Es gibt diesen dicken Wälzer von Robert Gernhardt: "Was das Gedicht alles kann. Alles."
Der Titel sagt es ja schon. Lohnt sich vielleicht, hineinzuschauen. Im Ton ist es nicht so meins, aber das ist ja jetzt nicht die Frage. Anfangs jedenfalls beschäftigt er sich mit der Frage, warum so viele Prominente so dümmlich auf die Frage nach ihrem Lieblingslyriker antworten ("Lieblings- was?").
In einer Fotozeitschrift gibt es eine Rubrik mit der Frage: "Warum funktioniert dieses Bild?"
Man sieht ein Foto und findet es toll, und wenn man keine Ahnung von Bildgestaltung hat, weiß man nicht, warum man es toll findet. Es gibt aber detaillierte Antworten darauf. So wie auch bei Musik, Architektur, Kunst.
Bei Gedichten ist das ja ebenso, nur scheint dieses Gefallen noch etwas mehr von Person und Tagesform abzuhängen. Trotzdem, auch hier kann man sagen, warum es in einer bestimmten Art und Weise wirkt, und warum es viele Menschen mögen oder doch früher mochten. Warum es aufgehoben wurde, während andere vergessen wurden.
Ottos Mops, der Bolero von Ravel: Hört man einmal, vergisst man nie wieder. Warum? Wenn man das versteht, versteht man sich selbst besser.