Beiträge von Piksieben

    Es waren bei uns mehr als 50 Prozent, die innerhalb des ersten Jahres abgebrochen haben. Das waren verschiedene Gründe, zum Teil Probleme in der Schule, zum Teil persönliche Probleme und in einem Fall die Erkenntnis, das das eben doch nicht der richtige Job ist, den man da anstrebt.

    Die zeitliche Belastung ist größer, als sich viele vorher vorgestellt haben, und die nervliche Belastung durch die Ausbildung ist enorm. Es findet nicht jeder einen pragmatischen Weg zwischen der rauen Wirklichkeit (schwierige Schüler, schlechte Arbeitsbedingungen, Probleme im Kollegium) und den hohen pädagogischen und fachlichen Ansprüchen, die das Seminar und man eben auch selbst so hat.

    Ich habe zum Teil nicht ganz verstanden, warum man einen guten Job aufgibt, um diese Ausbildung zu machen (mit z. T. deutlich über 40 Jahren). Es scheint mir, wenn man mit allzu viel Idealismus an die Sache herangeht, ist der Frust ziemlich groß, dass es eben doch alles nicht so easy ist, wie man sich das vorgestellt hat. Pfadfindergruppen leiten und Nachhilfe geben ist halt doch was anderes als Schule, täglich und mit Noten und allem.

    Es ist schwierig das zu schreiben! Ich will niemanden nervös machen oder entmutigen. Das Gute an der Ausbildung ist ja, dass man dort Gesprächspartner hat und, wenn man ein wenig Glück mit den Leuten hat, dort alle möglichen Themen und Probleme rauf- und runterdiskutieren kann. Das habe ich in dieser Form ganz lange nicht erlebt und sehr genossen.

    Nur kann ich eben auch nachvollziehen, warum bei der OBAS viel Wert darauf gelegt wird, direkt am Anfang die Eignung der Kandidaten zu prüfen - erstens bei der Einstellung (auch wenn das ein ziemlich zweifelhaftes Vorgehen ist), und dann nach 4 Wochen bei dem ersten Entwicklungsgespräch. "Eignung" heißt dabei ja auch: Habe ich Spaß an dem Job? Entspricht diese Art zu arbeiten meinen Erwartungen?

    Und auch: Kann ich mit diesen Arbeitsbedingungen leben? Ich bin über die Duldsamkeit der Lehrer doch oft erstaunt.

    Ich mache nebenher noch ein paar Dinge freiberuflich und halte den Kontakt. Und finde das gut so.

    Das muss doch jeder für sich entscheiden?!

    Ich will nicht unken, aber mein Vorbereitungsseminar hat einen ziemlichen Schwund erfahren. So verkehrt finde ich es nicht, sich ein Hintertürchen offen zu halten.

    Bei uns würde das gar nicht gehen, wir haben eine offizielle Schul-Mail.

    Ich würde das ignorieren. Vermutlich gibt sich das doch eh von selbst. Wenn du es ansprichst, kommen die anderen womöglich nur auf dummer Gedanken.

    Ich habe die pädagogische Einführung im Februar abgeschlossen und mache jetzt mit der alten OVP-B weiter.

    Ich kann aber gar keinen Unterschied sehen. Ich habe ein Hauptseminar und zwei Fachseminare und Unterrichtsbesuche ("Beratungssituationen").

    Ich weiß, bei der OBAS ist das alles ein bisschen anders. Trotzdem, am Prinzip ändert sich ja nicht viel: Man lernt unterrichten - theoretisch und praktisch.

    In der päd. Einführung ging es noch etwas entspannter zu, es wurden keine Noten genannt und am Schluss hat man einfach sein Zertifikat bekommen, fertig. Jetzt mit der Prüfung vor der Nase ist das natürlich etwas anderes. Aber natürlich haben wir in der Einführung "vorgearbeitet". Schließlich kann man mit der Einführungsmaßnahme schon als Lehrkraft eingestellt werden. Das ist ja der Sinn.

