Beiträge von Plattenspieler

    Nun suche ich ein Buch, wo sich zum Beispiel Tiere in einer solchen Situation befinden.

    Warum? Wenn ihr schon relativ offen darüber gesprochen habt ("einen Vertrag geschlossen"), glaubst du dann, dass es Sinn macht, noch einmal auf diese symbolisch-metaphorische Ebene zurückzukehren?

    Wie sieht denn der Vertrag konkret aus? Was wurde darin beschlossen? Waren alle einverstanden? Was passiert bei Nichteinhaltung?

    Und wie sehen die betroffenen Schüler das selbst? Ist es wirklich so ein vehementes Problem für sie? Oder kommt das fast nur von den Eltern?

    Und: Warum unterrichtest du als Gymnasiallehrerin eine erste Klasse?

    Wenn ich Kochrezepte à la "Wenn das Kind dir "Du Schl%&§ zuruft, antwortest du xy" oder "die Lektion 8a wirst du immer mit stummem Impuls anfangen" erwartet hätte, hätte ich eine Erzieherinausbildung gemacht.

    Glaubst du ernstlich, dass das in der Erzieherausbildung so gelehrt wird? :S

    Erzieher haben durchschnittlich deutlich mehr Ahnung von Erziehungswissenschaft (!) als Gymnasiallehrer.

    Dann ist das natürlich schwierig.
    Das, was ihr da angebt, kann ja aber auch nur eine erste Einschätzung/Empfehlung sein, oder? Schlussendlich den Förderschwerpunkt festlegen wird ja der Sonderpädagoge, der das Kind testet und das Gutachten schreibt ... ?
    Wisst ihr denn, wo und wie das Kind im Kiga betreut wurde? Oder um welche Form von Autismus (frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom, ...) es sich handelt?

    Das kommt wie bei jeder Beeinträchtigung darauf an, wo sich Schwierigkeiten zeigen. Autismus ist ja kein in sich geschlossenes Erscheinungsbild.

    Geht der Autismus mit einer geistigen oder Lernbehinderung einher, wären die FSP Geistige Entwicklung oder Lernen angemessen.
    Bestehen die Probleme hauptsächlich im Bereich des Sozialverhaltens -> FSP emotionale und soziale Entwicklung.
    Sind die Schwierigkeiten primär in der Kommunikation vorhanden -> FSP Sprache.
    usw.usf.
    Du musst dir ja immer überlegen, in welchem Bereich du für das Kind besondere Unterstützung für nötig hältst.

    Viele Kinder mit geringer ausgeprägtem autistischen Verhalten benötigen auch gar keinen [lexicon='SPF',''][/lexicon], um die Regelschule erfolgreich zu absolvieren.

    Hat der Schüler keinen [lexicon='SPF',''][/lexicon] im Förderschwerpunkt Sprache? Warum nicht?
    Muss ja nicht gleich die Förderschule sein; auch bei euch gibt es ja sicher Formen gemeinsamen/integrativen Unterrichts, in denen du zusätzliche Unterstützung durch eine Lehrkraft der Sprachheilschule erhältst ...

    Ansonsten müsstest du ihn wohl etwas detaillierter darstellen, damit man dir hier konkrete Tipps geben kann. Worin zeigen sich seine Probleme "im Satzbau" mündlich und schriftlich? Auf welcher Stufe des Lese- und Rechtschreiberwerbs steht er und welche konkreten Problemen zeigen sich hier? Wie sieht es mit der Aussprache aus, dem Sprachverständnis, ... ?

    Weißt du denn, was inhaltlich in der Logopädie und der "Sprachförderstunde" (in welchem Rahmen genau findet das statt?) gearbeitet wird?

    Du sagst, freies Schreiben ginge gar nicht, und er würde deshalb mehr oder weniger nur nach Vorlage schreiben? Aber wie soll er denn frei schreiben lernen, wenn du ihn nie frei schreiben lässt? Auch wenn am Anfang vielleicht nur ein paar zusammenhanglose, schwer verständliche Wörter herauskämen, ist das doch ein Anfang. Da kann man dann schauen, wie man das erweitert, und der Schüler hat vielleicht auch eine Aha-Erlebnis, wenn er eigene Ideen verschriften kann.

    Richtig nur, dass ein Facharzt per se eine höhere Qualifikationsstufe darstellt als ein Krankenpfleger und dies beim Sonderschullehrer in bezug auf Grundschullehrer nicht der Fall ist.

    Ähm: doch. Nicht umsonst hat der Sonderschullehrer ein längeres Studium und wird eine Besoldungsstufe höher eingestuft. Ist das nicht genau deine Argumentation, weshalb der Gymnasiallehrer eine höhere Qualifikationsstufe gegenüber den anderen Lehrämtern darstellt?
    Außerdem können Sonderschullehrer theoretisch problemlos als Grundschullehrer eingestellt werden, werden Grundschullehrer eben ein Aufbaustudium oder eine solche Fortbildung absolvieren müssen, um auf Stellen von Sonderpädagogen zu arbeiten.


