Beiträge von Piksieben


    Gibt es dazu auch eine Quelle? Oder entspringt das deinem Bauchgefühl?

    Bei "Wissen macht Ah" wird behauptet, dass das Verhältnis von Flusslänge zu Luftlinie Quelle-Mündung bei "ungefähr pi" liegt. Das steht auch hier: http://www.airport1.de/blog/archives/…uss-steckt.html

    Das ist aber nur zur Hälfte wahr. Es gilt nur für mäandernde Flüsse ( http://www.wer-weiss-was.de/erdkunde/verha…nie-des-flusses) und es werden Mittelwerte über sehr viele Flüsse gebildet. Dass "pi in jedem Fluss steckt" kann man also so nicht sagen.

    Dazu kommt die Schwierigkeit, einen Fluss zu vermessen. Wenn man jeder Windung nachgeht, wird man nie fertig ("fraktale Messung").

    Aber vorher noch bin ich über die Behauptung gestolpert, dass die Zahl pi fantastillionen Stellen hinter dem Komma hat. Das Aufregende an pi ist, dass es unendlich viele Stellen hinter dem Komma hat (und dass sich pi nicht algebraisch ist, also keine Nullstelle eines Polynoms mit rationalen Koeffizienten (anders als Wurzel 2), und dass es viel mehr Zahlen dieser Sorte gibt als Brüche). Dass eine Zahl niemals aufhört, ist viel spannender als irgendeine Zahl zu nennen, die sich keiner merkt, und über die Unendlichkeit machen sich schon kleine Kinder Gedanken.

    Leider weiß ich gerade nicht mehr, wo ich das gelesen habe, es war ein Experiment, bei dem einer Klasse sehr deutlich die Wichtigkeit der Mathematik für ihr Leben erklärt wurde. Es hat genutzt. Sie haben sich mehr angestrengt als die "unaufgeklärte" Vergleichsgruppe. Sorry, habe die Quelle nicht, vielleicht erinnert sich jemand.

    Deine Schüler sind mit dem Berufspraktikum schon auf dem Weg in ihre Ausbildung. Die Klagen der Ausbilder sind laut: Die Schüler können (unter anderem) kein Mathe. Das liegt nicht - oder nicht nur - daran, dass sie vielleicht ein wenig unterbelichtet sind. Meistens ist es die Anstrengungsbereitschaft, die fehlt. Man kann sich den Kreisumfang sehr wohl merken, wenn man ein bisschen mehr übt. Das prägt sich nicht von allein ein, und da können Lehrer sich ein Bein ausreißen, die Lernenden müssen schon selbst wollen.

    Von daher würde ich nicht so sehr an den Methoden und an mir selbst zweifeln, sondern versuchen, die Schüler da zu packen, wo es für sie gerade wichtig ist. Und das ist ihre berufliche Perspektive. Das Leben ist kein Ponyhof.

    Ich sage meinen Schülern oft, dass Mathe das Denken schult. Und dass ich kein Gejammer ab kann. Nun ja, es nutzt *ein bisschen*. Ich sage ihnen auch immer, wenn ich etwas schön finde, aber das glauben sie doch nie so richtig, dass ist ja nur versponnene Mathematikerphantasie.

    Mag juristisch richtig sein. Trotzdem bleibt es aus meiner Sicht pädagogisch wichtig, dass Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen.
    Ich vermute, dass Aktenklammer nicht mehr erzogen werden muss. Die oben erwähnten Schüler aber schon.

    Schon manchmal erstaunlich, was das hier für Blüten treibt. Wozu soll der Schüler erzogen werden? "Schieße keinem Lehrer die Brille mit dem Fußball von der Nase"? So gut muss man erst mal zielen können!

