Alles anzeigenWas hier von manchen Kollegen an "Argumenten" gebracht wird, ist hanebüchen, egoistisch und selbstbezogen.
Dabei meine ich nicht die Eltern.
Darf ich die betreffenden Kolleginnen und Kollegen an ihren Amtseid auf die Verfassung erinnern?
Explizit an
§6 Grundgesetz
(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.Auf diesem Paragrafen fußen Regelungen in Arbeitszeitordnungen, die Single-Personen anders behandeln als Kollegen mit Kindern.
Und das ist gut so.
Während meine kinderlosen Doppelverdiener-Ehegattensplitting-Kollegen ihren Steuervorteil ins Wohnmobil investierten, hatte ich sicherlich die doppelte bis dreifache Summe in die Ausbildung meiner Kinder investiert, die diesen Kollegen bei einem Unfall das Leben retten und die Rente bezahlen. Ohne eine zeitliche Entlastung hätte ich diese Ausbildung nicht schultern können - und meine geehrten Lehrerkollegen müssten eventuell ihren Hartz-IV-Anteil für die Versorgung meiner Kinder aufbringen.Das egoistische Gejammere über die "Ungerechtigkeit" bei der Behandlung von Kollegen mit Kindern ist widerlich.
Es ist für mich ein Unterschied, ob in sensibler Weise nach Lösungen gesucht wird, die Eltern mit Kindern das Leben etwas erleichtern, oder ob mit dem Holzhammer vorgegangen wird, wie hier im Eingangspost beschrieben. Zu alias möchte ich Folgendes sagen:
1. Nicht alle kinderlosen Kolleginnen und Kollegen sind Doppelverdiener, die das Geld mit vollen Händen für Luxus zum Fenster hinauswerfen. Solche Aussagen sind ebenso unverschämt wie Gezetere gegen Eltern mit Kind. Ich habe z.B. eine ganze Reihe Kollegen, deren Ehegatten zur Zeit arbeitslos sind oder die Angehörige pflegen und dafür aufkommen müssen oder die selbst durch Gesundheitsprobleme erhebliche Kosten haben. Man kann jetzt natürlich immer sagen, dass das mit Kind noch belastender ist, aber dieses dauernde Aufrechnen halte ich für wenig sinnvoll.
2. Das "seid doch froh, dass meine Kinder eure Rente zahlen" ist für mich auch eine Floskel, die ich nicht mehr hören kann. Natürlich funktioniert unser Rentensystem nach dem Generationenvertrag, man sollte aber auch daran denken, dass gerade Single oder Ehepaare ohne Kind, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, im Alter noch viel mehr auf ihr vorher selbst erarbeitetes Einkommen angewiesen sind als Menschen mit zahlreichen Angehörigen, die - so hart es ist - im Notfall vom Staat zur Kasse gebeten werden. Natürlich brauchen wir Kinder für die Zukunft unseres Staates, aber man kann auch nicht dauernd pauschal auf Kinderlose eindreschen, weil diese unsolidarisch keinen Beitrag zum Rentensystem leisten würden. Diese zahlen nämlich auch - und zwar nicht zu knapp.
3. Kinderlosigkeit ist nicht unbedingt zwingend freiwillig-egoistische Entscheidung, auch daran sollte man einmal denken. Für mich klingen einige der Posts hier aber arg danach.
4. Solidarität mit und Rücksichtnahme auf Eltern mit Kinder sind für mich unabdingbar, gerade auch im Beruflichen. Leider vermisse ich aber oft im Alltag und insbesondere in solchen Diskussionen hier die Sensibilität dafür, dass auch kinderlose Kollegen teilweise erhebliche Probleme und Lasten anderer Art im Privaten schultern müssen, die man oft gar nicht kennt.
Grüße Eugenia