SIcherheit benötige ich, um mich vollständig verwirklichen zu können? Wobei ich die nächsthöhere Stufe nur erreichen kann, wenn die darunterliegende erfüllt wurde. Nicht ganz so frei nach Wikipedia:
(1) Grund-/ Existenzbedürfnisse: Physiologische Bedürfnisse (alle Grundbedürfnisse, die zum Erhalt des menschlichen Lebens erforderlich sind, wie Atmung, Wasser, Nahrung, Schlaf, Fortpflanzung).
(2) Sicherheitsbedürfnisse: wie körperliche und seelische Sicherheit, materielle Grundsicherung, Arbeit, Wohnung, Familie, Gesundheit. [Mein Erfahrungswert & der anderer in diesem Thread: körperliche Angriffe, Ablehnung / "Verstoßen" in der Familie & durch "Freunde", Verweigerung der Vermietung/Wohnung (immerhin in der ach so toleranten Großstadt), Verweigerung der Arbeit/Einstellung.]
(3) Soziale Bedürfnisse: Familie, Freundschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Zugehörigkeitsgefühl, Kommunikation, sozialer Austausch, Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung, Beziehung, Zuneigung, Liebe und sexuelle Intimität.
(4) Individualbedürfnisse: Vertrauen, Wertschätzung, Selbstbestätigung, Erfolg, Freiheit und Unabhängigkeit. [Vor nicht allzu langer Zeit wurde durch die Politik diskutiert, dass Schwule doch bitte nur unter Anwesenheit einer weiteren Person mit Schülern interagieren sollten. Relativ schnell (nach Nachfragen) wurde nachgeschoben, dass homosexuelle Lehrkräfte nicht gemeint seien. Aber das mangelnde Vertrauen war erst mal klar formuliert. Zu den anderen Stichpunkten ließen sich leider auch Erläuterungen finden.]
(5) Selbstverwirklichung: Wenn bis auf diese Stufe alle Bedürfnisse befriedigt sind, wird nach Maslow eine neue Unruhe und Unzufriedenheit im Menschen erwachen: Er will seine Talente, Potenziale und Kreativität entfalten, sich in seiner Persönlichkeit und seinen Fähigkeiten weiterentwickeln und sein Leben gestalten und ihm einen Sinn geben. [Nur: Wie sehr halte ich mich evtl. zurück, obwohl ich eine brilliante Lehrkraft/Schulleiterin/Seminarleiterin etc. wäre? An welcher Stelle befürchte ich Diskriminierungen aufgrund von Homosexualität, Behinderung oder einer großen Nase [um das Zitat/Beispiel von Eliatha noch einmal einfließen zu lassen, das hier zu Nachfragen führt].)
Natürlich ist es äußerst verletzend, wenn jemand aufgrund seines Aussehens, einer Behinderung oder einfach "nur so" angegriffen wird. Aber gibt es Gruppen, die "institutionalisiert" und auf "niedrigeren" (also verletzenderen) Stufen benachteiligt werden? Denen gegenüber verbale (und ggf. sogar körperliche) Gewalt bagatellisiert wird / als angemessen / gerechtfertigt angesehen wird?
Auf welcher "Stufe" behindern mich bereits diese Angriffe? Gibt es einen (maslowschen oder anderen theoretischen/ nicht persönlicehn / evtl. sogar messbaren) Unterschied zwischen dem Angriff aufgrund von z.B. körperlichen Merkmalen und Homosexualität? (Also zum Beispiel zu Stufe 2: Wendet sich meine Familie von mir ab, weil ich adipös bin? Tut sie es, weil ich die "falsche" Person liebe?)
Und genau an der Stelle sehe ich eine Unterschied zwischen dem "Die hat mich nicht abschreiben lassen, die Doofe mit der großen Nase." und "Die hat mich nicht abschreiben lasse, die scheiß Lesbe." Das mag durch persönliche Erfahrungen / Einstellungen geprägt sein. Aber vielleicht gibt es doch tatsächlich einen Unterschied. (Schließlich gibt es Länder, in denen mein Leben bedroht ist aufgrund von Homosexualität. Die selbe Bedrohung mit der Nase, Behinderung, Übergewicht, whatever (mit Ausnahme von Religion) habe ich im Ausland doch eher selten gehört.)