    Mal abgesehen davon, dass auch Erwachsene vom Staat ununterbrochen erzogen werden (jüngstes Beispiel: Blitzmarathon): Unfälle sind etwas, das passiert. Deshalb heißt es so. Deshalb unterscheidet man zwischen Fahrlässigkeit und grober Fahrlässigkeit. Deshalb gibt es Versicherungen. Weil man eben nicht drinsteckt in dem, was einem so zustößt und was man, in besten Absichten, selbst verbockt hat. Die Unschuldsvermutung gilt auch für Schüler, und hier gehe ich mal davon aus, dass er nicht mit Absicht gehandelt hat.

    Mit absichtlicher Verschmutzung von Räumen, Prügeleien etc. hat das doch nichts zu tun.

    Ähum. Was ist denn das für ein Anspruch? Wozu soll eigentlich eine Ausbildung gut sein, wenn man das alles auch ohne Einweisung und Vorbereitung kann? Natürlich funktioniert das alles ohne Erfahrung eher zufällig und häufig auch gar nicht. Ich bin auch als Vertretungskraft hereingeschneit und mir ging es anfangs ähnlich wie dir. Inzwischen fühle ich mich sehr wohl an der Schule und alles klappt gut. Dazwischen lagen aber auch Jahre, in denen ich Erfahrung sammelte und eine Ausbildung bekam.

    Wieso siehst du es nicht ein bisschen sportlicher? Bis zu den Ferien ist nicht mehr viel Zeit. Mach dein Ding halt, so gut du es kannst. Selbstzweifel sind eher was, was man in sich selbst heranzüchtet, das kann dir später auch in jedem anderen Job passieren, dass du das Gefühl hast, du bist da falsch. Dann ist es vielleicht nicht der Job, aber die Firma oder die Kollegen oder oder. Sieh also lieber diese Herausforderung, dass du diese Zeit noch bewältigen musst, bevor du dir etwas anderes suchst. Aber manchmal ändert sich auch eine Einstellung.

    Was genau ist denn Perfektionismus? Wenn man zu viel Zeit in unwichtige Kleinigkeiten steckt und dafür andere Sachen unerledigt liegen lässt? Wenn man versucht, aus normalen Heranwachsenden Hochbegabte zu machen? Wenn man an sich selbst unerfüllbare Erwartungen stellt? Warum meinst du unter Perfektionismus zu leiden?

    Die Balance zu halten zwischen den wichtigen Dingen, bei denen Sorgfalt und Aufmerksamkeit immer erforderlich sind, und denen, bei denen man auch mal großzügig sein kann, wenn die Zeitnot es erfordert - das ist eine der Fähigkeiten, die ein erfolgreiches Berufsleben ausmachen. Und eigentlich ist es im Privatleben nicht anders, oder?

    Wie war doch grad die Frage ... ?

    Wenn euch Kinder fragen, warum für x Geld da ist und für y nicht, was sagt ihr denn dann? "Das sind halt verschiedene Töpfe." Das ist ja genau das Problem und kein Grund. Bund beschließt, Kommunen sollen zahlen - das fällt halt unter "funktioniert nicht".

    Was bitte sagt das einem Kind? Ungefähr soviel wie all diese Gründe, die da lauten "wegen der Versicherung", "historische Gründe", "Sachzwänge", "politisch nicht durchsetzbar" und was der Schablonen mehr sind. Ganz wichtig auch: "Das ist wegen dem Computer ..." Wollen wir das wirklich - Kinder, die schon frühestmöglich Behördendeutsch und blöde Ausreden lernen?

    Es macht einen schon wütend, zu hören, dass Kinder immer schlechter schwimmen können, weil immer mehr Schwimmbäder schließen müssen. Und an anderen Stellen wird Geld versenkt ohne Ende, ich sag nur BER. Wieso soll man diese Probleme beschönigen, und was hat das mit einer politischen Richtung zu tun?

    Meistens findet man die Ideen um so weniger, je verzweifelter man sucht. Für eine Examensstunde sollte es schon was Besonderes sein, aber vor allem etwas, was zu deiner Lerngruppe passt. Denk nicht so sehr dran, dass sie nicht viel können, sondern mehr daran, mit was man sie locken, fördern, fordern kann.

