Beiträge von pepe

    Palim: Auf deine "Warums" heute Abend nur ganz kurz meine Antwort, weil ich durch die Diskussion schon komplett durch bin:

    Es macht dann Sinn, wenn man Bedingungen schafft, nach denen etwas möglich ist. Es ist unverantwortlich, Kinder/Familien/Pädagogen ins tiefe Wasser zu schubsen (macht mal, klappt schon irgendwie!), bevor die Bedingungen fürs Schwimmen geschaffen wurden.

    Und das müssen auch die Eltern behinderter Kinder verstehen, die (genau wie wir) die besten Bedingungen für ihren Nachwuchs wollen.

    Davon abgesehen: Ich habe auch in meiner Klasse entsprechende "Fälle". Mit den Eltern diskutiere ich natürlich nicht darüber, ob es Sinn macht, dass ihr Kind bei uns ist, sondern über die machbare Förderung bei uns. Aber in Vorgesprächen muss man genau abwägen, welche Schule man empfiehlt. Und nein: Inklusion um jeden Preis ist nicht der Königsweg.

    Also muss ich jetzt doch die ketzerische Frage stellen: Welchen Sinn hat dann das gemeinsame Beschulen noch? :weissnicht:

    Finde ich gar nicht ketzerisch. Die Frage stelle ich mir bei vielen Fällen in meiner Schule. Es gibt Kinder, wo es Sinn macht, aber die hatten die Möglichkeit schon vor dem ganzen Inklusionshype. Aber vielen unserer "GL-Kinder" täte eine Förderschule mit kleinen Lerngruppen und optimaler Ausstattung echt gut.

    ...Es dauert ewig, wenn Kinder in Grundschrift den Tafelanschrieb abschreiben. (Oder besser: abmalen ...)

    Bitte nicht verallgemeinern, das liegt bestimmt nicht an der Grundschrift. Wenn das Schreiben in der Sekundarstufe extrem langsam ist, dann ist etwas falsch gelaufen, Motorik oder Einstellung des Kindes ist "unterentwickelt", oder wir befinden uns mental noch in Klasse 1...

    In der ersten Hälfte meines recht langen Lehrerdaseins musste ab Klasse 2 die Lateinische Ausgangsschrift bis zum Erbrechen geübt werden. Zeitaufwand und Ertrag standen in keinem Verhältnis.

    Je nach Ausstattung kostet so'n Ding zwischen 2 und 7 Millionen Euro - den kaufe ich nur, wenn ich für ihn auch einen Anwohnerparkausweis bekomme. Und 'ne Umweltplakette wäre auch nötig.

    Was sagen eigentlich die weiterführenden Schulen dazu, macht es in Klasse 7 oder 9 noch einen Unterschied, welche Schrift gelernt wurde?

    Nein, die meckern aus Prinzip seit Jahrzehnten über die Schrift der Pubertiere. (Ich kann keine Smileys mehr einfügen - hier ist heute der Wurm drin) Das Mit-der-Hand-Schreiben wird aber für die Kinder seit Jahren immer schwieriger, warum auch immer. Das Tempo beim Schreiben kann man trainieren, indem man viel schreiben lässt, Tafeltexte zum Beispiel. Man muss nicht immer alles für die lieben Kleinen kopieren.

    Komisch, bei mir war die Hälfte nicht sichtbar... Neuer Versuch:

    Es sind Arbeitshefte für die Hand der Schüler*innen: Für den Anfang, nach den Einzelbuchstaben rücken die Buchstaben oft nur eng zusammen, erste Verbindungen: Grundschrift schwungvoll schreiben (westermann)

    Im Lehrgang, die Hefte hatte ich für alle: Grundschrift 2 - Verbindungen (jandorf) Lässt viele individuelle Entsscheidungen offen.

    Für Gerneschreiber, die viel üben: Um die Welt mit der Schulausgangsschrift (online-pen.de) Das ist halt eine andere Schrift, manche Kids finden sie so schön, dass sie (fast) alles zusammenschreinben wollen.

    Hmm, da isses wieder.

