Beiträge von Maylin85

    Plattenspieler In einer idealen Welt mag das ja so sein. In einer Klasse mit 28 Leuten, davon 4 Inklusionskinder (in dem Fall 2x GE, 2 x LE), unter den restlichen 24 das normale Spektrum von ADHSlern, Frühpubertierenden, Sensibelchen, Nullbocklern etc., sind wir von Idealbedingungen aber weit weg und es funktioniert so nicht.

    Ich hab mich anfangs (Klasse 5, sie waren gerade eingeschult worden) wirklich bemüht, zum regulären Thema passendes Material zu finden oder selbst zu vereinfachen. Inklusionsmaterial gab es nicht, da Haushaltsstopp. Schnelle Erkenntnis: selbst mit Grundschulmaterial oder von mir so weit runtergebrochenem Kram, dass quasi gar kein Inhalt mehr übrig blieb, kamen sie nicht klar. Die beiden GE Schülerinnen waren sehr liebe, bemühte Seelchen, die endlos viel gefragt haben und mich damit in den Wahnsinn getrieben haben, denn es unterbrach gefühlt alle 2 Minuten den regulären Unterricht. Eigentlich hätten sie jemanden gebraucht, der durchgehend daneben sitzt und Hilfestellung gibt. Nun hatte die Klassenlehrerin schon bewusst sehr leistungsstarke und soziale Mitschüler daneben platziert, die sich auch gekümmert haben, aber die das natürlich ständig von den eigentlichen Unterrichtsinhalten abgehalten hat. Irgendwann hatten wir dann mal eine mit wenigen Stunden abgeordnete Sonderpädagogin da, die sich das anguckte und entsetzt anmerke, das sei ja auch viiiieeeeel zu schwer. Öhm ja. Okay. An dem Punkt war ich dann wirklich ratlos, denn die Materialien waren für mein Verständnis ja schon komplett inhaltsleer, was will man da noch rausnehmen. Sie haben dann halt überwiegend gemalt im Unterricht. Das war okay, aber halt auch sinnfrei. Eine gute Freundin von mir arbeitet an einer GE-Schule und kocht und backt mit ihren Kids, lernt mit denen Busfahren oder einkaufen, arbeitet im Schulgarten... all das erscheint mir sinnvoll. Malen im Englisch- oder Erdkundeunterricht nicht. Später haben wir Förderschulhefte bekommen, auch das klappte aber nur so mäßig und brauchte eigentlich permanente Ansprach und Hilfen, was quasi einer Dauerunterrichtsstörung gleich kam. Ich denke nicht, dass der Rest der Gruppe von diesem Inklusionssetting in irgendeiner Weise profitiert hat.

    Die Schüler, die mir später in Klasse 8 und 9 aus den GE/LE Bereichen begegnet sind, fielen primär auf durch eine Kombination aus extremem Stören (ich nehme an aus Überforderung oder Frust, weil sie natürlich mitbekamen, dass sie mit den anderen nicht mithalten konnten) und Vollverweigerungshaltung an gesondertem Material zu arbeiten. In diesen Gruppen ging unfassbar viel Unterrichtszeit für Konflikte drauf - mit der Konsequenz, dass ganze Unterrichtsphasen oft in die häusliche Erarbeitung gerutscht sind, denn für Konfliktmediation ist im Lehrplan (gerade unter G8 Bedingungen) nunmal kein großzügiges Zeitkontingent vorgesehen und ich muss halt trotzdem zusehen, dass alle Inhalte abgedeckt werden. War für das Unterrichtsklima alles definitiv nicht förderlich und auch hier sehe ich keinen Mehrwert für irgendwen.

