Ich will gar nichts erklären und da rufen auch nicht nur "die Medien". Ist nur eine zusätzliche Information - aus der Schweiz.
Beiträge von Eugenia
-
-
Die Schweizer sind jetzt übrigens die ganz bösen Burschen, falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Wir haben jetzt sogar weniger Beschränkungen als die Schweden.
-
Was wird eigentlich erwartet? Provokant gesagt dasselbe wie immer: Dass der Lehrer für die Medien und die Öffentlichkeit den Sündenbock macht und getreten wird, wenn er die Quadratur des Kreises nicht schafft. Aber das sind eher Erfahrungen in sozialen und sonstigen Medien und Kampagnen diverser Zeitungen, die gerade den Lehrer wieder mal als Wurzel des Übels entdecken und Neiddebatten schüren.
Ich habe gar keine so schlechten Erfahrungen mit Schülern und Eltern im Online-Lernen gemacht. Die meisten waren ganz zufrieden mit dem, was da auf die Schnelle aus dem Boden gestampft wurde, und wollten gar keine Rundum-Multimedia-Dauerbespaßung. Ich hätte auch selbst von mir aus noch mehr bieten können an Video-Unterricht oder Plattformnutzung, das wurde aber von den Eltern (!) geblockt, weil sie aus Unsicherheit in die Nutzung nicht eingewilligt haben und lieber Altbekanntes wollten. Einige hatten auch schlicht die technischen Voraussetzungen nicht, wenn das Internet am Wohnort vorsintflutlich ist, nutzt die schönste Digital-Beschulung nichts.
Im Fernunterricht sind, das wird jetzt deutlich, die Scheren zwischen den Schülern weiter auseinander gegangen. Die Fitten haben das Ganze toll bewältigt, diejenigen, die man auch sonst dauernd ermahnen / antreiben muss oder die ohnehin schwach auf der Brust waren, haben deutlichere Probleme. Alles nicht verwunderlich, aber auch alles kein nicht wieder gutzumachender Schaden, wie die Medien dauernd suggerieren.
-
Ich lese in der Petition keinen sinnvollen Vorschlag. Er unterstreicht nur mal wieder die allgemeine Meinung, dass Lehrer eh nur rumpienzen und jammern. Solche Petitionen scheint es auch nur für Lehrer zu geben. In Kindergärten, Krankenhäusern, Supermärkten, Pflegeheimen scheint man ganz normal ohne Risiko seiner Arbeit nachgehen zu können ohne überall Lebensgefahr zu wittern und darauf zu bestehen, dass die Klienten möglichst daheim bleiben.
Ich habe, ehrlich gesagt, unfassbar die Nase voll davon, dass Lehrer mit Krankenschwestern oder Pflegerinnen gleichgesetzt werden. Hier gab es übrigens auch Protestaktionen von Pflegepersonal gegen die grottige Ausstattung mit Schutzmaterial, von Erzieherinnen, die ihre Bedenken artikulierten, von Krankenschwestern, die empört sind, dass auf Applausaktionen keine Taten folgen - das ist legitim. Und genauso legitim ist es, dass Lehrer auf Probleme in ihrem Arbeitsbereich aufmerksam machen. Ich habe manchmal den Eindruck, diese Vergleiche sollen nur dazu dienen, Lehrer mundtot zu machen und Leute gegeneinander auszuspielen. Ich bin keine Krankenschwester - aus gutem Grund. Aber ich arbeite in Räumen, in denen auf engstem Raum 30 Personen sitzen, zwischen der ersten Reihe Kinder und mir teilweise nur mit einer Armlänge Abstand. Sind alle im Raum, gehen die Fenster nicht auf - die hat der Architekt sinnigerweise so angelegt, dass dann die Kinder das Fenster voll gegen die Stirn bekommen würden, die dort sitzen. Ich arbeite auch nicht in einem Supermarkt - dann hätte ich hier am Ort wenigstens einen Plexiglasschutz und Masken, die der Arbeitgeber zahlt. Und nein, ich meine nicht, dass Supermarktmitarbeiter zu beneiden sind. Aber dieses "Stell dich nicht so an, anderen geht es auch mies und die jammern nicht" ist ganz gefährlich - weil es berechtigte Bedenken und Beschwerden abwürgt. Nur weil Kindergärtner, Krankenpflegepersonal und andere einen riskanten Job haben und teilweise unter miesen Bedingungen arbeiten, muss ich das als Lehrer nicht auch für mich klaglos hinnehmen. Und diese Berufsgruppen müssen das auch nicht.
