Beiträge von Maylin85

    Du fühlst auch nie den Drang zu belegen, was du so meinst, oder? Abgesehen davon, dass von den sozialen Folgen die Rede war und nicht von beruflichem Erfolg.

    Nee, den fühle ich bei allgemein bekannten Tatsachen eher nicht.

    Wenn der berufliche Erfolg am Ende stimmt, können die sozialen Folgen nicht so gravierend sein, dass am Ende überproportional sozial dysfunktionale Menschen dabei herauskommen.

    Das Problem ist doch dann, dass ihr die Kinder nicht rechtzeitig auf eine andere Schule schickt. Das Problem ist doch, dass das Abitur dann zu einfach ist. Aber deswegen brauche ich eine Quote. Dann muss ich halt das Niveau erhöhen.

    Das passiert aber nicht. Und das Abitur ist dermaßen einfach, die Erwartungshorizonte so gestrickt, dass es damit ja durchaus am Ende dann auch noch reicht, um erfolgreich durchzurutschen. Der Fehler ist systematisch; das Abitur ist zu einfach.

    Teilweise sind es aber auch die Gymnasien selbst... Manche schielen durchaus hauptsächlich darauf, die Mindestschülerzahl zu bekommen, um nicht zu schrumpfen. Warum werden Kinder angenommen, die nicht die entsprechende Empfehlung der Grundschule haben?

    Weil sie angenommen werden müssen. Unsere Unterstufenkoordinatorin hat sich den Mund fusselig geredet, um Eltern von der Anmeldung abzubringen. Einmal da, bleibt der Großteil, weil a) Schulplätze an anderen Schulformen fehlen und das Schulamt entsprechend Druck ausübt, und b) die Lokalpresse sehr heftig gegen Gymnasien mit hohen Abschulquoten geschossen hat. Die schlechte Presse wollte die Schulleitung dann wiederum nicht. Mindestschülerzahl war nie das Problem, wir hatten immer mehr Anmeldungen als Plätze (und mussten dann losen).

    Das intendiert, dass Reiche nur intelligente Kinder haben, die schnell lernen?

    Oder aber sie benötigen die 1:1-Betreuung, während die anderen in den staatlichen Schulen auch mit 30 anderen Kindern die Inhalte erlernen.

    Deine Ideen setzen uns ins Mittelalter zurück, Schulen bzw. Privatlehrer nur für Reiche. Die Beschulung anderer kam mit der Reformation.
    An der derzeitigen Segregation sieht man jetzt schon, wo das Geld bleibt und welche Schulen unterstützt werden. Dies zu forcieren wird den Zusammenhalt der Gesellschaft nicht fördern, sondern weiter untergraben.
    Statt dort zu unterstützen, wo du das Chaos versorgest, forderst du, diese Schüler dem Chaos zu überlassen, mit allen Folgen, die daraus entstehen.

    Man muss daraus keinen Klassenkampf machen, sondern kann es einfach ganz schnöde dabei belassen, dass Leute, die es sich leisten können, ihren Kindern ruhig die für sie beste Bildung zukommen lassen können. Oder geht es irgendwem anders besser, wenn diese Kinder sich in staatlichen Schulen schlechterer Förderung aussetzen müssen?

    Der aktuelle Ansatz nivelliert das Gesamtniveau nach unten. Wenn sich Einzelnen daraus retten können, und sei es über Privatschulen oder Privatlehrer -> schön, herzlichen Glückwunsch! Das nimmt den anderen doch nichts weg.

    Hm, ich weiß ja nicht, wo du genau tätig bist und welche Schulen du mit dieser Äußerung meinst. Ich behaupte, dass in den Schulen hier in der Umgebung kein "Chaos" herrscht.

    Das freut mich und spricht für deine Region 😊

    Hätte ich eigene Kinder, die hier irgendwo beschult werden müssten, würde ich alle Zelte abbrechen und umziehen.

    Solche Gewohnheiten setzen sich auch in anderen Kulturen fort und durch:

    Warum sonst kommt man auf 20% und auf „Bestenauslese“?
    Wer sagt denn, dass die anderen nicht auch zu den Besten gehören.
    Warum schaffen 50% das Abitur, offenbar sind sie dafür ja gebildet genug, dies am Gym, GeSa oder BBS ablegen zu können.
    Wozu genau braucht es eine Vorgabe, dass nur bestimmte Kinder im Alter von 10 Jahren auf das Gym wechseln dürfen?
    Und ja, es gibt Studien dazu, wen dies begünstigt.

