Fehlerquotienten um die 10-16 Prozent - oh Schreck

    • Offizieller Beitrag

    Ich korrigiere gerade Englischarbeiten in meiner leistungsschwachen 10 (von denen ich hier schon öfter geschrieben habe - die sind aber auch ein "schwieriger Fall") und schwanke zwischen


    Die Fehlerquotienten der Arbeiten, die ich bisher korrigiert habe (ich habe gerade erst ein Drittel durch), liegen alle zwischen 10 und 16 Prozent und das, obwohl sie eine Aufgabe alle komplett aus dem vorgegebenen Text rausgeschrieben haben und dabei kaum Fehler gemacht haben - also de facto ist der Fehlerquotient noch höher, wenn ich wirklich die eigene sprachliche Leistung bewerte. Das ist doch wohl nicht normal, oder? ?(


    Teilweise sind die Sätze ungefähr so: "Childrens has time not."
    Ich rede wirklich von einer zehnten Klasse. 8o


    Was mache ich denn nur mit denen?


    Ich habe die Klasse erst seit einem halben Jahr und habe schon fast alles versucht, (Binnendifferenzierung, Förderunterricht haben wir auch, Förderempfehlungen und Gespräche, was sie nachlernen müssen - dann aber allerdings nicht tun, ständige Wiederholungen der Grammatik, Unterrichtsreihe zu allen Zeiten mit anschließendem angekündigten Test...).


    Was mache ich nur mit so einer Arbeit und wie bekomme ich die Schüler zu halbwegs normalen englischen Sätzen - sowohl schriftlich als auch mündlich? Einer der Schüler fragte mich neulich im Unterricht, was "do" heißt - und das war keinesfalls ein Scherz.


    Die Arbeit war keinesfalls zu schwer, allerdings war es eine reine Textarbeit ohne einen Grammatikteil und wir haben 2 Stunden geschrieben. Aber das ist in der 10 doch normal, oder?


    Der Text war aus den Zusatzmaterialien zum Buch, das Thema war vorher im Unterricht ausführlichst besprochen worden, teilweise sogar auf Deutsch, damit wirklich alle verstehen, wovon wir sprechen.
    In der Arbeit musste kein großartiger Transfer geleistet werden.


    Mensch, was mache ich nur mit denen?


    Ab welchem Fehlerquotienten ist bei euch eine Arbeit mangelhaft bzw. ungenügend? ?(

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Referendarin!


    Bei uns an der Schule ist das einheitlich geregelt. Die Abstände des FQ in der 10 sind bei uns linear und betragen 1,4-1,6%.
    Selbst wenn Du großzügig wärest und 2,0 ansetzen würdest (das entspräche einer 6. Klasse oder so), kämst Du so oder so auf eine 5 oder vermutlich eher 6 im sprachlichen Bereich.


    Hauptproblem bei den Schülern ist meistens die Neigung die Muttersprache als Referenzsprache zu sehen und selbst nach fünf Jahren Englisch immer noch anzunehmen, man könne wörtlich vom Deutschen ins Englische übersetzen.


    Wenn die Schüler das in der 10 nicht gelernt haben - und hier scheinen ja eklatante Defizite zu herrschen, dann werden sie es bis zur mittleren Reife leider wohl auch nicht mehr lernen bzw. allenfalls in beschränktem Maße.


    Die Schüler müssten zu jeder Stunde am besten einen Aufsatz zu einem festgelegten Thema schreiben, wobei man mit einfachen Hauptsätzen beginnt (SVO-Satzstellung) und das dann allmählich auf Nebensätze und entsprechende Konjunktionen erweitert. Das ganze wird dann allmählich um immer mehr komplexere Sachen erweitert. (If-Clauses, Infinitiv-Konstruktionen etc.).


    Hört sich krass an, aber anders wüsste ich ad hoc auch nicht diesen Fehlern beizukommen.


    Gruß
    Bolzbold

    • Offizieller Beitrag

    Vielen Dank für die Antwort, Bolzbold. :)


    Ich verzweifle nämlich gerade wirklich über den Arbeiten.


    Erst einmal bin ich froh zu wissen, dass der FQ bei anderen noch strenger geregelt ist. Wir haben nämlich seit gestern endlich eine gemeinsame schulinterne Regelung (1,8er Abstände) und ich habe schon überlegt, ob das eventuell eine zu strenge Bewertung wäre.


    Wie fallen denn bei euch (und auch bei anderen) die Klausuren so aus? Gibt es bei euch auch so viele schlechte Noten?