-
https://www.ndr.de/nachrichten/sc…erricht160.html
Für Schleswig-Holstein ist auch vom Arbeitsmedizinischen Dienst die Rede.
-
Gibt es eigentlich irgendwelche Informationen zu Überlegungen, wie die Länder nach den Ferien mit Lehrern und Schülern aus den Risikogruppen umgehen wollen? Ich meine jetzt bitte nicht die Fraktion "Wird auch Zeit, dass die wieder antreten", sondern sachliche Informationen. In einigen Bundesländern wird ja der Betriebsärztliche Dienst eingeschaltet, wenn ich das richtig sehe? Attestpflicht gilt inzwischen offenbar flächendeckend.
-
Risikogruppenbashing, aka Lehrerbashing 2.0. Immer schön nach unten treten. Löst zwar kein Problem, aber ist so herrlich befreiend. Was macht die Risikogruppe in der Zeit? Fragen Sie Ihre Schulleitung, die sollte das verbindlich regeln. Oder legen Sie sich eine Krankheit zu, die Sie zur Risikogruppe macht. Ein geiles Gefühl, seinen Beruf nicht mehr normal ausüben zu können, weil man Gefahr läuft, durch Corona ins Gras zu beißen. Im Ernst: hört doch mal auf, dauernd das Thema Risikogruppen aufzukochen. Das machen schon Kretschmann und Co. und werden die Kollegen auf absehbare Sicht auch an die Front schicken. Ohne Rücksicht auf Verluste. Da muss man als Kollegium nicht noch nachtreten. Den Lehrermangel verantwortet die Politik. Nicht ein Kollege, der ernsthaft um seine Gesundheit bangt. Und jetzt bitte nicht wieder den scheinkranken Simulanten aus der Schublade holen. Hatten wir hier alles schon....
-
In Hessen überlässt man das offenbar ganz den Schulen. Schulen, die Interesse haben, so etwas mit internen oder externen Kräften durchzuführen, können sich beim Ministerium melden und erhalten "Beratung".
-
Also irgendwer unterrichtet irgendwie und irgendwelche Lehrer bereiten irgendwas vor? Ich bin verwirrt.
Das fasst die Lage optimal zusammen. -
Bei uns halten sich die 5.-7. Klassen ganz gut an die Regeln. Problematisch sind die Jahrgänge 8 und 9, in der Oberstufe wird es dann wieder besser. Kollegen sehr unterschiedlich - von konsequentem Maskentragen bis zu laissez-faire und Tuchfühlung, als wäre nichts, ist alles dabei. Das Lehrerzimmer meiden viele Kollegen inzwischen, die auf Abstand Wert legen, und überlassen es den Kaffeeklatsch-Zirkeln, weil man sich nicht dauernd anbinden oder blöden Sprüchen aussetzen will. Ein Armutszeugnis.
-
Wie soll das denn an weiterführenden Schulen gehen - keine Durchmischung der Lerngruppen? Bei uns wären dann über 1300 Schüler in der Schule. Klassen mischen sich
- in Religion / Ethik
- in der 2. Fremdsprache
- im Wahlpflichtunterricht ab der 9. Klasse
- in AGs
- teilweise im Sportunterricht
- in der Nachmittagsbetreuung
Kann man nicht wenigstens erwarten, dass Gerichte sich mal über die Realität vor Ort informieren, ehe sie so etwas postulieren?!