    Warum wünscht man so eine personalintensive Zusatzförderung Einzelner nicht z.B. für Eliteschüler? Da würde das investierte Geld zumindest in Form von zukünftigen potentiellen Spitzenverdienern teilweise an den Staat zurückfließen später.

    Jetzt einmal eine Antwort ganz ohne Polemik und Ironie (ich betone das extra):
    "Eliteschüler" benötigen für sehr gute schulische Leistungen keine Einzelbetreuung. Sie profitieren vom normalen Unterricht, holen sich daraus ihre Anregungen und vertiefen dies auch privat (ein bildungsnahes Elternhaus tut sein übriges). Für Schüler im guten und sehr guten Notenbereich des Regelschulsystems macht es für die Schulleistung, Entwicklung und spätere Arbeitssituation keinen wirklichen Unterschied, ob sie noch Einzelförderung erhalten.
    Schüler mit [lexicon='SPF',''][/lexicon] haben eine gänzlich andere Ausgangslage. Sie können vom Klassenunterricht nicht in gleichem Maße profitieren, weisen noch Entwicklungsrückstände auf und wachsen großteils in anderen Lebenslagen auf. In den unterrichtsergänzenden Förder- und Therapieeinheiten erhalten sie Unterstützung, sich grundlegende Bildung anzueignen und Lernmotivation erst zu entwickeln. Das führt im Idealfall dazu, dass diese Schüler, die sonst beruflich und nachschulisch wenig Perspektiven hätten, wenigstens "einfache" Jobs bekommen und damit ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten können, anstatt dass diese für sie finanziell aufkommen muss. Für diese Schüler macht die intensive Einzelbetreuung also durchaus einen Unterschied.
    Prinzipiell ist [lexicon='SPF',''][/lexicon] ja auch so konzipiert, dass Schüler diesen nur zeitweise haben, bis Entwicklungsrückstände aufgeholt und schwierige Entwicklungsphasen überwunden sind. Dass dies nur bei wenigen Förderschwerpunkten ud einem Teil der Schüler funktioniert, ist eine andere Sache (und hängt eventuell auch damit zusammen, dass es noch zu wenig sonderpädagogische Unterstützungssysteme gibt).



    Es gibt doch nur zwei realistisch bezahlbare Möglichkeiten:
    1) Keine Inklusion: Man nimmt alle Schüler mit Förderbedarf zusammen und bildet eine eigene Klasse, die von einem Sonderschullehrer geführt wird.
    2) Inklusion: Eine Person unterrichtet normale Schüler und solche mit Förderbedarf gleichzeitig.

    In vielen anderen Ländern ist Teamteaching auch im Regelbereich längst Standard. Warum sollte das gerade in einem wirtschaftlich starken Land wie Deutschland nicht bezahlbar sein?

    Teilweise ist es auch nicht nur eine Frage der Bezahlung, sondern auch der Einstellung: Lehrer sind "Einzelkämpfer", so hat unsere Generation selbst noch die Schulzeit erlebt. Die Zusammenarbeit mit anderen Lehrkräften und Professionen scheint da in manchen Köpfen nur eine Belastung zu sein, während man die ganzen arbeitserleichternden Vorteile nicht sieht.


    Wir befinden uns mit der staatlichen Bildung in einem low budget Sektor und dementsprechend sind unsere Bedingungen, Gehälter und das Ansehen. Das sind nun einmal leider Fakten.

    Nein, das sind keine Fakten, und sie werden es auch nicht dadurch, dass du dies in allen möglichen Threads schreibst.


    Silicium, wann beginnst du eigentlich dein Ref? Vielleicht kommen wir ja beide ans Seminar in Stuttgart ... ?

    Es handelt sich vielleicht um ein altes Haus. Dennoch handelt es sich um ein Haus, dem von fachkundigen Besuchern bei nahezu jeder Gelegenheit bescheinigt wird, eines der schönsten, funktionalsten und leistungsfähigsten Häuser der ganzen Straße zu sein.

    So kann auch nur argumentieren, wer Tag für Tag mit der Crème de la Crème der Schüler zu tun hat und nicht sieht, wie viele Verlierer das System produziert.

    Fakt ist, dass die Grundschulen und somit die Grundschullehrer täglich mit diesen Kindern, die speziellen Förderbedarf zu tun haben. Da spezielle Lehrkräfte auszubilden ist die logische Konsequenz.

    Da gibt es schon seit Jahrzehnten (wirklich) spezialisierte Lehrkräfte, nämlich ganz regulär studierte Sonderschullehrer.


    Welche Möglichkeit hat man dann?

