Ja, das ist der interessante Punkt: wie könnte das anders geschehen? Ich glaube auch nicht, dass die Tatsache angezweifelt wird, aber so wie mit Kollegen umgegangen wird, geht es nicht. Ständig kontrolliert, ständig wird was angemeckert (zu spät, zu wenig vorbereitet, vergessen etc.), aber die ganze Arbeit, die die Leute leisten, wird nicht erwähnt.
Das steht aber auf einem ganz anderen Tablett als das schuldhafte Zuspätkommen von KollegInnen.
Da geht es dann um professionelles und in diesem Fall strategisch kluges Verhalten. Ich habe verschiedenste Schulleitungstypen erleben dürfen. Der beste Typ war eine Person, die mich nicht für meine tägliche Arbeit gelobt hat, aber dennoch um meine Stärken wusste und ein Gespür dafür hatte, dies in den passenden Situationen so wohldosiert zu wertschätzen, dass ich es als authentisch, aufrichtig und wohltuend empfunden habe.
In unserem System haben bestimmte Fehler mitunter spürbare Konsequenzen für unsere SchülerInnen. Sei es beispielsweise bei der Aufsicht, sei es bei der Notengebung oder der Schullaufbahnberatung. Das gilt für alle Zwischenebenen bis ganz nach oben. Dass dann Fehlverhalten bzw. Fehler stärker moniert werden, dürfte nachvollziehbar sein. Dennoch ist man als Schulleitung oder sonstige Führungskraft gut beraten, eben auch seinem Kollegium oder seinen Untergebenen Wertschätzung entgegenzubringen.
Ich bin kein Fan von übermäßiger Kontrolle, weder als Kontrollierender noch als Kontrollierter. Aber wie hier schon angeklungen ist, tut es möglicherweise Not, den Schlendrian auszutreiben. Und natürlich wird jemand, der sich vorher ohne Konsequenzen falsch verhält, plötzlich verschnupft reagieren, wenn die Schulleitung ankommt und das moniert. Dann wird es Zeit, dass man erkennt, wo das Problem liegt (ungeachtet dessen, dass sich die Schulleitung der Wirkung ihres Handelns auf das Gesamtkollegium im Klaren sein muss.)