Beiträge von DeadPoet

    Das kommt jetzt extrem darauf an, wie Du Anerkennung definierst. Du scheinst Anerkennung durch die Schulleitung zu wollen, Aufstiegsmöglichkeiten, Geld (?). Das alles kriegt man eher selten. Mitarbeit in Lehrbuchsammlung / Projektgruppen ... nö, ist auch bei uns so, dass das nix bringt.

    ABER: Anerkennung durch die SchülerInnen ... die ist mir viel wichtiger. Und die hängt nicht unbedingt mit einer großzügigen Notengebung zusammen, sondern mit gutem Unterricht, Fairness, Verständnis - und wenn nötig auch mal einer härteren Hand.

    Woran merkt man (ich) diese Anerkennung: An der Mitarbeit ... an den Fragen im Unterricht ... daran, dass meine (inzwischen erwachsenen) "Kinder" häufig in ihrer Jugend und auch jetzt ehemalige Schüler von mir treffen und die (fast) immer meinen, der Unterricht bei mir und ich selbst als Person wären gut gewesen.

    Oder daran, dass ich kürzlich mit einer Kollegin ins Schulhaus ging und einige SchülerInnen mir einen guten Morgen wünschten ... worauf die Kollegin meinte "Die grüßen Dich ja freiwillig!" ...

    Oder daran, dass ein Schüler sich über Jahre hinweg tatsächlich das Datum meines Geburtstags gemerkt hat und mir jedes Jahr - auch wenn ich ihn nicht habe - gratuliert, wenn er mir über den Weg läuft.

    Bei mir als Lehrkraft sollte das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen kein Thema sein. Ich hab da zwei Sichtweisen:

    a) Ich glaube, dass mein Unterricht von digitalen Inhalten / Medien profitiert - dann muss ich als Akademiker die Kompetenz haben, meine Kompetenzen so zu erweitern, dass ich das kann (falls das nicht sowieso der Fall ist). Dabei interessiert mich die Theorie wenig, wichtigt ist, dass es in der Praxis geht.

    b) Mein Arbeitgeber will, dass mehr Digital läuft - dann bin ich in diesem Fall durchaus verpflichtet, mich soweit fortzubilden, dass es läuft. Wie sinnvoll das ist, ist dann eine eindere Frage und führt dann eher dazu, dass man halt das Minimum kann, damit es "läuft".

    Bzgl. der SchülerInnen ... da kann ich eigentlich nicht viel dazu sagen, da ist die Bandbreite zu hoch (von "wie schalte ich gleich nochmal den Beamer ein" bis zu "Mit der Tastenkombinatin kann ich mein Tablet auf dem Monitor spiegeln und gleichzeitig Kaffee kochen").

    Verträge schon, ...

    Optimist. Wenn ich ein Memorandum abschließe, sollte man mir unterstellen können, dass ich mich daran halten will - denn warum sonst überhaupt eine solche Absichtserklärung abgeben? Wenn man sich aber dann an etwas nicht hält, an was man sich irgendwann mal halten wollte, sagt das doch auch eine Menge ... und mMn auch, dass man mit diesem Partner auch bei Verträgen vorsichtig sein sollte.

    Kann man so sehen, muss man aber nicht...


    Wenn also einer der Unterzeichner einem anderen erklärt, daß das Memorandum rechtlich nicht bindend ist (letzter Satz im Zitat), warum sollten die anderen Unterzeichner dann eine Verbindlichkeit vorraussetzen?

    Dann sollte man in Zukunft eigentlich keine Verträge mehr abschließen. Mit der Argumentation muss ich mich an so gut wie gar nichts mehr halten.

    Vor dem Budapester Memorandum war die Ukraine eine Atommacht mit der Möglichkeit die Bombe mittels Interkontinentalrakete weltweit abliefern zu können. Die Ukraine hat diese Waffe aus der Hand gegeben, weil sie sich auf unsere Zusage militärischen Beistands im Verteidigungsfall verlassen hat.

    Müßten wir da nicht eigentlich zugeben, daß unsere eigenen Zusagen nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen, und der Ukraine im Gegenzug die Atombombe samt Interkontinentalrakete zurückgeben?

    Ich kann im Budapester Memorandum nichts finden, was einer Zusage des Westens auf militärischem Beistand im Verteidigungsfall gleichkommt ...?

    Das Land, dass dieses Memorandum verletzt, ist Russland. Weder die NATO, noch Deutschland, noch die USA haben mMn militärischen Beistand zugesichert für den Fall eines russischen Angriffs.

