Beiträge von Bolzbold

    Zumindest auf meinen Jahrgang bezogen gab es durchaus Familien aus dem Arbeiter- bzw. Stehkragenproletariermilieu, die weniger ob ihres Potenzials nicht mehr aus sich gemacht haben als ob der Einschränkungen durch Schulgeld oder den entsprechenden Wünschen der Eltern (schnell Ausbildung machen, eigenes Geld verdienen und den Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen).
    Die dort vermittelten Werte waren aber zentral für den späteren Bildungserfolg der jeweiligen Kinder - in diesem Fall Mädchen, die ja auch mitunter gesellschaftlich bedingt bildungsmäßig benachteiligt waren.
    Zwei Fälle habe ich selbst erlebt, da ich mit einer Dame liiert war und mit der anderen verheiratet bin.

    Grundwerte wie Fleiß, Disziplin, Ehrlichkeit, Durchhaltewillen und gesunder Ehrgeiz sind nicht akademikerspezifisch - da hält die Wohlstandsverwahrlosung ziemlich dagegen. Aber diese Grundwerte und ein Grundmaß an kognitiver Kompetenz sind aus meiner Erfahrung entscheidend für den späteren Lern- und Bildungserfolg.

    Aus den mehreren Jahren als Beratungslehrer in der Oberstufe habe ich auch oft erlebt, wie insbesondere Jungen aus "gutem Hause" es trotz überdurchschnittlicher Intelligenz an den obengenannten Werten haben vermissen lassen - viele von ihnen scheiterten, wiederholten oder machten ein unterdurchschnittliches Abitur.

    Ich habe in der 5. Klasse in Englisch eigentlich immer "voraussetzungslosen" Unterricht gemacht, gerade weil die Kinder von sechs oder sieben Grundschulen kamen und je nach Grundschule und Klasse die Vorkenntnisse extrem divergierten. Die Anfangsseiten im Lehrwerk können da mitunter einen Überblick geben, aber mir war immer wichtig, dass die Kinder mit "schlechtem Grundschulenglischunterricht" nicht sofort das Gefühl bekamen, sie wären so schlecht.

    Der Übergang von der Grundschule ans Gymnasium wird natürlich an allen Gymnasien als total sanft dargestellt - das ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit vor allem in städtischen Bereichen, wo die Konkurrenz groß ist und der Kuchen gefühlt klein.

    Anekdote am Rande:
    Wenn ich mich an meinen Übergang erinnere, dann war ich von meiner Grundschule aus hervorragend vorbereitet, so dass ich mehrere Themen in Deutsch oder Mathematik schon aus der Grundschule kannte, mit dem Ergebnis, dass meine Noten in der 5. Klasse besser waren als in der 4. Klasse der Grundschule. Dass jetzt der "Ernst des Lebens" begänne, war damals - Mitte der 80er - aber auch ein durchaus oft vorkommender Spruch.

    Ich behaupte einmal, dass die bildungstechnischen Voraussetzungen in Lehrerhaushalten dergestalt sind, dass überproportional viele Lehrerkinder am Gymnasium sind. Das ist meines Erachtens die Hauptursache.

    Unabhängig davon, wie schlau oder nicht schlau meine Kinder im Vergleich zu anderen Kindern anderer Familien sind, so ist das Interesse an Bildung, das Lesen von Büchern (aus Papier!), das Reden über verschiedenste Themen aus Natur, Gesellschaft etc. sicherlich prägend. Ferner hat man als Lehrkraft einen Blick für das Wesentliche in Bezug auf Schulerfolg und Bildung. In der Regel vermitteln wir also das, was man braucht, um schulisch Erfolg zu haben. Im Falle meiner Frau und mir haben wir außerdem einen Blick, wie wir bei schulischen Problemen reagieren, da wir das System Schule kennen. Und wir haben mitunter nicht gezögert, konsequent zu handeln, wenn es denn erforderlich war. Der schulische Erfolg unserer Kinder gibt uns Recht - wobei unsere Kinder sich diesen zu 90% selbst erarbeitet haben. Die anderen 10% waren meist freundliche, manchmal weniger freundliche, aber beharrliche "Erinnerungen" an zu erledigende Schulaufgaben.

