Geht das wieder los ...

  • So, wir stehen kurz vor den Zeugnissen und müssen den Schülern ihre Noten "offenbaren", die sie am Ende des Schuljahres erwarten. Das ist in meinen Augen eine meiner unangenehmsten Aufgaben. Wird anderen sicherlich ähnlich gehen.
    Also habe ich heute die Noten mit den Schülern "besprochen" (besser: ich habe sie ihnen mitgeteilt) und natürlich gab es neben den Jubelausbrüchen über "Gerade-noch-Zweien" oder "knappe-Vieren" auch lange Gesichter und Tränen. Nachdem sich die ersten Emotionen gelegt hatten, haben die 10er dann angefangen zu diskutieren (vor allem diejenigen, die das Jahr mit einer 5 beenden) - auch normal und vielleicht auch verständlich - bei einigen geht es um Sein oder Nicht-Sein. Ich habe ihnen aber deutlich dargelegt, wie es zur Note kommt und ich denke auch, dass sie es geschluckt haben.
    Jetzt aber das Beste ... Heute Mittag klingelt das Telefon und die Mutter einer der 5er-Kandidatinnen erzählt mir, dass sie einfach nicht verstehen kann, wie ihre Tochter zu einer solch schlechten Note kommt. "Sie hat sich ja so angestrengt im Unterricht." - Die Frage "Sind sie im Unterricht dabei?" konnte ich mir gerade noch verkneifen. Das Mädel schreibt 5en en masse und will jetzt ne 4? HALLO?
    Warum soll ich am Ende immer ein Auge zudrücken, wenn die Kids das ganze Jahr über nix schaffen? Und dann auch noch solche Anrufe ("Ich hab sie im Telefonbuch gefunden" --- toll). Denken denn die Eltern auch, dass man die Noten mal eben schnell nebenbei beim Frühstück macht? Ohne sich irgendwelche Gedanken zu machen?
    Morgen kommt die Oberstufe dran --- Ich freu mich schon auf die erbitterte Punktefeilscherei. -- Sch...ß-job.


    Wahrscheinlich kennt jeder diese Situation --- ich wollt einfach mal meinen Frust loswerden.... ;)


  • Armes Paulchen,


    mir geht's in der Notengeb-Zeit auch immer schlecht. Trostgedanken:


    - Die meisten Schüler machen mehr Terror, als sie wirklich meinen, denn sie probieren aus, wie man was erreichen kann (auch mit Tränen usw)
    - Der Impuls, für gute Noten sich selbst, für schlechte Noten den Lehrer verantwortlich zu machen, ist nicht nur normal, sondern psychologisch ausgesprochen gesund (für die Schüler - wir werden für die Negativ-Effekte bezahlt)
    - Schüler nehmen Noten unverhältnismäßig wichtig. Du kannst ihnen nur die Gelassenheit vermitteln, die ihnen ein Gefühl für's rechte Maß gibt.
    - Eltern, die sich über Noten beschweren, sind besser als Eltern, die sich einen Dreck um ihre Kinder kümmern.
    - Von der Mehrheit, die mit deinen Noten zufrieden ist, kriegst du halt keine Rückmeldung
    - Die Erziehung zu einem gesunden Zweifel an der Allmacht der Autorität gehört zu unserem Job - umso besser, wenn Eltern uns dabei unterstützen :P


    Wenn all das nicht hilft: Nach den Noten kommen die Ferien! Hurra!


    w.

    Frölich zärtlich lieplich und klärlich lustlich stille leysejn senffter süsser keuscher sainer weysewach du minnikliches schönes weib

  • Warum sollte man denn Augen zudrücken? Ich gebe die Noten erst nach den Zeugnisnoten bekannt. Außerdem hat man sich vorher Notizen udn Gedanken gemacht, so dass man jede Note ausführlich begründen kann.

  • Zitat

    Paulchen schrieb am 27.06.2006 22:01:
    So, wir stehen kurz vor den Zeugnissen und müssen den Schülern ihre Noten "offenbaren", die sie am Ende des Schuljahres erwarten. Das ist in meinen Augen eine meiner unangenehmsten Aufgaben.


    Kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Ich teile meinen Schülern ALLE ihre Noten zeitnah mit und die führen darüber Buch. Rechnen können sie selber, also gibt´s da keine bösen Überraschungen. Vor den Zeugnisse geh ich nur einmal durch und vergleiche ihr Ergebnis mit meinem, falls doch jemand mal was nicht aufgeschrieben hat.


    Finde ich recht stressfrei und auch fair den Schülern gegenüber.


    Tobias

  • Natürlich informiere ich meine Schüler auch während des Schuljahres über ihre Noten. Das Ganze ist ja kein Black-Box-Verfahren.


    Zitat

    Rechnen können sie selber, also gibt´s da keine bösen Überraschungen.


    Bei mir sind die Noten nicht nur das Ergebnis einer Rechenaufgabe und das sollten sie meiner Meinung nach auch nie sein. Was machst du denn, wenn jemand genau zwischen zwei Noten steht? 2,5 --> automatisch 3 nur weil bei ,5 aufgerundet wird? Das kann es in meinen Augen nicht sein. Vor allem beim Punktesystem in der Oberstufe kommt man da vor lauter Aufrunden bald in Teufels Küche.


    Wie gesagt, wir müssen die Noten mit den Schülern besprechen und ich sehe das auch immer als gute Gelegenheit, mit dem Schüler - wenn auch nur kurz - unter vier Augen das Halbjahr nochmal revue-passieren zu lassen und auch Strategien für das nächste Schuljahr festzulegen.

  • Dass die Noten mit den Schülern besprochen werden, ist ja auch üblich. Trotzdem hörte sich dein Ausgangstext so an, als ob es da doch die eine oder andere Überraschung für die Schüler gibt.


    Ich versuche nach Möglichkeit, meine Noten spätestens 2-3 Wochen vor Notenschluss vollständig zu haben. Sollte dann noch jemand exakt auf ,50 stehen, hab ich dann immer noch die Gelegenheit, eine fundierte zusätzliche Note zu machen. Durch die Transparenz wissen die Schüler darüber auch Bescheid und strengen sich am Schluss nochmal an - oder eben nicht.

  • Schön, wenn du es schaffst, 2-3 Wochen vor Notenschluss die Noten schon fertig zu haben. Im Sommerhalbjahr schaffe ich das nicht - ständig fällt was aus und da bin ich froh über jede Stunde, die mir noch bleibt.


    Was ich allerdings vermeide, sind Zusatzaufgaben hier und Referate da noch kurz vor Toresschluss. Gerade am Ende fällt manchen Schülern dann plötzlich auf, dass sie sich noch "mal eben" verbessern wollen und denken, dass das mit einer Zusatzaufgabe getan sei. Ich denke, man setzt damit ein falschen Zeichen, das den Schülen signalisiert "Auch wenn du während des Jahres nicht allzugut warst, kannst du es am Ende mit einer Zusatzaufgabe noch mal rumreißen."

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