    Wiki (weil es da so schön übersichtlich steht):

    • Artikel 1 bekräftigt erneut die Verpflichtung (reaffirm commitment) der Signatarstaaten, Souveränität und bestehende Grenzen zu achten und verweist auf die Schlussakte von Helsinki als Grundlage für die Prinzipien der Souveränität, der Unverletzlichkeit der Grenzen und der territorialen Integrität. [das bedeutet, man greift den anderen Staat nicht an, es bedeutet nicht, dass man ihm hilft, seine Grenzen zu verteidigen]
    • Artikel 2 bekräftigt erneut die Pflicht (reaffirm obligation) zur Enthaltung von Gewalt und verweist auf die Charta der Vereinten Nationen als Grundlage des Gewaltverbotes.
    • Artikel 3 bekräftigt mit nochmaligem Verweis auf die Schlussakte von Helsinki erneut die Verpflichtung (reaffirm commitment) zur Enthaltung von ökonomischem Zwang (economic coercion), um die Souveränitätsrechte der Ukraine den eigenen Interessen zum eigenen Vorteil unterzuordnen („to refrain from economic coercion designed to subordinate to their own interest[7] the exercise by Ukraine of the rights inherent in its sovereignty and thus to secure advantages of any kind“).
    • Artikel 4 bekräftigt erneut die Verpflichtung (reaffirm commitment), unverzüglich den Sicherheitsrat der UN zur Unterstützung der Ukraine einzuschalten, falls diese als Nicht-Nuklearwaffen-Staat und Teilnehmer des Atomwaffensperrvertrages mit Nuklearwaffen bedroht würde.
    • Artikel 5 bekräftigt erneut die Verpflichtung (reaffirm commitment) zur Enthaltung vom Einsatz von Nuklearwaffen gegenüber Nicht-Nuklearwaffen-Staaten, die Teilnehmer des Atomwaffensperrvertrages sind.
    • Artikel 6 enthält das Versprechen, sich bei Konflikten zu beraten („will consult“).

    Nur weil mich das tatsächlich etwas triggered: Meinungsfreiheit bedeutet nicht, ohne jede Konsequenz alles sagen zu dürfen. Wenn ich eine Meinung vertrete, muss ich damit rechnen und akzeptieren, dass andere ebenfalls von ihren Freiheiten Gebrauch machen und mir sagen, dass das Blödsinn ist bzw. - je nach Abwegigkeit / Gefährlichkeit / Menschenverachtung in meiner Meinung mit mir auch nichts mehr zu tun haben wollen.

    Habe ich mich irgendwie im Detail geäussert, wie das in der Ukraine gehen könnte oder musstest du jetzt einfach den Geschichtslehrer markieren?

    DU hast geschrieben: "Also der 1. WK ging ungefähr so zu Ende, wenn ich im Geschichtsunterricht richtig aufgepasst habe." (mit "so" war nach meinem Verständnis gemeint, dass Soldaten meuterten).

    Darauf meine Antwort: "Du meinst, er ging zu Ende, weil die dt. Soldaten meuterten? Das würde ich als mindestens diskutabel sehen ..."

    Du: "Ich meine mich an so Matrosenaufstände zu erinnern. Schlussendlich ist es auch wurscht, der Ukrainekrieg ist kein Weltkrieg, Putin nicht Hitler und jeder kann hier irgendwas spekulieren."

    Meine Antwort war dann, die Matrosenaufstände einzuordnen. Wieso Du dann meinst, so reagieren zu müssen, erschließt sich mir nicht. Ich fand meine Antwort jetzt nicht total von oben herab belehrend, wenn Du das anders empfunden hast, lag das nicht in meiner Absicht.

    Die Matrosenaufstände kamen, als die OHL schon eingeräumt hatte, den Krieg verloren zu haben und Deutschland schon beim amerik. Präsidenten wegen Vermittlung eines Waffenstillstandes nachgefragt hatte. Es ging noch darum, unter welchen Bedingungen (und auch, inwieweit man Wilsons geforderte demokratische Reformen erfüllen wollte / musste) ... und um da so dazustehen, als könne man noch Widerstand leisten, gab es den Befehl an die dt. Flotte auszulaufen und die Engländer anzugreifen - ein Selbstmordkommando, völlig sinnlos da der Krieg ja eigentlich schon vorbei war. Deshalb die Meuterei.

    Also der 1. WK ging ungefähr so zu Ende, wenn ich im Geschichtsunterricht richtig aufgepasst habe.

    Du meinst, er ging zu Ende, weil die dt. Soldaten meuterten? Das würde ich als mindestens diskutabel sehen ...

    Welche Unterschied macht das? Der Eintritt bzw. Anfang der Kriege waren auch nur fadenscheinig.

    Der Unterschied ist:

    - Wenn die Amerikaner so einfach Krieg wegen der Wirtschaft führen, brauchen sie keinen Bündnisfall, ergo müssen sie auch nicht danach "gieren".

    - Den Bündnisfall können die USA gar nicht alleine ausrufen.

    "Es steckt Wahrheit in der Übertreibung" ... das ist mir zu platt. Dann kann ich die tollsten, abstrusesten Behauptungen und Beleidigungen in die Welt setzen, weil "es steckt halt Wahrheit" drin - wenn auch nur ein Körnchen. Ich halte "überspitzt" dem Ernst der Lage wenig angemessen.

    Meinst du denn, dass die Kriege in Afghanistan, Vietnam, Iran nicht aus wirtschaftlichen Gründen gemacht wurde? Die Rüstungsindustrie in den USA einer größten Wirtschaftsbereich. Ohne Krieg haben die USA ein großes Problem.

    https://de.statista.com/statistik/date…bip-in-den-usa/

    Jetzt komm mal runter ... Vietnam und Irak (!) waren kein Bündnisfall.