    Ich hab wirklich keine Ahnung, wie die Bedingungen aussehen sollen, unter denen von Inklusion angeblich alle Schüler profitieren. Ich weiß nur: hätte ich Kinder, würde ich dafür sorgen, dass sie das nicht durchleben müssen - unabhängig davon, ob mein Kind Förderbedarf hätte oder nicht. Ich bin absoluter Verfechter von möglichst leistungshomogenen Lerngruppen und der entsprechenden Förderung im passenden Kontext 😊

    In einem nach Leistungsstufen gegliederten Schulsystem ist eine Förderschule doch ein völlig regulärer Bestandtteil der Landschaft weiterführender Schulen. Ich sehe da nicht so wirklich den Unterschied zu Realschulen oder Hauptschulen, die ja auch aufgrund unterschiedlicher kognitiver Leistungsfähigkeit oder Lernvoraussetzungen auf eine bestimmte Schülerschaft ausgelegt sind.

    Zielgleiche Inklusion finde ich nachvollziehbar und absolut richtig.

    Zieldifferente Inklusion ist absurd und ein Bremsklotz. Die GE und LE Kinder, die wir am Gymnasium mitgezogen haben, wären anderswo sicherlich besser aufgehoben gewesen und saßen jahrelang mehr oder weniger halt daneben.

    Mein Gedanke war, das Gutachten schonmal zu bekommen. Als unsere letzte Schulleitung ging, wurden vorher auch noch schnell gefühlt reihenweise Gefälligkeitsrevisionen durchgeführt und entsprechende Gutachten erstellt für spätere Bewerbungen.

    Aber keine Ahnung, ob das letztlich wirklich vorteilhaft ist. Ist mal so gar nicht mein Thema.

    Amtsangemessenheit kann sich doch nicht ausschließlich an der Gehaltsstufe festmachen und Qualifikation vollkommen ignorieren. Sorry, aber das finde ich absurd. Dann fände ich eine A13er Stelle in der Verwaltung ebenso amtsangemessen - dafür fehlt mir ggf. zwar auch die Qualifikation, aber macht ja scheinbar nichts.

    Du hast Recht, Plattenspieler. Ich habe Inklusion und Arbeit mit Förderschülern in einen Topf geschmissen, weil das für mich in meiner Arbeitswelt immer gleichbedeutend war. Ist es natürlich nicht. Was ich meinte, ist die Vollzeittätigkeit mit Förderschülern.

    Aviator

    Könntest du dich nicht theoretisch aus jetziger Position heraus direkt auf ausgeschriebene A14 Stellen bewerben und dafür noch eine Beurteilung von deiner jetzigen Schulleitung bekommen? Diese Beurteilung kannst du ja auch aus der Abordnung heraus noch für Bewerbungen nutzen, wenn es nicht direkt klappt.

    An meiner alten Schule wurden zuletzt mehrere Beförderungsstellen extern besetzt. Abteilungsleitungen bis hin zu stellvertretender Schulleitung und Schulleitung, aber auch A14 Funktionen (wenn auch deutlich seltener). Als ganz so unmöglich würde ich das nicht ansehen.

    Dann ist es doch um so erstaunlicher, wie sehr es hier kategorisch abgelehnt wird, weil man dies nicht als Aufgabe für Gymnasiallehrkräfte ansieht,

    einmal mehr, wenn sie in NRW als für GymGeSa ausgebildet werden.

    Naja, um es mal ganz deutlich zu formulieren: jede meiner Inklusionserfahrungen war bescheiden und hat mir gespiegelt, dass ich an dieser Art von Arbeit kein Interesse habe. 100%ig in diesem Setting arbeiten zu müssen, würde ich aber sowas von kategorisch ablehnen...

    Ich finde das, was Aviator zu hören bekommen hat, nun wirklich nicht "nachvollziehbar". Und "unausweichlich" (Zitat Palim) wäre für mich tatsächlich nur der konsequente Stellenwechsel. Versetzung an Gymnasium oder BK würde ich angemessen finden, wenn es denn sein muss. Gesamtschule müsste man aufgrund des passenden Lehramts wohl oder übel schlucken. Alles andere - nein danke 😊

    Nachdem ich schon länger immer mal wieder auf durchaus interessante Fernstudiengänge schiele, denke ich, mein erstes 2023er Vorhaben wird sein, in der Richtung einfach wirklich mal was anzufangen. Kann nicht schaden, falls es an der Schulfront doch irgendwann schief geht.

