Beiträge von DeadPoet

    Klingt jetzt leichter als es ist: Dem Kollegen gedanklich einen Vogel zeigen, sich freuen, dass man nicht mehr an der gleichen Schule ist und die Sache abhaken. Sowas wie der Kollege hier macht man nicht (sag ich jetzt mal, ohne evtl. alle Hintergründe zu kennen).

    Ich muss zugeben, dass ich in der Zeit als meine Kinder klein waren wohl mehr Zeit mit ihnen verbringen hätte sollen. Ich war in einer ähnlichen Situation wie Du (und grad in den ersten Jahren ist Unterrichtsvorbereitung einfach auch zeitaufwändiger).

    Mir ging (und geht) es ähnlich: wenn noch was zu erledigen ist, kann ich mich ganz schlecht auf "Freizeit" konzentrieren (heißt: wenn mir noch Unterrichtsvorbereitung oder Korrektur im Nacken sitzt, fällt es mir nicht einfach, Zeit mit der Familie zu genießen - und ja, ich weiß, dass das doof ist).

    Irgendwann hab ich für mich folgenden Kompromiss entwickelt (oder das auch was für andere ist, weiß ich nicht):
    - heim von der Schule,
    - gemeinsames Mittagessen
    - Unterrichtsvorbereitung bis ca. 16 Uhr
    - Zeit für Familie bis 20/21 Uhr (oder länger, wenn bis 16 Uhr schon alles erledigt, passiert auch manchmal)
    - von 21 Uhr bis Mitternacht Unterrichtsvorbereitung und/oder Korrekturen (ich bin ein Nachtmensch, von daher ging das)
    - Freitag Nachmittag ist frei, da wird nix gearbeitet, Samstag wird kein Unterricht vorbereitet (höchstens mal korrigiert), Sonntag so ab 16 Uhr wieder Unterrichtsvorbereitung mit dem Versuch, gleich ein paar Stunden mehr als nur für den nächsten Tag vorzubereiten.

    Der Zeitaufwand für die Vorbereitung wird im Lauf der Zeit weniger, je weniger verschiedene Jahrgangsstufen zu unterrichten sind, desto schneller. Auch Korrekturzeiten sind mal kaum vorhanden und dann wieder Arbeit im Akkord.

    Prüfungen und Schulaufgaben erstelle ich nach Möglichkeit in den Ferien.

    Fahrzeit sind pro Tag also 90 Minuten? Keine Chance, näher an die Schule zu kommen (oder an eine näher gelegene Schule? Auf Dauer ist das schon ein Zeitverlust (ich hatte mal ein Jahr mit 90 Minuten einfach ... lange hätte ich das nicht machen wollen).

    Hast du mal gesehen, wie viele unserer lieben Politiker eigentlich im Bundestag sitzen? Ich schaue recht gerne mal Phoenix live aus dem Bundestag und manchmal ist es beschämend wie wenig Politiker da sitzen...

    Wie Bolzbold eben schon schrieb ... Ausschussarbeit ... das könnte man eigentlich wissen. Und wenn man es nicht weiß, dann hab ich noch mehr Bedenken bzgl. direkter Demokratie, denn - unabhängig von Bildung / Intelligenz und was auch immer - die BEREITSCHAFT sich über das Abzustimmende zu informieren, ist halt auch nicht unbedingt immer hoch.

    Ende 80er in Bayern ... drei Prüfer und mitten in der Prüfung kam der Schulleiter bei mir rein. Die Fragen meines Lehrers wurden dann rapide schwerer, bis zu dem Punkt, wo die Beisitzer ihn bremsen mussten und erklärten, dass man auf solche Fragen von einem Abiturienten keine Antworten erwarten könne ...

    In Bawü gilt im Abi auch die Sockelvariante - da muss man für den ersten Punkt ganz schön was leisten.

    Und wie bitte sollen die Gesamtnoten des Knaben so toll aussehen - bei einem Schnitt von 3,2? Wenn er gute Kurse in Reli eingebracht hat, dürften da auch entsprechend viele 4er dabei sein....
    Von einem guten Schüler kann da gar keine Rede sein.

    Gelten diese 20% auch für die mündlichen Prüfungen? Klar, theoretisch wohl schon, aber irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass man einen Schüler, der auch nur im Ansatz zeigt, dass er etwas gelernt hat, mit 0 aus einer mdl. Prüfung zum Abitur lässt (in dem Wissen, dass er dann auch nicht bestanden hat).

    0 Punkte in einer Abiturprüfung bedeuten in Bayern, dass man nicht bestanden hat. Man kann bei schriftlichen Abiturprüfungen zur Verbesserung noch eine mdl. Prüfung machen.

    Ich finde dieses Urteil nicht in Ordnung ... es muss schon wirklich aber auch gar nichts gewusst werden, dass jemand bei uns mit 0 Punkten aus der Prüfung geschickt wird.