    Das Problem, dass die Schüler keinen geraden Satz formulieren können, zieht sich bei uns durch alle Klassenstufen, aber so schlimm wie in dieser Klasse habe ich es auch noch nicht erlebt.


    Was mich besonders interessiert: Gibt es bei euch in der 10 noch einen Grammatikteil (das handhaben viele meiner Kollegen so, damit auch die schwächeren Schüler noch durch Lernen punkten können)?


    Und noch eine Frage: Wie setzt sich bei euch die Gesamtnote aus Sprach- und Inhaltsnote zusammen? Was passiert, wenn die Sprachnote 5 oder 6 ist und die Inhaltsnote 3?


    Zitat

    Hauptproblem bei den Schülern ist meistens die Neigung die Muttersprache als Referenzsprache zu sehen und selbst nach fünf Jahren Englisch immer noch anzunehmen, man könne wörtlich vom Deutschen ins Englische übersetzen.


    Ja, das stimmt, es gibt in der Klasse tatsächlich viele Schüler, die bei Formulieren wortwörtlich übersetzen. Das war mir allerdings nicht richtig bewusst.
    Komischerweise tun das die Schüler, die wir vom Gymnasium "geerbt" haben, überhaupt nicht. Was war denn in deren Sprachlernprozess anders? ?(


    Zitat


    Die Schüler müssten zu jeder Stunde am besten einen Aufsatz zu einem festgelegten Thema schreiben, wobei man mit einfachen Hauptsätzen beginnt (SVO-Satzstellung) und das dann allmählich auf Nebensätze und entsprechende Konjunktionen erweitert. Das ganze wird dann allmählich um immer mehr komplexere Sachen erweitert. (If-Clauses, Infinitiv-Konstruktionen etc.).


    Diese Idee finde ich super.
    Ich muss nur noch überlegen, was ich mit den anderen (eben vor allem den Ex-Gymnasiasten) mache, damit diese sich nicht langweilen. Die machen zwar auch noch viele Fehler, aber sie formulieren frei und machen v.a. viele Flüchtigkeitsfehler.
    Diese bekommen dann wahrscheinlich am besten Übungen aus der Übungsgrammatik, um sich gezielt mit ihren Problemgebieten zu befassen.


    Die Frage ist nur, wie man diese Aufsätze, die die Schüler zu jeder Stunde schreiben müssten, kontrollieren kann. Ich kann ja nicht in bzw. nach jeder Stunde 15-20 Aufsätze nachschauen.


    Diese Ideen haben mich schon mal ein gutes Stück weitergebracht.


    Och Mensch, diese blöde Korrektur. Ich werde heute echt darüber fast wahnsinnig.

    Ich schreibe denen fast den ganzen Aufsatz neu...

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Referendarin schrieb am 08.11.2005 18:04:
    Wie fallen denn bei euch (und auch bei anderen) die Klausuren so aus? Gibt es bei euch auch so viele schlechte Noten?


    Selbst in der Oberstufe sind FQs jenseits der 10% schon vorgekommen. Ist halt nicht jeder wirklich fit in Englisch.


    Zitat


    Was mich besonders interessiert: Gibt es bei euch in der 10 noch einen Grammatikteil (das handhaben viele meiner Kollegen so, damit auch die schwächeren Schüler noch durch Lernen punkten können)?


    Ein expliziter Grammatikteil in der 10 ist eigentlich unüblich und entspricht nicht den Anforderungen der 10. Es sei denn, Du würdest die Arbeit so stellen, dass die Grammatik im Rahmen einer offenen Augabe abgeprüft wird. (Thema vorgeben und sagen, welche grammatische Struktur die Schüler besonders berücksichtigen sollen).


    Zitat


    Und noch eine Frage: Wie setzt sich bei euch die Gesamtnote aus Sprach- und Inhaltsnote zusammen? Was passiert, wenn die Sprachnote 5 oder 6 ist und die Inhaltsnote 3?


    Hierfür gibt es verbindliche Regeln, die sich auch in den Richtlinien finden. Der Sprache ist das größere Gewicht zu geben. In den Richtlinien (Gymnasium) findet sich auch, dass eine Arbeit nicht besser als mangelhaft bewertet werden darf, wenn ein Aspekt (Inhalt oder Sprache) ungenügend sind.
    Sprachnote 5 und Inhaltsnote 3 ergeben bei mir eine 4- (wegen dem Gewicht der Sprache).


    Zitat


    Komischerweise tun das die Schüler, die wir vom Gymnasium "geerbt" haben, überhaupt nicht. Was war denn in deren Sprachlernprozess anders? ?(


    Vermutlich ist da nicht viel anders - auch Gymnasiasten schreiben mitunter einen sprachlichen Müll zusammen.


