Beiträge von Bolzbold

    Das kann man so oder so sehen.
    Ich bin einem Arzt dankbar, wenn er meinen Sohn behandelt bzw. "heilt". Dafür erstellt er eine Rechnung, die ich bezahle. Muss/soll ich ihm deshalb auch noch einen Präsentkorb überreichen? (OK, wir stecken jedes Jahr etwas in das Sparschwein auf dem Tresen, das der gesamten Belegschaft zugute kommt...)

    Ich erwarte keine Dankbarkeit der Eltern. Und manchmal kommt diese Dankbarkeit erst Monate oder Jahre später, dafür aber umso tiefer. Das wirkt mitunter nachhaltiger als eine - ich überspitzt - ritualisierte Dankbarkeit am Ende eines jeden Schuljahres.

    Ich hoffe, es ist dem Kollegium bewusst.

    Ja, das ist dem Kollegium bewusst. Viel wichtiger ist aber, dass uns Planern das bewusst ist. Natürlich gibt es auch KollegInnen die mit ihren Plänen hadern, aber ich nehme mir dann die Zeit, ihnen die Gründe dafür zu vermitteln. Hier war schon oft zu lesen, dass Pläne mit einem "Basta" ausgeteilt wurden. Das wäre für mich undenkbar.

    Bolzbold , kann man das Stundenplanen lernen oder braucht's auch eine gewisse strategisch-mathematische Kompetenz?

    Ich stelle mir das extrem komplex vor, immer wenn man einen Dominostein wegnimmt, gerät eine ganze Kette ins wanken... Ob man die strategischen Fähigkeiten erwerben kann? Growth Mindset natürlich vorausgesetzt aber trotzdem:P

    Ja, ist es. Aber man kann es lernen. Ich hatte/habe das Privileg von den Besten der Besten zu lernen. Und ich habe bei Weitem noch nicht ausgelernt.

    Das Wichtigste bei der Planung ist es, alle notwendigen Informationen zusammenzutragen, auf ihre Aktualität und Korrektheit zu überprüfen und dann einzugeben. Dazu gehören z.B.:
    Die Salden, Anrechnungsstunden, Entlastungen oder Zeitwünsche. Dann kommt die UV, die natürlich ebenfalls sachlich richtig sein muss und im Vorfeld mit den Kollegen abgesprochen sein sollte. Wenn dann alles soweit eingegeben ist, geht es an die Proberechnung. Da können dann offensichtlich Fehler oder Probleme noch behoben werden. Im Anschluss geht es an die große Rechnung. Wenn dann nicht erneut offensichtliche Fehler oder Kollisionen während des Rechnens angezeigt werden, prüft man die einzelnen Vorschläge der Gesamtstundenpläne.
    Zu dieser Prüfung gehören die Pläne der KollegInnen (Zeitwünsche, maximale Stundenzahl pro Tag etc.) und die Pläne der Klassen und Jahrgangsstufen (Doppelstunden vermeiden, Kernfächer nicht im Nachmittag etc.). Irgendetwas wird immer nicht zu 100% hinhauen. Dann muss händisch optimiert werden. Dazu macht Untis zwar Vorschläge, aber hier ist händisches Hantieren über mehrere Ecken oft sinnvoller. Es ist ein großes Verschiebepuzzle. Am Schluss darf ich dann entscheiden, wer im Extremfall eine unliebsame Kröte schlucken muss und muss dann die entsprechenden Gespräche führen.

    Dieser Gesamtprozess nimmt mitunter eine ganze Woche in Anspruch. Nun muss ich aber auch sagen, dass mein Team einen ungeheuer hohen Anspruch an sich selbst bzw. den Plan hat. Das ist meiner Wahrnehmung nach schon einzigartig. Aber es ist wichtig, weil unsere Arbeit die Arbeitszeiten wie die damit einhergehende Belastung der KollegInnen bestimmt. Da kommt dann die Fürsorgepflicht für die KollegInnen ins Spiel. Wir entscheiden hier über Menschen - und über das Gelingen von Schule vor Ort.

    Das wird bei uns auch so kommuniziert und ist auch schon passiert,

    wir haben eine Wunschliste bzw. Prioritäten,

    aber gibt es eine Vertretung mit Latein, sieht der Plan anders aus, als wenn jemand mit Mathe oder Kunst kommt. Also schütteln wir den Plan zurecht, wenn das Personal bekannt ist.