-
-
Das ist nicht Elternsicht vs. Lehrersicht. Ich kenne etliche Eltern, die das Vorgehen der Kultusministerien total unverantwortlich finden. Und ich habe heute gesehen, dass mehrere Kollegen, die seit Wochen auf "locker" machen und betonen, dass das doch alles übertrieben ist, ganz schnell ihre Meinung änderten, nachdem bekannt wurde, dass im Kindergarten ihres Wohnortes Corona aufgetreten ist und ihre eigenen Kinder nun daheim in Quarantäne hocken.
-
Hessen zieht nach im Öffnungsirrsinn. Und in der Pressekonferenz, in der das bekanntgegeben wurde, wurden Lehrer nur in einem winzigen pauschalen, verzichtbaren Satz erwähnt - nicht einmal Lehrer, sondern "die Schulen", die mal knapp für ihre Arbeit gelobt wurden. Lorz beruft sich auf angebliche Studien, die er nicht konkretisieren kann, wenn nachgefragt wird, ein einziges Trauerspiel! Lehrer als Verfügungsmasse für wilde Profilierungsexzesse der Politik und virologische Durchseuchungsexperimente. Ich nehme an, das hessische Corona-Kabinett tagte schön mit Abstand und Mundschutz. Oder Plexiglas. Oder in einer Videokonferenz.
-
Ich frage mich langsam, wo diese dauernde Klage über den nicht geschafften "Stoff" herkommt. Ich bin mit meinen Schülern genauso weit wie ich es sonst wäre - es gab schon Halbjahre, da hinkten wir deutlich mehr hinterher. Im Präsenzunterricht zeigen sich bei einigen Defizite, aber nichts, was nicht aufzuholen wäre. Die Schere zwischen schwachen und leistungsstärkeren Schülern geht etwas mehr auseinander, aber da braucht man höchstens intelligente Förderkonzepte (und dafür Förderstunden) im Rahmen des Regelbetriebes. Das ist zu schaffen. Und zwar ohne gewaltige Wochenend- oder Ferienkurse. Die Oberstufe hat eigenverantwortlich ordentlich gearbeitet, wer sich in der Qualifikationsphase auf die faule Haut legt, kann sich meiner Meinung nach nicht auf Corona berufen, sondern trägt zumindest ordentlich Mitverantwortung.
Vielleicht sieht das an Grundschulen anders aus, aber die dauernde Unkerei über Massen an verpassten Inhalten kann weder ich noch irgendein Kollege, mit dem ich bei uns gesprochen habe, teilen.
-
Offenbar kann man es als Risikopatient ohnehin gerade niemandem recht machen. Bleibt man zu Hause, heißt es: "Wer weiß, ob der / die sich nicht nur vor der Arbeit drückt." Geht man wieder in die Schule, wird gemunkelt: "Oho, warum ist der / die denn jetzt wieder da? Dann kann es doch nicht so weit her sein mit dem Risiko." Ich finde diese Diskussion langsam hochgradig peinlich. Auch ohne Corona gibt es Kollegen, die sich nicht gerade ein Bein ausreißen und ihre Arbeit, sagen wir mal, minimieren. Weil sie keinen Bock haben, weil sie es nicht besser auf die Reihe kriegen, weil sie aus Frust Dienst nach Vorschrift machen oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Mit gesundheitlichen Faktoren hat das selten etwas zu tun. Das sind aber nicht die Risikopatienten, die jetzt ein Attest bekommen. Das ist eine andere Baustelle, die unabhängig von Pandemien besteht. Und auch ohne Corona muss ich als Kollegin ab und an Mehrarbeit schultern, weil Kollegen ausfallen oder nicht einsetzbar sind oder der Plan es verlangt. Warum, weiß ich nicht in jedem Fall. Geht mich auch nichts an. Das nennt man Datenschutz. Wenn es mir zu viel wird, frage ich bei der Schulleitung nach, ob sich die Sache nicht entzerren lässt. Diese dauernde Spekuliererei aus Frust über den eigenen Stress, ob auch ja kein Kollege jetzt untätig daheim sitzt und sich ins Fäustchen lacht, führt nur zu einem unguten Arbeitsklima, und das überdauert Corona sehr hartnäckig! Dass im Moment mehr Planungsaufwand bei der Schulleitung liegt, wenn sich die Belegschaft ändert, ist klar. Dafür können aber die Kollegen nichts. Das ist "von oben" so in Kauf genommen. Und dafür ist die Schulleitung auch Schulleitung. Bei den wirklich Verantwortlichen in Schulamt und Regierung wagen die wenigsten Schulleitungen sich zu beschweren.