    Trotzdem verstehe ich nicht ganz, warum man erst die Einführung und dann OBAS machen soll? Ich hätte das eher alternativ gesehen.

    Zitat

    Original von InKies
    Hallo,
    Und...was ist der Hintergrund bei Vertretungsstellen, die über ein ganzes Schuljahr ausgeschrieben werden? Kann ich davon ausgehen, dass die Lehrkraft definitiv dann wiederkommt, oder ist es aus der Erfahrung heraus so, dass diese Vertretungsstellen durchaus verlängert bzw. in eine Seiteneinsteiger-Ausbildung münden können?

    Ich habe eine Vertretungsstelle noch nach Beginn des Schuljahres angetreten. Diese galt für den Rest des Schuljahres. Dann habe ich erneut an derselben Schule eine Vertretungsstelle angenommen und habe nach einem halben Jahr mit der Ausbildung begonnen (die läuft auch noch).

    Also - kann sein.

    Kann aber auch nicht sein - die Schule muss einen schon wollen ;)

    Aber der Bedarf ist ja nach wie vor da, insofern: Einfach weiter gucken!

    Mit einer Anerkennung für Gymnasium/Gesamtschule kannst du dich formal nicht am Berufskolleg bewerben.

    Du kannst sie aber eintauschen. Dann musst du versichern, dass du sie nirgendwo anders benutzt hast, gibst sie wieder ab und bekommst eine Anerkennung für's Berufskolleg.

    Ja, aber ist das mein Problem? Ausbildung ist überall teuer. Die Schule braucht mich, und ich gebe der Schule meine Arbeitskraft. Die Schule möchte mich ausbilden, weil sonst niemand da ist, den sie ausbilden könnten (ausgebildete Kräfte müssen den Quereinsteigern vorgezogen werden).

    In jedem Job hat man ein Kündigungsrecht. Wenn mein Arbeitgeber nicht damit leben könnte, dass ich vielleicht wieder gehe, dann würde er mir gar nicht erst einen Vertrag anbieten. Weder er noch ich tun das nur aus Liebe und Hingabe. Die öffentlichen Arbeitgeber sehen auch, wo sie bleiben und sparen wo sie können. Was soll das, Leute unter Druck zu setzen mit einem "schlechten Gewissen"?

    Zitat

    Original von vader
    In meinem Vertrag steht nur:

    Versetzung etc. nach § 4 TV-L .

    Dann steht bei mir : bei vorliegen - bla,bla, bla wird mir ein unbefristeter Vertrag angeboten -

    Aber den muss ich ja nicht zwingend annehmen oder ?

    So steht das in meinem Vertrag auch und das interpretiere ich auch genauso wie du. Und behalte mir momentan auch noch vor, anzunehmen oder eben nicht.

    Das mit der Versetzung ist doch ohnehin nur bei Verbeamtung ein Problem, oder? Wenn man angestellt ist, kann man doch einfach kündigen und wo anders neu anfangen.

    Wieso eigentlich ein schlechtes Gewissen haben? Referendare machen doch auch viel Arbeit - und die gehen nachher in der Regel weg. Berufswechsler dagegen übernehmen von Anfang an mehr bedarfsdeckenden Unterricht mit allem was dazu gehört.

    Eben, step,es kann sein, dass man die Stelle nicht bekommt, obwohl die Schule einen haben will.

    Umgekehrt kann es sein, dass ein Bewerber nicht mehr zur Verfügung steht. Ob nun die Schule begeistert davon ist oder nicht -

    so ist das nun mal!

    Was hat eine Schule davon, wenn man dort anfängt, sich nicht wohlfühlt und dann doch wieder wechseln möchte?

    Ich würde mir auf jeden Fall die anderen Schulen auch anschauen. Wie es nachher alles klappt, hängt wie überall vom Verhandlungsgeschick ab. Nur weil man einmal Bereitschaft signalisiert hat, hat man doch nicht seine Seele verkauft. Und dass man im Leben nicht immer alle begeistern kann, ist ja nun auch eine allgemein bekannte Tatsache.

