An Schulen, an denen man quasi nur unterrichtet und Noten erhebt und verwaltet, wird man ggf. tatsächlich feststellen, dass zu wenig gearbeitet wird. An meiner aktuellen Schule käme ich vermutlich auch nicht auf alle Arbeitsstunden, obwohl ich schon recht ausführlich und lange korrigiere.
An Schulen mit Inklusion, schwierigen Schülern, multiprofessionellen Teams, viel Elternkontakt, vielen Dienstbesprechungen und Konferenzen, öffentlichkeitswirksamen Extraaktionen usw. usw. sieht das aber völlig anders aus. Über Arbeitszeit für Vor- und Nachbereitung zu diskutieren, ist doch Kleinkram. Wichtig ist, dass all die vorher genannten Dinge endlich korrekt erfasst werden und auf die Ergebnnisse reagiert wird.
Momentan schaffen die Bildungsministerien nur noch mehr Zusatzaufgaben (für NRW beispielsweise: noch mehr Vergleichstestungen mit entsprechendem Korrekturaufwand, Oberstufenreform, für Englisch diese bekloppten Neuerungen beim Hörverstehen, die die Klausurerstellungszeiten massiv verlängern, andere Fächer haben sicher mit ähnlichem Quatsch zu tun). Ließe sich flächendeckend aufgrund entsprechend flächendeckend erhobener Arbeitszeiterfassungen aufzeigen, dass das alles an vielen Schulen nicht mehr zu bewerkstelligen ist, erzwingt das irgendwann auch eine Reaktion des Arbeitgebers. Aktuell macht man es sich sehr einfach damit, die Einhaltung der Arbeitszeit in die individuelle Verantwortung zu verschieben und - wie mein Ex-Schulleiter - Kollegien (in der GLK, die bis weit nach 19 Uhr andauerte) zu erzählen, man könne keine übermäßige Belastung an der eigenen Schule feststellen und möge doch bitte an seinem Stressempfinden und der individuellen Arbeitsorganisation arbeiten. Arbeitszeiterfassung würde hier meines Erachtens eine andere Argumentationsgrundlage und letztlich einen anderen Handlungsdruck schaffen. Es ist eben oftmals kein individuelles Problem.