Also im Gymnasium hat mir niemand erklärt wie eine Steuererklärung auszufüllen ist oder welche Rechte ich bei einem Kaufvertrag als Verbraucher habe (Gewährleistung und so). Von daher gibt es da schon gewaltigen Nachholbedarf.
Der von Schülern immer wieder vorgebrachte Wunsch nach der Steuererklärung hängt mir persönlich ziemlich zum Hals raus. Ich gebe zu, dass ich das noch nie gemacht habe, kann mir aber nun wirklich nicht vorstellen, dass sich irgendein Oberstufenschüler (oder sogar Schüler der Mittelstufe) Jahre später, wenn die erste Erklärung gemacht werden muss, an irgendwas davon erinnert, was im Unterricht gemacht wurde. Das hat zu dem (Unterrichts-)Zeitpunkt für Schüler allgemeinbildender Schulen nichts mit ihrer persönlichen Lebenswelt zu tun (ich weiß, die Eltern zahlen Einkommenssteuer...) und ist als Stoff auch das, was man als "trocken" bezeichnen würde. Wie die Behaltensleistungen unserer Schüler bei sowas im Durchschnitt sind, wissen wir alle.
Davon abgesehen: Ich unterrichte Sowi/Politik und befürworte Verbraucherbildung auf der einen Seite sehr. Wenn ich mich aber in der freinen Wildbahn umsehe, bin ich der Meinung, dass wir gar nicht genug politische Bildung haben können, bin also massiv dagegen, Elemente der politischen Bildung zugunsten von ökonomischer Bildung zurückzustellen. Und ich finde es richtig, beides in einem integrierten Fach zu unterrichten. An BKs mag es gute Gründe für eine andere Perspektive geben, an allgemeinbildenden Schulen sollte aber immer deutlich werden, dass Politik und Ökonomie in einem Beziehungsgeflecht zueinander stehen.