Beiträge von Bolzbold

    Hatte mit einem Elternteil telefoniert, S. sagte mir immer, er käme nicht rein. E. wollten ihm dann einen neuen Laptop besorgen - ich meinte da nur, ich sehe die Probleme woanders. Manche nutzen es gerne als Ausrede und gerade deswegen ist es wichtig eine klare Kante zu ziehen.

    Das musst Du aber im Zweifelsfall nachweisen können. Und spätestens da wird es schwierig.

    Auch hier herrscht zum Teil das Missverständnis vor, dass Distanzunterricht = digitaler Unterricht wäre.
    Die DistanzVO sieht hier nur vor, dass der Unterricht digital erfolgen soll, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Dies sind sie in der Regel nicht - also muss man auch andere Möglichkeiten nutzen. Die Zulässigkeit einer Kursabschlussnote etc. hängt sicherlich nicht davon ab, in welchem Umfang der Unterricht digital erteilt wurde.

    Und wenn Lehrkräfte so "schlau" sind, die Verfügbarkeit digitaler Peripherie bzw. deren (Un)zuverlässigkeit als eine der Grundlagen ihrer Notengebung zu machen, dann haben sie die Widersprüche faktisch selbst provoziert.


    Wenn ich als Lehrkraft mittlerweile um den Problemkomplex des Distanzunterrichts weiß, dann trage ich dafür Sorge, dass ich mir nicht mehr Arbeit als nötig mache hinsichtlich meiner widerspruchssicheren Notengebung. Falls der Präsenzunterricht nach den Osterferien für alle Klassenstufen wiederaufgenommen werden kann, dürfte es auch schwierig werden, die Schwächen des Distanzunterrichts für eine defizitäre Note im zweiten Halbjahr heranzuziehen.

    Im Zweifelfall würde ich kein Defizit geben, wenn ich es nicht wirklich nachhaltig begründen kann - den Stress muss ich mir nicht zusätzlich machen.

    Wenn bei euch so mies geplant wird, solltet ihr schön brav Mehrarbeit abrechnen.

    Das ist Aufgabe der Schulleitung - wenn sie die Teilung der Lerngruppen als lediglich "zusätzliche Aufsicht" oder ähnliches verpackt, würde sie die Mehrarbeit umgehen. Das kommt an Schulen tatsächlich vor.

    Da wäre es Aufgabe des Lehrerrats bzw. der Lehrerkonferenz, hier für klare Regeln zu sorgen und vorher klare Kante zu zeigen.

    Was meine "Garderobe" angeht, bin ich geneigt zuzustimmen. Ich habe "meine" passende Hosenmarke gefunden, kaufe alle paar Jahre zwei oder drei Hosen, die ich dann entsprechend mehrere Jahre tragen kann. Bei Hemden ist der Verschleiß etwas höher, wenn man Baumwolle etc. und keine Kunstfaser nimmt, weil die Farbe früher oder später rausgeht.

    Paketboten sind heute das, was früher ungelernte Kräfte waren.

    Diese Jobs scheinen nüchtern betrachtet besonders für Osteuropäer und arabischstämmige Personen attraktiv zu sein - die Anzahl der Paketboten ohne sichtbaren oder hörbaren Migrationshintergrund dürfte zumindest auf der Basis meiner Erfahrungen in der deutlichen Minderheit sein.

    Ich finde das Ganze insofern krass, als dass wir ja letztlich für die Marktdominanz von Amazon mitverantwortlich sind. Bequemlichkeit, Auswahl und Preise sind in den letzten 20 Jahren die treibenden Faktoren hierfür gewesen. Und seien wir mal ehrlich: Wir alle finden Kapitalismus so lange geil, wie wir auf der Gewinnerseite desselben stehen.

    Kapitalismus lebt von der Ausbeutung anderer Menschen zugunsten des Wohlstands einer kleine(re)n Anzahl an Menschen, die über Macht und Kapital verfügen, sich das so zu basteln.
    Kapitalismus lebt aber auch von der Hoffnung der Ausgebeuteten, eines Tages auf der "anderen Seite" zu stehen.

    Kapitalismus in unseren Breiten legitimiert sich moralisch mit der angemaßten zivilisatorischen Überlegenheit der westlichen Welt gegenüber der restlichen Welt.

    Manchmal habe ich den Eindruck, unsere einzige Überlegenheit besteht darin, eben diese wirksam der restlichen Welt zu suggerieren.

    qchn

    Da hast Du völlig Recht. Durch den Lockdown dürfte diese Einsicht jedoch schwierig zu erzielen sein. Ich kaufe gerne auch anderswo als bei Amazon und gerne auch lokal vor Ort - nehme dafür auch ein paar Tage Wartezeit, bis der Artikel da ist, in Kauf.

    Einige Unternehmen haben nur keine entsprechende Produktpalette vorzuweisen und dann bin ich hin- und hergerissen zwischen Umweltbewusstsein und Stärkung der lokalen Unternehmen auf der einen Seite und der freien Produktwahl auf der anderen Seite.

    Ein Schildbürgerstreich im digitalen Zeitalter...

    ... da machste und sagste nix mehr.