    Ende Mai ist noch nicht. Ich würde mich erst mal gedanklich ein bisschen ausklinken und um Ostern herum möglichst oft spazierengehen. Ich bin sicher, es wird dich eine Idee finden. Das ist doch eine großartiger Zeitpunkt für etwas, was mit Natur zu tun hat.

    Viel Erfolg!

    Es ist einigermaßen sinnlos, anderen das vorzuwerfen, was sie empfinden oder eben auch nicht empfinden. Man hat irgendwie auch nur ein bestimmtes Kontigent an Betroffenheit, Mitgefühl etc., wenn man versuchte, mit allen mitzufühlen oder allen zu helfen, könnte man gar nicht existieren. So finde ich es ein gutes Recht auch der Kinder, sich von diesem Unglück nicht so nah anfassen zu lassen, und dass die Medien so eine große Welle machen, ist schon gar kein Grund, darauf mitzuschwimmen.

    Man muss sich auch klar machen, was man mit seiner Angst anrichten kann. Nicht nur, dass man andere damit ansteckt. Der Satz, dass Angst kein guter Ratgeber sei, ist vielleicht nicht auf alles verallgemeinbar, aber es steckt viel Wahres darin. Auch wenn man das für sich selbst nicht so steuern kann, sollte man sich doch hüten, anderen ankreiden zu wollen, dass sie gerade nicht in Panik ausbrechen. Auch wenn einem die etwas schroffe Art von Elternschreck vielleicht nicht so zusagt.

    In den USA starben nach 9/11 mehr Leute im Straßenverkehr, weil die Leute Flugangst hatten.

    Die Verdrängung, die Freud beschrieb, hat so einen schlechten Ruf. Aber wie wollten wir denn weiterleben, wenn wir nicht verdrängen würden, was alles Schreckliches geschieht und geschehen kann? Es gibt nicht für alle Eventualitäten Sicherheitsgurte.

    Es gibt ein hübsches Buch von Midas Dekkers "Das Gnu und du". Da beschreibt er die große Gelassenheit der Gnuherde, die permanent von Löwen belauert wird, mit unserer Gelassenheit im Straßenverkehr, in dem die tödliche Gefahr ebenso präsent ist, aber ignoriert wird. Wir wären sonst handlungsunfähig.

    Das geht natürlich manchen Menschen mit Lehrern ähnlich. Für mich immer auch ein Grund, die eigene Arbeit mal wieder kritisch zu reflektieren...

    Oh ja, und nicht nur "manchen Menschen" sondern sogar "manchen Lehrern". Und ich habe mich schon mehrfach gefragt, ob ich auch so gruselig rüberkomme und gehofft, es möge nicht so sein. Besserwisserisch. Ohne Zuhören. Mit dem Anspruch, Eltern besäßen eine Art Fernbedienung für ihr Kind, und mit der Vorstellung, man müsse nur an der richtigen Stelle herumschrauben, dann käme aus einem Kind alles hervor, was man sich so wünscht. Was nicht passt, wird passend gemacht. Und passend heißt: Wie die anderen alle.

    Ich habe auch schon Erzieherinnen im Kindergarten erlebt, die sich in medizinischen Fragen allzu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Ja, das kann einen alles sehr verunsichern, und gut, wenn man dann Ärzte mit Gelassenheit und Erfahrung hat, denen man vertrauen kann - aber das ist ja leider auch nicht so einfach und wäre ein weiteres Thema.

    Andererseits muss man gerechterweise sagen, Lehrer als Eltern sind sicher auch nicht angenehm und diesen sonderbaren diagnostischen Blick auf das eigene Kind finde ich komisch. Ich bin als Mutter immer zu nah dran, und ich habe eine andere Aufgabe als die Lehrer. Ich liebe und unterstütze mein Kind bedingungslos. Aber ich kann vieles nicht beurteilen - genau deshalb. Manche Leute weigern sich hartnäckig, zu sehen, dass ihr Kind ein Problem hat - und sei es ein offensichtliches Gewichtsproblem.