    Das ist der Grund, weshalb wir den Stundenplan nicht vor den Sommerferien fertigmachen. Bis zum neuen Schuljahr kann viel passieren - und wir möchten diese sehr zeit- und kraftintensive Arbeit nur einmal machen.

    Das kann passieren, wenn der Stundenplaner entweder auf unvorhersehbare Probleme stößt, oder schlichtweg sein Handwerk nicht beherrscht. Natürlich können auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben. Solche Extreme sind aber tatsächlich wenig erbaulich.

    Mir hat es einmal schon gelangt, dass wir letztes Jahr kurz vor Schuljahresende erst bemerkt haben, wie viele Stunden uns für die vollständige Unterrichtsabdeckung noch fehlen. Dafür wurden wir auch vom Kollegium entsprechend gerüffelt. Für mich war das insofern "traumatisch", da ich mit dieser Unterversorgung nicht gerechnet hatte und völlig überfahren war. Als Verantwortlicher hatte ich mir im Anschluss vorgenommen, dass mir das nie wieder passiert. Dieses Jahr waren verhältnismäßig früh mit der UV fertig und ich wusste deutlich im Vorfeld, wie es um die Unterrichtsabdeckung steht. Aber wie gesagt, diesen Stress brauche ich nicht noch einmal.

    Ich könnte mir vorstellen, dass die verantwortlichen PlanerInnen bei den von Dir geschilderten Situationen auch alles andere als glücklich damit waren.

    Danke für deine Reaktion.

    Kann man natürlich so sehen. Wenn es allerdings an der Schule so Usus ist, dass die Lehrer/innen zum Schuljahresende alle von den Eltern Blumen, Geschenke, Dankeskarten etc. bekommen und man selbst schenkt seinen Vorsitzenden ebenfalls etwas und geht schon zum zweiten Mal leer aus, wirkt es doch so, dass sie damit ausbleibende Wertschätzung demonstrieren wollen.

    Regel Nr. 1: Erwarte keine Dankbarkeit oder Wertschätzung. Falls sie doch kommt, freue Dich darüber.

    Es kann sein, dass die Elternschaft hier selbst uneins war und das nicht auf die Reihe bekommen hat. Ich war ja schon an der einen oder anderen Schule und kann sagen, dass das bei mir mal so oder mal so war. Genau wie bei allen anderen KollegInnen.

    Oft erfolgt so etwas von der/dem Pflegschaftsvorsitzenden aus, womit das Ganze dann auch damit steht und fällt.

    Mund abputzen und weitermachen.

    Ein Update zum Schuljahresende:

    Die Hoffnung auf ein besseres zweites Jahr hat sich bestätigt.

    • Die teils dissozialen Oberstufenschüler haben sich selbst hinausgekegelt.
    • Die Folgen der Intrigen der besagten Person verblassen.
    • Die UV ist diesmal deutlich früher fertig gewesen und relativ gut aufgegangen.
    • Mein Team und ich sind besser aufeinander eingespielt.
    • Ich kann wieder musikalisch wirken und es macht Spaß - ich hatte das große Glück, mit SchülerInnen zusammenzuarbeiten, die ihre Instrumente beherrschen und nicht erst monatelang üben müssen.
    • Verwalten und Entscheiden geht schneller von der Hand.

    Ein paar Dinge sind aber geblieben, die sich noch verändern bzw. verbessern müssen.

    • Immer noch viel Mehrarbeit. (Aber OK, dadurch lassen sich viele Dinge finanzieren...)
    • Das neue pädagogische Grundkonzept läuft noch nicht rund und braucht noch einiges an Verbesserungen.
    • Ich bin in einigen Bereichen immer noch Mädchen für alles.

    Alles in allem kann ich definitiv nicht klagen. Ich bin jetzt da, wo ich sein möchte und wo ich alles, was ich machen möchte, auch machen kann.

    Allgemeine, bundesweite Probleme haben aber mit einer Durchfallquote an einer einzelnen Schule von 33% nichts zu tun und der Unmut der Schüler richtet sich auch nicht gegen das große und ganze.

