Hilfe! So eine Klasse gab´s noch nie!

  • Hallo Robischon,
    nein, ich werfe dir auf keinen Fall vor, dass du alles schönredest. Das geht auch an mich selbst, ich versuche ja zwischendurch immer mal wieder alles zu hinterfragen und komme hin und wieder dhain, dass ich denke, "Der meint es gar nicht so, wie es auf mich wirkt. Er reagiert einfach anders als ich es erwarte." Nur denke ich, dass ich so nicht weiterkomme. Auch ein Drittklässler muss doch wissen dass sein Wirken auf andere nicht immer von anderen toleriert und akzeptiert werden kann und dass zum Zusammenleben gehört, dass man sich auch anpassen können muss und die eigenen Wünsche auch mal zurückgesteckt werden müssen.
    Ich bin erst seit Ende der zweiten Klasse mit den Kindern zusammen. Aber "auffällig" waren sie schon immer, wohl so wie jetzt, nur haben die anderen Kolleginnen das Gefühl, dass es sich veschlimmert. Das kann ich nicht beurteilen, vielleicht war es immer schon so wie jetzt, nur irgendwann erträgt man das nicht mehr und findet es schlimmer denn je.
    Lesen könen sie alle. Es gelingt ja hin und wieder, dass Texte und Arveitsergebnisse vorgelesen werden, da wäre aufgefallen, wenn es Kinder gäbe, die nicht lesen können. Allerdings ist die Lesefertigkeit ja nicht gleichzusetzen mit der Lesekompetenz. Nicht jeder,d er die einzelnen Wörter lesen kann, weiß worum es im ganzen Text geht. Ich denke, da haben einige noch Probleme. Daran könnte man doch ansetzen und ihnen helfen, zu kompetenten Lesern und vor allem zu Gern-lesern zu werden, aber sie zeigen ja überhaupt keine Bereitschaft. Ich vesuche immer wieder sie zu ermutigen, Lesen als Möglichkeit sich Informatinen zu beschaffen, zu erkennen. Wenn ich sie bitte, zu Hause in einem Schülerlexikon o.ä. nachzulesen, was sie z.B. zu den Römern finden, sind sie dazu nicht bereit. Das ist keine richtige Hausaufgabe, das machen sie nicht.
    Sie fallen in sämtlichen Fächern auf. Zunächst war es in Textil nicht so schlimm. Solange sie dachten, sie könnten sich ohne wirklich zu arbeiten netten Stunden machen, haben sie sich zusammen nehmen können. Seitdem sie aber wissen, dass auch in Textil Arbeitsergebnisse erwartet werden und es dafür Noten gibt, ist es nicht mehr so. [Zum Punkt Noten könnte man sicher eine Lawine der Kritik am Schulsystem lostreten, das habe ich aber nicht vor ;-)]
    Die Sitzordnung bestimmen die Kinder auf jeden Fall mit. Da ich aber nicht Klassenlehrerin, sondern nur Fachleherin mit 4 Stunden bin, nehme ich an diesen Diskussionen um die Plätze in der Regel nicht teil. In meinen Stunden ist es aber so, dass Schüler, denen ich es zunächst gar nicht zutraue neben bestimmtne anderen Kindern zu sitzen, wenn sie danach fragen, "probeweise" an einem anderen Platz sitzen und arbeiten dürfen. Wenn es gut klappt, können sie in meiner nächsten Stunde wieder dort sitzen, ansonsten müssen sie an ihren alten Platz zurück. Da in der Klasse aus dem Freund der 1. Stunde bereits in der 2. Stunde der größte Feind wird, kommt es nicht oft vor, dass die Kinder lange zusammen sitzen wollen.
    Ich glaube nicht, dass die Schüler, mit denen es immer wieder zu Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen kommt, bereit sind die per Email zu schreiben -außerdem gehe ich davon aus, dass nicht ein Kind Zugang zum Internet hat und in der Schule würden sie das doch gar nicht erst machen wollen. Die Kinder, die dazu bereit wären, sind diejenigen, die gern in die Schule kommen und auch bereit sind, etwas zu lernen und sich eigentlich nichts anders wünschen. Ich könnte ihnen vielleicht vorschlagen, dir einen Brief auf Papier zu schreiben, den ich einscanne und dir schicke.
    Das Wort "wir" versuche ich ja auch immer mehr zu vermeiden. Ich finde es doch selber blöd, die Kinder zu fragen, "was wir in der letzten Stunde gearbeitet haben" . Ist doch klar, dass meine Arbeit eine adnere ist als ihre. Woher sollen sie wissen, was ich gearbeite habe?! Wenn ich aber merke, dass mir im Unterricht langweilig ist und die wissbegierigen Kinder, von denen es eine handvoll (!) gibt, sogar äußern, dass sie sich langweilen, dann spreche ich allerdings von "wir".
    In dieser Woche arbeiten geht es noch um das Thema Fahrzeuge, dazu haben die Kinder selbst Fahrzeuge gebaut und auf ihre Tauglichkeit hin untersucht. Da haben einige mit Freude dran gebastelt. Andere sahen sich nicht im Stande, eine leere Packung und vier Deckel oder Pappe aus der sie Räder schneiden können, mitzubringen und haben mich beinahe dafür verantwortlich gemacht, dass die anderen so tolle Fahrzeuge haben und sie nicht. Für die nächste Woche habe ich mir vorgenommen, mit den Kindern Ideen und Fragen zum Thema Tiere zu sammeln und im Hinblick auf die Äußerungen der Kinder weiterzuplanen. Allerdings muss ich wieder davon ausgehen, dass bereits nach der ersten gutgemeinten Äußerung soetwas kommen wird wie "Was passiert, wenn man einen Stein aus dem Fenster wirft und der auf einem Regenwurm landet?". Daran schließt sich dann wieder eine Unruhe-Kette an, aber das zieht ja alles hinter sich,was man auch versucht...
    Ich werde mal bei den Webteachers gucken.
    Gruß
    ohlin

