Erfahrungen Sondermaßnahme Grundschule "Zweitqualifizierung"

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    • Erfahrungen Sondermaßnahme Grundschule "Zweitqualifizierung"

      Hallo,
      ich habe im Sommer 2016 mein Referendariat LA Gym abgeschlossen und hatte anschließend einen befristeten Vertrag an einer Privatschule die mehrere unterschiedlichen Schularten unter einem Dach vereint. Nach einem Jahr wurde mein Vertrag zu einem unbefristeten Vertrag.

      Eigentlich eine gute Sache, ich mag meinen Beruf und die Jungs und Mädchen auch wirklich gerne.
      Allerdings geht meine Arbeitsbelastung seit zwei Jahren sehr sehr weit über das hinaus, was ich als verbeamteter Lehrer an einem Gymnasium leisten müsste, da ich als Mädchen für alles an unterschiedlichen Schularten tätig bin und parallel nach mehreren verschiedenen Lehrplänen unterrichte und auch sonst für sämtliche Aufgaben herangezogen werde. Somit komme ich ständig auf eine Wochenarbeitszeit von oft weit mehr als 60 Stunden und das, obwohl ich nicht sehr viel Zeit in meine Unterrichtsvorbereitung stecke, sondern weil die anderen Aufgaben so viel Zeit fressen. Auf meine Frage hin, ob Aussicht besteht, dass ich künftig v.a. meine Fächer am Gym unterrichten werde (wie im Vertrag auch fixiert), wurde mir mitgeteilt, dass darauf wenig Aussichten bestehe, ich aber Arbeitszeit reduzieren könne, wenn mir das Pensum zu hoch erscheint. Eine Arbeitszeitreduzierung würde jedoch wohl bedeuten, dass ich immer noch 40 Std. + Arbeitswochen hätte, aber ein für meinen Arbeitsaufwand und meine Ausbildungsdauer absolut nicht angemessenes Gehalt verdienen würde.

      Nun habe ich erfahren, dass es seit vergangenem Jahr in BY eine Zweitqualifizierung für Lehramt Grundschule gibt.
      Auch ich spiele mit dem Gedanken, diese Sondermaßnahme zu machen, in der Hoffnung, weiterhin im Lehrerberuf arbeiten zu können (habe auch bereits Erfahrungen mit Grundschülern sammeln können) aber wieder eine einigermaßen angemessene Work-Life-Balance zu erreichen und trotzdem einigermaßen angemessen entlohnt zu werden.
      Der Haken an der Sache ist, dass ich vor einer Bewerbung kündigen muss (bzw. mich freistellen lassen muss, was auf dasselbe hinausläuft), da ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ein Ausschlusskriterium für eine Bewerbung ist.

      Da dies durchaus keine leichte Entscheidung ist, würde mich interessieren, welche Erfahrungen ihr bisher mit der Maßnahme machen konntet.
    • Hallo Philomena88,
      Zunächst einmal finde ich es immer gut, sich vorher zu informieren. Du schreibst, dass deine Arbeitsbelastung sehr hoch ist und du mit dem Gedanken spielst, die Zweitqualifizierung für Grundschule zu machen. Ich bin seit einem knappen Schuljahr in eben dieser Zweitqualifizierungs-Maßnahme an einer bayerischen Grundschule. Die Arbeitsbelastung ist hier ebenfalls enorm, neben den 27 (+1 Abrechnungsstd) Unterrichtsstunden als Klassenlehrerin und Fachlehrerin ist wegen vielen zusätzlichen Terminen (Lernentwicklungs-Gespräche, Konferenzen, wöchentliche Besprechung mit den parallel unterrichtenden Kollegen, Info-Abende, Konzerte, intensive Elterngespräche, Projekte...)für die Vorbereitung nicht viel Zeit übrig, wenn man irgendwann auch mal schlafen möchte. Es kann sein, dass du Glück hast und im ersten Jahr wirklich nur zur Differenzierung und in deinen eigentlichen Fächern eingesetzt wirst, wie vom KM gedacht, aber garantieren kann das keiner. Die eine Anrechnungsstunde zum Hospitieren ist meiner Meinung nach alles andere als ausreichend, auch ist je nach Regierungsbezirk die Handhabung mit vorbereitenden Veranstaltungen sehr unterschiedlich- ich hatte zweimal 3 Stunden Infonachmittag bei der Regierung und das war alles. Auf Inklusion mit geistig Behinderten, außerdem zahlreichen schwer verhaltensauffälligen Kindern und dann noch gewünschte Differenzierung für Flüchtlinge neben den "normalen" Kindern sollte man schon etwas vorbereitet werden. Immerhin kann man jetzt familienpolitische Teilzeit beantragen und auf 22 Std runter gehen, aber wie es bisher für mich gelaufen ist, war ehrlich gesagt heftig. Klar, bei jedem ist die persönliche Situation anders, ich habe zwei kleine Kinder im Kindergarten und in der Krippe, das erschwert es zusätzlich.
      Ich will dir auch nicht grundsätzlich davon abraten - aber wissen auf was man sich einlässt sollte man schon. Sprich doch mal mit deinem Schulleiter welche Möglichkeiten es für dich gibt. Viel Glück!