    Danke für deine deutlichen Worte, Meike.

    Ich neige nicht zu Selbstgesprächen, aber bei einem dieser genüsslich-betroffenheitstriefenden Radiobeiträgen im WDR habe ich unterwegs mit einem lauten "unerträglich!" das Radio ausschalten müssen.

    Heute ging mir durch den Kopf, dass "uns" dieses Ereignis vielleicht deshalb so trifft, weil die Opfer Menschen aus unserer Mittelschicht sind, die taten, was alle gern tun: Mit dem Flugzeug verreisen. Uns allen ist klar, dass der Klimawandel, zu dem der überdimensionierte Flugverkehr maßgeblich beiträgt, schon jetzt Opfer fordert. Aber die sind halt weit weg und gehen uns irgendwie nichts an und all die Berichte darüber würden uns im Leben nicht davon abhalten, unsere Kinder im SUV (brauchen wir, wir haben ja einen Hund) vor der Grundschule abzuladen und zweimal im Jahr in den Urlaub zu fliegen. Auf einmal rückt da ein Unglück an uns heran, dass nichts mit der Identität der Opfer zu tun hat. Weder waren sie arm noch krank noch wohnten sie dummerweise an der falschen Stelle auf diesem Planeten. Wir könnten es selbst gewesen sein. Erklärt sich so die vermutete Neugier des Publikums, die die Journalisten mit allen Mitteln zu befriedigen trachten?

    Wir können aber jeden Tag an allem möglichen versterben und kein Hahn würde danach krähen und unseren Angehörigen Mikrophone unter die Nase halten. Es sterben Menschen an Misshandlungen, Krankenhauskeimen, Verkehrsunfällen oder Krebs. Manches könnte man verhindern, manches nicht. Manchmal wäre es gut, die Tür zum Cockpit zuzusperren, und genau das kann verhängnisvoll sein.

    Mich machen Hunger, Krieg und Gewalt sehr viel betroffener als ein solches Unglück, so schrecklich es ist, es ist passiert, die anderen Dinge gehen aber leider immer weiter, täglich. Vielleicht reagieren Kinder manchmal "unpassend" - aber was machen wir ihnen denn vor? Eine kurze Meldung von einem erneuten Terroranschlag und dann erst mal die Fußballergebnisse. Nein, ich habe auch keine Lösung.

    Da sich viele Leute am Arbeitsplatz (oder im Studium) kennenlernen, ist es ganz natürlich, dass viele Ehepartner denselben Beruf haben oder sogar bei derselben Firma arbeiten. Wie alles andere hat das Vor- und Nachteile. Ich verstehe Meikes Bedenken, aber man kann als Paar ja durchaus gegensteuern. Und sehr oft funktioniert es einfach, oftmals wohl auch besser als wenn man so gar nichts vom Beruf des anderen versteht.

    Von daher wäre ich da erst mal offen und würde es auf mich zukommen lassen.

    Ich persönlich bin ich ganz froh, keinen Lehrer zum Mann zu haben.

    Die reden immer so viel und wissen alles besser.

    Wir hatten auch schon den umgekehrten Fall. Ein Fünfzehnjähriger sah aus wie ein Referendar.

    Das mit der Kleidung ist natürlich schon mal ein Hinweis, wie auch die anderen Tipps von alias. Man muss sich die Achtung halt erarbeiten. Auch Lehrer, die schon älter, aber dafür unerfahren sind (z. B. Seiteneinsteiger) haben mit den Schülern zu kämpfen, weil die alle Tricks draufhaben, die die Lehrkraft (noch) nicht kennt.

