Vielleicht kann ich mit meiner Erfahrung als Empfänger von Bewerbungsanschreiben, sprich Schulleiter, weiterhelfen:
Ich hatte in diesem Jahr zwei Stellen ausgeschrieben und darauf insgesamt mehr als 20 Bewerbungen erhalten. Vielleicht ist in der Wirtschaft das Anschreiben wichtiger als an der Schule, denn es bringt meines Erachtens wenig, das Anschreiben spitzfindig zu analysieren. Ich habe jedes Anschreiben genau einmal gelesen. Bei einem Seiteneisteiger wie Dir würde ich schon eine plausible Begründung für den Wechsel in den Lehrerberuf erwarten. Für selbstverständlich halte ich, dass der Bewerber kurz auf die Besonderheit der Schule oder der Stelle eingeht und darlegt, dass er die Bereitschaft mitbringt, sich aktiv einzubringen.
Ich habe noch keinem einzigen Bewerber eine Absage nur aufgrund seines Anschreibens geschickt.
Viel wichtiger sind für mich der Lebenslauf und die Zeugnisse (Abitur, Staatsexamina oder Diplomprüfungen, Praktika, bei Fremdsprachlehrern auch Auslandsstudien und -aufenthalte, Arbeitszeugnisse, dienstliche Beurteilungen bei Versetzungsbewerbern) sowie besondere Kenntnisse und Interessen.
Alle Daten trage ich dann in eine tabellenartige Übersicht ein. Nur diese Übersichten gebe ich den Mitgliedern meines Einstellungsteams weiter (stellvertretender Schulleiter, Personalratsvorsitzender, Beauftragte für Chancengleichheit, Fachschaftsvorsitzender). Sie haben zwar die Möglichkeit, die Bewerbungsmappen einzusehen, doch in aller Regel verzichten sie aus Zeitgründen darauf.
Du siehst, das Bewerbungsanschreiben spielt - wenigstens an meiner Schule - eine etwas untergeordnete Rolle. Sollte es aber sichtbar schlampig gestaltet sein und Fehler enthalten, dann beeinflusst dies natürlich meinen ersten Eindruck beim Bewerbergespräch.
Dieses Gespräch ist aber der wichtigste Teil des Verfahrens, und da kommen selbstverständlich auch detaillierte Fragen zu Ausbildung und Berufstätigkeit.
Ich wünsche Dir viel Erfolg und alles Gute!