Beiträge von Maylin85

    Ich finde die Schulschließungen nach wie vor richtig, jedenfalls so lange es keine Impfung gab. Ich erinnere mich dunkel an Statistiken (aus Schweden? Großbritannien? nicht mehr sicher), nach denen im Bildungswesen Beschäftigte überproportional von Covid betroffen waren und das kanns ja nun auch nicht sein. Nachdem das Narrativ der ganzen angeblich Lockdown-geschädigten Schüler aber nun ja ständig lange und intensiv wiederholt wurde, fürchte ich fast, dass der Gesundheitsschutz des Personals in einer erneuten vergleichbaren Situation keine große Rolle mehr spielen würde.

    Von Frauenquote habe ich nichts gefunden. Angeblich liegt die Ursache an anderer Stelle. Aber so möchte ich das dann doch nicht in Deutschland umgesetzt wissen:

    https://kaffee-kooperative.de/gender-equality-ruanda/

    Aus deinem Link:

    Zitat

    Ein Meilenstein war auch die neue Verfassung von 2003: Hier wurde Gleichberechtigung als Staatszielfestgeschrieben. Dazu zählt unter anderem, dass jedes entscheidungsgebende Gremium eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent haben muss.

    Das meinte ich. Eine Quote von 30% ist ja schonmal mehr, als überhaupt gar keine Quote zu haben.

    Aber ja, ein Genozid als Entwicklungsimpuls ist jetzt nicht unbedingt anstrebenswert.

    Ich erinnere mich aus dem Französischunterricht lustigerweise auch nur an Essen und dass man bei den Zahlen irgendwie rechnen musste. Die Abwahlentscheidung fiel, als ich mal eine Stunde frei brauchte und zur Kompensation ein Rollbratenrezept erschließen und vorstellen durfte 😕

    Bei mir hat sich zum Glück nie jemand übergeben. Wir hatten aber am Gymnasium im Gang schon mit Stühlen und Flatterband abgesperrte Hinterlassenschaften, denn natürlich ist das Wegwischen NICHT Aufgabe der Lehrkräfte und wenn sonst niemand dafür zuständig ist, bleibt es eben liegen, bis die Reinigungskräfte am Nachmittag kommen.

    Ich kenne einen Fall, wo ein Mitglied der erweiterten Schulleitung nach Rückkehr aus der Elternzeit mit einigen Stunden an eine Grundschule teilabgeordnet wurde. Hätte das bis dato auch nicht für ein realistisches Szenario gehalten.

    Bezüglich der Inklusion kann ich sagen, dass bei uns an den staatlichen Gymnasien sehr wenig Kinder "landen." Wenn dann sind das Kinder, denen man ein Abitur zutraut. Beispielsweise hochbegabte Autisten, die aber ohne Lernbegleitung nicht zurecht kommen. Ich weiß von einem Schüler, der von der Förderschule G kam und hier am örtlichen Gymnasium Abitur machte. Eine ehemalige Kollegin war damals seine Lernbegleitung. Ich weiß gar nicht genau, was ihm fehlte, aber er konnte nur mit Hilfe eines Laptops schreiben. Ist ein paar Jahre her.

    Neulich fragte mich mein Nachbar, SL des örtlichen Gymnasiums, warum es diesmal so wenige Anmeldungen gäbe. Wir hatten in diesem Jahrgang kleine Klassen und ein knappes Drittel hat sich auf dem Gymnasium angemeldet. Wir haben auch eine recht gute Kooperation und bekommen ehrliche Rückmeldung von den Kollegen, wie sich unsere alten Viertklässler entwickeln. Beide Seiten sind im Großen und Ganzen zufrieden. Also wir haben in letzter Zeit zumindest keine entsetzen Anrufe erhalten.

    Und das sind eben völlig andere Voraussetzungen, als sie hier in meiner Ecke gegeben sind. Wie schon vorher geschrieben, es mag regionale Unterschiede geben. Dass NRW für sein Luschen-Abi verschrien ist, ist kein Zufall, sondern liegt u.a. auch an widersinniger Gleichmacherei, bei der es unterm Strich unmöglich ist, das fachliche Niveau zu halten. Die kirchlichen Schulen, die ich von innen gesehen habe, fliegen in Sachen Leistungsniveau Lichtjahre über sämtlichen staatlichen Schulen, an denen ich gearbeitet habe. Selbstverständlich ist das für Lehrkräfte und Eltern mit echtem Interesse am Bildungserfolg ihrer Kinder gleichermaßen attraktiv.

    Und keine der mir bekannten Schulen erhebt Schulgeld.