  • also, ich warte mal ab ob mir kinder aus dieser klasse schreiben.
    ich bin gespannt.
    sag ihnen mal grüße von mir.
    es sieht so aus als ob du wieder allerhand mut hast und in der nächsten woche weiter kommst.
    glaubst du, du kannst den kindern auch ein alternatives thema anbieten, gleichzeitig?
    probier das mal.
    alles gute
    ich halt dir die daumen.

  • inzwischen ist dieses thema unendlich oft gelesen worden.
    aus der klasse haben mir keine kinder etwas geschrieben zu dem problem.
    ich wüsste jetzt gerne ob sich etwas verändert hat im zusammen leben.
    heißt es immer noch "hilfe so eine klasse gabs noch nie" ???

  • Hallo Robischon,
    aus der Klasse ist niemand bereit, sich an dich zu wenden. "Warum sollte ich?!" "Wieso? Den kenn ich doch gar nicht!" "Nö, das mach ich nicht!"
    Nein, so wirklich verändern tut sich da nichts. Für ein Kind dieser KLasse müssen wir für jede Stunde, für jeden Tag, in einem vorgefertigten Bogen vom Therapeuten Kreuze machen, so dass ganz individuell ;) ausgewertet werden kann, wo seine Schwierigkeiten liegen.
    Ich bin nur noch 2 Stunden in der Woche in dieser Klasse. Das ist für die Klassenlehrerin sehr schade, das sie nun wieder 2 Stunden mehr in ihrer Klasse unterrichten muss. Die Kinder sind auch noch nicht daran gewöhnt und laufen mir auf dem Flur mit Begeisterung entgegen, weil sie ja -nach altem Plan denken- und sind dann immer enttäuscht, wenn ich ihnen sage, dass ich doch an diesem Tag nicht mehr bei ihnen unterrichte.
    Es steht nun eine Klassenkonferenz bevor, in der es vor allem darum gehen wird, dass es so wie es im Moment läuft nicht möglich ist, das entsprechende Kind mitzunehmen, da es für die Lehrerin, die Mitschüler und das Kind selbst keinen zufriedenstellenden Ablauf der Klassenfahrt bedeutet.
    In dieser Klasse muss ich noch drei Unterrichtsbesuche hinter mich bringen, Prüfung werde ich da ja nicht machen...
    Letzte Woche habe ich den Kindern das neue Thema "Hund" angekündigt und habe sie sammeln lassen, was sie schon wissen. Erstaunlicherweise hat sich niemand zum eigenen Hund geäußert. Ich hatte zwar damit gerechnet, dass nicht sehr viele Kinder Hunde zu Hause haben, aber dass es niemanden gibt, der einen hat, entsprach auch nicht ganz meinen Erwartungen. Danach wird es um das Thema Wasser gehen. Dazu möchte ich (noch) mit den Kindern zum Wasserturm gehen und sie auch im Unterricht viele eigene Versuche durchführen lassen.
    Nach wie vor, bin ich mir sicher, dass es so eine Klasse nicht oft gibt und an unserer Schule kann aich auch niemand erinnern, dass es jemals so eine dort gegeben hat. Trotzdem gebe ich nicht auf und versuche immer wieder, sie zu packen und ihnen vielfältige Arbeits- und Lernwege anzubieten, schließlich muss es doch irgendwas geeignetes für sie geben.
