Beiträge von Maylin85

    Echt? Ich habe ehrlich gesagt kaum mehr Aufwand bei der Vorbereitung gehabt. Wir haben direkt als wir daheim waren ein Videokonferenzsystem verwendet und der Stundenplan lief einfach weiter. OK jeder hat erstmal gemacht was er wollte. Ich habe bestimmt 2 Monate discord verwendet. Danach webex und dann irgendwann Teams.

    Ich habe für jede einzelne Stunde Power Points mit Einstiegsimpulsen und Arbeitsaufträgen (die ja mündlich doch gerne mal untergehen, wenn man mit einem Ohr zuhört und ansonsten gerade zockt oder sowas^^) erstellt, damit es auch optisch "nett" und gut strukturiert ist. Das war schon zeitintensiver, als die Vorbereitung auf Präsenzstunden. Als wir noch kein erlaubtes Videokonferenzportal hatten und alles komplett in "unpersönlicher" Distanz lief, habe ich versucht, nicht nur einzelnes Material rauszuschicken, sondern das Ganze in Sequenzen mit "rotem Faden" und transparenten Zielen zu organisieren (und verständlich zu formulieren), hab viel ergänzende Hinweise zum Material getippt oder QR Codes beigefügt, über die man unterstützende Tutorials findet, und vor allem habe ich (anfangs, später dann aufgegeben 😅) versucht, zu allen Einreichungen eine kurze Rückmeldung zu schreiben. Für meine Abikurse hab ich Skripte mit "Lernanregungen" und Impulsen zur Selbsterarbeitung zu sämtlichen Kursphasenthemen geschrieben, was pro Thema auf 10-15 Seiten hinauslief und mich eine Woche lang Nachtschichten gekostet hat. Ich glaube aber, das hat sich gelohnt und die waren gut, denn seit ich sie rausgebe, schneiden meine mündlichen Kandidaten deutlich besser ab als vor der Pandemie. Insgesamt hat das alles schon viel Zeit in Anspruch genommen, hat aber auch Spaß gemacht und dabei ist schönes Material entstanden, das ich zum Teil heute noch nutzen kann 😊 Wenn ich so zurückdenke, fand ich das Arbeiten damals irgendwie sehr selbstwirksam und es war auch eine Phase mit sehr nettem Feedback.

    Ins Kippen kam es mit dem unsäglichen Wechselunterricht.

    Wenn die Betreuung die Betreuenden überproportional gefährdet, kann der Betreuungsvertrag wohl nur untergeordnete Relevanz haben. Dir Erwartungshaltung, dass insbesondere Erzieher sich bitteschön halt damit arrangieren sollen und die Interessen von Eltern und Arbeitgebern höher zu gewichten sind, als ihre gesundheitlichen Interessen, fand ich damals absolut daneben. Eine Freundin hat damals eine KiTa geleitet und genau das zum Anlass für die berufliche Umorientierung genommen. Ich denke, das nicht wenige Betroffene sich da ziemlich verarscht und wenig gewertschätzt vorkamen.

    Und doch, natürlich gibt es in meinem Freundeskreis auch Leute mit Kindern. Sogar die Mehrheit.

    Man muss als Eltern aber doch damit rechnen, dass man sich in einer Krise selbstverständlich (!) selbst (!!) um seine Kinder zu kümmern hat. Dass das nicht jeder toll findet, verstehe ich. Auch, dass es ggf. anstrengend ist. Dennoch ist es eine Selbstverständlichkeit.

    Ansonsten ist Erleben ja immer subjektiv und man kann sowieso nicht pauschal sagen, wie eine Zeit "war". Je nach Branche hat man die Zeit sicher so oder so wahrgenommen. In meinem Freundeskreis sind fast alle ins Homeoffice versetzt worden und erzählen positiv von der Anfangszeit der Pandemie. Für mich fühlten sich die ersten Wochen vor den Osterferien 2020 tatsächlich auch ein bisschen nach Urlaub an - Arbeiten im eigenen Biorhythmus und ohne frühes Aufstehen, mega Wetter, man konnte seine Sozialkontakte prima spazierenderweise draußen pflegen, leere Straßen, es war generell irgendwie "ruhig"... fand das sehr nett eigentlich 😊 Das änderte sich über die Zeit dann natürlich und wurde alles zu lange, aber die Anfangswochen und Monate habe ich als ziemlich angenehm in Erinnerung.

    Dass einige Kollegen sich einen schlanken Fuß gemacht haben, finde ich allerdings auch nicht okay und den Ärger kann ich nachvollziehen. Den Schuh brauche ich mir aber nicht anziehen, denn ich habe in der Zeit definitiv Überstunden gemacht.

    Ja gut, aber so empathielos das jetzt möglicherweise klingt: dein Kind, dein Problem. Dass man damals versucht hat, aus der Überforderung von Eltern mit ihrem eigenen Nachwuchs ein gesamtgesellschaftliches Thema zu machen, fand ich bereits damals massiv befremdlich.