    Zitat


    Diese Idee finde ich super.
    Ich muss nur noch überlegen, was ich mit den anderen (eben vor allem den Ex-Gymnasiasten) mache, damit diese sich nicht langweilen. Die machen zwar auch noch viele Fehler, aber sie formulieren frei und machen v.a. viele Flüchtigkeitsfehler.
    Diese bekommen dann wahrscheinlich am besten Übungen aus der Übungsgrammatik, um sich gezielt mit ihren Problemgebieten zu befassen.


    Du könntest das ganze modulartig aufbauen. Somit könnten die fitteren Schüler direkt auf mehrere Dinge achten, wohingegen die schwächeren immer eine Struktur fokussieren, wobei in beiden Fällen der Schwierigkeitsgrad steigen muss.


    Zitat


    Die Frage ist nur, wie man diese Aufsätze, die die Schüler zu jeder Stunde schreiben müssten, kontrollieren kann. Ich kann ja nicht in bzw. nach jeder Stunde 15-20 Aufsätze nachschauen.


    Die Schüler sind im Erkennen fremder Fehler deutlich fitter als im Erkennen der eigenen. Der Schreibprozess läuft bei vielen Schülern nicht bewusst bzw. nicht kognitiv genug ab sonden zu ungeordnet, wenn nicht sogar chaotisch. Man muss die Schüler dazu bringen bewusst zu schreiben und das eben nicht nur inhaltlich. Hierzu wäre ein Leitfaden, den die Schüler während des Schreibens neben sich liegen haben, von Vorteil. Das habe ich sogar bei meinen 11ern gemacht. Bei vielen war das offensichtlich hilfreich.


    Gruß
    Bolzbold

    • Offizieller Beitrag

    Vielen lieben Dank für diese konstruktiven Ideen. :)
    Module? Leitfaden?
    Entweder verstehe ich gerade gar nichts mehr (habe gerade eine Schülerarbeit mit einem FQ von fast 20 Prozent durchgelesen und bin nur noch konfus) oder wir haben im Englischseminar damals wirklich fast gar nichts gelernt. Aber das war wirklich so. Wir hatten einen Fachleiter von der Hauptschule und haben nur Anfangsenglisch und Spiele im Englischunterricht besprochen, aber in Bezug auf die höheren Klassen fühle ich mich fachdidaktisch kaum ausgebildet. X(





    Zitat

    Selbst in der Oberstufe sind FQs jenseits der 10% schon vorgekommen. Ist halt nicht jeder wirklich fit in Englisch.


    Naja, der kleine Unterschied ist nur, dass bisher fast alle Arbeiten in dieser Klasse einen solchen Fehlerquotienten hatten. ?(


    Zitat

    Ein expliziter Grammatikteil in der 10 ist eigentlich unüblich und entspricht nicht den Anforderungen der 10. Es sei denn, Du würdest die Arbeit so stellen, dass die Grammatik im Rahmen einer offenen Augabe abgeprüft wird. (Thema vorgeben und sagen, welche grammatische Struktur die Schüler besonders berücksichtigen sollen).


    Dann habe ich das doch richtig in Erinnerung. Ich habe nämlich in den Richtlinien einen ähnlichen Passus gefunden, aber alle Kollegen meinten, in der 10 könne man noch Grammatik machen.


    Ich schreibe gleich weiter.

    • Offizieller Beitrag

    So, da bin ich wieder.
    Inzwischen gab es auch immerhin schon zwei Arbeiten mit einem FQ von 5 und 6. Das ist doch beruhigend - es sind allerdings beides Schüler, die vom Gymnasium kommen.


    Zitat

    Hierfür gibt es verbindliche Regeln, die sich auch in den Richtlinien finden. Der Sprache ist das größere Gewicht zu geben. In den Richtlinien (Gymnasium) findet sich auch, dass eine Arbeit nicht besser als mangelhaft bewertet werden darf, wenn ein Aspekt (Inhalt oder Sprache) ungenügend sind.
    Sprachnote 5 und Inhaltsnote 3 ergeben bei mir eine 4- (wegen dem Gewicht der Sprache).