    Sie an zwei verschiedenen Themen gleichzeitg arbeiten zu lassen, ist für mich nicht so leicht. Meine Seminarleiter kommen ja immer mal wieder zu Unterrichtsbesuchen in meinen Unterricht. Ihnen dabei die Arbeit an zwei Themen zu zeigen, halte ich da für ungeeignet. Sie wollen immer wieder Stunden nach dem Schema F sehen: Eintieg/ Hinführung, Erarbeitung/ Arbeitsphase und Sicherung/ Auswertung. Dabei ist ganz selbstverständlich, dass es sich um gemeinsame Einstiegs- und Auswertungsphasen handelt. Das in dieser Klasse bei zwei Themen zu organiseren, halte ich für ausgeschlossen. Da es sich nicht um meine eigenen Klasse handelt und ich wohl nur och bis zu meiner Prüfung an dieser Schule sein werde, werde ich gar nicht versuchen, grundlegende Dinge zu ändern, für meine spätere Arbeit nehme ich solche Ideen aber gern schon auf, um sie für später parat zu haben.
    In meiner neuen Matheklasse (1. Klasse) bin ich ganz glücklich. Die Kinder gehen sehr hilfsbereit miteinander um und pflegen dabei einen netten, aber dennoch kindgerechten Umgangston. Sie sind vom ersten Schultag an, freies Arbeiten gewöhnt. Nächste Woche werden wir uns nach dem Fasching die 10 vornehmen: 10 Murmeln in Fühlsäckchen erfühlen, die 10 an einer Staffelei nachmalen, mit Hilfe von selbstgebastelten Rechenketten und Schüttelboxen Zerlegungsmöglichkeiten ermitteln...
    Viele Grüße
    ohlin

  • hallo ohlin
    so eine klasse gabs noch nie?
    du schreibst


    Meine Seminarleiter kommen ja immer mal wieder zu Unterrichtsbesuchen in meinen Unterricht. Ihnen dabei die Arbeit an zwei Themen zu zeigen, halte ich da für ungeeignet. Sie wollen immer wieder Stunden nach dem Schema F sehen: Eintieg/ Hinführung, Erarbeitung/ Arbeitsphase und Sicherung/ Auswertung. Dabei ist ganz selbstverständlich, dass es sich um gemeinsame Einstiegs- und Auswertungsphasen handelt. Das in dieser Klasse bei zwei Themen zu organiseren, halte ich für ausgeschlossen.


    sind die seminarleiter denn so alt? haben die noch nicht gehört, dass es auch etwas anderes als das schema F gibt?
    dass hinführung und erarbeitung nicht heißen müssen, dass die lehrkraft die kinder an der hand nimmt und ihnen zeigt was es zu finden gibt und was damit gemacht werden muss?
    informationen, lerngelegenheiten zur verfügung stellen , frei geben, einfach darauf hinweisen, bedeutet, dass den lernenden viel mehr zugetraut wird und dass viel mehr selbstständige aktivität möglich ist.
    bei so einer arbeitsweise können ohne weiteres unterschiedliche lernbereiche angeboten werden.
    ich würde einfach mal fragen bei so einem seminarleiter, ob er sich interesiert für so einen zugang.
    vielleicht sind die seminarleiter auch so sehr daran gewöhnt, dass ihnen referendare nichts anderes als das schema F vorspielen?
    ich glaub einfach nicht, dass eine schulklasse insgesamt so schrecklich ist, dass niemand gerne mit ihnen arbeiten mag.
    ich freu mich, dass du mit "deiner" matheklasse so froh bist. sowas merken die kinder sofort.