    Man kann sich auch eine Behinderung zulegen. Die wäre sogar noch nachhaltiger als Nachwuchs, der ja auch irgendwann erwachsen wird. Das ist dann die Stelle, an der man sich Fragen kann, ob man mit denen, denen man Vorteile attestiert, wirklich tauschen möchte.

    Ich kann versichern, ich möchte beides nicht 😊 Den Gedanken, sich eine Behinderung "zuzulegen", finde ich auch ziemlich geschmacklos, denn natürlich neidet man niemandem mit gesundheitlichen Einschränkungen die sich daraus völlig zu Recht ergebenen Sicherheiten.

    Wenn Kinder allerdings zum Bollwerk gegen Nachteile werden, die man eigentlich nicht haben möchte (ich denke da insbesondere auch an die angekündigte Verwehrung von Teilzeit), könnte man durchaus in Versuchung kommen, nochmal genauer abzuwägen.

    Das ist auch eine in jeder Hinsicht unhaltbare Situation. Solche Schüler (ja, es sind mehrheitlich Jungen) gibt es tatsächlich. An einer Förderschule ESE ist ihr Verhalten übrigens nicht weniger problematisch. Hatte der Junge ein AO-SF? Und wohin habt ihr ihn abgegeben?

    So richtig bin ich da ehrlich gesagt nicht im Thema. Ich hatte ihn eine einzige Stunde in der Woche im Nebenfach und war immer froh, dass das Gros des Dramas an mir vorbei ging (bei den Hauptfachlehrern sind die Eltern auf die Barrikaden gestiegen angesichts des dauergestörten Unterrichts). Er hatte zumindest definitiv keine Schulbegleitung, weil die Eltern keine Notwendigkeit gesehen haben und das Verfahren nicht unterstützt haben. Wir hatten ihn von einer Gesamtschule bekommen mit der Idee, dass die Klassenatmosphäre am Gymnasium vielleicht weniger Eskalationspotential für ihn bieten könnte als dort. Weitergereicht wurde er an eine Realschule. Insgesamt ein für alle Beteiligten ganz tragischer Fall. Der Junge war auch völlig überfordert und hat oft geweint.

    CDL

    Ja, auch mit einer ungünstigen Fachkombi. Für mich käme das wirklich absolut gar nicht in Frage und ich würde lieber komplett den Beruf wechseln, auch unter finanziellen Einbußen, als in bestimmten Kontexten und mit bestimmtem Klientel (hiermit meine ich Brennpunktstandorte) zu arbeiten. Ich kann nicht für andere sprechen, aber mir ginge es dabei primär um mein Nervenkostüm, das schon in der Unterstufe arg angekratzt war, und dass ich meine Reaktion auf chronische Unzufriedenheit kenne. Der Zustand ist toxisch und ungesund und mir persönlich wäre das restliche Berufsleben zu lang, um die Jahre irgendwie abzusitzen. Muss aber jeder selbst wissen.

    Ansonsten mag man Aviators Ansprüche als hoch empfinden, was sie sicherlich teilweise auch sind, aber letztlich ist das Empfinden ja individuell und jeder hat halt andere "Schmerzgrenzen". Irgendwann kommt dann nur der Punkt, an dem das Wüten und Jammern nichts mehr bringt und man konstruktiv nach vorne schauen und sich überlegen muss, welche Konsequenzen man jetzt zieht. Wenn die Konsequenz nach dieser Nummer "Dienst nach Vorschrift und Priorität auf Freizeit" heißt, finde ich das zumindest nachvollziehbar, denn übel mitgespielt wird ihm hier mit dieser schulformfremden Geschichte ganz klar schon.

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