    Ich muss auch bisweilen schnöselige Nerds davon überzeugen, dass ich mein Fach beherrsche und sie doch noch nicht alles wissen. Und einige staunen auch schonmal: "Sie sind die erste Frau, die mir am Computer was zeigen kann ... "

    Am Berufskolleg ist es übrigens nicht ungewöhnlich, dass Lehrkräfte jünger sind als ein Teil ihrer Schülerschaft. Also: Nur Mut!!

    Also nach 4 Jahren Unterrichtspraxis noch soviel zu arbeiten: Schrecklich! Die Folgen sieht man ja schon: Der Partner ist verzweifelt und wendet sich an ein Forum, in dem er gar nicht schreiben darf. Wann bitte soll man noch entspannen, Hobbys betreiben, Sport machen, Freunde treffen - all das tun, was zu einem erfüllten Leben gehört , wenn man immerzu arbeitet?

    Auch von mir: Nein, das tun nicht alle. Ich habe noch eine Menge Hobbys, eine Familie, einen Haushalt, mein Sportprogramm ... und ich kriege alles unter. Natürlich gibt es Phasen, da hat man für manche Dinge keine Zeit oder ist zu erschöpft, um noch kreativ zu sein oder die Küche aufzuräumen. Aber das gleicht sich dann irgendwann wieder aus. Und manchmal muss man ein bisschen schlampen, da hilft halt nix.

    Das Problem, Beruf und Familie/Freizeit/Partnerschaft zu vereinbaren, ist natürlich ein Leben lang akut. Da muss auch jeder für sich einen Weg finden. Die große Frage ist: Kann man auch für jemand anderen einen Weg finden? Jeder hat so seinen Arbeitsstil. Die offensichtlichen Zeitfresser kann man ja immer besser bei anderen beobachten als bei sich selbst. Dieses Überpenibelsein (muss man jedes Tafelbild in der Tasche haben?). Oder das ewige Redenredenreden (man kann auch mal kurz angebunden sein, ohne sich gleich Feinde zu machen). Sich schlecht zu organisieren, Unterlagen nicht parat zu haben, Termine nicht einzuhalten, jedes kleine Vergehen von Schülerseite mit großem Pompom ahnden wollen ... all das verursacht Stress. Aber wie gesagt, ändern kann das jeder nur für sich. Der Partner kann vielleicht ein bisschen coachen, zuhören, ermutigen. Was voraussetzt, dass man überhaupt ins Gespräch kommt. Ich stelle es mir schwierig vor, vom Partner zu hören: "Ey, du arbeitest zu viel, schau, andere schaffen das in viel weniger Zeit." Vielleicht wirklich zuhören und von sich aus sagen, dass man leidet. Denn so ist es ja.

    Wie handelt man richtig?
    "Danke, dass du ehrlich warst, aber ich muss dir trotzdem eine 6 geben" oder "Eigentlich wäre es ja eine 6, aber weil du so ehrlich warst drücke ich mal ein Auge zu".
    Ich bin ja nicht an der Grundschule, da geht man möglicherweise anders vor, aber ich versuche tatsächlich im Normalfall* die Regeln konsequent durchzusetzen, einfach um keine Präzedenzfälle zu schaffen. Sonst würden sich meine (mehr oder weniger erwachsenen)Schüler schnell sagen: "Muss man nicht so ernst nehmen, solange mal ehrlich ist kommt man durch".

    Da hilft halt nur Augenmaß. Im geschilderten Fall ist eigentlich klar, was die Folge ist: Wenn Kreidequietscher jetzt eine Mordswelle macht, dann werden sich die Eltern sagen, die Ehrlichen sind halt die Dummen, und nächstes Mal schreiben sie direkt eine Entschuldigung und behaupten, ihr Kind sei krank. Das ist ja viel bequemer. Übrigens für alle Beteiligten. Da würde ich jetzt nicht nach der Moral fragen, sondern nach der Beziehung. Wenn ich möchte, dass Eltern offen zu mir sprechen, dann verhalte ich mich auch so. Wenn ich wegen einem Aufsatz nach der Schulaufsicht rufe, muss ich mich nicht wundern, wenn das Verhältnis danach etwas getrübt ist. Da muss man schauen, wie groß die "Vergehen" insgesamt sind.