  • Hallo Robischon,
    ich hatte heute einen Unterrichtsbesuch in dieser Klasse. Die Kinder haben sich äußerst diszipliniert gezeigt und waren die ganze Stunde lang motiviert und ganz aktiv. Ich bin mir aber leider sehr sicher, dass es schon morgen -ohne Besuch- nicht mehr so ist. Trotzdem (?) werde ich morgen mit ihnen einen Film gucken und ihnen meine für heute gebastelten Hunde-Modelle in die Hand geben. Ihnen muss doch mal deutlich werden, dass ich ihnen nichts Böses will, wenn ich von ihnen so ein Verhalten fordere, dass ich mich trauen kann, ihnen einen lebendigen Regenwurm zu geben, damit sie beobachten können, ob er riechen kann, wenn sie ihm ein Essig- oder Honig-Wattestäbchen vor die "Nase" halten. Es kann doch auch bei diesen Kindern noch nicht zu spät sein, ihnen zu vermitteln, dass der Unterricht viel mehr Spaß macht, wenn man sich auf sie verlassen kann und sich auch spannende Sachen mit ihnen traut.
    Ich werde sie morgen nochmal richtig loben und ihnen sagen, was mich heute besonders gefreut hat und anschließend mit ihnen in den Filmraum gehen.
    Danach habe ich eine Deutsch-Stunde in der 2. Klasse. dort erstellen die Kinder gerade Basteleien für den Wettbewerb der Stiftung Lesen und schreiben Piraten-Geschichten. Das sind ganz nette Stunden...für die Kinder und für mich.
    Liebe Grüße
    ohlin

  • und?
    wie war die schulstunde am folgenden tag, ohne besuch?
    was dich bremst, könnten die befürchtungen sein,
    das fehlende vertrauen, die zuversicht.
    die fehlende erwartung, dass kinder außer dem, was du ihnen zur verfügung stellen willst, noch etwas anderes finden, entdecken, erfinden .
    lass schulstunden nicht von A nach B laufen.
    gib lernwege frei. die kinder werden so intensiv arbeiten und forschen wie du es dir jetzt kaum vorstellen kannst.
    (wenn eins dabei ist das nichts tut, dann geht es ihm wahrscheinlich schlecht)
    ich weiß schon dass du jetzt noch in einer prüfungssituation bist und unter druck. das bleibt ja nicht so.
    du gewinnst pädagogische freiheit. mach was draus.

  • liebe ohlin
    seit einem monat ist nix mehr zu hören von deiner horrorklasse.
    wie ging es denn weiter?

  • Hallo Robischon,
    es gibt auch nichts Neues. Es läuft nichts besser, im Gegenteil: die Unlust der Unterrichtenden wird größer.
    Nach den Ferien bin ich in der allerersten Stunde in dieser Klasse, d.h. ich werde wohl einiges auffangen müssen, was sich in den Ferien angesammelt hat und kann gar nicht mit ihnen in das neue Thema einsteigen. Ich habe ja die leise Hoffnung, dass sie ganz entspannt aus den Ferien kommen und dass sie vom besseren, wärmeren Wetter so verzückt sind, dass wir harmonisch in den letzten Teil des Schuljahres starten können...Ich habe noch zwei Unterrichtsbesuche in dieser Klasse und muss nicht mehr viel vom Plan abarbeiten, so dass ich in der Themenwahl noch Freiheiten haben werde. Ich werde mich um packende Themen bemühen, die ganz individuelles Arbeiten erlauben. Ich hoffe, dass sich die Kinder dabei gegenseitig beobcahten und dadurch zum Zusammenarbeiten animiert werden. Es ist nur so schwierig zu finden, was diese Klasse interessiert und begeistert, weil sie das nicht äußern und man keine Gespräche führen kann, in denen Meinungen geäußert werden. Man merkt es erst, wenn sie daran arbeiten: sie überlegen, wie sie die Materilein zum Schaden der anderern verwenden können, wie sie ohne Aufwand die Stunden hinter sich bringen können... Da Gespräche unmöglich sind, kann ich auch keine Reflexionen durchführen, in denen sie genau äußern, woher das Deinteresse kommt und wie es verbessert werden könnte.
    Ich freue mich, dass noch Ferien sind und widme mich der Vorbreitung meiner Examensarbeit in Deutsch zum Thema Lesen,
    ohlin