-
Und was habe ich dann davon? Klar kann ich dann früher auch asymptomatische Verläufe erkennen und vll. etwas früher auf die Bremse treten. Aber Kitas und Schulen ganz öffnen und dafür Lehrer und Erzieher testen, ist eine Milchmädchenrechnung, solange keine weiteren Schutzmaßnahmen vorhanden sind. Sonst müsste man die Schüler auch testen. Er bezeichnete irgendwo die Lehrer dann als "Indikator", wie stark der Virus im Umlauf ist. Ich möchte kein Indikator sein. Ich möchte Gesundheitsschutz. Beim besagten Interview mit Herrn Drosten hört sich das irgendwie nach Reagenzglas-Szenario an.
-
Ramelow kritisiert zunehmende Entsolidarisierung und will Gebote statt Verbote, weil man nichts anordnen könnte, was die Menschen nicht "im Herzen tragen". Das setzt voraus, dass "die Menschen" Rücksichtnahme auch so "im Herzen tragen" - was ich sehr bezweifle. Die Debatte wird leider zunehmend von einer "Hier komme ich, ich will nicht mehr verzichten"-Stimmung geprägt. Und damit meine ich nicht Probleme der Wirtschaft oder existenzielle Probleme, sondern die Fraktion "Mundschutz ist lästig. Ich will meine Hobbys frei ausleben und im Sommer nicht auf den Ballermann verzichten"-Gruppe. So wird ein offizieller Verzicht auf Verbote im Moment leider die Entsolidarisierung auf die Spitze treiben. Menschen mit erhöhtem Risiko werden dann noch weiter in die Isolation gedrängt, weil im Supermarkt eben kaum einer mehr Abstand hält oder Mundschutz trägt. Wobei ich insgesamt die Fokussierung auf Risikogruppen nicht überbetonen möchte, da sie aus meiner Sicht problematisch ist. Sie suggeriert nämlich einigen, dass es per se Leute gibt, die ein höheres Risiko haben, während die anderen die Sache lockerer sehen könnten. Und dazu wissen wir noch viel zu wenig über Corona.
-
Hier ähnlich. Die Zeitung brachte einen euphorischen Bericht, wie toll es in der örtlichen Grundschule läuft. Unser Nachbar, dessen Kinder dort hingehen, berichtet ganz anderes.
-
Was hat denn Kurzarbeit damit zu tun? Kommt jetzt wieder die „Stellt euch mal nicht an, anderen geht es schlechter“ Leier? Ihr seid schon Beamte, da könnt ihr wenigstens sonst zurückstecken? Arbeitsmittel hat der Arbeitgeber zu stellen, das ist kein übertriebener Luxus oder unangemessener Anspruch. Das ist im Arbeitsleben normal. Und nur weil ich Beamter bin, ändert das daran nichts. Ich kenne keinen Manager, der sagen würde „Mensch, jetzt verdiene ich doch glatt mehr als viele andere und bekomme im Notfall eine tolle Abfindung, da kann ich doch mal einen privaten Rechner kaufen und damit für die Firma arbeiten.“ Oder einen Supermarktmitarbeiter, der die Waage fürs Obst selbst kauft. Und ja, Letzterer verdient weniger und ja er ist Vll. In Kurzarbeit und wir nicht. Aber dafür muss ich nicht schon wieder das Büßerkäppchen aufsetzen. Mit oder ohne Corona.
Werbung