    Man kommt ja eben nicht durch, wenn man immer ehrlich ist. Wie dämlich ist das, wenn volljährige Schüler erst zur dritten Stunde kommen und sagen, sie haben verschlafen? Dann muss man ihnen zwei unentschuldigte Stunden aufschreiben und die machen sich gar nicht gut auf dem Bewerbungszeugnis. Die Ehrlichkeit volljähriger Schüler muss durchaus nicht von Aufrichtigkeit geprägt sein. Manchmal ist sie auch einfach nur dreist oder einfallslos. Mit einem "Ich bin nur ehrlich, ich sag das jetzt mal so" kann man die größten Unverschämtheiten loswerden. Dass Schüler ausprobieren, wie weit sie gehen können, ist ja ganz normal und gehört zur Entwicklung.

    Aber stimmt schon, es ist ein schwieriges Thema, das sich nicht ein für allemal beantworten lässt.

    Hast du mit dem Hort gesprochen? Ich kenne es so, dass die Kinder erstens den Weg immer zu mehreren machen und zweitens so lange begleitet werden, bis sie es sicher ohne Begleitung schaffen. Bei unserem Sohn war das in der Zeit bis zu den Herbstferien bewältigt. Die Kinder sind Stück für Stück in die "Freiheit" entlassen worden und dann allein gegangen. Und ich finde das auch den einzig vernünftigen Weg. Natürlich kann man vorher kleine Wege üben. Mindestens genauso wichtig ist ja der Straßenverkehr. Aber von der Erwartungshaltung, dass dein Sohn vom ersten Tag an alles allein schafft, solltest du dich verabschieden. Du klingst da ein wenig - hm - unentspannt. Dein Kind hat aber ein Recht darauf, behutsam begleitet und "entlassen" zu werden. Wie gesagt, sprich mal mit dem Hort. Da wird sich schon ein Weg finden.

    Das beste Ordnungssystem nutzt nichts, wenn man keine Disziplin hat, es durchzuhalten ... ich finde es einfach fürchterlich!!! Theoretisch alles schön, für jede Klasse einen Klemmordner, darin Arbeitsblätter und meine Unterrichtsnotizen inkl. Namensliste mit Noten. Ein halbwegs sortiertes Dateisystem und ein paar Stehsammler.

    Und dann ist doch wieder alles so hektisch, ich packe am Ende des Vormittags alles auf einen Stapel mit dem festen Vorsatz, es zu Hause zu sortieren. Das ist fast noch schlimmer als Klausuren korrigieren. Dann geht man doch lieber ins Lehrerforum und gibt anderen Ratschläge :klatsch:

    Für mich ist es schwer, die richtige Balance zwischen Vorsicht bei Fremden und erwünschter Offenheit anderen Personen gegenüber...

    Das ist nicht nur für dich schwer. Das ist für alle Eltern schwer, und eigentlich begleitet es einen ja durchs Leben. Vertrauen fassen, Menschenkenntnis erwerben ... da lernt man nie aus. Kinder warnen, ohne ihnen Angst zu machen, ist ja auch eine Art Quadratur des Kreises. Das ist mit dem Straßenverkehr ähnlich.

    Dein Sohn hat deinen Hinweis ein bisschen zu wörtlich genommen. Das ist vielleicht auch ein spezielles Problem von ihm. Ich denke, du kannst auch nicht erwarten, dass er stets mit allen Leuten ins Gespräch kommt, die er nicht kennt, auch wenn du es "erlaubst". Das wird alles etwas Zeit in Anspruch nehmen, und ich glaube, im Moment wäre das "Sprechen mit anderen Leuten" ein wichtigeres Lernziel als das "Nicht mit Fremden reden", denn da kommt ja jetzt eine Menge auf ihn zu. Und keine Warnhinweise und kein Passwort der Welt entheben einen von der Pflicht, auf sein Kind aufzupassen.

