Quereinstieg als Dipl.- Mathematiker

  • hallo forum,


    ich bin mitte 30 und überlege mir einen quereinstieg in der fächerkombination mathematik/informatik am gymnasium bzw. fos/bos. meine motivation zu diesem schritt liegt im privaten bereich. in meiner freizeit bin ich als jugendtrainer tätig (5 jahre, von kindern bis jugendlichen) und diese arbeit macht mir sehr viel spaß.


    nun meine fragen an ehemalige quereinsteiger bzw. seiteneinsteiger zu ihren erfahrungen.


    1. wie habt ihr die fachlichen anforderungen nach einer langen pause (bei mir 8 jahre und nur noch wenige berührungspunkte mit der mathematik gehabt) empfunden.


    2. wäre es sinnvoll vorab an einer schule zu hospitieren bzw. ggf. einen lehrversuch vorzunehmen. oder gibt es sogar die möglichkeit an einer abendschule "auf probe" zu unterrichten.


    3. verschiedene länder suchen ja mathematiklehrer. wie sieht es mit einem quereinstieg in 1-2 jahren aus. alternativ habe ich mir überlegt an einer abendschule bzw. nachhilfeschule anzuheuren um mir einen einblick in das lehramt zu verschaffen.


    vielen dank und beste gruesse.

  • Überlege Dir den Schritt gut. Ein Lehrerjob bedeutet gerade am Anfang viel Arbeit, verdammt viel Arbeit!
    Ich bin Quereinsteiger in Bayern an der Realschule mit Mathe und Informatik und es war die Hölle.


    Einstieg ans Gymnasium sieht zur Zeit schlecht aus (siehe die entsprechende Seite beim Kultusministerium http://www.stmuk.bayern.de/km/stellen/quereinstieg/)



    Zu 1.
    Bei mir waren es 20 Jahre und ich hatte von nichts mehr eine Ahnung. Glücklicherweise habe ich bisher nur die unteren Jahrgangsstufen gehabt.
    Rechne mit viel Arbeit.


    Zu 2.
    Unbedingt! Ich habe es zwar nicht gemacht, aber ich habe ein Frau, die das Referendariat für die Grundschule hinter sich hat. Ich war gewarnt
    Während der zweiwöchigen Vorbereitungszeit habe ich eine Stunde selbst gehalten - und durfte dann 18 Stunden pro Woche eigenverantwortlich unterrichten.
    Mach Dir vorher klar, worauf Du Dich einlässt. Hospitieren gibt einen ersten Einblick, wirklich klar wird es erst, wenn Du mal selbst eine Stunde vorbereitest und hältst.
    Abendschule halte ich nicht für die passende Vorbereitung. Leute, die dahin gehen, machen das freiwillig und sind motivierter als die normalen Schüler. Aber sicher besser als nichts.
    Es gibt teilweise die Möglichkeit, als Vertretung einzuspringen während Lehrerinnen im Mutterschutz sind.


    Zu 3.
    Ich habe gehört, dass in den nächsten Jahren viele Mathe-Lehrer in den Ruhestand gehen sollen. Andererseits kommen natürlich auch reguläre Lehrer nach. Den Quereinstieg in den Realschulen gibt es z.B. dieses Jahr nicht mehr.


    Hoffe, Dir geholfen zu haben.

  • Zitat

    Original von kaka78
    ich bin mitte 30 und überlege mir einen quereinstieg in der fächerkombination mathematik/informatik am gymnasium bzw. fos/bos.


    FOS und BOS sind nur zwei Schulformen innerhalb des Systems berufsbildende Schule. Es gibt sehr viel mehr. Wenn du an eine BBS gehst, musst du deshalb auch damit rechnen, in anderen Schulformen eingesetzt zu werden. Also in etwa: Berufschule (Duales System), Berufsfachschulen diverser Art, Berufseinstiegsschulen, etc.. Das hängt dann vom Bedarf an der Schule ab. Das sollte dir klar sein.


    Gruß

    • Offizieller Beitrag

    Zum 3. Punkt: Ich würde an deiner Stelle auf jeden Fall versuchen, ein Praktikum an einer Schule zu machen. An einer Nachhilfeschule sind die Bedingungen völlig anders, das kannst du mit dem Unterrichten im Klassenraum nicht vergleichen, allenfalls mit dem Förderunterricht in manchen Schulen.
    Es ist ein riesiger Unterschied, ob du vieleicht 5 Schüler am Nachmittag irgendwo hast oder eine Klasse von 30 Leuten.


    Ich habe im und vor dem Studium auch Nachhilfe gegeben und dabei lediglich festgestellt, dass ich einzelnen Schülern etwas erklären kann. Das Unterrichten in einer Schule ist aber etwas völlig anderes.

  • Laut der bayer. KuMi-Seite gibt es den Quereinstieg mit Mathestudium am GY ja gar nicht mehr. Wundert mich ehrlich gesagt, denn es herrscht schon noch großer Mangel, auch in Informatik. Wenn es schon zur Zeit keinen Quereinstieg mehr gibt, wird es in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch kein Programm mehr geben, denn die Stellensituation wird sich entspannen (steigende Referendarszahlen). Das ist jetzt aber nur meine ganz persönliche Einschätzung...

  • Ich wollte schon vor ein paar Jahren den Quereinstieg über's bayerische KuMi-Quereinsteigerprogramm ans Lehramt Gymnasium machen, scheiterte aber an der damaligen Altersgrenze. Jetzt gibt's wohl wirklich keine Quereinsteigerprogramme mehr für Dipl-Math., die zum 2. Staatsexamen führen. Ich bin an einem Privatgymnasium quer eingestiegen und unterrichte jetzt seit einigen Jahren dort.


    Positiv: Mir macht die Aufgabe als Lehrerin großen Spaß und ich komme auch sehr gut mit den SuS zurecht. Unsere Schule hat aber auch kleinere Klassen (max. 22) und legt Wert auf sehr persönlichen Umgang mit den SuS. Bereut habe ich den Umstieg also nicht.


    Negativ: Als Quereinsteiger bist du immer Lehrer 2. Klasse, egal wie gut du bist. Aufstiegsmöglichkeiten und Gehalt sind bei den Privatschulen i.a. schlechter als bei den öffentlichen, vor allem wenn du an die sozialen Leistungen denkst.
    Das Umsteigen an eine öffentliche Schule ist nicht einfach und meistens nur als Aushilfe möglich. Vorsicht: Es gibt einige Privatschulen, die ihre Lehrkräfte ziemlich ausnutzen!


    Zur Info: Du wirst an staatlich anerkannten Schulen vom KuMi geprüft bevor du eine unbefristete Lehrerlaubnis erhältst - Grundbedingung ist ein Hochschulstudium in beiden Fächern (also z.B. Dipl.-Mathe mit Nebenfach Informatik). Ohne Informatikstudium (zumindest als Nebenfach) wirst du nur eine Ausnahmegenehmigung bekommen, solange an der Privatschule Mangel herrscht.

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