    Als der Präsenzunterricht im Januar für alle ausgesetzt wurde, haben sich viele Eltern und SuS darüber beschwert - es gehe ja um ihr Abitur und sie bräuchten dringend den Präsenzunterricht. Der Distanzunterricht liefe ja soo schlecht wegen fehlender Digitalisierung etc.


    Als die Schulen den Präsenzunterricht wiederaufgenommen haben, wird sich nun beschwert, wie riskant und unverantwortlich dies wäre, man käme doch im Distanzunterricht und durch super Digitalunterricht genauso klar wie in Präsenz.

    Kann mir das mal einer erklären? OK, es dürften vermutlich nicht dieselben Leute sein - hoffe ich zumindest.

    Ich bin ehrlich gesagt überrascht mit welcher Selbstverständlichkeit das hier als "ist eben so, macht doch nichts" abgestempelt wird. Klar, kann hier niemand was dran ändern, aber das es okay ist, dass man so allein gelassen wird, find ich nicht. Das Ref beginnt ja sogar im September, nur kann ich es dort nicht starten weil die Nachreichefrist für das Zeugnis vor dem Termin ist, wo ich das Zeugnis kriege. Die, die die Zeit zum "Kraft tanken" oder so brauchen/wollen könnten doch auch gerne den Februar als Starttermin nehmen. Aber andere (Ich) müssen Rechnungen bezahlen und würden gerne übergangslos starten.

    Ich finde das wirklich mies geplant von den Kollegen aus dem Schulamt.

    Dann hast Du das, was man Dir sagen wollte, nicht ganz verstanden. Es ist nicht die Aufgabe der Landesregierung Sachsens, einem Absolventen Thüringens (oder Hamburgs, oder NRWs oder Bayerns) einen reibungslosen Übergang vom Studium ins Referendariat zu ermöglichen. Das "ich werde alleine gelassen" kommt nur durch den von Dir erhobenen Anspruch zustande.
    Hier hilft im Wesentlichen die Erkenntnis, dass man Wege finden muss, mit Dingen umzugehen, die man nicht ändern kann. Verschwende Deine Energie also nicht mit weiteren Lamentos oder Rechtfertigungen Deinerseits, sondern sieh zu, wie Du die Zeit finanziell und arbeitstechnisch überbrückt bekommst. Die Lücke ist meinetwegen "Scheiße", aber sie ist nun einmal da.

    Ja klar ist das Ansichtssache, für mich fühlt es sich aber so an, wenn ich nach 5 Jahren Studium gar keine Chance habe, als erstmal ein halbes Jahr mein Leben auf "hold" stellen zu müssen. An irgendeinem Punkt will man auch mal fertig werden und nicht in eine Zwangspause geschickt werden.

    Das ist aber nicht die Aufgabe des "Staates" oder des "Landes", nach der Du gerade rufst. Es ist Teil des Systems Schule - und das wird Dir nach dem Referendariat, und wenn Du erst einmal "voll" im Schuldienst bist, noch viel öfter so gehen.

    Da sitzt keiner am Schreibtisch und überlegt sich, ob er Herrn oder Frau Tafelkreideistmist nun sechs Monate in die Zwangspause schickt. Die Eintrittsfristen des Referendariats richten sich nach landesspezifischen Erwägungen - da interessieren Modalitäten und Fristen anderer Bundesländer nicht. Du kannst Dich diesen Regeln beugen - und am besten lernst Du das jetzt, denn Schuldienst ist kein Wünschdirwas - oder Du machst Dein Ref. woanders. Den Sachsen wird das relativ schnuppe sein.

    Wenn man weiß, woher es kommt, ist es leichter, damit umzugehen.


    In meiner Nachbarschaft gibt es zwei "Motive".

    Das eine ist eine allgemeine Frotzelei, die unabhängig vom Beruf stattfindet. Das andere ist der Versuch der eigenen sozialen Aufwertung durch moralische Abwertung des Gegenübers und ist schnell zu durchschauen. Im direkten Gespräch reagiere ich darauf dann so, dass ich bei den in der Regel angeführten Privilegien (Verbeamtung, 12 Wochen bezahlter Urlaub, vormittags Recht, nachmittags frei) trocken sage: "Ja, da hast Du Recht. Aber dann habe ich doch im Gegensatz zu Dir alles richtig gemacht, oder?" Oft kommt dann der Zusatz, dass man selbst ja nicht mit den Kindern arbeiten wolle, dass das ja sicherlich stressig wäre. Innerer Reichsparteitag abgeschlossen. 8)

    Ich lese solche Artikel auch ab und an - pro LehrerInnen, contra LehrerInnen, anti LehrerInnen.

    Es ist leider Teil des Spiels, dass andere Leute meinen, sich über unseren Beruf und dessen Ausübung erheben zu können. Genauso wie über Fußballstars, Fußballtrainer, die Kanzlerin und wen auch immer.

    Das juckt mich nicht mehr, weil ich es zum einen nicht ändern kann und auch - in Bezug auf die KollegInnen, die aktiv zu unserem schlechten Image beitragen - auch nicht ändern möchte. KollegInnen zu erziehen ist nicht meine Aufgabe. Und wie zu jeder Zeit in der Geschichte der Menschheit haben Menschen zusammengefunden und über Dinge, die sie objektiv stören oder Dinge, über die sie sich meinen aufregen zu müssen, geredet.

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