Also ich als leidenschaftliche Literaturtante muss leider sagen, dass das Unterrichten nicht immer vergnüglich ist und ich auch schon hin und wieder den Gedanken hatte, dass ein "richtig/falsch"-Fach auch ganz nett wäre. Mit Lerngruppen, die sich darauf einlassen, macht das alles natürlich Spaß... aber es gibt eben auch die Grundkurse, in denen es angefangen bei der sinnerfassenden Lesekompetenz an so ziemlich allem hapert und die nicht einsehen, wieso sie sich überhaupt mit Literatur beschäftigen sollen. Die Diskussion "wir sollten lieber lernen, wie man Steuererklärungen macht, statt Gedichte interpretieren", habe ich sooo oft geführt und es nervt mich jedes Mal mehr. Auch ist für mich als jemand, der immer intuitiv direkt Zugang zu Textarbeit gefunden hat, oft schwer bis überhaupt gar nicht nachvollziehbar, wieso Leute es nicht schaffen Kernaussagen herauszuarbeiten, Verbindungen zwischen Sprach- und Inhaltsebene herzustellen, zu interpretieren, Texte kohärent zu strukturieren und ohne inhaltliche und logische Brüche zu verfassen usw. usw. Und an vielen Stellen kann man auch nur begrenzt helfen, da man zwar Strategien und Herangehensweisen trainieren kann, an den Kern des Problems aber häufig schlichtweg nicht herankommt. Also kurz gesagt: eigene Leidenschaft für Sprache und Literatur heißt nicht automatisch, dass die gewählten Fächer auch in der Unterrichtspraxis sonderlich erfüllend sind.
Ich habe gerade mal überlegt und kenne tatsächlich auch niemanden mit der Fachkombi, der Vollzeit arbeitet oder sich nicht durch Sonderfunktionen und entsprechend weniger Unterrichtsverpflichtung von Korrekturen entlastet hat. Eine Kollegin hat sehr dafür gekämpft, nur mit einem der beiden Fächer in der Oberstufe eingesetzt zu werden und zum Ausgleich im anderen Fach viel Unterstufe zu machen, weil das für sie korrekturtechnisch wohl entlastender ist. Was man auch nicht vergessen darf, ist dass man mit zwei Hauptfächern auch direkt mehr Elternarbeit hat. In meinem Nebenfach sind kaum Eltern überhaupt je beim Elternsprechtag erschienen oder hielten es für nötig, über Fördermöglichkeiten zu sprechen. Im Hauptfach sieht das komplett anders aus und die Kollegen mit zwei Hauptfächern führen definitiv mehr Elterngespräche, als ich es je tun musste.
Dennoch muss man am Ende natürlich auch was mit seinen Fächern anfangen können und es bringt nichts, ohne wirkliches Interesse irgendein Drittfach zu studieren. Wenn man merkt, dass man mit D/E dauerhaft nicht glücklich wird, gibt es ja immer noch die Möglichkeit von Zertifikatskursen, die man dann auch entsprechend berufsbegleitend machen kann.