Die Frage nach dem "was bleibt", finde ich beruflich ziemlich ernüchternd. Kurz gesagt, bei uns an derSchule: meinem Empfinden nach wenig Positives. Sämtliche Konfrenzen finden schwachsinnigerweise wieder in Präsenz statt und man darf wieder um 18h aus allen Himmelsrichtungen zu Fachkonferenzen jückeln, statt das einfach in einer Videokonferenz zu erledigen. Der Sinn dahinter erschließt sich mir in keinster Weise. Die Lernplattform wird nur noch für Organisatorisches genutzt (aber da hatten wir vorher ebenfalls schon eine digitale Lösung für, die an einigen Stellen sogar besser war) oder für die digitale Kommunikation. Letzteres hat sicher einige Vorteile, der "kurze Weg" führt aber auch dazu, dass Schüler und Eltern einen mit allen möglichen Nichtigkeiten bombardieren und sich eine - aus meiner Sicht - recht bedenkliche Anspruchshaltung entwickelt hat, was wir bitte alles an Schüler-/Elternservice zu leisten haben. Sich hier zu verweigern, erfordert schon klare Kante und ist nicht immer einfach.
Die digitalen Kompetenzen, die die Schüler erworben haben und die im Unterricht eigentlich prima nutzbar wären, verkümmern leider dank des immer noch nicht flächendeckend vorhandenen WLANs. Auch dürfen digitale Endgeräte per Schulkonferenzbeschluss nur in der Oberstufe benutzt werden, was bei vielen Schülern und Eltern verständlicherweise zu Unmut führt, nachdem fürs Distanzlernen extra privat Tablets angeschafft wurden und viele Schüler sich gut darauf eingerichtet haben.
Privat gesehen haben ein paar wenige Freundschaften die sehr konträren Ansichten zu den Coronamaßnahmen nicht überstanden und es herrscht Funkstille. Das ist schade, aber eben auch nicht zu ändern. Innerhalb der Familie haben wir (fast) alle sehr ähnliche Positionen, von daher gibt es in diesem Bereich zum Glück keine Kollateralschäden.
Was ich im Freundes- und Bekanntenkreis sehe, ist dass sich das Arbeitsleben bei vielen verändert hat und mehr Flexibilität in Bezug auf Arbeitsort und Zeiten möglich ist. Viele haben ihre Prioritäten überdacht und die Firma oder den Bereich gewechselt, machen Fortbildungen oder Umschulungen. Meinem Eindruck nach war Corona für viele eine Zäsur oder ein Impuls zur Veränderung.
Was ist bei mir persönlich anders? Ich hab überhaupt gar keinen Antrieb mehr, in Geschäften einkaufen zu gehen. Während ich vor der Pandemie Kleidung noch ganz gerne im Laden gekauft habe, bin ich inzwischen zu 100% auf Onlinehandel umgestiegen. Auf die eine oder andere Veranstaltung hätte ich inzwischen durchaus mal wieder Lust, kann mir das Ganze aber noch nicht so recht ohne Masken vorstellen und bin hier noch ziemlich zurückhaltend. Ich denke, vorm Frühjahr werde ich die Maske in größeren Gruppen oder geschlossenen Räumen auch noch nicht abnehmen. Ansonsten hat sich aber nicht wirklich viel verändert.