    Der schwarze Punkt auf der weißen Wand fällt eben auf. Und man übersieht, dass die Wand ansonsten weiß ist.
    Die Zufriedenen begehren einerseits nicht auf (die Schüchternen oder Zurückhaltenden in der Regel auch nicht) und sie preisen, loben, freuen sich ihres Lebens auch nicht so lautstark wie die Unzufriedenen.

    An meiner alten Schule waren mehrere Leute, darunter auch "laute" KollegInnen unzufrieden. Das Gros des Kollegiums waren aber A13-ProbezeitlerInnen, A14-AspirantInnen und viele Mäuschen, die den Mund nicht aufgemacht haben. Und doch haben sich Letztere durchgesetzt, was sich auch bei der Lehrerratswahl gezeigt hat und ein weiterer größerer Mosaikstein für meine Entscheidung war, zumindest temporär einmal etwas anderes zu machen.

    Der 16.12. als Ende des Unterrichts vor Weihnachten wird auch in der Rheinischen Post als vom Bund bestritten dargestellt.
    Und falls das doch durchgeht, bleibt für die "betroffenen" Oberstufler alles beim Alten. Die Unter- und Mittelstufe wären dann früher zu Hause, die Lehrkräfte werden sich "freuen", wenn sie dann die dritte Klassenarbeit nach den Ferien korrigieren dürfen.

    Aus der Praxis von 14 Jahren am Gymnasium:

    Es gab natürlich immer mal wieder sozial auffällige SchülerInnen. Die wenigsten davon konnte man aber "loswerden", weil die Leistungen insgesamt OK waren. SchülerInnen, die früh bzw. in der Erprobungsstufe mit zwei Fünfen enden, waren bei uns eher selten - aber die wenigen, die ich miterleben durfte, hatten es in der Tat in den meisten Fällen in sich. Ich kann mich ad hoc nur an eine Handvoll Fälle erinnern, wo wir überhaupt nach der Erprobungsstufe "nach unten" durchgereicht haben.

    In der Regel findet die "Aussortierung" (ich hasse dieses Wort in Bezug auf Menschen, aber es bezeichnet den Vorgang recht präzise) bereits in der Grundschule statt und diese Kinder kommen erst gar nicht ans Gymnasium.

    Ein Vorfall wie eingangs geschildert hätte an meiner alten Schule aber mindestens zur Androhung der Entlassung geführt. Da greifen meines Erachtens aber auch keine milderen Maßnahmen mehr und das Verhalten des Schülers ist geeignet, die pädagogische Arbeit nachhaltig zu erschüttern - vom Vertrauen einmal ganz abgesehen.

    Äh, krank bedeutet: Nix Arbeit, damit werden gesund.


    Wenn ich krank bin, stelle ich kein Material bereit, ich kenne auch keinen Kollegen, der das tut.


    Ausnahmen sind derzeit aber häufig: z.B.: Ich habe leichtes Halskratzen, würde normalerweise in die Schule gehen. Dann arbeite ich natürlich von zuhause aus, da nix krank, sondern VORSICHTSHALBER ZUHAUSE. Diese Kategorie ist tatsächlich neu. Früher gab es nur gesund oder krank.