    Ja, das will ich in diesem Fall gar nicht in Abrede stellen. Wir wissen aber alle, wie das ablaufen wird. Da sind wir dann leider bei einer Eigenschaft unseres Berufsstands, die uns nicht gerade gut dastehen lässt. Manche Lehrkräfte werden vermutlich wirklich so gearbeitet haben wie von der Schülerin kritisiert. Die werden aber an ihrer Grundhaltung nichts ändern. Das sind womöglich KollegInnen, die man irgendwann "verloren" hat. Da könnte ich mir aber dann wiederum vorstellen, dass das Große und Ganze doch wieder ins Spiel kommt, wenngleich natürlich nicht in erster Instanz.

    Wieso ist die Landesregierung Schuld, wenn sich das Kollegium mit der neuen Schulleitung zerstreitet?

    Es bestätigen sich doch offenbar gerade die Vermutungen, dass es intern große Konflikte gibt.

    Und die mag es an vielen Schulen geben, das ist aber in erster Linie eine Frage problematischer Kommunikation und nicht, ob da eine rote oder schwarze Bildungsministerin sitzt.

    Ich denke, dass Schulleitungen eine sehr große Verantwortung für derlei Konflikte und deren Lösungen tragen und wenn sie dem nicht gewachsen sind, dann gibt's ein Gerenne und Gegacker wie unter aufgeregten Hühnern, jetzt sollen lauter Qualitätskontrollprofis einen Schuldigen ermitteln. Zumal in den Ämtern auch nicht selten weggelobte Kollegen sitzen.

    Das Schulamt soll m.E. die neue Schulleiterin unterstützen und die Presse beruhigen, dass nicht der Abendlanduntergang droht, weil sie es versäumt haben, sich rechtzeitig zu kümmern. Die Qualitätskontrolle kann man doch hier getrost stecken lassen.

    Isoliert betrachtet ja. Die Rahmenbedingungen werden aber eben durch die Politik gesetzt. Ob das die Besetzung von Schulleitungsstellen ist oder das Wegloben von KollegInnen in Ämter.
    Die Qualitätskontrolle ist der Aktionismus des Bildungsministeriums um zu zeigen bzw. vorzugaukeln, dass man sich ja kümmert. Aus diesen Tausenden von Arbeitsstunden erwächst jedoch so wenig Steuerungswissen, dass dieser Aufwand mit nichts zu rechtfertigen ist. Die Entkopplung von pädagogischer und administrativer Führung an Schulen, die Entkopplung der Schulen von der kommunalen Trägerschaft - das wäre politisch zu entscheiden und wäre ein echter Schritt nach vorne.

    Artikel zur Abiwutrede: gestörte Kommunikation zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, "atmosphärische Störungen" bis hin zur Angst, fehlendes Frühwarnsystem bei Leistungsdefiziten, Querelen bei der Besetzung der Schulleitungsstelle

    https://www.news4teachers.de/2026/07/abi-wu…ische-querelen/

    Also im Grunde der Normalzustand in dieser Republik. In dem Moment, wo solche Ereignisse zum Politikum werden, ist der nächste Fehler schon passiert.

    Es kommt doch nicht von ungefähr, dass die Missstände im Bildungswesen im Wesentlichen unverändert bleiben, ganz gleich, welche Koalition am Ruder ist. Das hat man in NRW sehr plastisch gesehen. Schwarz-gelb, rot-grün, schwarz-grün - ganz egal. Bildung muss vor politischen Ränkespielen und Machtdenken jeder Art geschützt werden. Entscheidungen müssen langfristig und nicht über eine bis maximal zwei Legislaturperioden hin verlässlich getroffen werden können.

    Vielleicht, aber nur vielleicht, haben wir dann eine Chance auf echte Verbesserungen. Ich glaube nicht daran.

    Interessehalber: Wie muss man sich das organisatorisch vorstellen? Wie sieht in einer solchen Vorbereitungswoche der Stundenplan und Lehrkräfteeinsatz in der Q2 im Unterschied zum vorherigen "normalen" Unterricht aus?

    Es findet nur Unterricht in den Kursen statt, in denen mindestens ein Prüfling sitzt. Somit finden z.B. alle Zusatzkurse nicht mehr statt. Der Unterricht liegt dennoch zu den üblichen Zeiten, da die Lehrkräfte natürlich auch noch anderen Unterricht haben.

    Das war eine "Erfindung" aus der Corona-Zeit, um die damaligen Härten für die SuS' auszugleichen. Man hat dann wohl befunden, dass das eine gute Idee wäre und das Ganze dann "auf Dauer" gestellt.

Werbung