    Ich kann auch einige Beispiele von Erzieherinnen und GrundschullehrerInnen bringen, da kann man an Bildung (und Hirn) zweifeln ... und dann schau ich mir an, was ich als Vater von zwei Kindern von diversen Gymnasial- und Realschullehrern erlebt habe ... und stelle fest, dass der Satz "Die Gesellschaft besteht zu xx Prozent aus Idioten - und das spiegelt sich in jedem Beruf wider" stimmt (und jetzt bitte nicht diskutieren, wann wer ein "Idiot" ist).

    Nur so mal kurz (oder auch nicht) ...

    - ich habe mich bewusst für das Gymnasiallehramt entschieden ... nicht weil ich da mehr verdiene, sondern weil ich der Ansicht war, dass ich Grundschule (mit kleinen Kindern, vieeeeel Geduld und "Mama-sein", den ganzen Anfangsunterricht, höhere Unruhe ... und bis jeder gelernt hat, dass man sich meldet, dass man nicht einfach nach vorne kommt ...) nicht kann und auch nicht will.
    - ich bin mit meinem Gehalt zufrieden ... was kümmert es mich, wenn andere genauso viel verdienen? Ja, ich hab ein vertieftes Fachstudium ... na und? Die Grundschullehrer haben dafür mit Sicherheit andere Kompetenzen, die mir fehlen (siehe oben).
    - ja, Oberstufenschulaufgaben haben es in sich (wenn man nach mehreren Jahren Abiturprüfungen plötzlich wieder eine Unterstufenklasse in Englisch hat, ist man direkt verwundert, dass man Schulaufgaben auch mal an einem Tag korrigieren kann - bei Klausuren brauch ich da eher eine Woche).
    aber: ich vergebe meine Noten mehr kommt - evtl. bis auf eine kurze Bemerkung - nicht ins Zeugnis. Dagegen sind die Leistungsstandsberichte bei unseren Grundschulen fast episch. Das kostet mit Sicherheit auch Zeit.
    - Mich nerven unsere Konferenzen, Elternsprechtage etc ... aber wenn ich mir die örtliche Grundschule anschaue ... die haben das jede Woche, was wir einmal im Monat haben.

    usw. usw. ...

    Ganz ehrlich ... wenn der - dann ehemalige - Schüler sich nach (!) dem Abi mit seinem - dann ehemaligen - Lehrer treffen will und der Lehrer das auch möchte, sehe ich darin kein Problem.

    Ich habe im Moment im Abiturkurs jemanden, der meine Fächerkombi auf Lehramt studieren will und ich habe angeboten, sich nach (!) dem Abi mal zusammen zu setzen, weil ich glaube, dass da etwas falsche Vorstellungen vom Studium und den Berufsaussichten / dem Beruf an sich vorliegen.

    Nein, das hat nix mit meinem Beruf zu tun, insofern bitte nicht meinen "es fehlt an professioneller Distanz" - es hat vielmehr damit etwas zu tun, dass ich als Mensch jemandem, der meinen Rat will, nicht einfach so stehen lasse.

    Und ähnlich sehe ich es auch bzgl. der hier geschilderten Lage. Wenn der TE sich mit dem ehemaligen Schüler treffen will, weil er das möchte, dann hat das nicht mehr viel mit dem Beruf Lehrer zu tun, sondern ist "Privatvergnügen".
    Solange es wirklich meine Schüler sind, bin ich auch dafür, die sogenannte "professionelle Distanz" zu wahren und das auch im Privatbereich. Aber wenn es "ehemalige" Schüler sind, gehe ich mit denen ins Cafe oder in die Kneipe, wenn ich dazu Lust habe.
    Wenn ich keine Lust habe, habe ich auch kein Problem, sie "vor den Kopf zu stoßen" und abzusagen.

    Selbstschutz: ja, an sowas denke ich wohl auch zu selten, da mir generell nicht so wichtig ist, was andere, die ich nicht kenne und die mich nicht wirklich kennen, von mir halten. Ich glaube aber, in dem geschilderten Fall wird es dem Kollegen nicht schaden, wenn einige Leute meinen, etwas meinen zu müssen ... (aber vielleicht bin ich da nach 20 Jahren Lehrer immer noch naiv).

    Alle im Kurs haben eine meiner - extra für sowas eingerichteten - email Adressen und bekommen, wenn sie mir schreiben, auch eine Antwort (das passiert natürlich im Normalfall nicht, aber so vergesslich wie die sind, hatte ich eine Woche vor der mdl. Prüfung auch schon mal eine mail mit der Frage, was denn als Schwerpunktthema vereinbart sei ... und ja, sowas beantworte ich, auch wenn mir auch klar ist, dass die SuS irgendwann mal für ihre eigene Schlamperei verantwortlich sein müssen - aber bei der mdl. Abiprüfung muss man meiner Meinung nach die SuS nicht auflaufen lassen). Auf manche Fragen bekommen sie auch die Antwort, dass sie darauf jetzt keine Antwort bekommen (z.B. weil es sonst den anderen gegenüber unfair ist).