    Dieses Geschwafel bei Maischberger ist ja furchtbar.

    Ich kann den Winterhoff auch nicht leiden - er bedient im Moment den allgemeinen Trend, dass ein Erziehungsnotstand herrscht in Folge der antiautoritären Erziehung, die angeblich die Kinder der 68er alle genossen haben.

    Andererseits nehme ich viele von meinen Schülern auch als so kindisch wahr wie hier beschrieben, maßlos in ihrem Anspruch und extrem unhöflich. Und gerade die älteren Kollegen klagen ausgiebigst über die Jugend von heute. Und nun?

    Was ist nun meine Rolle als Lehrerin? Welche Chancen habe ich denn, auf Achtzehnjährige einzuwirken, die für alles zu faul sind und keine Umgangsformen haben? Gibt es da welche, die ihre Schule mit 16 (Sek II) schlecht erzogen betreten haben und mit 19 mit Abschluss, produktiver Arbeitshaltung und guten Manieren verlassen (ich kenne keine. Viele sind vorher weg, die anderen mogeln sich mit Minimalaufwand und schlechten Manieren durch, die dritten waren von Anfang an in Ordnung)? Wenn ja, wie erreicht man das? Durch Disziplinarmaßnahmen? Gutes Zureden?

    Oder ist mit 16 eh alles zu spät - die Eltern haben es schon vergeigt? Was ist dann mit meinem Erziehungsauftrag? Schließlich muss ich ja an Entwicklungen glauben.

    Was empfiehlt denn der Herr Winterhoff?

    Also ich habe da alles Mögliche beigelegt. Auch Zeugnisse. Verträge hatte ich auch nicht mehr alle. Zum Teil Lehraufträge und was ich da so in meiner schlampigen Buchhaltung hatte ;)

    Es hieß nur "nachweisen". Das kann man ja so oder so machen und da sollen die einem erst mal nachweisen, dass etwas kein Nachweis ist!

    Da es um bares Geld geht - lieber einen Nachweis mehr reinlegen, auch wenn man nicht sicher ist.

    Genau. Alles angeben und nachweisen. Egal wie relevant es zu sein scheint.

    Ich habe auch lang zurückliegende Hiwi-Tätigkeiten angegeben. Wie großzügig sie bei mir sein mussten, weiß ich nicht, aber ich kam wie erwartet in die höchste Erfahrungsstufe.

    Also, alles mit reinlegen!

    Zitat

    Ist der denn vielleicht auch noch was für's Auge?

    Ich möchte auch einen Mattes. :rofl:

    Von mir aus muss der noch nicht mal meinen Unterricht vorbereiten. Reicht, wenn er die Betten frisch bezieht, den Sperrmüll rausträgt und Pfannekuchen backt.

    Ich würde mich so doll entspannen, ich würde glatt ein Buch schreiben: "Noch mehr Wellness für Lehrer"

    Ich mache die Ausbildung noch nach der alten Ordnung und habe von Anfang an gesagt, dass ich das in Teilzeit mache (oder gar nicht).

    Zwei Kollegen haben aufgrund der hohen Belastung im Laufe des ersten Jahres ihre Stunden reduziert, das ging auch.

    Es ist halt immer noch eine 80-Prozent-Stelle, weiter geht es nicht zu reduzieren.

    Soviel ich weiß, hat man mit Kindern unter 18 immer die Möglichkeit, die Arbeitszeit bis maximal zur Hälfte der regulären Stundenzahl zu reduzieren. Die Ausbildung bildet hier die Ausnahme.

    Klar, die Schulen brauchen die Stunden - aber 13 Stunden bedarfsdeckender Unterricht ist doch deutlich mehr als 0.

    Das stimmt, die Studienseminare wechseln sich ab.