  • das tut mir so leid.
    unlust der lehrenden (der lernbegleiter) sollte nicht sein.
    für deine examensarbeit wünsch ich dir viel erfolg.


    für die erste stunde nach den ferien könnte ich vorschlagen, dass du die begrüßung, mögliche hinweise einfach anschreibst
    und dann drei themen, drei lernbereiche an der wandtafel ausbreitest.
    dann brauchst du nicht viel zu reden, die kinder lesen
    was beim sprechen womöglich ungehört bliebe
    und sie haben themenauswahl (einfach bis kompliziert).
    probiers einfach. eigentlich sind die meisten ja sehr nette kinder. so hab ich das jedenfalls im ersten beitrag gelesen.
    ihnen wirds auch gefallen wenn du gut gelaunt bist und ihnen viel zutraust. mein rezept ist: respekt, zuneigung und neugier.

  • lieber robischon,


    als ich vor 4 jahren mein studium begonnen habe, hatte ich immer ein ideal vor augen, dass mich sehr an deinen unterricht erinnert ... zumindest stelle ich ihn mir so vor.


    nun bin ich lehramtsanwärter, in einer schwierigen grundschule. innerhalb zwei monate eigenverantwortlichen unterrichtes bin ich vom motivierten, offenen pädagogen zum "wie bekomme ich möglichst schnell den schultag um"-lehrer geworden.


    wie ist es dazu gekommen, dass ich mir plötzlich nichts sehnlicheres mehr wünsche als schema f. in den osterferien wurde ich mir dieser traurigen position bewusst und war mir meines berufsbildes überhaupt nicht mehr sicher. ich habe durch deine beiträge und deine internetseite wieder mut bekommen ... und doch habe ich angst, wenn am freitag der untericht wieder losgeht !


    ich habe keine materialien aus 20 jahren berufserfahrung. ich bastel hier und dort und sitze an manchen wochenende schon viel zu lange vor irgendwelchen lernmaterialien. als anwärter habe ich auch keinen klassenraum und eh nur maximal 5 stunden.


    außerdem fehlt mir noch ein bild deines unterrichtablaufes. gibt es denn überhaupt fachunterricht ? gibt es gemeinsame einführungen, z.b. in die multiplikation oder beginnt jedes kind dann mit einem neuen thema, wenn es das selbst für sich beschließt ?! deine berichte haben mich neugierig gemacht, es würde nicht nur meinen schülern einen sinn zum lernen stiften, sondern auch mir wieder einen sinn zum lehren bzw. begleiten, wie du es nennen würdest - denn, mit meinem idealismus sieht es immoment eher dürftig aus.


    ganz konkret habe ich mir etwas vorgenommen und bin gespannt, wie meine fachsemiarleitung drauf reagiert: ich möchte einen wochenplan beginnen und so gestalten, dass dieses mal nicht nur übungsaufgaben drin vorkommen, sondern auch raum für die schüler in denen sie neue inhalte selbstständig entdecken können.


    für dich sind das sicher kleine schritte, aber in dem rahmen, der mir gegeben ist, möchte ich jetzt einmal erfahrungen sammeln.


    über konkrete berichte, wie eine typische stunde bei dir aussieht, würde ich mich sehr freuen!