    Oh, da dürftest Du an einigen Schulen in NRW schief angeschaut werden. An der Schule meiner Frau ist es Standard, dass jede/r Kolleg/In bei Erkrankung erst einmal Material schickt - es wird sogar explizit danach gefragt. An meiner alten Schule war das auch so. Ich habe das auch erst einmal mitgemacht, stellte dann aber fest, dass es nicht sein kann, dass die erste "Sorge" bei morgens festgestellter Erkrankung die ist, wie man schnell noch Material schickt. Parallel dazu muss man ja in der Regel den Tagesablauf der Kinder regeln, so dass dafür eigentlich keine Zeit ist. Da mein Unterricht auch nicht aus reinem "Buch S. X Aufgabe Y" besteht, muss ich mir dann meistens sogar noch etwas extra überlegen.
    Wenn ich wieder im Schuldienst bin, werde ich das konsequent verweigern, es sei denn, der Unterrichtsausfall war vorhersehbar.

    naja, wenn Du Verwandtschaft dort hast, die dem "Geldadel" angehört, bekommst Du so einiges mit. Die Arroganz zeigt sich weniger in der Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken als vielmehr in der direkten Kommunikation...

    Das sind keine zusätzlichen Ferientage sondern "unterrichtsfrei".
    Dass das MSB das nicht als Ferien erachtet, geht aus dem Satz hervor, dass mit diesen Tagen und den Weihnachtsferien der Unterricht insgesamt zweieinhalb Wochen ruht (sic!).

    Also ich habe das damals, bis man mir sagte, ich brauche das nicht mehr einzureichen, alles penibel immer auf dieselbe Weise sortiert, in Klarsichtfolien gepackt und mit einem Post-It versehen, auf dem stand, zu welcher Anlage oder welchem Formular das gehört. Lief butterweich durch.

    Schon lustig, dass man denkt nichts zu tun müssen, weil in S-H entsprechende Überlegungen angestellt wurden, die dann ganz schnell wieder über Bord gingen. Eigentlich ist das zentrale Argument gegen die Zuerkennung der AHR...

    Wobei: In der NRW-Landespolitik wurde auch noch Wochen oder Monate nach der KMK-Entscheidung, das Abitur durchzuführen, dagegen gewettert - so als könnte NRW mal eben im Alleingang das Ganze anders machen.

    Somit hätten wir also eine wunderbare Berufsperspektive...

    Es gibt Lehrkräfte, die sich mit Referaten ein laues Leben machen. Die Kinder arbeiten im PC-Raum und man muss sie nur beaufsichtigen. Dann kommt die Präsentationsphase und man muss nur da sitzen, zuhören und benoten.

    Im Musikunterricht habe ich bei den Musikepochen Referate anfertigen lassen - für mich war das immer langweilig, weil ich kaum aktiv gefordert war. Andererseits war das aber im ansonsten anstrengenden Schulalltag auch mal eine Insel, wo man durchschnaufen konnte. Null Vorbereitung - alle Kinder im Idealfall beschäftigt.
    Wenn man allerdings aktiv rundgeht und schaut, was die lieben Kleinen so machen, dann fragt man sich, ob die wirklich glauben, dass bei Google jemand am anderen Ende der Leitung sitzt und nur auf eine ausgeschriebene Frage wartet, um die passgenaue Antwort in 0,1 Sekunden parat zu haben...
    ... in nahezu allen Klassen war ich damit beschäftigt, dies zu erklären, seriöse von unseriösen Seiten unterscheiden zu lassen, fachliche und layoutspezifische Fragen zu klären, Streit innerhalb der Gruppe zu schlichten, arbeitsscheue SchülerInnen zum Arbeiten anzuhalten...

    Im Geschichtsunterricht habe ich regelmäßig einen Plakatzyklus zu Ägypten gemacht. Da kamen die SchülerInnen mit vielen Büchern und Ausdrucken aus dem Internet an. Letzteres meist viel zu schwer und mit der Idee, das eins zu eins übernehmen zu können. Da merkte man dann besonders, wo Mama und Papa mitgeholfen haben. Die Enttäuschung war dann groß, wenn die Note nicht automatisch zu diesem Aufwand passte. Und ja, in eine mir noch sehr präsenten Fall war es augenscheinlich die Mutter, die dem Jungen unbedingt eine gute Note gegönnt hatte und daher übers Ziel hinausgeschossen war.

Werbung