    Diese Regel, nicht mit fremden Männern zu reden, finde ich auch ein bisschen zweifelhaft. Man muss doch oft mit "fremden Männern" reden, sei es ein Polizist oder ein Bademeister, das kann lebensrettend sein! Hingegen können, wie beschrieben, vertraute Menschen gefährlicher und böser sein als "fremde". Wichtiger wäre es, dem Kind klarzumachen, dass niemand mit ihm etwas machen darf, was es nicht will. Auf einem Vortrag wurde mal zu uns gesagt, dass der Spruch "Stell dich nicht so an" quasi eine Eintrittskarte für Missbrauch ist. Es ist ja tatsächlich eine Aufforderung, die eigenen Empfindungen nicht ernst zu nehmen. Natürlich kann man das mal sagen. Aber eben nicht als Lebensweisheit verkaufen.

    Ich habe meinen Kindern gesagt, dass ich immer wissen muss, wo sie sind. Das schließt ein, dass sie nicht mit jemand mitgehen, ohne dass ich davon weiß.

    Ich würde vor allem ein paar einfache Lieder bereithalten. Man muss die nicht aus dem Radio kennen, sie müssen nur schnell einzuprägen und leicht mitzusingen sein - und für dich eben auch einfach genug sein. "Wer hat die Kokosnuss" ist da schon ein guter Anfang. Oder sowas wie "Was müssen das für Bäume sein..." - du hörst es einmal und schon willst du mitsingen. "Über den Wolken" hat doch schon so viel Text, da wirst du allein singen.

    Ich würde mich mit genügend Liederbüchern eindecken (Bücherei), ein bisschen üben und dann frohgemut ausprobieren. Erzähl uns nachher, was euer "Lagerlied" geworden ist!

    Bei den Uniprofessoren hat man das mit der Leistungszulage schon versucht. Die haben dann als Grundgehalt weniger bekommen als ein Studienrat - der Rest sollte nach Leistung zugeteilt werden. Dagegen haben sie erfolgreich geklagt.

    Soll ein Lehrer jetzt auch Drittmittel eintreiben? Gute Bewertungen von Schülern und Eltern bekommen, bevor er soviel verdient, dass er davon leben kann? Wie genau misst man Leistung? Bestimmt nicht nach Zeit! Da gibt es Leute, die die Hälfte der Zeit damit beschäftigt sind, zu erzählen, wie furchtbar viel sie zu tun haben, in Wirklichkeit sind sie einfach nur ineffizient - und reden zuviel. Wenn es nach Leistungspunkten ginge, würde ich auch jede lächerliche Nebentätigkeit zu einer unglaublichen Belastung aufblasen.

    Auch ein fauler Schüler kann gute Noten haben. Das ist das Ungerechte in der Welt. So kann auch ein Lehrer, der konzentriert arbeitet und gut improvisieren kann, weil er sein Fachwissen immer abrufen kann, mit weniger Zeitaufwand besseren Unterricht machen als jemand, der jede Stunde ewig lange vorbereiten muss, weil ihm die Grundlagen fehlen. Und Korrekturzeiten kann man jetzt auch nicht so einfach messen wie, sagen wir, Regaleinräumen.

    Ich glaube nicht, dass man mit finanziellen Anreizen (oder eher: Drohungen) weiterkommt. Sinnvoller wäre es, die Arbeitsbedingungen insgesamt zu verbessern, denn die sind es, die einen auf Dauer frustrieren.

    Man könnte natürlich auch über den Sinn und Unsinn der Verbeamtung mal nachdenken.

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