  • also, schlauby, krempel ich mal die ärmel hoch um dich wieder aufzurichten.
    deinem seminar und den ausbildungslehrern darf ich nicht reinreden. vielleicht kannst du ihnen sagen, dass mich gefragt hast und was sie dazu meinen?
    gemeinsame einführung, unterrichtsablauf, lehrinszenierungen hab ich nicht.
    eingerahmt ist die arbeit bei mir von ritualen. ich stell die zeit (das vorgesehene ende der schulstunde) an der uhr ein und schreib die begrüßung an die tafel, außerdem aktuelle informationen, namen von kindern die noch nicht da sind...
    (wenn die dann kommen, sag ich "schön dass du da bist")
    was es zu lernen gibt, liegt aus, ist auf CDs oder schon im computer und kommt an die tafel. in deutsch normalerweise drei bereiche: ein informativer text, eine sammlung zu einem rechtschreibproblem (keine gegenüberstellungen) oder etwas zur grammatik und ganz links eine wörtersammlung ohne überschrift in der etwas steht was nicht dazu passt.
    (es handelt sich hier um eine dritte klasse, die seit anfang mit den verboten (es gibt nur noch eins) und den drei erlaubnissen (die gibt es meistens in schulen nicht) lebt.
    in sachkunde ( bei uns heißt das nächstens Mensch, Natur, Kultur, abgekürzt Menuk) schreib und zeichne ich informationen zu mehreren wissensbereichen an die tafel, außerdem gibt es lernprogramme an den computern und mehrere experimentierkoffer von cvk. die stehen einfach zur verfügung. jetzt in den ferien hab ich für die themen luft und wasser neue ballons und neue batterien gekauft.
    wichtig finde ich die einstellung. nicht erwarten dass kinder das tun was du vorgesehen hast, sondern neugierig sein auf das was sie sich ausdenken werden.

  • fortsetzung. ich wurde mal wieder unterbrochen.
    wenn kinder die inszenierung und "müssen sollen" und "leistungsdruck" und manipulation durch strafen und belohnungen/punkte gewohnt sind, erleben, dass du auf einmal viel weniger sprichst, nicht mehr erwartest dass dir alle gleichzeitig zuhören, dass nicht mehr alle das gleiche machen müssen, dann wird es zuerst mal so sein, dass sie testen was mit dir los ist und wie weit die freiheit reicht. das ist wahrscheinlich das schwerste. ich kann immer an der tafel mitteilen, was ich aushalte und was nicht. kinder wissen dass ich es nicht ertrage wenn welche im zimmer herum rennen. oder, dass jemand hinter mir steht. einige der kinder sind ganz stolz darauf, weil ich ihnen sagen konnte, dass ich es bei ihm oder ihr speziell tatsächlich aushalte.
    kinder bringen und zeigen, was sie gearbeitet haben. wenn sie mögen unterschreib ich es.
    hauptvorteil dieser arbeitsweise bei der kinder frei und selbstständig sind, ist, dass intensiv gearbeitet wird (das zeigt meine dokumentation) und dass es praktisch keinen leerlauf gibt wie in unzähligen unterrichtsstunden.


    ich kann nur noch bis ende juli anbieten dass du einfach kommst und zuschaust und zuhörst oder mitarbeitest.
    viele haben das schon gemacht. das letzte praktikum wird im juli sein.
    so, jetzt frag du. sicher hab ich irgendwas vergessen.
    ich wünsch dir und den kindern alles gute und viel erfolg.

  • Hi, robischon!


    Ich lese ab und zu bei eurem Austausch mit.
    Bei mir kam immer wieder die Frage auf: Was sagen die Eltern und Kollegen zu deinen Unterrichtsstil?


    Grüße,


    Sina

  • hallo sina
    meistens werde ich ja gefragt wie die kinder mit dem übergang zur nächsten schule zurecht kommen.
    was sagen eltern zu meiner arbeitsweise?
    vor jahren gab es jede menge aufregungen bei den einen und erhebliche zustimmung bei den anderen (damals noch sehr geheim und an mich nur unter dem siegel der verschwiegenheit), heftige gegenwehr durch die schulbehörden (die jetzt einen neuen bildungsplan einläuten der mich in teilen an mich erinnert)
    und heftiges misstrauen von seiten der lieben kolleginnen an der schule. bei mir kann jede so arbeiten wie es zu ihr passt (ich bin der schulleiter). mit ihrer eigenen freiheit kommen manche nicht zurecht. ehrlich gesagt haben die drei frauen mit denen ich jetzt schon viele jahre im gleichen haus arbeite nur alltagstheorien über meine arbeitsweise. sie haben noch nie zugeschaut. die junge kollegin die jetzt als krankheitsvertreterin im nebenraum arbeitet, kommt bestens damit zurecht.
    nochwas zur erklärung der ablehnung durch die kolleginnen. sie haben die massive verfolgung durch die schulbehörden (alle stufen) erlebt und scheuen sowas wie der teufel das weihwasser.
    die eltern mit deren kindern ich jetzt arbeite, wünschten sich ich würde länger bleiben. sie haben mich mehrmals gefragt.
    hab ich jetzt was vergessen?
    gruß
    rolf robischon