    Palim, ich würde so gerne mal Screenshots aus Abiturprüfungen in die Welt schicken. Was hier für ein Abitur ausreicht, kann sich niemand auch nur ansatzweise vorstellen. Und es ist eben das Ergebnis davon, dass jedes ungeeignete Kind sich anmelden darf, wo es die Eltern halt möchten, und keinerlei Auslese mehr stattfindet -> das Gesamtniveau crashed ins Bodenlose.

    Mir ist ehrlich gesagt total egal, wen das begünstigt. Wichtig ist, dass das Unterrichtsniveau für einen Teil eines Schülerjahrgangs auf einem gewissen Level gehalten werden kann und das funktioniert nunmal nicht, wenn aus sozialromantischen Gründen angeblich verkappte Genies mit im Raum sitzen, die leider nicht das nötige Gesamtpaket mitbringen, um mithalten zu können. Wenn zu diesem Gesamtpaket auch das Elternhaus und die häusliche Förderung gehören, dann ist das eben so.

    Und nochmal: wer entsprechende Leitungen erbringt, findet auch andere Wege zum Abitur.

    Das ist wieder ein Beispiel für einen Sachverhalt, wo in Deutschland weltmeisterlich problematisiert wird, während es in anderen Ländern normale Praxis ist und genügend Untersuchungen belegen, dass die betroffenen Kinder keine Nachteile in Bezug auf den späteren beruflichen Erfolg haben.

    Müssen wir nicht im Gegenteil darauf setzen, dass mehr Kinder ihr Abitur machen, da wir vor allem gut ausgebildete Menschen für die Zukunft brauchen? Und das heißt natürlich, dass wir nicht auch gut ausgebildete Handwerker etc. brauchen. Aber in der Tendenz werden diese Jobs weniger und die anderen mehr.

    Wir haben bereits eine 50% Abiturquote, die nichts wert ist, weil die Absolventen faktisch keinen abiturgerechten Ausbildungsstand haben.

    Ob 25% oder 20% Übertrittsquote ist letztlich egal, wichtig wäre, überhaupt eine Grenze zu ziehen und sicherzustellen, dass wieder eine Art Bestenauslese erfolgt. Das schließt übrigens ja auch nicht aus, dass "der Rest" das Abitur noch auf anderen Wegen erreichen kann, aber es wäre meines Erachtens wichtig, zumindest eine Sek I Schulform vorzuhalten, die leistungsstarken Schülern vorbehalten ist.


    Das ändert sich nicht durch Heimbeschulung, das nehmen Eltern in Anspruch, denen die staatlichen Schulen und die bestehenden Privatschulen nicht (einseitig/extrem) genug sind, oder die, die es sich finanziell leisten können und wollen, einen Privatlehrer ins Haus kommen zu lassen, bis das Kind auf das Internat wechselt. Also verstärkt es die Segregation.

    Eine 25%-Quote bedeutet eine Reduzierung des gymnasialen Angebots um mindestens die Hälfte. Das schließt die Lehrkräfte mit ein.

    Das Bildungsangebot weiter zu reduzieren, spielt diesen Kräften in die Hände. Mädchen benötigen dann sicher nur noch die Grundschule und können dann weggesperrt werden, siehe Afghanistan. Wenn man es lange genug umsetzt, glauben sie irgendwann, dass es normal und richtig ist.

    Den letzten Absatz halte ich für himmelschreienden Blödsinn. Wo liest du das raus?

    Ansonsten: unter der Voraussetzung, dass zu Hause beschulte Kinder regelmäßig Prüfungen ablegen müssen, finde ich diese Art der Segregation in Ordnung. Wer sich gute Privatlehrer leisten kann, dem sei dieses Privileg doch gegönnt - was genau hat man davon, diese Kinder in staatliche Schulen zu zwingen, wo sie in ihrem Lernen gegenüber einem Privatlehrer sehr wahrscheinlich gebremst werden? Privatschulen gibt es nicht überall in pendelbarer Entfernung, also sind Eltern, die ihre Kinder nicht in staatliche Schulen geben möchten, je nach Region ggf. gekniffen und Heimunterricht könnte hier eine gute Alternative sein. Auch für Kinder mit Neurodivergenzen ergeben sich sicherlich in vielen Fällen Vorteile.

