Schreibkonferenz / Aufsätze verbessern in Klasse 3

  • Hallo!


    Ich übernehme kommende Woche eine dritte Klasse und sollte ca. zwei Wochen später einen Aufsatz zu einer Bildergeschichte schreiben. Die Kinder haben bisher noch keine Aufsätze geschrieben, die Klassenlehrerin hat aber die Kriterien schon mit ihnen besprochen. Wie sie mir mitteilte, hat sie die bisher geschriebenen Bildergeschichten aber noch nicht mit den Kindern überarbeitet.
    Ich würde gerne wissen, wie genau ihr vorgeht, nachdem die Schüler eine Bildergeschichte geschrieben haben. Rechtschreibfehler korrigiert man ja direkt im Text. Wenn ich nun aber auch noch inhaltliche / sonstige Fehler im Text verbessere, wird es unübersichtlich.
    Was macht ihr z.B. wenn ein Kind falsche / unpassende Wörter verwendet? Schreibt ihr das richtige Wort dann darüber? Oder unterstreicht ihr diese Wörter und schreibt dann am Ende darunter: "Ersetze die unterstrichenen Wörter durch ein anderes Wort?"


    Wie setzt man eine Schreibkonferenz konkret um? Ich habe mir bei 4teachers ein Kriterienblatt heruntergeladen, auf dem z.B. folgendes steht:


    "2. Schritt:
    - satzweises Durchgehen des Textes
    → unterschiedliche Satzanfänge
    → spannend erzählt
    → treffende Adjektive
    → gute Wortwahl"


    Wie geht es dann weiter, nachdem dem Autor gesagt wurde, was er verbessern sollte? Überarbeitet er die Geschichte alleine?
    Wenn einem Kind mehrere Dinge nicht gut gelungen sind (z.B. nicht spannend erzählt, sich wiederholende Satzanfänge), dann ist es doch beim Überarbeiten bestimmt überfordert. Vielleicht sollte sich die Schreibkonferenz eher auf ein bis zwei Kriterien einigen, oder?


    Viele Grüße
    Lehrkörperin


    PS (edit): In der Schreinkonferenz können ja in der Regel nicht alle Rechtschreibfehler erkannt werden, somit macht der Schüler beim Überarbeiten der Geschichte wohl erneut Rechtschreibfehler. Wie geht ihr damit um?

  • Hat keiner eine Idee? :(


    Vielleicht könnten mir ein paar Aufsatzexperten ja einfach ein bisschen ihre Vorgehensweise schildern. Vielleicht erübrigen sich dann auch manche meiner Fragen, auch wenn sie nicht direkt beantwortet werden.


    Müssen die Schüler vor dem Schreiben der Bildergeschichte eigentlich unbedingt Stichwörter aufschreiben? An meiner letzten Schule war das so üblich. Ich denke aber, dass das für manche Schüler eher eine Erschwernis als eine Hilfe ist. Wenn sie beispielsweise als Stichworte aufschreiben


    - Blumen gießen
    - sich freuen


    müssen sie daraus doch z.B. folgenden Satz schreiben: "Der Mann goß die Blumen und freute sich". Die Verben müssen also in die Vergangenheit gesetzt und die Reihenfolge der Wörter vertauscht werden. Damit haben schwache Schüler bestimmt Probleme. Und die starken können die Geschichte auch ohne Stichwörter schreiben....

  • Hi,


    eine Schreibkonferenz mit den Kindern zusammen habe ich noch nicht gemacht. Den ersten Aufsatz (war aber keine Bildergeschichte) hab ich folgendermaßen korrigiert:


    Rechtschreibfehler, falsche Verwendung der Zeit oder unpassende Wörter hab ich grün korrigiert. Das konnten die Kinder direkt beim Abschreiben verbessern.
    Wenn der Satzbau totaler Humbug war oder der Sinnzusammenhang im Aufsatz unklar war, hab ich an diese Stelle eine Zahl in rot hingeschrieben und auf die nächste freie Seite in rot z.B. geschrieben: "Schreibe besser so: Der Hund ....! oder Ich verstehe hier nicht was du meinst. Erkläre genauer ...


