Ich hab jetzt lange überlegt, ob und was ich schreibe ... der erste Teil meines Beitrags könnte so wirken, als würde ich auch noch auf jemanden einschlagen, der schon am Boden liegt. Das ist nicht meine Absicht, aber beim Lesen Deiner Beiträge hier ist mir etwas aufgefallen, das ich nicht für unwichtig bzgl. Deiner Zukunft sehe. Es ist ein subjektiver Eindruck, aber vielleicht müsstest Du Dir eingestehen, dass er bis zu einem gewissen Grad zutrifft ... Sollte ich objektiv völlig daneben liegen, vergiss den ersten Teil des Beitrags.
"im Vergleich zu meinen Mitreferendaren wird von mir Perfektion erwartet und die (natürlich neben vielen Stärken auch vorhandenen) Schwächen werden sukzessive zum Ausschlusskriterium aufgebauscht."
"als dass ich es wagte, unsachliche Kritik sachlich zu kontern. Das war offenbar schon Grund genug, mich auf eine interne Abschussliste zu setzen."
"die Umgebung von meinem pädagogischen Können zu überzeugen bzw. meine Stärken auszuspielen;"
"sogar offensichtliche Stärken zu Schwächen umdefiniert werden"
"Hinzu kommt, dass ich extrem enttäuscht bin von dem rückgratlosen und obrigkeitshörigen Verhalten vieler Kollegen. Das hätte ich in dieser Form nicht erwartet. Offenbar gehe ich in dieser Hinsicht mit anderen Maßstäben (ethisch-moralisch) durchs Leben."
"Dass ich für den Job geeignet bin, steht nicht zur Disposition. Die SuS mögen mich (die meisten jedenfalls), lernen was bei mir und mit denjenigen Lehrern, die nicht in meine Ausbildungssituation verstrickt sind, komme ich bestens zurecht."
"Niemals wäre ich leichtfertig unhöflich geworden, wenn das 1-2x der Fall war, dann hatte das einen situativen Grund"
"Natürlich habe ich in einigen Bereichen einen Wissensüberschuss und muss mir regelmäßig auf die Zunge beißen, damit sich niemand unabsichtlich bevormundet fühlt."
"Wenn sie mich freilich entsorgen, kann es schon sein, dass ich mir öffentlich Luft mache. Dann aber nicht nur in einem kleinen Forum."
"Und da quasi während der Ausbildung alles mündlich abläuft"
Einige dieser Aussagen klingen für mich so, als hättest Du eine sehr, sehr hohe Meinung von Dir. Egal, ob berechtigt oder nicht - damit kommt man im Berufsleben allgemein oft bei Vorgesetzten nicht gut an und empfindet selbst oft jede Kritik als ungerecht (ob die Kritik nun berechtigt ist oder nicht).
Einiges hört sich auch so an, als wärst Du sehr schnell mit Urteilen über andere, bist aber wenig bereit, den anderen ein Urteil über Dich zuzugestehen, insbesondere, wenn es ein kritisches Urteil ist.
Was Du als "obrigkeitshörig und rückgratlos" ansiehst ... könnte auch ganz einfach professionelles Verhalten sein, denn ich werde in meinem Beruf niemandem gegenüber unhöflich (schon gar nicht einem Vorgesetzten, das kannst Du jetzt als "obrigkeitshörig" sehen), selbst wenn ich "situative" Gründe habe. Ich muss meine Position sachlich verteidigen können ... (ja, sagt sich einfach, aber unhöflich glaube ich, bin ich in 25 Jahren Beruf noch nie geworden).
Oder es ist eine - nicht ganz unweise - Lebenseinstellung (jemand hat mal gesagt: Ich wünsche mir den Mut, die Dinge, die ich ändern kann zu ändern ... und die Gelassenheit, die Dinge, die ich nicht ändern kann, zu ertragen).
Ich weiß nicht, wie es in Deinem Bundesland ist, aber hier läuft während der Ausbildung ganz und gar nicht alles mündlich.
Ich gebe sofort zu, dass das Referendariat kein Zuckerschlecken ist - der Beruf später übrigens auch nicht, auch was das kritisiert werden betrifft ... und ggf. auch das Gefühl der Wehrlosigkeit gegenüber manchen Dingen "von oben. Man könnte das Ref (fast) als Kurs in Frustrationstoleranz sehen ... durch den man durch muss. Und als Junglehrer grad mal aus dem Ref ist oft die eigene Position auch nicht viel besser.
Nun kann man aus der Ferne ohne Kenntnis des Sachverhalts (aus Sicht BEIDER Konfliktparteien) schlecht sagen, woran es nun liegt und ob es tatsächlich alles Zumutbare überschreitet. Aber so, wie Du klingst, wirst Du diese Jahr nur schwerlich erfolgreich zu Ende bringen, egal, woran es nun wirklich liegt.
Andererseits: ich war im letzten halben Jahr auch kurz davor, hinzuschmeißen - wegen einem einzigen Betreuungslehrer/Mentor (also nicht einem Seminarlehrer oder Seminarvorstand). Ich hab mich dann durchgebissen, weil ich mir mein Ziel nicht von einer einzigen Person "kaputt" machen lassen wollte.
Was könntest Du tun?
- gibt es keinen örtlichen Personalrat?
- Abbruch ?
- Wechsel der Ausbildungsschule?
- Möglichkeit, für ein Jahr zu unterbrechen?
- Wechsel Bundesland?
Ich kann Dir nicht sagen, was ich tun würde, denn dazu kann ich Deine Situation nicht genau genug einschätzen (Regelungen in Bundesländern sind unterschiedlich).
Aber egal was Du tust, wenn auch nur ein Teil meines oben geschilderten Eindrucks zutrifft, musst Du auch ein wenig an Dir arbeiten ... sonst wird es in jeder Berufs(anfänger)situation schwer.