Das finde ich die besorgendste Haltung in unserer Gesellschaft. Das mag für ältere Menschen noch gelten, für alle anderen nicht.
Wenn man sich die IPCC-Klimamodelle anguckt, mit dem Hintergrundwissen, dass diese die optimistische Auswahl sind, dann sind alle anderen Probleme dagegen verschwindend in ihren Auswirkungen.
Den meisten Menschen dürfte inzwischen sehr bewusst sein, dass der Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels eine der zentralen Zukunftsaufgaben sein wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass Länder, deren Emissionen unsere um ein Vielfaches übersteigen, momentan sehr klar wirtschaftliche und geostrategische Interessen gegenüber Klimaschutz priorisieren. Ich bin daher froh, dass man sich auch hier langsam dringlicheren Themen zuwendet - für die Bewältigung der Klimawandelfolgen und Adaptionsstrategien braucht es Milliardeninvestitionen, die wir unabhängig von der Frage, ob es uns gelingt, unseren Minianteil noch ein wenig zu reduzieren, tätigen werden müssen. Das Narrativ, man könne noch irgendwas "aufhalten" oder Gradziele einhalten, ist überwiegend tot; der Zug ist abgefahren. Es wäre also nicht so verkehrt, zunächst einmal dafür zu sorgen, dass unsere Wirtschaftskraft erhalten bleibt, um wenigstens nicht unnötig runtergewirtschaftet und pleite in die ohnehin nicht verhinderbaren Herausforderungen zu schlittern.
Die Abkehr von der Fokussierung auf Klimaschutz ist meines Erachtens nicht Ausdruck von Ignoranz, sondern von Pragmatismus. Die idealistischen Bestrebungen in diesem Feld sind längst an realpolitischen Entwicklungen gescheitert und darauf muss man halt auch reagieren. Hätten alle Industrienationen im letzten und vorletzten Jahrzehnt konsequent an einem Strang gezogen, sähe die Situation heute vielleicht anders aus.