    Das Risiko ideologisch zweifelhafter Prägung besteht zugegebenermaßen, ja, aber mir persönlich reicht das nicht aus, um auch Eltern mit vernünftigen Motiven die Option häuslichen Unterrichts zu nehmen. Nicht, solange in staatlichen Schulen das Chaos herrscht, das dort nunmal herrscht, und der Bildungsoutput immer miserabler wird.


    Die Reduzierung von gymnasialen Lehrerstellen ist übrigens das allerschlechteste Argument für die Fortführung der lustigen Bildungsinflation.

    Mal isoliert vom ganzen ideologischen Überbau betrachtet, der bei der AfD völlig daneben ist, finde ich 25% Quote und die Öffnung für häusliche Beschulung gar nicht so verkehrt. Es ist tatsächlich schwer gegen Heimbeschulung zu argumentieren, wenn Schulen gleichzeitig ihrem Bildungsauftrag nicht mehr adäquat nachkommen und es nicht gelingt, eine (räumlich und sozial) lernförderliche Umgebung zu schaffen. Ich war immer ein sehr klarer Verfechter der Präsenzschulpflicht, sehe das seit der Pandemie aber anders. Viele Kinder haben von den Distanzlernphasen profitiert und besser gelernt, also soll man sie doch lassen. Und eine rein auf Leistungsselektion basierende 25% Übertrittsquote wäre für die Gymnasien ein Segen und vielleicht auch mal wieder ein Weg, das Anforderungsniveau zurück auf ein angemessenes Level zu heben. Es wäre wünschenswert, andere Parteien würden irgendwann einen ähnlichen Kurs anvisieren.

    Ach. Kein Hund reißt die Weltherrschaft an sich, weil er aufs Sofa darf 😊

    Ich muss gerade an einen älteren Herrn mit Rottweilern denken, der mir vor vielen Jahren mal erzählte, wenn ein neuer Welpe bei ihm einziehe, mache er sich am ersten Abend eine fette Wurstplatte, setze sich damit auf den Fußboden und dann ginge es als erstes erzieherisches Einwirken darum, die Grenze beim Zugriff auf Futterressourcen zu verdeutlichen. Das Ganze jeden Abend wiederholen. Wenn er dann nicht nur in Ruhe essen, sondern auch den Raum verlassen könne ohne dass der Hund an seinen Wurstteller gehe, sei eine solide Grundlage für jede weitere Erziehung gelegt. Ich fand den Ansatz ja immer irgendwie interessant 😄

    Chilli, das liegt aber vielleicht auch ein bissi an deiner Ecke... ich weiß nicht, ob ich dich völlig falsch verorte, aber ich hab dich gedanklich so grob in Ostwestfalen einsortiert und als jemand, dessen Familie zu einem Viertel aus dem Kreis Höxter kommt, wage ich zu behaupten, dass das auch ein etwas spezieller Menschenschlag ist.

    Und Hundervereine sind eh eine Welt für sich. Ich glaube, da wird man reingeboren und von den eigenen Eltern reininitiiert, sonst ist man erstmal lange außen vor^^

    Aber ich gebe zu, dass sich manches vielleicht einfacher sagt, als es tatsächlich ist. Dennoch bleibt der Punkt, dass sich ja auch MIT allen Kursen, Dolmetschern und Unterstützungsangoten keine sonderlich überzeugenden Effekte zeigen (in meiner Erfahrungswelt jedenfalls nicht), also halte ich Einsparungen an der Stelle für ausreichend begründet.

    natürlich ist die mangelnde Mitarbeit von Eltern auch mal ein Problem.
    Aber: eyh, es werden gerade die Integrationskurse groß gestrichen, oft haben die Menschen keine Möglichkeit zu arbeiten und wir sollten nicht vergessen, dass die absolute Mehrheit (quasi Alle?) der Menschen, die ohne Übersetzer keine Gespräche führen können, nicht unbedingt freiwillig hier sind.
    (Aissatou ist ein weiblicher Vorname, aus Westafrika)

    Wieder was gelernt 🙂

    Ich sehe das anders. Ich hatte vor ein paar Jahren einen syrischen Schüler, der am 2. Tag nach Ankunft in seiner zugewiesenen Unterkunft durch die Stadt gelaufen ist und gefragt hat, wo er mithelfen kann. Er hat dann noch in der gleichen Woche ehrenamtlich bei der Tafel angefangen, dort mehrere Jahre gearbeitet und im Wesentlichen erstmal auch dort Deutsch gelernt. Klar, man kann natürlich auf seinen Integrationskurs warten - oder man geht halt los und tut selbst was für seine Integration. Ich denke, das kann man durchaus erwarten und machen Zuwanderer seit ewig und überall auf dem Erdball so. Was dem Ganzen entgegen läuft, ist einzig die Vollversorgung, die man inzwischen auch ohne entsprechendes Engagement bekommt. Dass das übermäßige an-die-Hand-nehmen keine sonderlich erfolgreiche Strategie war und Integrationskurse auch oft nicht ernst genommen wurden, wissen wir mittlerweile, insofern bin ich mit den Streichungen tendenziell eher einverstanden.