    Die Vorteile, die Palim erwähnt, kann ich so bestätigen. Seit ein paar Jahren mache ich mit der Grundschrift auch gute Erfahrungen. In NRW heißt es zur "Schreibschrift" nur:

    Zitat
    Aus der Druckschrift entwickeln die Schülerinnen und Schüler eine gut lesbare und flüssige persönliche Handschrift. In allen Phasen der Grundschulzeit werden Schreibaufgaben in den Unterricht einbezogen werden, in denen formklares Schreiben geübt wird.

    Die Handschrift aller meiner Drittklässler ist gut lesbar und sie können zügig schreiben. Der große Anfangsbuchstabe bleibt meist unverbunden. Etwa die Hälfte der Klasse verbindet inzwischen viele Buchstaben, einige aber auch fast gar nicht. Ein paar (vor allem Mädchen) fragen aktiv nach Vorlagen für die verbundene Schrift, da gibt es recht gutes Material für die Grundschrift, aber auch die Schulausgangsschrift ist hilfreich.

    Die individuelle persönliche Handschrift, die die Kinder sowieso meistens in Klasse 4 entwickeln, wird gut gefördert. Ein Auge muss man natürlich auf besonders kreative Verbindungen haben, die den Kindern einfallen und das Lesen schwierig machen können… Aber "krampfhaftes“ Verbinden wird auf jeden Fall vermieden. Wer nur Druckschrift schreiben will, darf das letztendlich auch. Für unsere Schule ist das der beste Weg.

    Haben hier anwesende Grundschullehrkräfte (oder auch SII Lehrkräfte) bereits Erfahrungen mit diesen Abordnungen gemacht?

    An meiner Schule hat eine SekII-Kollegin ein Jahr lang bestens und sehr selbständig als Grundschullehrerin gearbeitet und während der letzten Monate sogar die Klassenleitung einer 4. Klasse übernommen (KL war "vorerkranktes Risiko"). Es gab keine Probleme und es hat uns allen sehr leid getan, dass sie jetzt ihre feste Stelle an einer weiterführenden Schule antreten konnte... wir haben es ihr natürlich sehr gegönnt! Sie war sich gegen Ende aber gar nicht mehr so sicher, ob sie die Altersgruppe ihrer Schüler ändern wollte.

    Die Gymnasialkräfte werden in NRW meines Wissens zunächst nur angestellt und analog zu A12 besoldet, bis sie nach drei Jahren dann die Verbeamtung mit A13 und Planstelle am Gy bekommen.

    Es ist aber auch die Rede von Abordnungen („Vorgriffstellen“ für Gymnasien mit Teilabordnungen). Das kann schon für Unfrieden in Kollegien sorgen, wenn unterschiedlich besoldet wird.

    Kleiner grüner frosch: Hmmm. Du hast hier im Forum schon mal (wahrscheinlich leicht übertrieben) von paradiesischen Zuständen in deinem Schulumfeld geschrieben, wenn ich mich nicht irre... Da muss dein Schulträger ja auch paradiesisch sein, denn wo ich mich auch umhöre, machen Schulträger wirklich wenig "Hausaufgaben".

    Auf Druck der Schulen (von SL mit E..rn) wird oft nicht reagiert, oder Zuständigkeiten werden so lange weitergegeben, bis keiner mehr weiß, wer was tun muss. Das fängt bei defekten und nicht vorhandenen Waschbecken an und hört aktuell beim Mund-Nasenschutz noch lange nicht auf.

    Und dass ausgerechnet die liebe Frau Gebauer andere auffordert, Hausaufgaben zu machen - da fällt mir wirklich nichts zu ein.

    Natürlich:

    Nicht nur die aktuelle Landesregierung hat den Bildungsbereich (Gebäude, Schulwege, Ausstattung, Personal...) vernachlässigt, das geht schon Jahrzehnte so. Und ja, es gibt durchaus Schulleitungen, die durch Eigeninitiative immer wieder die Kohlen aus dem Feuer holen. Finde ich aber nicht immer gut, denn dadurch manifestieren sich Missstände, weil es ja trotzdem gut funktioniert.

    Selbst die alte Verordnung kann an vielen Schule schon allein wegen baulicher Unzulänglichkeiten oft nicht umgesetzt werden. Deswegen wäre ich auf eine landesweite Ergänzung gespannt. Ganz abgesehen davon haben nicht alle Schulträger/Schulleitungen Spaß daran, sich an etwas zu orientieren, was auf diese spezielle Situation eben nicht so ganz passt.

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