    Und ja, ab und zu melden sich ehemalige Schüler bei mir über diese email Adresse und sie bekommen auch immer eine Antwort ... in die Kneipe wollte mit mir aber noch keiner gehen ;)

    Ich glaube, dafür gibt es keine befriedigende Lösung. Ich sage den SuS auch, dass es nicht auf Quantität der Beiträge, sondern auch die Qualität ankommt - und das kann ich besser beurteilen, als sie.
    Da ich normalerweise ein recht gutes Verhältnis zu meinen SuS habe, gehen sie (hoffe ich) grundsätzlich nicht davon aus, dass ich ungerecht bin oder jemanden benachteilige und nehmen mir vielleicht deshalb eher ab, dass ich sie in diesem oder jenem Notenbereich sehe.
    Dazu kommt, dass SuS mich jederzeit nach ihren Noten fragen können (je nach Situation sage ich ihnen dann auch, dass sie bitte kurz in der Pause kommen sollen, damit ich mit dem Unterricht endlich anfangen kann;) ). Von daher gibt es bei der Bekanntgabe der Leistungsstände nicht gar so viele Überraschungen.

    Und: Man muss auch einfach mal zugeben, dass - bei allem Bemühen - Notenvergabe nicht (immer) 100% objektiv ist, gerade im Bereich des Mündlichen. Sogar das sage ich den SuS mit der Ansage, dass man ja aktiv an seinem "Glück" arbeiten kann, durch konsequente Beteiligung im Unterricht mit guten Beiträgen.

    Ich kann verstehen, dass Du es unfair findest ... aber das Ganze jetzt zum Anlass für eine grundsätzliche Gesellschaftskritik zu nehmen erscheint mir etwas übertrieben. Da bin ich aus ganz anderen Gründen bzgl. unserer Gesellschaft manchmal fassungslos.

    100% Fairness wird es niemals geben. Es gibt Profs, die großzügiger sind - wer denen zugelost wird oder einen solchen an der Uni hat, hat auch unfair viel Glück, oder? Im umgekehrten Fall dann Pech ...
    Profs haben Launen und "Lieblinge". Der erste Student geht ins Staatsexamen, bekommt eine bestimmte Frage und gibt die Antwort, die er und die nächsten Prüflinge gemeinsam gelernt haben. Der Prof ist völlig zufrieden damit. Der nächste geht rein, bekommt die Frage, gibt die Antwort und wird schon angemotzt, dass man das so einfach nicht sagen könne. Und der dritte geht in die Prüfung, gleiche Frage, gleiche Antwort und der Prof explodiert fast, dass das eine völlig unzureichende Antwort wäre ...
    Wie willst Du da Fairness herstellen?
    Wenn ich im Referendariat an eine Schule komme, an der der SL der Ansicht ist, dass es "sehr gute" Lehrproben nicht gibt hab ich wieder Pech gehabt. Und im umgekehrten Fall Glück.
    Ist es fair, wenn jemand, der verheiratet ist und dessen Frau ein Kind erwartet, einer Seminarschule zugewiesen wird, die fast 3 Stunden (einfache Strecke) entfernt ist und die Junggesellin bekommt den Platz an der Seminarschule vor Ort?

    Nein, das regt mich auch auf. Eigentlich haben wir mit der SL vereinbart, bei Elternbeschwerden gar kein langes Gespräch zu führen, sondern die Eltern an die betroffene Lehrkraft zu verweisen und erst wenn diese das Ganze mit den Eltern in einen Gespräch nicht klären kann, sollen die Eltern wieder zur SL.
    Leider ist das nur die Theorie.
    Und wenn die SL schon mit den Eltern im Vorfeld ein Gespräch führt, dann ist das Mindeste, dass Du über dessen Inhalt vor dem gemeinsamen Gespräch informiert wirst, sonst haben alle anderen einen Informationsvorsprung und das ist nicht in Ordnung.

    Der Personalrat hat keinerlei Weisungsbefugnis und auch keine "Disziplinierungsfunktion" ... es ist auch meiner Meinung nach nicht seine Aufgabe, Kollegen auf ihre Pflichten hinzuweisen. Wenn unser PR das Gefühl hat, dass unter dem Verhalten von einer Kollegin andere Kollegen leiden, wird das in einer Sitzung mit der SL angesprochen, die dann wiederum, wenn wir uns einig sind, dass es nötig ist,, mit der Kollegin spricht.

    Darüber hinaus: Ist denn völlig klar, dass die Kollegin ihre Pflicht "böswillig" verletzt hat? Hat die SL sie schon gefragt, warum sie kein Material bereit gestellt hat? Ist diese Verpflichtung, in so einem Fall Material zu erstellen, bei Euch üblich und allen bekannt?

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