Warum ist es so, dass ich kaum Leute kenne, die von sich denken, es lief gut in der Klausur und dann aus allen Wolken fallen, wenn sie dann eine schlechte Note bekommen? Da stimmt die Selbsteinschätzung meist erstaunlich gut.
Bei Bewertungen des Unterrichts hingegen gibt es oft so eine riesige Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und Einschätzung durch Fachleiter.
Woher kommt dies?
Das kommt daher, dass man sich selbst nicht da vorne stehen sieht.
Und das genau sollst du im Referendariat lernen: Dass es nicht genügt, das Gefühl zu haben, das wäre alles prima gelaufen, du seist ein helles Köpfchen, redegewandt und lustig. Das reicht nämlich nicht.
Man merkt, dass du keine Erfahrung mit Unterrichtsnachbesprechungen hast. Da kann man nämlich wirklich was lernen. Z. B., wirklich kritisch zu fragen: Was nehmen die Schüler jetzt mit? An welchen Stellen sind sie ausgestiegen? Welche Äußerungen waren ungeschickt - z. B. blöd formulierte Fragen, die kein Mensch versteht ... Passte die Methode zum Inhalt und zur Lerngruppe? Was könnte man besser machen? Was waren echte Fehler?
Du sollst dir nämlich später selbst diese Fragen stellen. Nach jeder Stunde. Dafür musst du selbstkritisch sein. Ich fürchte, da hast du noch einiges aufzuholen, du meinst ja immer, du weißt schon alles. Intellekt zeigt sich aber nicht nur an fachlicher Brillanz, sondern vor allem an Lern- und Entwicklungsfähigkeit. Und der Einsicht, dass man eben nicht alles weiß und niemals alles wissen wird. Die macht einen bescheiden.
Man wird 1,5 bis 2 Jahre auf die Prüfung vorbereitet und es werden keine übermenschlichen Anforderungen gestellt, sonst würden ja fast alle durchfallen.