Da müssen wir einen Blick in die APOen werfen.
Sowohl die APO-S I als auch die APO-GOSt (als auch die APO-WbK oder BK) sehen keine Wiederholung einer einfachen Leistungsüberprüfung bei defizitären Noten vor. Lediglich eine nicht bestandene Abschlussprüfung darf einmal wiederholt werden.
Denken wir nun einmal praktisch:
- Wenn ich allen meinen SchülerInnen mit Defiziten nun eine zweite oder dritte Chance gäbe, hätte ich einen spürbar höheren Korrekturaufwand, zumal ich ja jeweils neue Arbeiten erstellen muss.
- Die Wiederholung einer Arbeit führt nicht automatisch zu besseren Ergebnissen und würde in der Tat voraussetzen, dass die SuS den Stoff nachhaltig nachbereiten und lernen. Dafür brauchen sie aber Zeit, die sie zusätzlich zum weiterlaufenden Unterricht und der Zeit und Energie, die man dafür braucht, aufwenden müssen.
- Die zweite oder dritte Chance bei defizitären Noten könnte alle SchülerInnen ohne solche Noten benachteiligen, weil sie dieses Recht nicht hätten, für den Fall dass die ursprünglich betroffenen Schüler nun deutlich bessere Noten schreiben.
- Ein solches Verfahren könnte die SchülerInnen gerade in der heutigen Zeit noch eher zum Schlendrian verleiten, da sie ja im Voraus wissen, dass sie noch eine zweite oder dritte Chance erhalten.
Denken wie nun noch formal:
- Der Vergleich zwischen Uni und Schule greift hier nicht, da die Struktur des Studiums eine völlig andere ist. Im Studium brauche ich bestimmte Kurse bzw. muss sie bestehen, um die Folgekurse belegen zu können. Da haben Klausuren oder sonstige Prüfungen am Ende eines Kurses eine erheblich stärkere laufbahnbeeinflussende Auswirkung.
- Eine einzelne Klassenarbeit in der Sek I führt nicht per se zur Nichtversetzung oder einem Schulformwechsel.
Was sind die Alternativen:
- Am Gymnasium stellen sich oft zwei zentrale Probleme bei Defiziten - gerade im Fach Mathematik.
- Das eine ist der individuelle Fleiß der SchülerInnen und die Fähigkeit bzw. den Willen, nicht sofort die Schotten dicht zu machen, wenn man etwas auf Anhieb nicht versteht. Es besteht oft die Anspruchshaltung bei Eltern wie SchülerInnen, dass, wenn eine Lehrkraft gut erklärt, die SchülerInnen den Stoff ohne eigene geistige Anstrengung verstehen werden. Dem ist aber nicht so.
- Das andere ist die Begabung bzw. die Intelligenz. Manche SchülerInnen kommen irgendwann an ihre Grenzen. (Und die Schulformempfehlungen werden ja in der Regle nicht willkürlich vergeben...)
- Die Alternative ist somit, im Vorfeld anzufangen und sich früh über die Lernstrategien und -weisen seiner SchülerInnen zu informieren. Im Anschluss an Klassenarbeiten sollte eine Förderliste bereitgestellt werden - die Lehrwerke bieten ja in der Regel Forder- und Fördermaterial. Dieses Material sollte dann zum Nacharbeiten zur Verfügung gestellt werden.
- Die Alternative ist auch eine aktive Beratung von Eltern und SchülerInnen, sowie ein verbindliches Förderangebot in Klasse 5 und 6 - was wiederum entsprechende personelle Kapazitäten voraussetzt.