    Als die Kinder einen Probeaufsatz zum ersten mal so überarbeitet hatten, führte ich diese Art der Korrektur (und den Sinn und Zweck!) sehr genau ein. Eine Freundin von mir hatte das nicht gemacht und viele Kinder hatten die Überarbeitung an sich nicht verstanden und z.B. einen komplett neuen Aufsatz geschrieben.
    Die guten Schüler haben es recht schnell kapiert. Mit den schwachen musste ich mich hinsetzen und ihnen die Überarbeitung an ihrem Aufsatz deutlich machen. Ich hab aber auch nur 16 Schüler...


    Es hat ganz gut geklappt dauert aber eine Weile. Manche sind mit dem Überarbeiten immer noch nicht fertig und ich hab den Aufsatz schon vor 2 Wochen zurück gegeben (ok, es waren viele krank).


    Ich hab den überarbeiteten Aufsatz mit Bleistift schreiben lassen denn sie bauen immer wieder Rechtschreibfehler ein, bzw. schreiben ihren eigenen Aufsatz falsch ab. :rolleyes: So können sie immer schön korrigieren und das Blatt durchradieren. ;)

  • Danke Freckle, das hört sich ja alles toll an! Werde auf jeden Fall ein paar Deiner Ideen übernehmen.
    Was war das denn bei Dir für ein Aufsatz? Hast Du die Kinder zuerst Stichworte aufschreiben lassen oder ist das eher nur bei Bildergeschichten üblich?

  • Hi,


    ich habe sie eine Gruselgeschichte schreiben lassen, also so eine Mischung aus Erlebnis- und Fantasieerzählung. Es ging dabei nicht um Geister und Vampire sondern um reale Situationen in denen man sich gruselt, z.B. im Dunkeln nach Hause laufen.


    Dazu haben wir keine Stichwortsammlung gebraucht, da sie die Geschichte ja selbst erfunden haben. Wir haben nur besondere "Angst- und Gruselwörter" gesammelt und typische Übungen fürs Aufsatzschreiben gemacht (Satzanfänge etc.). Sorry, zur Bildergeschichte kann ich dir nicht weiterhelfen da ich noch im Ref bin und das meine erste Aufsatzerarbeitung überhaupt war.

  • Eine Schreibkonferenz muss von langer Hand geplant werden und ist meiner Meinung nach nicht in 2 Wochen umsetzbar. Du kannst die Kinder langsam heranführen, indem die Aufsätze vor der ganzen Klasse präsentiert werden und das Plenum auf die vorher besprochenen Kriterien achtet. Rechtschreibung kann da natürlich nicht beachtet werden, ist aber auch beim Aufsatz irrelevant. Wenn die Kinder Lob und Kritik formulieren können, kannst du in Kleingruppen arbeiten lassen. Dabei können die Aufsätze für jedes Mitglied kopiert werden und jedes Kind der Gruppe achtet auf ein anderes Kriterium. Dabei können Fehler z.B. eingekreist werden und zum Rand verbunden werden, wo dann der Verbesserungsvorschlag steht. Das nennt man Textlupe. Ob die Schüler die Kritik und Vorschläge annehmen, ist ihnen überlassen. Aber du kannst so nicht nur die fertigen Aufsätze bewerten, sondern auch die Genauigkeit, mit der die Kinder sich mit den fremden Aufsätzen auseinander setzen und die Kriterien dort wiederfinden. (Stichpunkt: individuelle Leistungsbeurteilung)


    Wenn ich Aufsätze korrigiere und sich Wörter wiederholen, weise ich mit einem Doppelpfeil darauf hin und schreibe ein W an den Rand. Ansonsten muss man oft viel unterschlängeln, gerade wenn Sätze im Ausdruck falsch sind.
    Die Kinder haben in ihrem Heft eine Legende, die die Abkürzungen der Fehlertypen erklärt. Es gibt aber auch gute Anmerkungen, z.B. A+ = gut gelungener Ausdruck
    Wenn du mit den Kindern deinen Bewertungsstil besprichst nach der Rückgabe, ist es durchaus legitim, wenn es chaotisch aussieht. Die Kinder wissen ja trotzdem bescheid.

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