    Auf den schulischen Kontext bezogen finde ich interessant, dass in den PISA Auswertungen festgestellt wurde, dass es keine unmittelbare Korrekation zwischen dem Angebot an Fördermaßnahmen und dem Bildungserfolg gibt. Wenn durch viele Hilfsangebote Selbstständigkeit und Eigenverantwortung verloren gehen, verpuffen die Effekte. Ein gewisses Maß an Eigenverantwortlichkeit einzufordern und dem Eindruck entgegenzuwirken, Schule liefere schon alles im Rundumservice an, halte ich also nicht für verkehrt.

    Aber ich sehe es zum einen wie chilipaprika , dass man eben nicht abwarten kann, damit diese Kinder leider scheitern müssen.

    Das befürworte ich auch nicht, ich bezweifel aber, dass es dazu zwingend Kommunikation mit desinteressierten oder wenig zuträglichen Eltern braucht.

    Formalrechtliche Erwägungen sind natürlich ein anderer Punkt (an dem wir aber auch dringend mal wieder Vereinfachungen benötigen).

    WIRTSCHAFTLICH gesehen, weil es für Einige eher der Maßstab ist, ist alles, was man in das Bildungssystem steckt, deutlich besser und eine Zukunftsinvestition.
    Oder ist es unser gesellschaftliches Ziel, am Ende sagen zu können "Siehste, Aissatou, schade, dass deine Eltern vor 15 Jahren keine KI zum Übersetzen des Elternbriefs benutzt haben / dass deine Eltern keine eigene Dolmetschunterstützung hatten, tja, dann bleibst du jetzt im Harz IV / Bürgergeld / was auch immer - Bezug bis zum Rentenalter mit Minijobs daneben und vermutlich gilt dasselbe für deine Kinder" ?

    In der idealen Welt wäre alles so einfach.

    Wenn es zielgerichtete Investitionen sind, ja. Die öffentlichen Bildungsausgaben steigen kontinuierlich, die Ergebnisse in Leistungsstudien leider nicht.

    Wenn Aissatou und seine Eltern das richtige Mindset mitbringen, scheitert seine Bildungskarriere nicht am fehlenden Übersetzer. Umgekehrt kann man sich bei Eltern mit mangelndem Bildungsbewusstsein den Mund fusselig reden, egal in welcher Sprache, und das Kind landet mit gewisser Wahrscheinlichkeit trotzdem im Bürgergeld. Das ist einfach ein Punkt, an dem Ressourcen verschwendet werden. Jedem ist mehr geholfen, wenn man die Kohle bündelt und Aissatou einfach in verpflichtende Intensivsprachförderung steckt.

    Ich bin hier mal wieder der Geisterfahrer, aber ich würde mir als Steuerzahler wünschen, dass solche Dinge wie teuer finanzierte Sprachmittlungen einfach ersatzlos abgeschafft werden. Wer Interesse an seinen Kindern hat, schafft es, selbst jemandenzu organisieren, Schreiben in die Muttersprache übersetzen zu lassen (mit KI ja kein Hexenwerk mehr) usw. Wer das nicht schafft, ist meist auch nicht sonderlich interessiert und die Gespräche sowieso mäßig effektvoll. Eine Streichung dieser Farce-Gespräche, bei denen man oft ohnehin gegen eine (freundlich lächelnde und nickende) Wand redet, spart sowohl finanzielle als auch zeitliche Ressourcen.

    Gleiches bei Beratungen für jede Individualbefindlichkeit - ganz ernsthaft, das kann doch keiner finanzieren und auch irgendwie nicht der Anspruch sein. Es lief im Bildungssystem sehr lange Zeit deutlich besser, auch ohne Förder-, Diagnostik- und Beratungsschlacht. Möglicherweise liegen die Probleme ja ganz woanders, als an angeblich mangelhaften Angeboten und Strukturen.

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