    Ich dachte, ich hätte die Richtlinien inzwischen schon vorwärts, rückwärts und seitwärts gelesen, finde bei uns aber keinen entsprechenden Passus. Wir haben uns gestern im Kollegium darauf geeinigt, dass wir die Sprache etwas mehr als die Hälfte zählen. Ich habe aber tatsächlich Arbeiten, die inhaltlich 1 wären, (die Themen wurden alle intensivst besprochen und vorbereitet, obwohl der eigentliche Text, der in der Arbeit kam, unbekannt war), aber sprachlich 6. Und das gibt dann tatsächlich eine 5 als Gesamtnote? Mein Kollege (der allerdings auch vom Gymnasium kommt), macht es ebenso. Ich finde aber auch das nicht in unseren Richtlinien.


    Zitat

    Die Schüler sind im Erkennen fremder Fehler deutlich fitter als im Erkennen der eigenen.


    Ja, so habe ich das auch gelernt. Wenn auch nicht im Englischfachseminar, sondern im Deutschfachseminar, denn dort haben wir tatsächlich viel gelernt.
    Genau das habe ich diese Woche auch mit den Schülern versucht. Sie sollten gegenseitig ihre Aufsätze Korrektur lesen, meinten aber, das bringe nicht viel, da sie bei anderen keine Fehler finden und eben alles "irgendwie" verstehen. Ich glaube ihnen das auch. Sie haben ja selbst keine Ahnung von richtigem Satzbau.


    Zitat

    Man muss die Schüler dazu bringen bewusst zu schreiben und das eben nicht nur inhaltlich. Hierzu wäre ein Leitfaden, den die Schüler während des Schreibens neben sich liegen haben, von Vorteil. Das habe ich sogar bei meinen 11ern gemacht.


    Was meinst du denn mit einem Leitfaden? Wir funktioniert das Ganze?
    Kannst du mir bitte auch noch mal genauer schreiben, was du mit den Modulen meinst?


    Vielen Dank,


    Referendarin,
    die sich ärgert, dass sie damals im Fachseminar Englisch so wenig gelernt hat (und das, obwohl wir unseren Fachleiter explizit um solche Informationen gebeten haben) X(

    • Offizieller Beitrag

    Also:


    Modulartig aufbauen heißt, dass Du beim Aufsatzschreiben bestimmte grammatische Phänomene in den Fokus rückst. Du fängst ganz leicht mit SVO an. Dann die Adverbien, adverbiale Bestimmungen der Zeit, des Ortes, der Art und Weise.
    Im Grunde ist das dann ein Baukastenprinzip. Wer mit einem Klotz schon klarkommt, kann es mit zwei Klötzen probieren etc..


    Leitfaden bedeutet, dass man mit den Schülern Fehelrquellen und -ursachen erarbeitet und ihnen dies vor Augen führt. Dann sollen sie selbst Ideen erarbeiten, wie man Fehler vermeiden kann. Natürlich gibst Du noch einige Sachen hinzu.
    Damit hast Du dann eine Liste, auf der steht "What I have to do in order to avoid mistakes" und dann die ganzen Stichpunkte, was man tun muss.
    Die Liste ist der Leitfaden.


    Tröste Dich, das habe ich auch in keinem Seminar gelernt sondern im Gespräch mit KollegInnen erarbeitet und erfahren.


    Gruß
    Bolzbold

  • Die Schüler müssten zu jeder Stunde am besten einen Aufsatz zu einem festgelegten Thema schreiben, wobei man mit einfachen Hauptsätzen beginnt (SVO-Satzstellung) und das dann allmählich auf Nebensätze und entsprechende Konjunktionen erweitert. Das ganze wird dann allmählich um immer mehr komplexere Sachen erweitert. (If-Clauses, Infinitiv-Konstruktionen etc.).



    >> damit die schüler erfolg haben, hast du natürlich recht. aber
    das würde ja deren willen voraussetzen und deren motivation. ist die denn da? das ist in meinen augen der erste ansatzpunkt. wenn diese motivation nicht da ist und nicht geweckt werden kann, lernen die sowieso in ihrem ganzen leben nicht mehr wie man englisch spricht oder schreibt. hört sich krass an- aber ist halt die frage, ob man da nicht bei einigen zugeben muss, dass das eh nix mehr wird.
    aber als pädagoge wird man natürlich immer an das gute glauben

    Suum cuique!


    Um Vorwürfen vorzubeugen,
    gilt bei allen meinen Beiträgen mitzudenken:
    BSE:
    (BETROFFENHEIT SORGE ERSCHÜTTERUNG)

  • sollte nicht destruktiv sein- interessiert mich nur mal: wie is deren motivationslage?

    Suum cuique!


    Um Vorwürfen vorzubeugen,
    gilt bei allen meinen Beiträgen mitzudenken:
    BSE:
    (BETROFFENHEIT SORGE ERSCHÜTTERUNG)

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