Um mal mit dem ersten Punkt anzufangen:
Zitat von Fairlight1976
- Unsere Arbeitszeit wurde "künstlich" möglichst weit in die Länge gezogen, um uns möglichst lange in der Schule zu halten - zur Sicherung des Ganztagsbetriebes. Wir haben jeweils 80-Minuten-Blöcke, zwischen denen jeweils 30 Minuten Pause liegen. Nach dem Unterricht erfolgt die Mittagsaufsicht (40 oder 80 Minuten), welche aber nur halb gerechnet bzw halb bezahlt wird. Einige Kollegen geben bis zu 240 Minuten Mittagsaufsicht, von denen aber nur 120 Minuten bezahlt werden. Im Anschluss daran folgen die Nachmittagsangebote, welche zum Großteil von den Lehrkräften durchgeführt werden.
Da treffen zwei Dinge aufeinander.
Anrechnung von Pausen: In der Ganztagsschule in Niedersachsen (soweit ich weiß, egal ob offen, teilgebunden oder gebunden), werden Mittagsaufsichten mit der Hälfte der Zeit angerechnet. Gut, dass eure Schulleitung das weiß und so umsetzt. In Schulen, die nicht den Ganztagsstatus haben (und trotzdem nachmittags Unterricht stattfindet), werden diese Aufsichten nämlich gar nicht angerechnet. Da bringt der Ganztagsstatus also eingie Vorteile. "Schlau" wäre es, wenn die Lehrkräfte, die dann am Nachmittag AGs oder Förder-/Forderunterricht anbieten, vielleicht überwiegend auch für die Pausenaufsicht eingesetzt werden (vorausgesetzt, sie haben selbst irgendwann die Chance auf eine Pause...)
80/10-Modell (?): Dieses "Doppelstundenmodell" gibt es seit einigen Jahren an einigen Schulen bundesweit. Dabei sollten zunächst die zu unterrichtenden Stunden in Minuten umgewandelt werden (also Unterrichtsverpflichtung mal Minuten -> ca. 1000 Minuten). Danach wird das wieder durch 80 Minuten geteilt (das ergibt dann die Anzahl der 80 Minuten Blöcke, die man unterrichten muss, um die Unterrichtsverpflichtung abzudecken). Ergibt in der Summe keine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung (die Minuten bleiben identisch). Wenn man bisher zwischen 2x45 Minuten je 5 Minuten Pause hatte (und die in den 80 Min Blöcken wegfallen), kann man die an die bisherigen Pausen anhängen. Im Erlass zur Unterrichtsorganisation heißt es "2.3 Die Gesamtdauer der Pausen soll bei fünf hintereinander liegenden Unterrichtsstunden mindestens 40 Minuten, bei sechs oder mehr Stunden mindestens 50 Minuten betragen. An Ganztagsschulen soll zusätzlich eine Mittagspause von mindestens 45 Minuten vorgesehen werden." (Quelle: http://schure.de/22410/36,3,82000.htm ). Kontrolliere mal, ob eure Pausenzeiten im Vergleich zu "vorher" deutlich erweitert - oder nur verlagert - wurden. Mit (wahrscheinlich 2 mal) 30 Min Pausen (und sonst nichts) liegt ihr insgesamt (im Vormittagsbereich) 10 Minuten über dem Minimum. Ist also nicht sooo überzogen...
Zu den Nachmittagsangeboten: Ich gehe davon aus, dass, wenn die Lehrkräfte die anbieten, diese auch voll auf die Unterrichtsverpflichtung angerechnet werden(?) (Alles andere wäre falsch...). Dann sind das doch Angebote, in denen man SuS auch in außerunterrichtlichen Kontexten kennenlernen kann (ob AG oder Förder/Forderunterricht). Und das sind Angebote, in denen ich als Lehrkraft meine Zeit "abhänge" / diese vorbereite, aber kaum Nachbereitungszeit habe, da dort keine Klassenarbeiten geschrieben werden und (zumindest bei AGs) kein Gesprächsbedarf mit Eltern bzgl. der Entwicklung im Fach entstehen sollte. Also insgesamt doch eher für die Lehrkraft entlastende (statt belastende) Unterrichtszeit...
Die Durchführung zum Großteil durch die Lehrkräfte finde ich eigentlich positiv (oder übersehe ich etwas?). Da entsteht ein zusätzlicher Bedarf an Unterrichtsstunden an der Schule (vielleicht jeden Nachmittag drei AGs / Förderangebote?). Das sind vielleicht 15 Unterrichtsstunden? Das ist eine halbe Stelle zusätzlich an der Schule. Entweder wird da (in Zeiten sinkender Schülerzahlen) mindestens eine Lehrkraft weniger an andere Schulen abgeordnet - oder es entsteht Bedarf für eine weitere feste Stelle im Kollegium -> eine Person mehr, die sich die Aufsichten mit teilt, -> eine Person mehr, die als Klassenlehrer oder Stellvertreter zur Verfügung steht, -> eine Person mehr, die bei Curricula mitarbeitet, -> eine Person mehr... (oder im Umkehrschluss: bei Verträgen mit externen Anbietern entsteht (abgesehen von den "gefährlichen" Verträgen) immer wieder Koordinierungs- und Kommunikationsbedarf, derjenige springt nicht mal spontan am Vormittag als Vertretung ein, ...).
Interessant wäre insgesamt eine "vorher - nachher - Gegenüberstellung":
Wann fing der Pflicht(!)-Unterricht vorher an? Wann fängt er jetzt an?
Wann endete er vorher/jetzt? Ist das an allen Tagen gleich (oder gibt es jetzt einen kürzeren Tag, den es vorher nicht gab?)
Auf dem Papier gewinnt man mit dem 80/10 Modell je nach Anlage / Schulform / Organisation wenige "Unterrichtsstunden" für jede einzelne Klasse (die Klassen erhalten also ihren normalen Fachunterricht und es bleibt etwas übrig - ohne, dass irgendeine Lehrkraft mehr Unterrichtsminuten investiert). Wie wird dieser "Gewinn" bei euch genutzt? Freiarbeitsräume, die jede Lehrkraft mit Aufgaben füllt (-> kein zusätzlicher Korrekturaufwand, egal, wer Aufsicht führt während die SuS arbeiten)? Klassenlehrerstunden, die endlich genug Zeit haben, um alles das, was so anfällt zu erledigen (-> Entlastung der Klassenlehrer, da sie mehr Zeit in der Klasse verbringen, aber nicht noch ein Fach mehr unterrichten, in denen z.B. seitenlange Aufsätze korrigiert werden müssen / Entlastung des Fachunterrichts)? Irgendwie anders?