  • Hallo robischon,


    ich arbeite als Ref. unter anderem mit einer Klasse, die durch ihre Klassenlehrerin ähnliche Unterrichtsformen und Arbeitsweisen gewohnt sind wie du sie beschreibst. "Frontalphasen" oder gemeinsame Gespräche im Klassenverband sind mit dieser Klasse sehr schwierig, dafür sind die Kinder sehr selbstständig, neugierig, verantwortungsbewusst und kollegial wenn es um freie Arbeitsangebote geht. Es ist erstaunlich, was sie ohne große Hilfe meinerseits leisten und wie motiviert sie an Aufgaben herangehen. Für viele Fächer halte ich diese Arbeitsweisen für sehr gut umsetzbar.


    Nun zu meiner Frage:
    Hast du Erfahrungen mit freien Arbeitsangeboten im Fach Englisch (an der GS)? Ich habe schon häufig Stationen, Freiarbeit oder ähnl. angeboten (Übungen durch Spiele, Aufgaben am PC, Arbeitsblätter, Aufgaben mit CD-Player, versch. handlungsorient. Aufgaben), wobei sich die Schüler selbst oder gegenseitig kontrollieren konnten. Das klappte auch immer sehr gut.
    Allerdings musste der neue Wortschatz (oder was auch immer eingeführt wurde) immer zunächst gemeinsam "besprochen" werden. Denn gerade im Englischunterricht der GS geht es ja besonders um das Hören, korrekte Vor- und Nachsprechen usw. Da empfinde ich PC-Spiele und CD-Player als Vermittler etwas wenig und "leblos" wenn es um das Erlernen einer Sprache geht.
    Andererseits habe ich das Problem, dass die Lernvoraussetzungen in dieser Klasse sehr unterschiedlich sind, da einige Schüler schon im Kindergarten Englisch gelernt haben und sich bei der Einführung eines neues Wortschatzes langweilen.
    Hast du eine Idee?


    Liebe Grüße,
    Sophia

  • Hallo, Rolf, da schließe ich mich mit meiner Frage an. Mein Bedenken bei dieser Art Unterricht ist, ob die Kinder zu wenig "geformte Sprache" hören. In meinem Fall nicht englisch, sondern deutsch. Ich habe viele Kinder, für die Deutsch Zweitsprache ist, ohne dass sie ihre Muttersprache beherrschen - sie haben also in keiner Sprache Stukturen, Begriffe ... untereinander verständigen sie sich mit comicartigen Ausrufen und Satzfetzen. Wie sähe da dein Angebot aus?
    Bablin

    Wer hohe Türme bauen will,
    muss lange beim Fundament verweilen.
    Anton Bruckner

  • hui, so viel fragen.
    robischon management and consulting
    nein für englisch kann ich keine vorschläge machen, da müsste ich kfmaas bei 4teachers.de empfehlen.
    zum richtigen deutsch ( Bablin) gehört mein täglicher informativer text und all das was ich rede, meine nebengeschichten, meine unterhaltungen mit kindern und natürlich die unterhaltungen der kinder untereinander.
    Sophia
    was du schreibst ist so erfreulich und genau das beklagen lehrerinnen wie meine lieben kolleginnen. solche kinder die selbstbewusst, aktiv, selbsständig sind, wissen was sie lernen wollen und lassen sich nicht "dressieren".
    wenn sie selbstständig sein dürfen, spielen die großen unterschiede kaum eine rolle. (in der klasse mit der ich zur zeit arbeite schätze ich die IQs zwischen 140 und 80 und trotzdem arbeiten die kinder problemlos zusammen)
    wenn die eine kollegin mich vertreten muss, bittet sie mich, vorher den kindern zu sagen dass sie sagt, was gearbeitet wird.

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