Plattenspieler In einer idealen Welt mag das ja so sein. In einer Klasse mit 28 Leuten, davon 4 Inklusionskinder (in dem Fall 2x GE, 2 x LE), unter den restlichen 24 das normale Spektrum von ADHSlern, Frühpubertierenden, Sensibelchen, Nullbocklern etc., sind wir von Idealbedingungen aber weit weg und es funktioniert so nicht.
Ich hab mich anfangs (Klasse 5, sie waren gerade eingeschult worden) wirklich bemüht, zum regulären Thema passendes Material zu finden oder selbst zu vereinfachen. Inklusionsmaterial gab es nicht, da Haushaltsstopp. Schnelle Erkenntnis: selbst mit Grundschulmaterial oder von mir so weit runtergebrochenem Kram, dass quasi gar kein Inhalt mehr übrig blieb, kamen sie nicht klar. Die beiden GE Schülerinnen waren sehr liebe, bemühte Seelchen, die endlos viel gefragt haben und mich damit in den Wahnsinn getrieben haben, denn es unterbrach gefühlt alle 2 Minuten den regulären Unterricht. Eigentlich hätten sie jemanden gebraucht, der durchgehend daneben sitzt und Hilfestellung gibt. Nun hatte die Klassenlehrerin schon bewusst sehr leistungsstarke und soziale Mitschüler daneben platziert, die sich auch gekümmert haben, aber die das natürlich ständig von den eigentlichen Unterrichtsinhalten abgehalten hat. Irgendwann hatten wir dann mal eine mit wenigen Stunden abgeordnete Sonderpädagogin da, die sich das anguckte und entsetzt anmerke, das sei ja auch viiiieeeeel zu schwer. Öhm ja. Okay. An dem Punkt war ich dann wirklich ratlos, denn die Materialien waren für mein Verständnis ja schon komplett inhaltsleer, was will man da noch rausnehmen. Sie haben dann halt überwiegend gemalt im Unterricht. Das war okay, aber halt auch sinnfrei. Eine gute Freundin von mir arbeitet an einer GE-Schule und kocht und backt mit ihren Kids, lernt mit denen Busfahren oder einkaufen, arbeitet im Schulgarten... all das erscheint mir sinnvoll. Malen im Englisch- oder Erdkundeunterricht nicht. Später haben wir Förderschulhefte bekommen, auch das klappte aber nur so mäßig und brauchte eigentlich permanente Ansprach und Hilfen, was quasi einer Dauerunterrichtsstörung gleich kam. Ich denke nicht, dass der Rest der Gruppe von diesem Inklusionssetting in irgendeiner Weise profitiert hat.
Die Schüler, die mir später in Klasse 8 und 9 aus den GE/LE Bereichen begegnet sind, fielen primär auf durch eine Kombination aus extremem Stören (ich nehme an aus Überforderung oder Frust, weil sie natürlich mitbekamen, dass sie mit den anderen nicht mithalten konnten) und Vollverweigerungshaltung an gesondertem Material zu arbeiten. In diesen Gruppen ging unfassbar viel Unterrichtszeit für Konflikte drauf - mit der Konsequenz, dass ganze Unterrichtsphasen oft in die häusliche Erarbeitung gerutscht sind, denn für Konfliktmediation ist im Lehrplan (gerade unter G8 Bedingungen) nunmal kein großzügiges Zeitkontingent vorgesehen und ich muss halt trotzdem zusehen, dass alle Inhalte abgedeckt werden. War für das Unterrichtsklima alles definitiv nicht förderlich und auch hier sehe ich keinen Mehrwert für irgendwen.
Ich hab wirklich keine Ahnung, wie die Bedingungen aussehen sollen, unter denen von Inklusion angeblich alle Schüler profitieren. Ich weiß nur: hätte ich Kinder, würde ich dafür sorgen, dass sie das nicht durchleben müssen - unabhängig davon, ob mein Kind Förderbedarf hätte oder nicht. Ich bin absoluter Verfechter von möglichst leistungshomogenen Lerngruppen und der entsprechenden Förderung im passenden Kontext 😊