Hier in Berlin mussten ja eine zeitlang alle Schulen jahrgangsübergreifend (1./2.) arbeiten, mittlerweile dürfen die Schulen wieder selber entscheiden. Nachdem ich drei Jahre so unterrichtet habe, haben wir seit letztem Jahr wieder "homogene" Klassen. Bei uns hat es definitiv nicht gut funktioniert. Gründe: schwieriges Einzugsgebiet, viele Schüler mit hohem Förderbedarf, wenig Kinder, die auch nur annähernd selbständig arbeiten können. Kaum Räume, um mal mit einer Gruppe extra zu arbeiten, kaum Material, das selbständiges, entdeckendes Lernen zulässt. Theoretische Doppelsteckung fiel praktisch ständig aus wegen Vertretung und (ganz wichtig): obwohl ein großer Teil der Kollegen durchaus bereit war, den Unterricht zu verändern, waren die meisten eben doch nicht in der Lage den Unterricht tatsächlich zu öffnen. Das hat ganz viel mit Umdenken zu tun und ist für Kollegen, die schon seit langen langen Jahren Frontalunterricht machen, einfach ganz fremd. Und ich finde, Öffnung des Unterrichts ist etwas, was man selber wollen muss, das kann man niemanden von außen verordnen. Alle paar Wochen eine Werkstatt einzubauen reicht da nicht. Aber: wenn man ständig versucht, zwei Jahrgänge gleichzeitg frontal zu beschulen, reibt man sich total auf. Die Frage für eure Schule wäre also: inwieweit sind die Lehrer wirklich bereit,sich auf diese Öffnung einzulassen und wird das auch von den Lehrern der höheren Klassenstufen weitergeführt?
Wenn das bei euch so wäre, ihr die räumliche und sächliche Ausstattung habt, Ihr kinder habt, die mit halbwegs guten Lernvorausetzungen kommen, (und auch zu Hause gut unterstützt werden) und wenn sicher ist, dass regelmäßig zwei Erwachsenen in der Klasse sind,gibt es durchaus auch Vorteile: der Hauptvorteil ist tatsächlich die Möglichkeit des längeren Verweilens ohne das die Gruppe gewechselt werden muss. Man kann einfach von Anfang an das Tempo rausnehmen und den langsameren Kindern die Zeit lassen, die sie brauchen. Die Kinder, die bei uns länger brauchen, müssen jetzt nach zwei Jahren die Gruppe wechseln, was bei uns auch zu einem logistischen Problem führt: solange wir die Jahrgangsmischung hatten, war jedes Jahr klar: so viele Kinder geben wir in die dritten klassen ab, so viele neue Kinder kann die Schule aufnehmen. Jetzt ist es so, dass die Plätze vorgehalten werden müssten, weil die Kinder erst nach zwei jahren zurückgesertzt werden. Das interessiert aber das Schulamt nicht. Das tut einfach mal so als gäbe es keine Verweiler (dabei sind das bei uns, auch dank vorgezogener Einschulung, fast 50%) und stopft die erstenKklassen gleich von anfang an so voll, dass sie gar keine Kinder mehr aufnehmen können. Das Ende vom Lied: wir werden nächstes Jahr eine neue Klasse nur mit Verweilern aufmachen (was wir eigentlich gar nicht dürften, aber irgendwo müssen die Kinder ja hin....). Aber vielleicht ist das ja nur berlinspezifischer Wahnsinn....