    Ich habe 2020 auch als eher "angenehm" in Erinnerung. Arbeitsreich, ja, absolut. Ich habe sehr oft bis spät in der Nacht Materialien auf Selbstlernformat umgestrickt und Einreichungen korrigiert usw., ab Sommer hieß Distanzunterricht dann Videokonferenz nach Stundenplan und bedeutete gerade anfangs auch viel Vorbereitungsaufwand. Aber gleichzeitig war diese Lebensphase auch sehr entschleunigt und man hatte ausreichend Zeit und Muße, mal runterzukommen und sich auf sich selbst zu besinnen. Überhaupt habe ich sämtliche "Homeoffice-Phasen" absolut positiv in Erinnerung.

    2021, mit Wechselunterricht usw., wurde dann eher ätzend.

    Das negiert ja auch nicht, dass alles, was auf medizinischer Ebene passierte, dramatisch war.

    Für Zeiteinsparungen bei Korrekturen würde ich tatsächlich auch Geld zahlen. Das ist qualitativ wie quantitativ gewonnen Lebenszeit :)

    Ich träume ja von einer "dienstlichen KI", auf die auch die Schüler Zugriff haben und wo sie beispielsweise direkt fragen können, was genau an Satz XY falsch ist, sich die passenden Grammatikregeln aufzeigen lassen können, bei Bedarf direkt noch Übungsaufgaben dazu erstellt bekommen.. das hätte meines Erachtens bei sinnvoller Nutzung schon durchaus viel Potential, um mit der KI konstruktiv, individuell und selbstgesteuert an Schwächen zu arbeiten. Wenn mich das phasenweise (!) zum Lernbegleiter macht, sehe ich da auch nichts Negatives dran.

    Ich lese das auch so. Jedenfalls im verlinkten Pressebericht des Gerichtes ist es so vermerkt.

    Wurde im Radio vor ein paar Tagen auch so von einem Juristen erklärt. Nicht das Ausweisen an sich ist rechtswidrig, sondern dass es hier nur explizit bei Aussetzen der Rechtschreibwertung geschehen ist. Würde man alle Nachteilsausgleiche gleichermaßen ausweisen, wäre es okay.

    Ist halt "nur" die Frage, ob man es generell möchte oder halt nicht möchte. Da kann man ja durchaus unterschiedlicher Auffassung sein.

    Nein. Es ist ein Schutz vor einem ganz erheblichen Nachteil im Falle von Legasthenie - so sieht es der Verordnungs- bzw. Gesetzgeber. Und so sehen es mittelbar auch die Gerichte.

    Meinetwegen. Sollte dann aber trotzdem aufs Zeugnis. Ich lese das Urteil so, dass das auch problemlos ginge, wenn eben konsequent alle Nachteilsgewährungen dort ausgewiesen würden. Was ich wie gesagt sinnvoll fände.

    Mir ging es nur darum, dass die Aussetzung der Rechtschreibbewertung faktisch doch größere Konsequenzen haben kann als das, was sich im Rahmen von nur 4 Punkten eines EWH bewegt (so las ich dein Posting - dass es im Endeffekt ja sowieso nur sehr geringe Auswirkungen hat, da ja nur 4 Punkte auf Sprachrichtigkeit entfallen). In dem Punkt stimme ich zu; die 4 Punkte ändern ja ggf. nichtmal was an der Note, wenn jemand am oberen Spektrum einer Note punktet. Der Schutz vor Abwertung ist aber halt schon ein deutlicher Vorteil.

    edit: ah sorry, ich glaube, ich hab dein Posting falsch gesehen. Brauch besser erstmal nen Kaffee..

    Als Quelle könnte ich jetzt zahlreiche Klausuren aus meiner eigenen Schulzeit insb. im Fach Englisch rausholen, die genau mit der Begründung abgewertet wurden. Also Orthographie der Vokabeln 6, Inhalt 1, sprachliche Ausdrucksweise 2, in Summe wegen der Sperrklausel Note 5.

    Gibt es meines Wissens nach nicht mehr. Es gibt ja auch keine Einzelnoten für Inhalt und Sprache mehr. Das kenne ich aus meiner eigenen Schulzeit auch noch und fand ich auch sehr sinnvoll, ist aber (vermutlich mit der Abschaffung des Fehlerquotienten?) gefallen.

    Wenn wir vom Prinzip her argumentieren, hast Du Recht. Hier lohnt aber ein genauerer Blick auf die Materie.
    Schauen wir uns doch einmal die Bepunktung der Darstellungsleistung genauer an. Der Darstellungsbereich beschränkt sich weder exklusiv noch primär auf die Rechtschreibung. Das ist dann doch deutlich differenzierter und die Rechtschreibung nimmt da sogar nur einen verschwindend geringen Teil ein.

    Das sind in Englisch beispielsweise ungefähr sieben Punkte von 150. (Rechnerisch gerundet/geschätzt aus kombiniertem Teil A und B)
    In Deutsch sind es drei Punkte von 100.
    In Geschichte sind es vier Punkte, wobei diese auch Grammatik und Zeichensetzung beinhalten.

