Beiträge von ninale

    Lehramtsstudent: So wird es üblicherweise gemacht.Es wird eine äußere Differenzierung gefahren und G-bzw. E-Kurse eingerichtet.


    An meiner Schule läuft es so, dass wir sämtliches Material im Fachteam aufgeteilt haben und einzelne Lehrkräfte Material für bestimmte Themen aufbereiten, das dann individuell von den SuS bearbeitet wird. So haben wir im Unterricht, Zeit für die Unterstützung von einzelnen Schülern. Das klappt und niemand arbeitet sich krumm.

    @Frapper @Schmidt
    Das sind eure persönlichen Erfahrungen.
    Meine persönliche Erfahrung, konkret die meines Sohnes, mit dem Gymnasium sieht so aus:
    Langeweile ab Klasse 5, nie Hausaufgaben zu Hause gemacht, weil die schon immer im Unterricht fertig waren. Keine Differenzierung, weil halt Gymnasium. Nur sehr wenige Zusatzangebote, außer dritte Fremdsprache. Also Chinesisch dazu. Kein Lernen gelernt. Innerlich bis Klasse 9 durchgehalten, dann vollkommen ausgestiegen im Hinblick auf irgendwas, was man mit Anstrengungsbereitschaft bezeichnen könnte. Durchgezogen bis zum Ende. Schulkarriere vom fitten Kind bis Abi mit 2,3. Toll.
    Fazit: Einerseits, es gibt keine leistungshomogenen Gruppen, andererseits Differenzierung ist überall erforderlich und es müssen mehr Ressourcen ins System.


    Das sind Einzelfälle. Aber zu glauben, dass man meinetwegen 20 Kinder, die kaum lesen können, möglicherweise nur wenig Erfahrung im echten Leben haben, wenig Unterstützung von Elternseite bekommen, eventuell traumatisierte sind, mit einem Lehrer ohne weitere Unterstützungssysteme in einen Raum sperren kann, und am Ende kommt etwas dabei heraus, halte ich für weltfremd. Da bin ich sehr gerne „sozialromantisch“.

    Danke Jule, du hast Frappers Frage im Grunde für mich beantwortet.


    Ergänzen möchte ich noch, dass der von der zu Recht angesprochene hohe Arbeitsaufwand sich dadurch reduzieren lässt, indem man im Team gemeinsam Lernumgebungen schafft, die vorbereitetes individuelles Lernen ermöglichen. Dadurch werden Vorbereitungsbelastungen abgebaut und Ressourcen im Unterricht für Unterstützung von einzelnen SuS gewonnen.Nach meinem Dafürhalten gerne auch ohne äußere Differenzierung, um die von die genannten Auswüchse von Elternseite zu minimieren.


    Dennoch fehlen einfach Ressourcen von anderen Professionen im System. Ich denke dabei auch an Sonderpädagogen, aber eher noch an eine angemessene Versorgung mit Schulpsychologen, Sozialpädagogen u. a. Wenn der politische dazu da wäre, würde man vernünftigerweise für schnell verfügbare Übersetzer sorgen und hätte Ergotherapeuten usw. im System.

    Deutschland hat in der letzten Pisa- Untersuchung im oberen Bereich überhaupt nicht „abgelost“, sondern hat insgesamt betrachtet die Befunde der letzten Jahre verfestigt. Es passiert zu wenig im unteren Bereich an Förderung und Unterstützung, sei es an den GSen, sei es im weiterführenden Bereich. Ansonsten sind die mal wieder x% an SuS, die nicht die Mindestanforderungen erreichen, nicht erklärbar. Gesellschaftlich können wir uns das nicht erlauben, weil niemand mehr Tankwarte usw. braucht, d.h. Berufsfelder mit minimalen Anforderungen immer weniger vorhanden sind bzw. mit Ressourcen, die zunehmend weiter östlich rekrutiert werden, dafür eingesetzt werden.
    Die Eliten machen das schon, schön kaserniert für sich, auch wenn sich ab und zu mal ein paar Querschläger einmischen. Der Rest bitte nicht stören.


    Die Befunde legen nah, und zwar seitdem sie erhoben werden, dass sich an der sozialen Kopplung von Herkunft und Bildungsabschlüssen etwas ändern muss. Das geht nur durch längeres gemeinsames Lernen und massiven Ausbau der Unterstützungssysteme für alle Schulen.

    Möglicherweise können ja auch Personen, die die Haare schön haben, etwas zu Veränderungen in unsrem Bildungssystem und Entwicklungsprozessen beitragen. Es soll hier ja auch Personen mit schönen Anzügen geben, die jeden Tag das Ihre an der „Front“ dazu beitragen.
    Nett wäre es ja gewesen auf das Argument der Möglichkeit größerer Vernetzung der. Lehrer*innen bei Erhöhung der Klassenfrequenz einzugehen.

    Ich habe heute morgen bei NDR ein Interview mit Andreas Schleicher (Pisa- Koordinator) gehört, in dem er dafür plädierte, Klassenfrequenzen zu erhöhen, um so Lehrerstunden für Doppelsteckungen, kollegialen Austausch und Hospitationen zu generieren.
    Das finde ich gar nicht mal so schlecht.

    Deutschland ist in Sachen Digitalisierung nicht abgehängt, weil Lehrer Zeit und Gehirnschmalz investieren, um fundierte methodisch - didaktische Entscheidungen zu fällen, sondern weil dauerhaft zu wenig in die technische und personelle Ausstattung investiert wird. Auch der Digitalpakt wird dies auf Dauer zeigen.

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