    Sonderpädagogisches Aufbaustudium. Gibt es das in NRW nicht mehr?
    Sonst eben Zweitstudium Sonderpädagogik. Kann man sich sicherlich vieles aus dem Erststudium anrechnen lassen, so dass es im Endeffekt auf das gleiche rauskommt.
    Deine Frage klingt ein bisschen, als müsste man einen Anspruch darauf haben. Woraus sich der ableiten soll, verstehe ich aber nicht. Ein Krankenpfleger kann sich auch nicht in 1,5 Jahren berufsbegleitend zum Facharzt fortbilden lassen.


    Diese Stellen werden natürlich erstmal mit den "richtigen" Sonderpädagogen besetzt.

    Skandalös! (Übrigens sehr herablassend, wie du richtig in Anführungszeichen schreibst m. E.)


    hast vielleicht Pech NIE in diese Ausbildung zu gelangen, da diese nur noch bis 2018 (oder 2016) angeboten wird.

    Ist ja auch nur übergangsweise wegen (angeblichen) Sonderschullehrermangels in NRW entwickelt worden. Würde das ein dauerhaftes Modell, das mittelfristig das sonderpädagogische Studium gänzlich ersetzen soll, würde mir das noch größere Bauchschmerzen bereiten.


    Ausbildung übrigens wie im Ref

    Das heißt, es fehlen einem im Grunde sonderpädagogische Inhalte in dem Umfang, in dem diese im Studium vermittelt würden, und ist nachher trotzdem Sonderschullehrer. Halte ich doch für kritisch. Wie werden zum Beispiel diagnostische und therapeutische Kompetenzen erworben und überprüft?

    Das Problem, das ich sehe, sind gar nicht primär die religiösen Standpunkte im einzelnen, sondern der Anspruch, die Bibel "wortwörtlich" zu verstehen. Was bedeutet denn "(wort-)wörtlich"?
    Jeder, der sich in seinem Leben ein bisschen mit Philologie, Hermeneutik, Textverstehensprozessen etc. auseinandergesetzt hat, weiß, dass jeder von uns einen Text anders versteht, auch wenn jeder ihn erst einmal "wörtlich" wiedergibt. Beim Lesen werden doch automatisch Vorwissen, Vorerfahrungen, Erwartungen, Assoziationen usw. aktiviert. Sprachlich-literarische und kognitive Verstehensprozesse laufen bei jedem Menschen aufgrund seiner individuellen Veranlagung und Entwicklung unterschiedlich ab.
    Du selbst schreibst, es sei bezüglich mancher Stellen wichtig, den Kontext zu beachten. Dazu gehört aber nicht nur der Kontext innerhalb eines biblischen Buches oder der Bibel als solcher. Es gehört auch der Leserkontext hinzu, es gehört der geschichtliche und ideengeschichtliche Kontext dazu und selbstverständlich (vor allem bei Übersetzungen) der sprachliche Kontext.
    Daraus resultiert ja eines der grundlegenden Probleme des Protestantismus. Jeder Gläubige soll die Bibel selbst lesen und dadurch zu Erkenntnis gelangen. Weil aber jeder die Bibel automatisch unterschiedlich versteht, spalten sich die evangelischen und auch evangelikalen Gemeinden immer weiter auf - und jede behauptet, (nur) sie verstünde die Bibel wörtlich.

    Ich gebe den Schülern aber doch eine Rückmeldung, so verstehe ich das korrektive Feedback. @ Plattenspieler: was sind denn "andere Modellierungstechniken"?

    Du gibst dem Kind eine Rückmeldung, in der du die (sprachliche) Form korrigiert aufgreifst.

    Überblick über Modellierungstechniken:

    Zitat

    • Vorangehende Sprachmodelle (Therapeutin bietet dem Kind sprachliche Strukturen an): Präsentation, Parallelsprechen, Linguistische Markierungen, FA- Fragen (forced alternative)

    • Nachfolgende Sprachmodelle (Therapeutin reagiert auf kindliche Äußerungen und modelliert sie): Expansion, Umformung, korrektives Feedback, Modellierte Selbstkorrektur, Extension

    http://sprachheilwiki.dgs-ev.de/wiki/doku.php?…les_modellieren


    - didaktische Reduktion (zB diese Stunde NUR Reimschema, es muss nicht das ganze Gedicht analysiert werden)
    - genau überlegen: WAS sollen die Schüler heute lernen (zB sie lernen ein Gedicht nach formalen Aspekten zu analysieren)
    - die Schüler selbst arbeiten lassen - also nicht nur vorne stehen und erzählen wies geht, sondern Aufgaben so konzipieren, dass die S. es selbst erarbeiten

    Ich denke, so etwas sollte zumindest bei Sonderpädagogen selbstverständlich sein, auch wenn sie noch nicht im Ref. sind.



    - kein Lehrerecho, nicht jeden S.-beitrag kommentieren oder gar wiederholen

    Aber trotzdem bitte nicht auf korrektives Feedback und andere Modellierungstechniken verzichten!

Werbung