    Ich streite nicht ab, dass viele Kriege der USA auch oder ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen geführt wurden (bzgl. dem einzigen Bündnisfall in Deiner Aufzählung Afghanistan würde ich aber durchaus noch andere Gründe sehen), aber in der jetzigen Situation so lapidar seinen Anti-Amerikanismus mit dem Satz "Danach giert der Amerikaner" zur Schau zu stellen, ist - mit Verlaub - Bullshit.

    Die amerikanische Wirtschaft findet im Moment genügend Kriege und Krisen (auch in der Ukraine), da braucht es keinen Bündnisfall - denn in diesem Fall gäbe es keine Gewinner, zumindest nicht längerfristig - und das ist den Amerikanern (wer überhaupt "die Amerikaner " sind?) völlig klar und war an der sehr besonnenen Reaktion Bidens durchaus ersichtlich.

    Der, dem es, wie bei jedem anderem Krieg auch, darum geht seinen größten Wirtschaftsbereich am laufen zu halten.

    Und dafür braucht es den Bündnisfall? Du glaubst ernsthaft, dass die Amerikaner den aus wirtschaftlichen Gründen anstreben?

    Der Bündnisfall greift bei einem ANGRIFF auf ein Nato-Land. Ein Irrläufer ist kein Angriff (nochmal - so dramatisch es ist). Wie Du auf diese Aussage hier kommst ist mir schleierhaft: "... dass man im Zweifelsfall keinen Bündnisfall aufrufen soll. Das ist aber nicht der Sinn eines militärischen Bündnisses."

    Du meinst, Sinn eines Bündnisses ist es, im ZWEIFELSFALL den Bündnisfall auszurufen?

    Ich denke (hoffe), dass die Verantwortlichen hier mit genügend Verantwortungsbewusstsein ran gehen. Zwei Irrläufer - so dramatisch das sein mag - sind hoffentlich kein Bündnisfall.

    Öh ... das mag jetzt auf das Bundesland ankommen. ESL in Bayern haben Weisungsbefugnis, sind Dienstvorgesetzte, leisten Beiträge zur Beurteilung. Sie wurden an unserer Schule bei der Personalversammlung nicht ausgeladen, ich kann mir aber Situationen vorstellen, wo das der Fall sein könnte. Die Schulleitung an sich ist bei Personalversammlungen nämlich nicht anwesend.

    Mag wieder vom Bundesland abhängen ... oder sogar von der Schule ... aber bei uns stündest Du als ESL auf der anderen Seite der Theke. Das hat nix mit Dir als Person zu tun, sondern mit der "Rolle".

    Bzgl. Djino: Ich erlebe aber auch, dass sich das Verhalten von Kolleginnen / Kollegen ändert, sobald sie eine Funktion / ein Amt übernehmen ... das geht also in beide Richtungen.

    Davon unabhängig denke ich auch, dass man als Lehrkraft die "Courage" haben sollte, selbst offen Dinge anzusprechen, die einem aufstossen - aber dass das nicht so ist, erlebe ich auch oft.

    Ich hatte am Freitag Frühaufsicht. Da kam plötzlich ein Schüler auf mich zu ... ich hatte den mal zwei Jahre in der Mittelstufe, jetzt ist er wohl 10. Klasse. Hat einen Youtube-Channel und gibt sich als Rapper (ist evtl. auch einer). Also kein Streber, kein "Schleimer".

    Sagt zu mir: "Sie hatten doch vorgestern Geburtstag (stimmte auch) ... alles Gute".

    Ich war überrascht ... "Stimmt, danke. Woher weißt Du das?"
    "Das haben Sie uns vor drei Jahren mal erzählt."

    Ich war noch überraschter ... "Was Du Dir merken kannst." (ich hatte ihn jetzt nicht für einen sehr aufmerksamen Schüler gehalten, der sich sowas merkt ... ist ja nicht wirklich wichtig).

    Antwort: "Na, bei einem tollen Lehrer merk ich mir das." ... Ich bin jetzt noch fast sprachlos. In meinen schönen Erlebnissen als Lehrer mit Sicherheit in den Top 5 ... davon zehre ich jetzt wieder das ganze Jahr (und länger).

    Das war letztes Jahr.

    Und dieses Jahr hat mir der gleiche Schüler - inzwischen schon eher ein junger Mann - auf dem Gang bei Stundenwechsel (ich hab ihn nicht im Unterricht) wieder gratuliert ... ich bin nicht schnell emotional ... aber da hab ich schon (vor Freude) schlucken müssen.

    Dann hat mir bei Schulschluss noch eine Oberstufenschülerin (die ich vor zwei Jahren mal hatte) die Tür aufgehalten (auch schon allein ein Grund, sich zu freuen), einfach so gefragt, wie es mir geht und mir dann noch erzählt, dass sie jetzt Führerschein hat und ein eigenes Auto (mit Kassettenlaufwerk ;) ). Find ich auch schön, wenn ganz ungezwungen solche Gespräche stattfinden.

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