    Es ist ein Herausziehen aus der Versorgung, wenn man ein homogeneres Klientel versorgt? Seltsame Auffassung. Zunächst einmal ist es die Übernahme eines Teilbereichs der allgemeinen Versorgung. Und wie gesagt, kirchliche Träger unterhalten ja auch unterschiedliche Schulformen - da hast du dann ggf. auch deine Versorgung "aller".

    Dass andere Schulen "über Gebühr" andere Schülergruppen übernehmen müssen, mag sein, liegt aber dann letztlich daran, dass das staatliche System nicht mehr angemessen selektiert und viele Eltern in der Konsequenz mit den Füßen abstimmen und ihre Kinder bei Vorhandensein entsprechender Alternativen eben woanders anmelden. Auch nicht verwerflich.

    Palim

    Dass ihr auch eurem Bildungsauftrag nachkommt, habe ich mal vorausgesetzt und nicht extra erwähnt. Ich schrieb auch nicht vom Aussortieren, sondern vom Selektieren. Ich habe auch nichts gegen den kognitiv zur Schulform passenden "Kasper".

    Das ist doch bei staatlichen Schulen genauso. Wir werfen auch nicht alles in einen Topf. Bei uns gibt es noch Realschulen, Werkrealschulen (Hauptschule mit Möglichkeit des MSA) und Gemeinschaftsschulen, die hier recht beliebt sind. Einige Eltern, deren Kinder Gymnasialempfehlung haben, wählen hier bewusst Gemeinschaftsschulen, weil ihnen das Konzept gefällt.

    Nein, das ist eben nicht genauso. Es mag ja regionale Unterschiede geben, aber was im Ruhrgebiet am Gymnasium landet, ist haarsträubend. Ich hatte vor ein paar Jahren eine fünfte Klasse, in der ein Drittel keine Gymnasialempfehlung hatte (und wir hatten mehr Anmeldungen als Schulplätze, man hätte also andere Optionen gehabt, hätte man denn gedurft). Ich hatte mal einen Stapel Erdkunde-Tests aus Klasse 7 auf dem Tisch liegen, als meine bayrische Grundschullehrerin-Freundin zu Besuch war, und die war absolut schockiert (von Rechtschreibung, Grammatik, Inhalt, allem). Das Niveau ist an einigen Gymnasien derart erbärmlich, dass das Schild überm Eingang kaum ernst zu nehmen ist.

    Und on top wurden Kinder mit Förderschwerpunkt GE und LE auch noch mit "in den Topf geworfen", um mal bei dem Bild zu bleiben. Was soll jemand, der gerade gelernt hat einen Wasserhahn aufzudrehen (!), im Englischunterricht? Einfach nur völlig absurd.

    ...und deswegen finde ich es legitim nach Schulen zu suchen, die sich einem solchen Irrsinn entziehen können. Hätte ich Kinder, käme für mich auch keine Anmeldung an einer staatlichen Schule (hier!) in Frage.

    Die Grundschule ist auch so konzipiert und hat den Auftrag herauszufinden, wer über welches Potential verfügt und wo derjenige danach am besten aufgehoben ist. Daran schließt sich aber immer noch - mehr oder weniger - ein dreigliederiges System an und ich hätte mich definitiv nicht fürs Lehramt entschieden unter der Prämisse, danach "alle" Kinder unterrichten zu müssen.

    Ich weiss doch nicht, wie bei euch eingruppiert wird. Bei uns werden Sek-I-Lektionen per se geringer vergütet und mit einer Monofach-Sek-II-Ausbildung landet man noch mal eine Gehaltsstufe schlechter, da nicht stufengerecht ausgebildet.

    Wenn es keine reine Sek-I-Schule ist, könnte der Kollege mit Lehrbefähigung in zwei Fächern auch in beiden Fächern eingesetzt werden. Das weiss man im vorliegenden Fall aber alles nicht.

    Okay, das stimmt natürlich, wenn eine Sek II vorhanden ist.

    Den Abzug für nicht stufengerechte Ausbildung finde ich fragwürdig (macht das nach ein paar Jahren Berufspraxis wirklich noch einen Unterschied?), aber gut, so ist es eben und das weiß ein Bewerber ja auch.


    Was ich im vorliegenden Fall merkwürdig finde, ist dass Mathe nicht abgeleitet und anerkannt wird. Mir sind ausschließlich quereinsteigende Physiker bekannt, bei denen das der Fall war/ist (und die in NRW über OBAS-Quereistieg dann auch perspektivisch bei gleicher Vergütung wie der Rest des Kollegiums landen).