    Weiß ich ganz sicher, an meiner Schule ist ein Seiteneinsteiger, der an einem anderen Studienseminar ist als ich. Und auch einen anderen Seminartag hat.

    Ob nun ein Seminar besser ist als das andere - nun ja. Das ist ja viel Hörensagen.

    Einige Studienseminare sind definitiv *schöner* als andere.

    Aber das Personal wechselt ja.

    Da würde ich mir einfach keinen Kopf drum machen, nutzt ja eh nix.

    Ich war auch lange an der Uni und bin inzwischen im zweiten Teil meiner Ausbildung im Seiteneinstieg. Wobei ich mich bei deiner Laufbahn frage, ob du nicht ein Referendariat machen musst - Seiteneinstieg ist doch für Berufserfahrene? Aber wie auch immer. Die Belastung und den Druck, den man in der Forschung hat, kann ich dir nachempfinden. Ich denke nicht mehr so oft dran, aber mir ging das ähnlich, es ist nicht lustig, wenn man immer meint, man müsste sich was Tolles ausdenken und publizieren und auf Konferenzen sein oder selbst welche organisieren ... und oft stieß ich ziemlich heftig an meine Grenzen.

    Diese Form von Belastung fällt an der Schule tatsächlich weg.

    Ob das aber der geeignete Job für dich ist, kann ich dir nicht sagen. Schülerinnen und Schüler sind nun mal eine andere Zielgruppe als Studierende. Du bist hauptsächlich damit beschäftigt, sie zu erziehen.

    Lehrer werden nirgendwo gern versichert, weil sie oft krank werden. Das unterscheidet sie von Professoren ;)

    Ich sehe zwar im Kollegium viele Leute, die ich für psychisch und physisch durchaus kerngesund halte. Aber ich kann allmählich auch verstehen, woher es kommt, dass Lehrer oft amtsärztlicherseits "kaputtgeschrieben" werden.

    Es hängt wohl einfach davon ab, was für ein Typ man ist. Manche finden ja nichts schöner, als am Schreibtisch zu sitzen oder im Labor zu stehen und zu forschen. Anderen macht der Umgang mit den jungen Menschen mehr Spaß. Und davon sollte deine Entscheidung letztlich abhängen. Welche Fächer du nachher unterrichtest, ist da erstmal zweitrangig.

    Ich hänge jetzt schon seit 10 Minuten an diesem Wort fest: "Kommunismusverherrlichung". Hm.

    Vielleicht ist das eine Gegenbewegung zur Kapitalismusverherrlichung?

    Jedenfalls muss es keine Ex-DDR-Verherrlichung sein, und dass junge Menschen auf der Suche sind nach einem anderen, einem besseren System, das kann man ihnen nicht verübeln und das ist auch ganz altersgemäß. Da sind sie nicht die ersten und werden nicht die letzten sein. Hoffentlich.

    Cool bleiben 8)

    Zitat

    Original von MarioW53
    Ich hab ein Stück weit die Befürchtung, dass es für Personen wie mich, die schon seit einigen Jahren auf den verschiedensten Qualifikationsebenen unterrichten, gerade im Studienseminar nicht einfach ist und wird, würdest Du das so unterschreiben können? (Altes Thema eben: Theorie und Praxis...)

    Die Befürchtung ist berechtigt. Du bist halt wieder in einer Ausbildungssituation, wirst bewertet, es sind x verschiedene Leute an deiner Ausbildung beteiligt, wobei dir unter Umständen jeder was anderes erzählt. Das kann ganz schön nervig werden und die Abbrecherquote bei Seiteneinsteigern ist ziemlich hoch (bei uns sind schon 3 von 8 ausgestiegen).

    Von Beziehungskrisen ist mir aber nichts bekannt. Die meisten haben ja doch schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als die jungen Referendare, und sagen: Ph - wir haben schon ganz anderes durchgestanden. Stimmt für mich auch.

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