    So, und wegen drei bis vier Prozent der Gesamtleistung will man jetzt wie von Dir suggeriert sich handfest Sorgen machen, dass der/die künftige MitarbeiterIn eine orthographisch korrekte Mail verschickt?
    Ich habe in den letzten 20 Jahren tausende Klausuren und Klassenarbeiten korrigiert - da gibt es beileibe auch genug Menschen ohne diagnostizierte LRS, die nicht geradeaus schreiben können oder wollen - und denen das wahlweise wenig bewusst oder schlichtweg scheißegal ist. Schau Dir mal so manche Eltern-Nachricht an. Auch das sind Menschen in Lohn und Brot.

    Der letzte Absatz stimmt leider. Aber dennoch geht es ja nicht nur um 4 Punkte, sondern ggf.um eine Notenabwertung. Das wäre dann doch ein deutlicher Unterschied mit Auswirkung auf die Gesamtnote.

    Nun ja, man kann es sicher so oder so sehen. Für mich würde es zur Transparenz gehören, jede Art von Abweichung von der Standardbewertung halt kurz zu vermerken.

    Und vielleicht noch eine Kleinigkeit:
    LRS bedeutet nicht, dass eine Person nicht gut lesen kann oder (überhaupt) nicht schreiben kann. Das sind Menschen mit normalem IQ, die selbst mit der Beeinträchtigung problemlos Abitur machen können - und das mitunter besser als ihre unbeeinträchtigten MitschülerInnen.

    Das ist wohl jedem klar. Ich würde als Arbeitgeber aber schon gerne wissen, ob ich einen Mitarbeiter Kudenmails rausschicken lassen kann oder ob ich doppelchecken muss, dass er vorher auch tatsächlich ein Korrekturprogramm drüberlaufen lässt. Und wenn jemand eine Zeitverländerung benötigt, z.B. im Autismus-Spektrum, dann möchte ich das als Arbeitgeber auch wissen, denn das hat ja vermutlich auch bis ins Arbeitsleben reichende Konsequenzen.

    Und wo machst du da die Grenze? Wenn das für eine Arbeitgeber wichtig ist (was maximal bei einem Ausbildungsplatz zum Tragen kommt, danach sind Schulzeugnisse völlig wurscht), welche Beeinträchtigungen werden denn aufgeführt? Dann müssten es alle sein, also am besten vor dem Abschluss zur amtsärztlichen Untersuchung und beim Psychologen ein allg. Gutachten erstellen lassen und dem Zeugnis beifügen.

    Finde ich überhaupt nicht richtig.

    Es braucht kein Aufführen von Beeinträchtigungen, aber einen entsprechenden Hinweis, wenn bei den Prüfungen oder der Korrektur Sonderregelungen geltend gemacht wurden.

    Ich finde es schwierig, die Balance zwischen den Rechten Benachteiligter und den Interessen von Arbeitgebern zu finden. Die ganzen Nachteilsausgleiche sind im schulischen Rahmen ja nett und sicherlich angebracht, wenn ich aber einen Betrieb leite, entsteht mir durch die Einstellung eines Menschen mit Beeinträchtigungen ggf. ein Nachteil - das muss ich als Arbeitgeber im Vorfeld zumindest wissen. Ob die Beeinträchtigung dann Relevanz für den Arbeitgeber hat oder ob er beispielsweise LRS als irrelevant einstuft, weil dank KI sowieso niemand mehr eigenständig schreiben können muss, steht ja dann auf einem anderen Blatt. Ich würde als Arbeitgeber aber gerne Transparenz hinsichtlich solcher Faktoren haben und empfinde das auch als legitimes Interesse. Ein Zeugnis, das entscheidene Unterschiede im Zustandekommen der Leistungen nicht ausweist, hat eben nur begrenzte Aussagekraft.

    Sowohl mehr Zeit als auch die Nichtbewertung von Teilleistungen müsste meines Erachtens vermerkt werden. Der Sinn eines Abschlusszeugnisses besteht nunmal u.a. darin, dass ein potentieller Arbeitgeber ein Instrument zur Vorselektion an der Hand hat. Jemand, der defizitär schreibt oder für Abeitsprozesse länger braucht als der Durchschnitt, dürfte für viele Positionen von vornherein ungeeignet sein. Das sollte man entsprechend sehen können.

    Genau das hab ich mich auch gefragt. Ich habe Fächer studiert, dazu die entsprechende Fachdidaktik und in so einem Studium, studiert man angeblich schon mal die ganzen Fachdidaktiken auf Vorrat, oder was. Und wofür? Das ist doch alles Unsinn.

    Genau das war mein Gedankengang hinter der Frage. Fachdidaktik setzte bei mir erst ein, nachdem man die Fächer schon ein Weilchen fachwissenschaftlich studiert hatte und Grundlagen da waren.

    Aber Palims Erklärung klingt schlüssig und das Ziel ist ja auch ohnehin keine Qualifizierung für die Schule.

Werbung