    Ich glaube, es ist hier hinreichend erklärt worden, dass es sich bei MNT um ein Verbundfach der Unter- und Mittelstufe handelt. Das ist bei uns nicht anders, es *gibt* in diesen Jahrgangsstufen gar kein Chemie/Physik/Biologie als eigenständige Fächer. Daher erscheint mir die Einstufung als Monofachlehrperson völlig korrekt.

    Wäre dann jemand mit zwei studierten Naturwissenschaften im Sek I Bereich konsequenterweise nicht auch ein Monopolfachlehrer, wenn es nur dieses eine Monopolfach gibt? Warum dann die unterschiedliche Behandlung?

    Okay, außer der Knackpunkt ist das fehlende Ref und nicht das Fach.

    Susannea

    Die Grundschullehrer werden in diesem Fall aber alle gleich bezahlt und es ist niemand gegenüber den Gleiches unterrichtenden Kollegen schlechter gestellt. Und das ist doch hier der Punkt.


    Man kann sich das sicherlich krumm zurecht argumentieren, aber komplett nachvollziehbar ist die Eingruppierung trotzdem nicht, wenn die gleiche Leistung erbracht wird, die beispielsweise jemand mit Physik/Bio erbringt. Wäre mir da zu schade für 💁‍♀️ (nicht für den fachfremden Unterricht, aber dafür, meine gleichwertige Arbeitsleistung so billig vergütet zu bekommen)

    Dass man als studierter Naturwissenschaftler in der Lage sein sollte, sich fachliche Inhalte in Biologie anzulesen, denke ich auch.

    Der Widerspruch liegt aber doch darin, mit der Argumentation, man habe nur ein anerkennbares Fach, eine Gehaltseinstufung vorzunehmen, aber gleichzeitig zu erwarten, dass dennoch mehr Fächer unterrichtet werden. Das passt für mich auch 0 zusammen und ist cherry picking des Dienstherrn. Hätte ich keine Lust zu und würde mir ein Bundesland suchen, das Mathe mit ableitet und angemessener vergütet.

    Und wie viel Geld zahlen die Eltern, damit ihre Kinder diese Eliteschule besuchen dürfen?

    Nichts, gab kein Schulgeld.

    Und kirchliche Träger betreiben ja nicht nur Gymnasien, sondern auch andere Schulformen, wie du schon selbst schreibst. Der Punkt ist doch, dass es dort teilweise besser gelingt, ansprechende Profile für unterschiedliches Klientel und seine Interessen zu schaffen, während woanders alles in einen Topf geschmissen wird und so hinzunehmen ist.


    Palim

    Die Beschulung derer, die abgelehnt werden, soll eben an einer für diese Kinder passenden Schulform stattfinden. Das Bistum, bei dem ich angestellt war, hat auch Realschulen und eine Gesamtschule betrieben. Passt doch.

    Welche Fehlentwicklungen genau haben denn staatliche Schulen im Gegensatz zu Schulen mit kirchlichem Träger?

    Ich kann ja nur anekdotisch berichten und auf Basis meiner Wahrnehmung und Erlebnisse. Für mich sind die wesentlichen Punkte Inklusion (staatliche Schulen -> alle möglichen Förderschwerpunkte wild zusammengemixt, kaum sonderpädagogische Unterstützung, während die kirchlichen Schulen ausschließlich Kinder aufgenommen haben, die sinnvoll zielgleich beschult werden konnten) und Leistungsselektion (beginnend damit, dass an den kirchlichen Schulen überhaupt nur Schüler mit Gymnasialempfehlung aufgenommen wurden und dass in der Erprobungsstufe bei Nichtbewährung auch abgeschult werden konnte, während bei den staatlichen Schulen Elternwunsch bei der Anmeldung Priorität hatte und bei Überanmeldungen explizit NICHT Kinder mit uneingeschränkter Gymnasialempfehlung vorgezogen werden durften; Abschulung auch nur sehr begrenzt möglich). Es scheint mir für Schulen in privater Trägerschaft auch leichter, Kinder mit nicht tragbarem Sozialverhalten loszuwerden bzw. umgekehrt auch keine Wanderpokale von anderen Schulen zwangsweise aufnehmen zu müssen. Über die Punkte kann man sich jetzt moralisch empören, auf meine Arbeitszufriedenheit und die nervliche Belastung im Berufsalltag haben sie aber signifikant mehr Einfluss als die Frage, ob ich ab und an Klassen zum Gottesdienst begleite. Ich bin ein großer Befürworter des Strebens nach möglichst ausgeprägter Homogenität in Lerngruppen - das läuft dem, was an staatlichen Schulen gerade gewünscht ist, nunmal maximal entgegen.

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