Kind verweigert Mitarbeit

  • Hallo!


    Muss heut mal ein Problem loswerden und hoffe auf Hilfe.
    Ich habe dieses Jahr im Schuldienst angefangen und bin jetzt Klassenlehrerin einer 1. Klasse. Habe außer Musik, Sport und Ethik alle Fächer in der Klasse und bin eigentlich sehr sehr glücklich.


    Mein Problem ist ein Kind, dem ich gern helfen möchte, mir aber mittlerweile die Haare ausraufe und nicht mehr weiter weiß.


    Das Mädchen ist generell sehr zurückgezogen, spielt nicht mit anderen Kindern, redet mit sich selbst, ist aber weder aggressiv noch bösartig. Es arbeitet einfach nicht mit. NIE. Weder Lob, noch Tadel, Bitten, Betteln, gut zu reden, schimpfen, nichts, sie ist durch nichts zum Mitarbeiten zu bewegen. Wenn ich ihr das Buch aufschlage und den Stift in die Hand drücke, blättert sie einfach die Seiten um und macht etwas anderes. Wenn ich sie darauf anspreche, reagiert sie gar nicht.


    Das habe ich noch nie erlebt. Das Faszinierende: In Gesprächen nach dem Unterricht, wenn ich sie ganz alleine habe und mir wirklich die Zeit nehmen kann, zu warten, bis sie mir auf meine Fragen antwortet (kann manchmal bis zu einer Viertelstunde dauern, bis sie mit mir redet), dann plappert sie los, erzählt mir, was sie "falsch" gemacht hat, was sie besser machen könnte, warum sie das gemacht hat (ist ständig übermüdet durch Störung von kleineren Geschwistern, ect.) und so weiter. Dann verspricht sie mir, dass es in der nächsten Stunde/ nächsten Tag bestimmt klappt und dann: wieder dasselbe... Sie redet nicht mit mir, macht nicht mit, und teilweise fängt sie jetzt permanent an den Unterricht zu stören, durch Geräusche und Stören ihrer MItschüler.


    Ich bin total ratlos. Sie hat vom Kindergarten aus schon einen Förderschwerpunkt sozial-emotionales Verhalten mitbekommen und ich habe auch das Gutachten gelesen (in dem im Übrigen diesselben Probleme beschrieben werden, nur dass keine Handlungsmaßnahmen vermerkt sind... sehr hilfreich *grummel*), aber die Förderschullehrerin, die zwei Stunden die Woche kommt für sie, ist von einer Schule mit Schwerpunkt Sehen/ Hören... Weiß also genauso wenig weiter wie ich :(


    Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Tipps?? Ich bin einfach dankbar für jede kleine Idee!!
    Liebe Grüße, nestedis.

    "Das Leben ist zu kurz, um es dem Schicksal zu überlassen." Deus ex Machina

  • Mich wundert etwas, dass der Kindergarten den Förderbedarf festgestellt hat und dann nichts weiter passiert ist, sondern das Kind an einer Regelschule gelandet ist??
    Sinnvoll wäre auf jeden Fall eine Überprüfung- bei uns sind die Termine z.B im Februar.
    Man kann aber sicherlich auch eine schnellere Überprüfung anfordern!
    Hattet ihr auch schon eine Klassenkonferenz?
    Was sagen denn die Eltern?
    Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, wenn auch die Eltern mit in die Suche nach Lösungen miteinbezogen werden.

    am ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das ende (oscar wilde)

    Einmal editiert, zuletzt von ritterin_rost ()

  • Ich würde auch ein Gespräch mit den Eltern (nach dem Ergebnis der Schuluntersuchung fragen ) suchen und eventuell Rücksprache mit dem Kindergarten halten. Auf jeden Fall müssten dann Wahrnehmung, Motorik und die Funktion der Sinne untersucht werden. Bei Bedarf würde ich noch weitere Tests anstreben.
    Bei uns sind die Termine für AO-SF auch Anfang Februar. Somit müsstest du aktiv werden.

  • Ich glaube das Kind würde ich auch mal überprüfen lassen. Es klingt ja schon nach authistischen Zügen und das würde ich abgeklärt haben wollen.

  • Zitat

    Es klingt ja schon nach authistischen Zügen und das würde ich abgeklärt haben wollen.


    Das sehe ich ähnlich. In NRW gibt es in größeren Städten Authismuszentren an die man sich wenden kann. Die haben Mitarbeiter, die sich die Kinder mal unverbindlich im Unterricht "ansehen". Dann weißt Du eher, ob Du dich mit dem AO-SF beeilen musst.

  • Vielen Dank für eure Antworten.


    Das Problem ist, ich arbeite in Sachsen-Anhalt und hier werden Kinder mit Förderschwerpunkt nur noch in den ganz ganz harten Fällen an eine Förderschule überwiesen. Alle anderen werden regelbeschult (ab nächstem Schuljahr darf NIEMAND mehr an eine Förderschule überwiesen werden...zumindest die ersten zwei Jahre nicht mehr).


    Die Mutter ist... schwierig. Sie war selber an einer Förderschule und ist mit ihren fünf Kindern sehr überfördert, da sie auch noch sehr jung. Die Familienhelferin hat mir dann in einem Gespräch versprochen, dass sie mit dem Kind zum Psychologen geht. Das beruhigt mich. Vielleicht geht es ja jetzt endlich in eine richtige Richtung ;)


    Euch noch ein schönes Wochenende.

    "Das Leben ist zu kurz, um es dem Schicksal zu überlassen." Deus ex Machina

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